Zeitliche Planung

Hinweise

Vorstellung der AG

Erstes Treffen

Zweites Treffen

Drittes Treffen

Viertes Treffen

Fünftes Treffen

Sechstes Treffen

Siebtes Treffen

Ausstellung

4 Planung, Durchführung und Reflexion der Unterrichtsreihe

4.1 Zeitliche Planung

Für die gesamte Unterrichtseinheit waren zunächst 5 Treffen à 90 Minuten geplant, die jeweils montags stattfanden. Dazu kamen noch zwei Ferientreffen à 2,5 Stunden und eine Ausstellung, zu der auch Eltern, Geschwister, Verwandte und andere Mitschüler geladen wurden.

15. Februar 2000

Vorstellung der AG, zu der sich die Kinder dann freiwillig melden können.

(in allen drei 4. Klassen der Schule)

25. Februar

Interview mit 8 ausgesuchten Kindern: Ermitteln der kindlichen Vorerfahrungen zum Thema Fotografie

28. Februar

Erste Unterrichtsstunde: Begrüßung und Klärung prinzipieller Regeln und der Vorgehensweise; Vorstellung der Werkstätten

(6. März)

Unterrichtsfrei

13. März

Zweite Unterrichtsstunde: Werkstattarbeit

20. März

Dritte Unterrichtsstunde; Werkstattarbeit; Geschichte zur Lochkamera wird vorgelesen; begehbare Lochkamera wird angeboten

27. März

Vierte Unterrichtsstunde: Werkstattarbeit; begehbare Lochkamera wird angeboten

3. April

Fünfte Unterrichtsstunde: Werkstattarbeit

17. April

Erster freiwilliger Ferientermin (mit 12 Kindern):

Werkstattarbeit

28. April

Zweiter freiwilliger Ferientermin (mit 5 Kindern): Vorbereiten der Ausstellung

12. Mai

Ausstellung

     

 

 

4.2 Hinweise zur Beschreibung der Sitzungen

Die konkrete Planung der einzelnen Sitzungen sowie ihre Durchführung und Reflexion sind im folgenden Kapitel beschrieben.

 

Die Sitzungen werden (mit Ausnahme der zweiten Feriensitzung, die zur Vorbereitung der Ausstellung diente) mit Hilfe der folgenden Gliederung skizziert, beschrieben und reflektiert:

Besondere Inhalte des Treffens: (Nur die) Inhalte und Lernchancen, die über die in Kapitel 3.2 genannten hinausgehen, werden hier beschrieben.
Verlaufsplan: Im Verlaufsplan wird die Sitzung skizziert. Die einzelnen Tabellenspalten geben Unterrichtsabschnitte der Sitzung wieder, zwischen denen die Arbeitsform (z.B. Gruppengespräch und Einzelarbeit) wechselt. Der Verlaufsplan enthält detaillierte Angaben über Lehreranweisungen, Arbeitsformen und den zeitlichen Ablauf. Lernziele sind dagegen im Verlaufsplan nicht enthalten, da diese bereits in Kapitel 3.2 ausgiebig erläutert wurden und die von den Kindern erbrachte Leistung weiter unten in der „Durchführung und Reflexion“ beschrieben wird. Angaben in rechteckigen Klammern [] geben die ungefähre Zeit an. Angaben in runden Klammern () geben den geplanten Lehrer-Vortrag bzw. die schriftliche Aufgabenstellung wieder.
Didaktisch-methodische Begründungen und Hinweise zum Sitzungsablauf: Der Verlaufsplan wird hier didaktisch-methodisch erläutert. Auch die im Unterricht eingesetzten Unterrichtsmedien und -geräte werden beschrieben.
Durchführung und Reflexion: Bericht über das Treffen angereichert mit Kommentaren und Beobachtungen.
Beobachtungen und Ideen für den weiteren Unterrichtsverlauf: Einige Unterrichtsinhalte können sich erst aus dem Unterricht selbst (aus den Gesprächen der Kinder) ergeben; in diesem Abschnitt ist Raum für solche Beobachtungen.

 

 

4.3 Vorstellung der AG

4.3.1 Inhalte der Vorstellung

Die Vorstellung der AG fand in den Klassenräumen der drei vierten Klassen statt und dauerte jeweils etwa 10 Minuten.

Ziel dieser Vorstellung war es, mich selbst und die Arbeit in der AG vorzustellen, zu der sich die Kinder dann melden konnten. Dadurch sollte eine positive Auslese stattfinden, damit nur am Thema interessierte Kinder teilnahmen. Um dies zu erreichen, zeigte ich den Kindern eine fertige Keksdosen-Kamera.

Die Kinder, die teilnehmen wollten, bekamen einen Elternbrief (vgl. Anhang 8.1). Darüber hinaus wurden sie aufgefordert, zum ersten Treffen eine beliebige Blechdose mitzubringen.

4.3.2 Didaktisch-methodische Hinweise

Es bestand die Möglichkeit, den Kindern fertige Lochkamerabilder zu zeigen, die ich zuvor selbst produziert hatte. Diese nutzte ich jedoch bewusst nicht; die Fotos besaßen bei weitem nicht die Qualität der Fotografien, die die Kinder allgemein von Zuhause aus kennen. Die Lochkamerafotos besitzen jedoch einen ganz anderen Anspruch, den die Kinder von ihrem Standpunkt aus nicht hätten einsehen können, da sie noch keine Erfahrung mit der Lochkamera-Arbeit gesammelt hatten.

Zudem wollte ich, dass die Kinder in der Lochkamera-AG ihre eigenen Qualitätsvorstellungen bezüglich ihrer Bilder entwickeln. Ich wollte ihnen keine Vorgabe machen. Die Kamera dagegen, die ich den Kindern zeigte, sollte sie zum Stutzen bringen („Fotos mit einer Blechdose – wie soll denn DAS gehen?“) und ihnen einen Eindruck vermitteln, was sie in der AG erwartet.

 

 

4.4 Erstes Treffen

4.4.1 Besondere Inhalte des Treffens

Vorstellung der an der Lochkamera AG beteiligten Lehrer.
Den Schülern werden fertige Kameras gezeigt. Sie sollen den prinzipiellen Aufbau einer Lochkamera nachvollziehen, damit sie aus den mitgebrachten Blechdosen eigene Kameras herstellen können.· Die Schüler sollen einen Überblick über die Werkstätten bekommen, um selbstständig und nach eigenem Ermessen die erforderliche Werkstatt aufsuchen zu können.
Den Schülern soll das Dunkelkammer-Diplom vorgestellt werden. Auch Prüfungen sollen schon stattfinden und Fotogramme sollen angefertigt werden.
Es soll evaluiert werden, welche groben Vorstellungen die Schüler mit einer Keksdose als Kamera verbinden („Wie könnte das funktionieren?“). Dazu sollen sie einen Bauplan für eine fertige Kamera erarbeiten.
Die Schüler sollen bereits mit dem Bau ihrer ersten Kamera beginnen, bzw. in die Dunkelkammerarbeit eingeführt werden.

4.4.2 Verlaufsplan

Zunächst soll eine gemeinsame Begrüßung im lehrerzentrierten Stuhlkreis stattfinden. Der Lehrer stellt die AG-Leiter vor und erinnert an AG-Regeln, die die Kinder bereits aus früheren Veranstaltungen kennen.

(„Eine AG ist eine freiwillige Sache und soll allen Freude bereiten. Wer sich nicht an die Regeln hält, kann leider nicht daran teilnehmen.“)

[ca. 5 Min.]

Der Lehrer teilt die Schüler (durch Abzählen) in fünf Gruppen à 4-5 Kindern ein. Er fordert die Gruppen auf, jeweils ein Kind zu bestimmen, das die Ergebnisse niederschreiben soll und verteilt an jede Gruppe eine fertig gebaute „Keksdosenkamera“. Er erläutert die Aufgaben, die er bereits an die Tafel geschrieben hat: [ca. 5 Min.]

1.       „Schreibt die einzelnen Arbeitsschritte auf, die man machen muss, um so eine Lochkamera herzustellen! Bitte schaut euch die Kamera genau an und erwähnt möglichst jedes Detail!“

2.       „Schreibt mal auf, was ihr glaubt, wie eine solche Kamera funktioniert! Ihr dürft auch zeichnen.“

Die Gruppen beginnen mit der Arbeit, für die sie 20 Minuten Zeit haben. Die AG-Leiter gehen von Gruppe zu Gruppe, um bei eventuell auftretenden Problemen, Streitigkeiten etc. zu helfen. [ca. 20 Min]
Alle Schüler treffen sich im Stuhlkreis und aus jeder Gruppe werden Kinder bestimmt, die die aufgeschriebenen Ergebnisse vortragen sollen.

(„Bitte lest mal eure Bauanleitung vor!“).

 [ca. 10 Min.]

Die einzelnen Teile der Kamera werden vom Lehrer noch einmal benannt und gezeigt. Er weist auf die drei Werkstätten hin und erklärt, wie die Schüler vorgehen sollen.

(„Wir haben drei Werkstätten eingerichtet, in denen ihr die Einzelteile der Kamera herstellen könnt. Das sind keine festen Gruppen. Ihr könnt hingehen, wo ihr wollt. Ihr könnt das vergleichen mit einem Einkauf in mehreren Geschäften. Wo ihr anfangt, ist egal; und wenn ihr irgendwo was eingekauft habt, geht ihr einfach weiter zum nächsten Geschäft, also zur nächsten Werkstatt. Zum Schluss, wenn ihr alles beisammen habt, stellt ihr alles zusammen und könnt fotografieren.“)

[ca. 3 Min.]

Die einzelnen Werkstattleiter stellen sich kurz vor und erklären etwas zu ihren Geräten. Der Lehrer der Gehäuse-Werkstatt demonstriert kurz den Gebrauch des Lochschneiders. Der Lehrer der Dunkelkammer berichtet den Schüler vom Dunkelkammer-Diplom und weist darauf hin, dass dieses Diplom auch schon ohne fertig gebaute Kamera zu erlangen ist.

(„In der Dunkelkammer gibt es vieles, was man vorher wissen muss, damit zum Beispiel niemand in die Chemikalien fasst oder so. Wenn ihr zum erstenmal in die Dunkelkammer kommt, dann müsst ihr eine Prüfung ablegen. Dann bekommt ihr das Dunkelkammer-Diplom und mit diesem Diplom dürft ihr selbstständig in der Dunkelkammer arbeiten.“)

Der Lehrer der Lochblenden-Werkstatt zeigt eine kleine Sammlung von Lochblenden und erläutert deren Herstellung. [ca. 10 Min.]

Der Lehrer weist die Kinder nochmals auf die Problematik der Werkstattarbeit hin.

(„Leider können nicht alle Kinder gleichzeitig an einer Werkstatt teilnehmen. Das ist auch gar nicht nötig, da ihr ja alle Werkstätten besucht haben müsst. Verteilt euch bitte möglichst gleichmäßig auf die Werkstätten!“)

Danach schickt er die Kinder in die Werkstätten. [ca. 2 Min.]

Die Werkstattarbeit soll etwa 40 Min. dauern. Die AG-Leiter sind in den Werkstätten anwesend und helfen bei Problemen oder Streitigkeiten.
Anschließend an die Werkstattarbeit findet ein gemeinsames Gespräch im Stuhlkreis statt. Die Schüler zeigen ihre Ergebnisse (Fotogramme, Lochblenden, Gehäuse) und werden vom Lehrer nach eventuell aufgetretenen Problemen gefragt (z.B. Überfüllung von Werkstätten, unverständliche Plakate etc.).
Der Lehrer beendet den Unterricht.

4.4.3 Didaktisch-methodische Begründungen und Hinweise zum Sitzungsablauf

Für die Gruppenarbeit sind vor dem Unterricht fünf Lochkameras vorbereitet worden, die alle denselben Aufbau haben:

Eine Keksdose wird innen schwarz gestrichen; mit dem Lochschneider wird in den Deckel ein großes Loch (2,5 cm) geschnitten, auf das mit Patafix eine Lochblende geklebt wird. Dort, wo normalerweise das Fotopapier klebt, wird ein bereits geschwärztes Fotopapier mit Patafix fixiert.

Indem die Kinder einen Bauplan entwerfen (die Form dieses Bauplans (grafisch, tabellarisch usw.) ist dabei nicht vorgegeben), vollziehen sie die Schritte zur Herstellung der Kamera nach, die sie später selbst bewältigen müssen.

Aus Zeitgründen findet nach der Gruppenarbeit nur eine mündliche Ergebnissicherung statt. Die Kinder sollen anhand der Kamera nur den groben Aufbau und die Wirkungsweise der Einzelteile herausfinden. Beides erschließt sich ihnen im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe durch das eigene Tun, so dass auf eine Fixierung der Lerninhalte durch ein Tafelbild an dieser Stelle verzichtet werden kann.

4.4.4 Durchführung und Reflexion

Die erste Sitzung fiel aufgrund einiger unvorhersehbarer Probleme recht chaotisch aus. Zu Beginn der Sitzung bemerkte ich, dass der ursprünglich vorgesehene Klassenraum belegt war. Der Raum, auf den wir ausweichen mussten, besaß leider nur eine große langgestreckte Tischreihe, um die sich sofort alle Schüler quetschten. Ein Sitzkreis, in dem sich alle gegenseitig hätten sehen können, wäre sicherlich sinnvoller gewesen.

 Die Aufteilung der Kinder in Kleingruppen gestaltete sich schwierig, weil sich durch die Sitzordnung unangemessen große, dafür aber umso fester zusammenhängende Cliquen gebildet hatten. Dies war sicherlich auch dadurch bedingt, dass die AG eine aus drei Klassen zusammengewürfelte Gruppe war. Auch in der Gruppenarbeit selbst zeigte sich dieses Problem deutlich: In einer Gruppe waren ausschließlich solche Kinder, die nur schwer zu einer Aufgabe und zur Arbeit finden (im Fachjargon "Rabauken" genannt); diese Gruppe brachte keine Ergebnisse zustande.

Die Vorstellung der Gruppenergebnisse dagegen verlief – bis auf diese eine Gruppe – zufriedenstellend. Die Kinder wählten recht unterschiedliche Darstellungsmethoden für die Baubeschreibung. Einige Kinder zeichneten (und das überraschend klar gegliedert und übersichtlich), während andere Kinder ganz auf eine Zeichnung verzichteten und einen Text schrieben. Einige Ergebnisse sind im Anhang dieser Arbeit enthalten (vgl. Anhang 8.4).

Bei der Vorstellung der Ergebnisse hatten die Kinder bereits sehr viele Fragen (z.B. „Machen wir auch Farbfotos?“), die ihre Ungeduld bezeugten. Stellenweise hatte ich das Gefühl, die Kinder mit meiner Einführung regelrecht aufzuhalten. Das Ziel vor Augen, eine eigene Kamera bauen zu können, lies sie quasi über Tische und Bänke gehen.

Bei der anschließenden Werkstattarbeit steuerten (zu) viele Kinder direkt die Dunkelkammer an, die auf sie einen magischen Reiz auszuüben schien. Leider musste ich einige Kinder wieder wegschicken, da nur zehn von ihnen in der Dunkelkammer zugelassen waren.

In den Werkstätten wurde sehr zügig gearbeitet. In der Lochblenden-Werkstatt waren die Kinder allerdings nicht – wie ursprünglich angenommen – davon zu überzeugen, sich eine Lochblenden-Sammlung anzulegen; vielmehr wollten sie möglichst bald eine Kamera besitzen und so waren sie nach der ersten selbst gemachten Lochblende auch gleich wieder aus der Lochblenden-Werkstatt verschwunden und auf dem Weg zur nächsten Werkstatt. Auch zum Kontrollieren und Ausmessen des Lochs mit Hilfe des Tageslichtprojektors waren sie nicht zu bewegen; dies ging ihnen einfach zu langsam und ergab für sie keinen Sinn. Erst später - ab der vierten Sitzung - begriffen die Kinder, welchen Sinn diese Arbeit machte.

Zwar lagen ihnen zur Demonstration fertige Blenden aus, doch sicherten sie sich ständig beim Werkstatt-Leiter ab, ob das Loch auch „gut genug geschliffen“ sei oder ob es „groß genug“ sei usw.

Das Dunkelkammer-Diplom wurde während des ersten Treffens von 11 Kindern gemacht (einige Ergebnisse finden sich im Anhang – vgl. 8.6.1). Die Schüler waren sehr daran interessiert, ob sie durchfallen könnten oder nicht. Das Diplom hatte starken Prüfungscharakter für sie. Während des Ausfüllens der Fragebögen konnte ich an den Kommentaren der Kinder bemerken, dass sie die Plakate vor der Dunkelkammer aufmerksam durchgelesen hatten.

Ein Junge machte in der Dunkelkammer eine interessante Entdeckung. Die roten und weißen Wäscheklammern (die benötigt wurden, um Bilder zu trocknen) erschienen ihm im roten, schummrigen Dunkelkammerlicht allesamt gelb. Diese Entdeckung machten nach ihm in den folgenden Sitzungen noch viele andere Kinder. Die Kinder sammelten auf diese Weise wertvolle Vorerfahrungen zur Optik.

Da durch den unvorhergesehenen Raumwechsel sehr viel Zeit verloren gegangen war, konnte das gemeinsame Abschlusstreffen im Kreis nicht mehr stattfinden. Einige Schüler mussten pünktlich ihren Bus erreichen und so brachen wir die Stunde in den Werkstätten ohne Reflexionsrunde ab. Die Sitzung endete daher ebenso chaotisch, wie sie begonnen hatte. Gleichwohl haben die Kinder in dieser ersten Sitzung sehr viel geleistet: Dunkelkammer-Diplom, Kamera-Gehäuse, Lochblenden und sogar bereits erste Fotogramme.

Insgesamt gesehen waren die Kinder sehr bei der Sache und teilten mir mit, dass sie sich schon auf die nächste Sitzung freuten. Kinder, denen die AG keine Freude zu bereiten schien, bemerkte ich in dieser ersten Sitzung nicht.

4.4.5 Beobachtungen und Ideen für den weiteren Verlauf

Eine wichtige Erfahrung aus der ersten Sitzung ist sicherlich, dass die zeitliche Planung unbedingt eingehalten werden muss. Der Abschlussreflexion im Kreis ist eine hohe Bedeutung beizumessen, da in diesem Gespräch unter anderem auch evaluiert werden kann, was die Kinder an Eindrücken und Wissen mitgenommen haben und welche Fragen sie bewegen. Mit Rücksicht auf die Busschüler, die pünktlich die AG verlassen müssen, ist es also einzurichten, dass die Werkstätten pünktlich ihre Arbeit beenden, um noch das Aufräumen und das Treffen im Kreis zu ermöglichen.

 

 

4.5 Zweites Treffen

4.5.1 Besondere Inhalte des Treffens

Einführung des „Erzählkreises“ (vgl. Kapitel 4.5.3)
Die Reflexion der letzten Stunde soll zu Beginn nachgeholt werden.
Die Kinder sollen über die Möglichkeit informiert werden, mit den Lochkamerabildern eine Ausstellung zu gestalten.

4.5.2 Verlaufsplan

Die Begrüßung erfolgt zunächst im Stuhlkreis. Die Schüler werden auf die fehlende Reflexion der letzten Stunde hingewiesen, die nun nachgeholt werden soll. Dabei sollen die Schüler von ihrer Arbeit in den Werkstätten berichten und Gegenstände vorzeigen, die dabei entstanden sind.

(„Leider hatten wir in der letzten Stunde keine Zeit mehr, uns in der Gruppe zu treffen, um Fragen zu beantworten und unsere Ergebnisse vorzuzeigen. Weil wir der Meinung sind, dass das ganz wichtig ist, möchten wir das jetzt noch nachholen.

Ich habe hier einen Erzählkreis gebastelt. Auf dem Kreis stehen folgende Fragen:“, Lehrer liest die Fragen vor, „Ich lege ihn jetzt mal in die Mitte und dann bekommt jeder von euch eine Klammer, die er an die Frage heften kann, zu der er Stellung nehmen möchte. OK?“)

Anschließend nimmt der Lehrer den Erzählkreis und befragt zu den entsprechenden Themenbereichen die Schüler, die ihre Klammer auf die Frage gesteckt haben.

[ca. 20 Min.]

Danach werden die Kinder aufgefordert, ihre Arbeit in den Werkstätten wieder aufzunehmen, und daran erinnert, dass 20 Minuten vor Schluss ein gemeinsames Treffen im Kreis stattfinden soll.
Die Schüler arbeiten in Einzelarbeit in den Werkstätten. Sie stellen ihr Gehäuse bzw. die Lochblenden her, legen die Dunkelkammer-Prüfung ab oder stellen Fotogramme in der Dunkelkammer her.

[ca. 50 Min.]

Zum Abschluss der Sitzung sollen die Schüler ihre Ergebnisse im Stuhlkreis vorstellen. Der Lehrer informiert die Kinder über die geplante Ausstellung der Fotos.

Der Erzählkreis findet auch hier wieder seine Anwendung.

[ca. 20 Min.]

Der Lehrer beendet die Sitzung. Es erfolgt eventuell noch ein Gespräch mit einzelnen Schülern, die Fragen oder Ideen haben.

 

4.5.3 Didaktisch-methodische Begründungen und Hinweise zum Sitzungsablauf

Der „Erzählkreis“, der in der Reflexion benutzt werden soll, ist eine laminierte, runde Pappe mit drei Feldern, in denen Fragen stehen:

Was habe ich in der Werkstatt hergestellt?
Welche Schwierigkeiten hatte ich bei meinem Vorhaben? Habe ich sie lösen können?
Wie haben sich andere verhalten? Bekam ich Hilfe oder haben mich andere gestört?

scheibe.gif (13963 Byte)Klicken Sie auf die Grafik, um sie zu vergrößern!

Die Kinder haben vor der Besprechung Gelegenheit eine Wäscheklamme mit ihrem Namen an eine Frage zu klemmen.

Der Erzählkreis dient der Gliederung und Strukturierung des Erlebten. Er soll die Erzählungen der Kinder pointieren (indem er den Kindern Themen-Fragen vorgibt) und zeitlich kürzen (indem er die Kinder auf eine Frage beschränkt), damit jedes Kind zu seinem Recht kommen kann. Das Ziel der Reflexion ist nicht, dass alle Kinder ‚drankommen’ und etwas sagen dürfen – dies kann in der kurzen Zeit (20 Minuten – 22 Kinder) gar nicht geleistet werden und würde auch keinen Sinn ergeben, da nicht unbedingt alle Kinder etwas zu erzählen haben, andere für ihre Darstellung und Diskussion länger brauchen.

4.5.4 Durchführung und Reflexion

Im Gegensatz zur ersten verlief die zweite Sitzung zeitlich in etwa laut Plan, auch wenn deutlich wurde, dass sich der Stundenverlauf nicht in Minuten einteilen lässt. Vielmehr müssen bei der Planung im Zeitverlauf Freiräume eingefügt werden, die Verspätungen aufnehmen. So begann die Werkstattarbeit nicht wie geplant nach 20 Minuten, sondern erst zehn Minuten später.

Der in Kapitel 4.5.3 erwähnte „Gesprächskreis“ lies sich recht problemlos als Ritual in das Stuhlkreisgespräch einfügen. Die Kinder kannten diese Arbeitshilfe bereits von anderen Lehrerinnen der Schule und so waren sie recht schnell mit ihm vertraut. Die Schüler sprachen durchaus Probleme an, die sie bei ihrer Arbeit gehabt hatten (z.B. Probleme mit dem Lochschneider (fehlende Kraft, das Werkstück festzuhalten), Probleme, dass das Loch im Blechdeckel zu zentrieren usw.). Sie erzählten darüber hinaus auch, dass sie Hilfe von Mitschülern bekommen hätten (z.B. beim Lochstechen).

In der anschließenden Werkstattarbeit zeigte sich, dass die Kinder die Plakate und schriftlichen Arbeitsanweisungen nicht sehr genau nahmen und die Arbeiten nach eigenem Rezept durchführten. So wurde beispielsweise in der Lochblendenwerkstatt die Reihenfolge der Arbeitsschritte kaum eingehalten. Die Kinder drückten keine Delle in das Blech um diese dann auszustanzen; stattdessen versuchten sie sogleich das Blech mit der Nadel zu durchbohren. Den dabei entstandenen Grat schmirgelten nur wenige Kinder ab. Trotzdem ließen wir die Kinder diese Arbeiten auf ihre Weise erledigen. Die fotografischen Ergebnisse wurden durch die Fehler nur gering beeinflusst. Einige Kinder merkten einige Sitzungen später, wie sie die Fotos nach und nach verbessern konnten – indem sie neue Lochblenden herstellten und dabei genauer arbeiteten.

In der Dunkelkammer fertigten die Kinder erste Fotogramme mit Wattestäbchen, Streichhölzern und Schlüsseln an. Ein Kind brachte auch Kiefernnadeln mit in die Dunkelkammer und gestaltete damit ein Fotogramm (siehe Kapitel 2.5).

In der Abschlussreflexion wurden die ersten Fotogramme in die Mitte des Kreises gelegt und die Kinder hatten Gelegenheit, sich alles anzuschauen. Viele Kinder staunten über die Ergebnisse ihrer Mitschüler und schienen sich auf die nächste Woche zu freuen; alle Kinder nahmen sich vor, in der nächsten Woche die Dunkelkammer zu besuchen.

Auf die Ankündigung der Ausstellung reagierten die Kinder mit Vorfreude. Es zeigte sich in den späteren Sitzungen, dass es richtig war, die Idee von der Ausstellung in die Köpfe der Kinder zu ‚pflanzen’. So wurde ihrer Arbeit ein weiteres Ziel hinzugefügt.

Insgesamt waren die meisten Kinder in dieser Stunde begeistert bei der Sache und ich hatte beim Beenden der Sitzung das (gute) Gefühl, dass sich alle Kinder auf die nächste Stunde freuten.

4.5.5 Beobachtungen und Ideen für den weiteren Verlauf

Viele Kinder fragten mich nach den ersten Fotogrammen, wie denn nun das Fotopapier mit der Lochkamera zusammen funktionieren würde. Offensichtlich ist die Vorstellung, dass durch das Loch die Abbildung auf das Papier projiziert wird, kaum vorstellbar für Kinder. In der Lochblendenwerkstatt fragte ein Kind: „Kann man damit auch einen Weihnachtsbaum fotografieren?“ Und ungläubig fuhr es fort: „Aber der passt ja gar nicht durch das Loch!“

Es schien meines Erachtens nach notwendig, den Kindern nicht nur den Fotografier-Prozess mit der Lochkamera vorzuführen; vielmehr empfand ich es als notwendig, ihnen darüber hinaus Angebote zu geben, an denen sie Beobachtungen machen konnten, wie die Lochkamera funktioniert. Daher planten wir den Einsatz der begehbaren Lochkamera für die nächste Stunde.

Die Expertenrolle einiger Schüler, die ihr Dunkelkammer-Diplom bereits in der ersten Sitzung gemacht hatten, erleichterte die Arbeit in der Dunkelkammer erheblich. Die Experten halfen anderen Kindern bei der Arbeit und entlasteten mich in der unübersichtlichen Kammer.

Es wurde langsam deutlich, dass 22 Schüler zu viel für die kleine Dunkelkammer waren und dass sich vor der Dunkelkammer immer mehr Staus bildeten, in denen jedoch so manch bereichernde Unterhaltung stattfand. Ein Kind zeigte mir im Raum vor der Dunkelkammer z.B. ganz stolz, dass es das Fotopapier in zwei Hälften geschnitten habe – eine für ihre Kamera (die hatte sie gerade belichtet) und die andere, so sagte es mir, ‚könne man ja noch gebrauchen’. Sprachs und zog das zweite Stück aus der Tasche...

 

 

4.6 Drittes Treffen

4.6.1 Besondere Inhalte des Treffens

Möglichst alle Kinder, die noch nicht in der Dunkelkammer gearbeitet haben, sollen in dieser Stunde das Dunkelkammer-Diplom ablegen und Erfahrungen mit Fotogrammen sammeln.
Die Kinder, die ihre Kameras fertig gestellt haben, sollen auch schon erste Fotografier-Versuche durchführen (dies betrifft etwa 5-10 Kinder).
Die begehbare Lochkamera soll den Kindern vorgestellt werden und als freies Angebot auf dem Schulhof verbleiben.
Im Anfangskreis wird die Geschichte „Johann und die Lochkamera“ vorgelesen, die den Kindern als Einführung zur begehbaren Lochkamera dient. Die Geschichte findet sich im Anhang 8.7.
Um die Fotos zu ordnen soll ein Fotoalbum angelegt und zu jedem Bild ein Fotoprotokoll geschrieben werden.

4.6.2 Verlaufsplan

Der Lehrer begrüßt die Kinder im Stuhlkreis. Zunächst klärt er organisatorische Fragen, die die Kinder haben (z.B. sammelt er das Geld für die AG ein). Anschließend informiert er die Schüler über das „Foto-Album“:

(„Ich hatte euch in der letzten Stunde schon erzählt, dass wir die Fotos und Fotogramme, die in dieser AG entstehen, ausstellen wollen. Wie das genau aussieht, das wissen wir jetzt noch nicht so ganz; das müssen wir dann in den nächsten zwei Wochen klären. Wichtig ist aber, dass wir unsere Bilder schon einmal sammeln und – damit wir später bei der Ausstellung auch zu den Bildern etwas berichten können – dass wir uns zu den Bildern Notizen machen. Sammeln möchte ich die Fotos in diesem Album. Jeder von euch bekommt so eine Klarsichtfolie, in die ihr die Bilder reinstecken könnt. Das Album wird für jeden zugänglich immer hier in der Mitte unseres Kreises liegen. Vorne im Album liegen Formulare, die ihr ausfüllen und zu den Bildern stecken sollt. Die Bilder selbst dürfen wir leider nicht beschreiben, da man sonst keine Kopien mehr machen kann.)

[ca. 10 Min.]

Anschließend liest der Lehrer den Kindern die Geschichte „Johann und die Lochkamera“ vor. Die Kinder können sich nach der Geschichte spontan äußern. Der Lehrer weist anschließend darauf hin, dass eine solche begehbare Lochkamera, wie sie in der Geschichte vorkommt, auf dem Schulhof als Angebot zu finden ist. Danach schickt er die Kinder in die Werkstätten.

[ca. 15 Min.]

Die Schüler arbeiten in Einzelarbeit in den Werkstätten. Sie stellen ihr Gehäuse bzw. die Lochblenden her, legen die Dunkelkammer-Prüfung ab oder stellen Fotogramme in der Dunkelkammer her. Auch die begehbare Lochkamera steht den Kindern auf dem Pausenhof zur Verfügung.

[ca. 45 Min.]

Anschließend an die Werkstattarbeit findet wieder ein gemeinsames Gespräch im Stuhlkreis statt, bei dem der Erzählkreis auch Anwendung findet. Die Schüler zeigen ihre Ergebnisse (Fotogramme, Lochblenden, Gehäuse), werden vom Lehrer nach eventuell aufgetretenen Problemen gefragt (z.B. Überfüllung von Werkstätten, Unverständliche Plakate etc.) und berichten auch von der begehbaren Lochkamera.
Der Lehrer beendet den Unterricht. Schüler, die noch Fragen haben, haben nun Gelegenheit, diese zu stellen.

 

4.6.3 Didaktisch-methodische Begründungen und Hinweise zum Sitzungablauf

Die Geschichte „Johann und die Dunkelkammer“ bildet zum einen den Einstieg in die Stunde; zum anderen führt sie die begehbare Lochkamera ein. Die Geschichte soll den Kindern verdeutlichen, dass das Lochkamera-Prinzip auf beliebige Größenordnungen übertragbar ist. Wissenschaftliches Lernen setzt gerade solche Transferleistung voraus. Die Geschichte bettet die Lochkamera in eine Alltagssituation aus, die die Kinder in der Natur wiederentdecken können.

Unterstützt wird dieser Transfer durch die begehbare Lochkamera, die die Kinder als freies Angebot während der Werkstattzeit erwartet. Die begehbare Lochkamera entmystifiziert das, was in der ‚Blackbox’ passiert, indem sie den Beobachter von außen nach innen holt. Der Beobachter wird Teil der Kamera und kann direkten Einfluss auf das Bild nehmen, indem er die Lichtstrahlen auf eine Mattscheibe (Butterbrotpapier) oder sich selbst treffen lässt und durch Bewegung der Mattscheibe (oder sich selbst) das Bild verzerrt oder seine Größe ändert. Auf der Frontseite befinden sich verschiedene Löcher unterschiedlicher Größe und Form, die ein Helfer außen auf Wunsch abwechselnd öffnen kann. Das Entdecken ergibt sich bei dieser Kamera von selbst durch die Experimentierfreude der Kinder. Nur wenige Hilfen und Erklärungen sind nötig, um ein umfassendes Bild des Lochkamera-Phänomens zu bekommen. Indem der Beobachter in der Lochkamera den Helfer außen bittet, verschiedene Löcher zu öffnen, ergeben sich automatisch Gespräche, in denen das Gesehene verarbeitet und beschrieben wird („Jetzt sehe ich...“). In der Kommunikation liegt das Verstehen. Die begehbare Kamera unterstützt einen selbstgesteuerten Lernprozess. Sie gibt den Kindern die Chance, hinter das Geheimnis der Lochkamera zu blicken.

4.6.4 Durchführung und Reflexion

Die Stunde begann im Begrüßungskreis. Nach Klärung organisatorischer Fragen (z.B. AG-Geld einsammeln) erzählte einer der Lehrer die Geschichte von „Johann und der Lochkamera“. Die Kinder hörten dieser Geschichte aufmerksam zu. Als die Geschichte endete, äußerte ein Junge spontan seinen Lösungsvorschlag: Die Schutzhütte, die in der Geschichte vorkam, sei eine große Lochkamera und das Bild würde durch ein Loch auf der Vorderseite der Hütte entstehen. Andere Kinder stimmten dieser Ansicht zu und so konnte die Situation genutzt werden, um den Schülern von der begehbaren Lochkamera zu erzählen, die sie als freies Angebot erwartete. Dann wurden die Kinder in die Werkstätten entlassen.

Dass die Kinder sehr schnell hinter das Geheimnis der Geschichte kamen, liegt zweifelsfrei daran, dass sie sich in einer AG mit dem Thema Lochkamera befanden und wussten, dass die Geschichte selbstverständlich etwas damit zu tun hatte. Interessant wäre es nun, die Geschichte in einem anderen Rahmen Kindern zugänglich zu machen. Die Frage ist, ob Kinder auch dann so schnell eine Lösung zu der recht offenen Geschichte haben. Die schnelle Lösung des Jungen zeigte auf jeden Fall, dass dieser Junge begriffen hat, dass ein Loch eine Abbildung erzeugen kann.

Die Werkstattarbeit konzentrierte sich in dieser Sitzung hauptsächlich auf die Dunkelkammer und die begehbare Lochkamera. Die beiden anderen Werkstätten (Lochblende und Gehäuse) wurden kaum noch besucht, da die Schüler nun alle über Kameras verfügten.

Die Schüler nutzten die freie Arbeitszeit, um in der Dunkelkammer ihre Kameras zu laden und auf dem Schulhof Fotos zu machen. Dabei wählten sie als Motiv zunächst fast immer sich selbst. Die Motivation, ein Bild von sich selbst zu machen, war außerordentlich hoch in der Anfangszeit. Die Kinder bemerkten dabei, dass es gar nicht so einfach war, die Zeit zu messen und sich gleichzeitig nicht zu bewegen. Zur Zeitmessung wurde die Schuluhr benutzt, die außen am Gebäude hing und für alle gut sichtbar war. Dabei unterlief vielen Kindern hin und wieder der Fehler, sich um eine ganze Minute zu vertun, da sie statt der Freiräume die Striche unter dem sich bewegenden Minutenzeiger zählten.

Viele Kinder fixierten die Kamera anfangs nicht und hielten sie einfach in der Hand. In der Dunkelkammer konnte ich solche Aktionen dann recht gut am Ergebnis ablesen – und ermahnte die Kinder dazu, die Kamera ordentlich zu befestigen. Die Ermahnung kam leider nicht an – die Kinder stellten die (runden) Kameras dann einfach auf den Boden, wo sie dann vom Wind weggerollt wurden. Gehindert habe ich sie an diesen Aktionen dann nicht mehr – die mehrfachbelichteten Ergebnisse waren dafür viel zu interessant (vgl. Kapitel 2.5).

In der begehbaren Lochkamera ergaben sich interessante Gespräche. Die Kinder waren sich fast stets einig: „Die größte Öffnung gibt das beste Bild!“. Sicher trifft diese Aussage den Sachverhalt nicht richtig, da kleinere Löcher die schärferen Bilder erzeugen (vgl. Kapitel 2.2.4.1), doch die Kinder wählten die helleren Bilder als die besseren aus, weil sie bei ihnen auch Farben besser erkennen konnten, die bei kleineren Löchern nur noch als Graustufen zu identifizieren waren.

Während der Stunde fielen mir ein bis zwei Kinder auf, die ihre Lochkamera zwar gebastelt, aber nicht wiedergefunden zu haben schienen (bzw. zu Hause vergessen hatten). Diese Kinder beschäftigten sich während der Werkstatt mit allem Möglichen (Fahrrad fahren, andere Kinder beim Fotografieren stören usw.), machten jedoch selbst keine Fotos. Auf meine Frage hin, weshalb sie dazu keine Lust hätten, wurde mir geantwortet, ihre bisherigen Fotos wären nichts geworden. Leider gelang es mir in der folgenden Zeit der AG nicht mehr, diese Kinder zu motivieren. Dies lag weniger an der Lochkamera als an der Tatsache, dass diese Kinder offensichtlich nicht in der Lage waren, in Einzelarbeit ohne Lehrerkontakt mit Frustrationen umzugehen.

Für alle übrigen Kinder stellten Misserfolge offensichtlich kein größeres Problem dar. Viele stellten bei Misserfolg zwar regelmäßig in den letzten 20 Minuten entmutigt die Werkstattarbeit ein und machten Pause, kehrten dann jedoch in der nächsten Stunde motiviert an die Lochkamera zurück.

Der Abschlusskreis erfolgte wie geplant. Viele Ergebnisse wurden vorgestellt. Die Kinder berichteten von dem Problem der verwackelten Bilder und meinten, dass man die Kamera „irgendwie fest machen“ müsse.

Die Kamera war beim Fotografieren oftmals auch Streitobjekt; einige Kinder machten sich einen Spaß daraus, die Kameras anderer Schüler wegzurollen. Auch davon berichteten die Kinder im Kreis, bis die Busschüler zu ihrem Bus mussten und der Kreis offiziell beendet wurde.

Auffällig war in dieser und den darauf folgenden Sitzungen, dass die Kinder sich fast ausschließlich zu sozialen Themen äußerten („Andere haben mir geholfen, andere haben mich gestört“, vgl. Kapitel 4.5.3). Dies belegt meines Erachtens, wie sehr die Schüler ihre gesamte Persönlichkeit und ihre sozialen Probleme in den Unterricht mit einbringen und wie sehr Unterricht darauf reagieren muss.

 

 

4.7 Viertes Treffen

4.7.1 Besondere Inhalte des Treffens

Die begehbare Lochkamera wird weiterhin angeboten, da noch nicht alle Kinder sie ausprobieren konnten.

4.7.2 Verlaufsplan

Der Lehrer begrüßt die Kinder im Anfangskreis, klärt organisatorische Dinge, vergewissert sich, dass alle Kinder eine Kamera dabei haben und arbeitsfähig sind.

Anschließend entlässt er sie in die Werkstattarbeit.

[ca. 10-15 Min.]

Werkstattarbeit: Die Kinder stellen mit ihren Lochkameras Fotos her.

[ca. 55 Min.]

Im Abschlusskreis wird mit Hilfe des Erzählkreises die Werkstattarbeit reflektiert. Die Schüler zeigen ihre Ergebnisse vor und sprechen über Verbesserungen, Misserfolge usw.

[ca. 20 Min.]

Der Lehrer beendet den Unterricht und steht den Schülern noch für kurze Gespräche zur Verfügung.

4.7.3 Didaktisch-methodische Begründungen und Hinweise zum Sitzungsablauf

Die Schüler sollen in dieser und der nächsten Stunde Erfahrungen im Umgang mit der Lochkamera sammeln. Um dem Umgang mit der Kamera selbst möglichst viel Zeit einzuräumen wird der Anfangskreis zeitlich gekürzt.

4.7.4 Durchführung und Reflexion

Zu Beginn der Stunde versammelten sich alle Kinder und Lehrer wie gewohnt im Begrüßungskreis. Da die Kinder keine weiteren Fragen zum Ablauf der Sitzung hatten, entließ ich sie direkt in die Werkstätten. Zwei Kindern, die ihre Kamera zu Hause liegen gelassen hatten, stellte ich zwei Ersatzkameras zur Verfügung.

Die Werkstattarbeit konzentrierte sich nun ausschließlich auf die Dunkelkammer; alle Kinder hatten ihre Kameras fertig gestellt und fotografierten. Vor der Dunkelkammer gab es immer wieder längere Wartezeiten, in der es zu Gesprächen kam. Manchmal wurde über besonders interessante Bildmotive gesprochen, meistens jedoch über Erfolg und Misserfolg. Stets waren es Gespräche über die Lochkamera; die Schüler verbalisierten das, was sie erlebt oder herausgefunden hatten. Der Dunkelkammer-Vorraum entwickelte sich zum Präsentationsraum, in dem man immer Zuschauer für seine gerade fertiggestellten Ergebnisse fand.

Wie in der Woche zuvor gab es Kinder, die ihre Lust verloren hatten, Bilder herzustellen. Ein Kind fragte, ob es gehen dürfe. Da eine AG eine freiwillige Sache ist, stimmten wir zu.

Im Abschlusskreis gab ich die Hausaufgabe auf, sich Gedanken über die Ausstellung zu machen und Ideen zu sammeln, was man für eine Ausstellung alles vorbereiten könnte. Ich erwähnte, dass die Bilder alle beschriftet sein müssten, wenn sie ausgestellt sind, und gab als Hausaufgabe auf, zu jedem Foto jeweils ein Foto-Protokoll auszufüllen (vgl. Kapitel 2.5).

Ein Kind fragte, ob man die Fotos kopieren könne; so kamen wir ins Gespräch über die Kontaktkopie und über Negative. Den meisten war bereits aufgefallen, dass bei den Fotos die Grautöne umgekehrt waren. Nun fragten sie, ob und wie man das ändern könnte. Ich erklärte ihnen, wie man eine Kontaktkopie erstellt und bot an, dass sie in der nächsten Woche diese Technik ausprobieren könnten. Anschließend verabschiedete ich die Kinder.

 

 

4.8 Fünftes Treffen

4.8.1 Besondere Inhalte des Treffens

Die Anfertigung von Kontaktkopien wird in der Dunkelkammer demonstriert, damit die Kinder diese Arbeit später auch eigenständig durchführen können.

4.8.2 Verlaufsplan

Der Lehrer begrüßt die Kinder im Anfangskreis, klärt organisatorische Dinge, vergewissert sich, dass alle eine Kamera dabei haben und arbeitsfähig sind.

Anschließend entlässt er die Kinder in die Werkstattarbeit.

[ca. 10-15 Min.]

Werkstattarbeit: Die Kinder stellen mit ihren Lochkameras Fotos her. In der Dunkelkammer fertigen sie auch Kontaktkopien an. Als freies Angebot ist die begehbare Lochkamera weiter vorhanden.

[ca. 55 Min.]

Im Abschlusskreis wird mit Hilfe des Erzählkreises die Sitzung reflektiert. Die Kinder zeigen ihre Ergebnisse vor und sprechen über Verbesserungen, Misserfolge usw.

[ca. 20 Min.]

Der Lehrer beendet den Unterricht und steht noch für kurze Gespräche zur Verfügung.

4.8.3 Didaktisch-methodische Begründungen und Hinweise zum Sitzungsablauf

Die begehbare Lochkamera ist inzwischen von allen Kindern ausgetestet worden. Sie verbleibt dennoch als freies Angebot auf dem Schulhof, um weiterführende, vertiefende und wiederholende Erkenntnisse zu ermöglichen (dem zugrunde liegt der Gedanke der Präfigurationstheorie, vgl. Kapitel 3.3.3).

Da es nicht möglich ist, in der engen Dunkelkammer jedem einzelnen Kind zu zeigen, wie man eine Kontaktkopie anfertigt, gehe ich nach dem ‚Schneeballsystem’ vor: Ich zeige es zunächst einigen ausgewählten Kindern, die wiederum ihr Wissen in der Rolle eines Experten an andere Kinder weitergeben können. Diese Technik hat bei der Fotogramm-Technik gut funktioniert.

4.8.4 Durchführung und Reflexion

Am Anfang der Sitzung trafen sich alle Kinder wie gewohnt im Begrüßungskreis. Viele fragten gespannt nach den Kontaktkopien und „ob wir die heute durchnehmen“ würden. Ich vergewisserte mich, dass alle Kinder ihre Lochkamera dabei hatten und eröffnete dann die Werkstattarbeit.

Während der Werkstattarbeit bestückten die Kinder ihre Lochkamera mit Fotopapier und machten Fotos. Einigen Kindern demonstrierte ich die Herstellung von Kontaktkopien. Als die ersten Positive fertig waren, zeigte sich, dass es für die Kinder nicht immer leicht war, die Negative von den Positiven zu unterscheiden. Das ‚Schneeballsystem’ funktionierte recht gut, allerdings gab es Probleme in der Dunkelkammer, die ich bei der Planung nicht vorausgesehen hatte: Um eine Kontaktkopie herzustellen muss innerhalb der Dunkelkammer Licht eingeschaltet werden. Bei einer Gruppe von 10 Kindern war es jedoch in der Dunkelkammer nur schwer möglich, einen Moment abzuwarten, in dem gerade niemand seine Kamera lud oder Fotopapier entwickelte. So kam es häufiger dazu, dass das Licht eingeschaltet wurde, obwohl unfixiertes Papier offen lag. Solche Situationen führten verständlicherweise zu Streit unter den Schülern.

Ein Schüler umging dieses Problem sehr galant, indem er mit dem Kopier-Papier und dem Negativ für wenige Sekunden vor die Tür der Dunkelkammer trat. Dies führte leider nicht oft zum Erfolg, zeigte mir jedoch, dass der Junge die technischen Prinzipien der Fotopapier-Belichtung vollends begriffen hatte. Er war gedanklich nicht auf die Deckenleuchte fixiert, die ich während der Demonstration benutzt hatte, sondern konnte verallgemeinern: Zum Belichten eines Fotopapiers ist nicht die Leuchte in der Dunkelkammer wichtig, sondern Licht allgemein; dies war eine Erkenntnis, die nicht alle Schüler der AG erlangt hatten.

Im Abschlusskreis beschwerten sich die Kinder über das Licht-Problem in der Dunkelkammer; über Mitschüler, die das Licht – ohne vorheriges Fragen – eingeschaltet hatten.

Auf meine Nachfrage, was man an der Situation ändern könne, wurden recht viele Vorschläge gemacht: z.B. „Rausgehen, um zu belichten“ oder „die Kontaktkopie in der Schleuse durchführen

Schließlich einigten wir uns darauf, die Kontaktkopien nicht mehr in der Dunkelkammer, sondern in der Schleuse durchzuführen, die für die Zeit der Belichtung geschlossen werden konnte.

Da viele Kinder ihre Fotos, die sie zu Hause Eltern und Geschwistern zeigen wollten – nicht wieder zurückgebracht hatten, erinnerte ich sie an die Ausstellung, für die wir die Fotos benötigten. Einige Kinder hatten in unserem Foto-Album nicht ein einziges Foto abgelegt, so dass ich nur wenig Überblick über die erbrachten Ergebnisse hatte.

Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, dass die Kinder ihre Leistung zu Hause präsentieren wollten und konnten. Nach und nach wurde jedoch deutlich, dass viele die Fotos einfach zu Hause vergaßen. Im Hinblick auf die Ausstellung, zu der Eltern und Geschwister ohnehin eingeladen werden sollten, wäre es also sinnvoller gewesen, die Fotos generell in der Schule zu belassen.

Einige Kinder hatten die Foto-Protokolle nicht ausgefüllt, andere benutzten sie, um Erklärungsansätze für misslungene oder geglückte Bilder aufzuschreiben. So schrieb ein Kind: „Wenn man zu lange belichtet, dann werden die Bilder pechschwarz“ (vgl. Kapitel 2.5), und nannte das Bild ironischerweise „Kinder in der Dunkelheit“. So stellten die Kinder auch unangeleitete, einfache Gesetzmäßigkeiten und Hypothesen auf, mit deren Hilfe sie besser fotografieren konnten. Allerdings wurden die Foto-Protokolle nur von wenigen Kindern (die gerne schrieben) benutzt, so dass ich als Hausaufgabe stellte, die Fotos mitzubringen und zu jedem Bild ein Foto-Protokoll zu schreiben.

Anschließend beendete ich die Sitzung.

 

 

4.9 Sechstes Treffen (Erster freiwilliger Ferientermin)

4.9.1 Besondere Inhalte des Treffens

Die Kinder sollen – zusätzlich zu der Arbeit in den Werkstätten – ihre Foto-Protokolle vervollständigen.

4.9.2 Verlaufsplan

Der Lehrer begrüßt die Kinder im Anfangskreis, klärt organisatorische Dinge, vergewissert sich, dass jeder eine Kamera dabei hat und arbeitsfähig ist.

Anschließend entlässt er die Kinder in die Werkstattarbeit.

[ca. 10-15 Min.]

Werkstattarbeit: Die Kinder stellen mit ihren Lochkameras Fotos her.

[ca. 55 Min.]

Im Abschlusskreis wird mit Hilfe des Erzählkreises die Sitzung reflektiert. Die Schüler zeigen ihre Ergebnisse vor und sprechen darüber.

[ca. 20 Min.]

Der Lehrer beendet den Unterricht und steht den Schülern noch für kurze Gespräche zur Verfügung.

4.9.3 Durchführung und Reflexion

Zu dieser Sitzung erschienen 14 der 22 Kinder – eine hohe Zahl, wenn man die Umstände (Ferien, Urlaubszeit) bedenkt.

Die Sitzung begann wie üblich im Begrüßungskreis. Ich wies die Kinder darauf hin, dass möglichst jedes Foto mit einem Fotoprotokoll versehen werden sollte, um die Ausstellung besser vorbereiten zu können. Anschließend entließ ich sie in die Werkstätten.

Die Lochblenden- und Gehäuse-Werkstatt spielten in dieser Sitzung kaum noch eine Rolle, da alle teilnehmenden Kinder eine fertige Kamera mit mehreren Lochblenden besaßen. Daher konzentrierte sich die Arbeit auf die Dunkelkammer, in der die Kinder ihre Kameras luden und ihre Bilder entwickelten.

Im Gegensatz zu allen anderen Treffen war der Himmel an diesem Tag stark bewölkt, so dass die Belichtungszeiten der Fotos erheblich verlängert werden mussten. Die Kinder waren gezwungen einige Versuche zu unternehmen, um die Belichtungszeiten an die Sonneneinstrahlung anzupassen – viele der Bilder misslangen zunächst, bis die Kinder das richtige Ergebnis erreichten. Durch diese misslungenen Versuche wurde ihnen recht deutlich, wie sehr das Fotografieren mit der Lochkamera von der Sonneneinstrahlung abhängig ist.

Die Abzüge wurden – wie in der Sitzung zuvor abgesprochen (vgl. Kapitel 4.8.4) – in der Schleuse der Dunkelkammer erzeugt. Dieses Verfahren funktionierte reibungslos, da in der Schleuse das Licht eingeschaltet werden konnte, ohne andere Kinder beim Laden ihrer Kameras und beim Entwickeln zu stören.

Etwa eine halbe Stunde vor Ende der Werkstattzeit war das gesamte Fotopapier verbraucht – unsere (aus Kostengründen) festgelegte Grenze von 400 Fotopapieren war damit erreicht.

Aus diesem Grund wurde der Abschlusskreis vorverlegt und nahm den Rest der Stunde ein. Die Kinder breiteten ihre Ergebnisse auf einem großen Tisch aus und im Gespräch wurde noch einmal deutlich, wie sehr die Himmelsbewölkung zur Verlängerung der Belichtungszeit beigetragen hatte. Die Kinder füllten nun ihre Foto-Protokolle aus. Anschließend beendete ich die Stunde.

 

 

4.10 Siebtes Treffen (Zweiter freiwilliger Ferientermin)

4.10.1 Besondere Inhalte des Treffens

In drei Arbeitsgruppen, die von jeweils einem Lehrer geleitet werden, sollen Vorbereitungen für die Ausstellung getroffen werden:
Die erste Arbeitsgruppe stellt große Plakate her, auf denen die Kinder überlegt und sorgsam die in der AG hergestellten Fotos kleben sollen. Alle Fotos werden mit einer Beschriftung versehen. Die Foto-Protokolle dienen dazu als Vorlage und werden auf dem Computer abgetippt und sauber ausgedruckt.
In der zweiten Gruppe wird eine Begrüßungsrede erstellt, mit der die Besucher der Ausstellung empfangen und in die Ausstellung eingeführt werden.
In der dritten Gruppe werden Geschichten zu den Bildern geschrieben. Die Kinder können sich Bilder aussuchen, zu denen sie etwas schreiben möchten. Auch Gedichte oder Sachtexte sind möglich.

4.10.2 Verlaufsplan

Der Lehrer begrüßt die Kinder im Anfangskreis. Er erklärt, dass diese Sitzung zur Vorbereitung der Ausstellung dient und erläutert die Aufgaben der einzelnen Arbeitsgruppen (vgl. Kapitel 4.10.1).

[etwa 20 Min.]

Die Kinder versammeln sich in den Gruppen und erledigen dort die genannten Aufgaben. Gelegenheit für Rückfragen besteht beim jeweiligen Arbeitsgruppenlehrer.

[etwa 50 Min.]

Beim Abschlusskreis werden die Ergebnisse (bzw. Teile davon) gezeigt und besprochen.

[20 Min.]

Der Lehrer beendet die Sitzung.

4.10.3 Durchführung und Reflexion

Zu diesem Termin erschienen leider nur 5 Kinder. Viele hatten ihr Erscheinen zugesagt, doch dabei nicht bedacht, dass sie mit ihren Eltern in Urlaub fuhren. Daher mussten wir kurzfristig unsere Planung überdenken und konzentrierten uns auf die wichtigste Vorbereitung zur Ausstellung – der Herstellung der Plakatwände. Die zuvor geplanten Geschichten, Gedichte und eine Begrüßungsrede kamen aus diesem Grunde nicht mehr zustande.

Anhand eines vorgefertigten Beispiels zeigte ich den Kindern, wie man ein Foto-Plakat gestalten könnte. Ich hatte 4 Fotos auf ein 90*90cm großes Stück braunes Packpapier geklebt und jedes Foto mit dem entsprechenden ausgedruckten Foto-Protokoll versehen. Den Kindern gefiel die ordentliche Anordnung ihrer Bilder. Ich erklärte ihnen, dass man die Fotos auch mit weißem DIN A5 Papier hinterlegen könne, um den Fotos einen weiteren optischen Anreiz zu verschaffen. Diesen Vorschlag nahmen sie auf, entschlossen sich jedoch dazu, nur dunkle Bilder weiß zu hinterlegen, um den Kontrast bei den hellen Bildern aufrecht zu erhalten.

Nach dieser kurzen Besprechung machten sich alle an die Arbeit. Da drei Computer zur Verfügung standen, erledigten die Kinder das Abtippen der Foto-Protokolle recht zügig. Das Zuschneiden der Plakate und Aufkleben der Fotos war eine zusätzliche handwerkliche Arbeit, die ihnen am Anfang Mühe bereitete, zum Schluss jedoch leicht von der Hand ging. Die sichtbaren Ergebnisse motivierten die Kinder sehr stark.

Sie arbeiteten bis zum Ende der Stunde. Nach dem Aufräumen beendete ich die Sitzung.

 

 

4.11 Ausstellung

4.11.1 Ziele und Inhalte der Ausstellung

Ein wesentliches Ziel der Ausstellung ist es, die Produkte der Kinder gebührend zu honorieren. Sie sollen spüren, dass ihre Arbeit eine Leistung darstellt und ernst genommen wird.

Daneben verfolgt die Ausstellung jedoch noch ein weiteres Ziel: Sie soll eine Verbindung schaffen zwischen Familie und Schule – zwischen schulischem und außerschulischem Lernen. Die Einladung der Eltern, Geschwister und Freunde in die Ausstellung ist der Versuch, die Arbeit mit der Lochkamera nicht mit der AG enden zu lassen, sondern sie möglicherweise im Bereich der Familie als Hobby zu etablieren.

Dies halte ich nicht für eine Utopie. Eine Mutter sprach mich in den Sitzungen zuvor an, ob man nicht auch daheim eine Dunkelkammer einrichten könne. Eine wesentliche Aufgabe der Ausstellung ist es also, diesen Prozess zu unterstützen. Die Ausstellung soll allen Beteiligten Freude an der Arbeit mit der Lochkamera vermitteln. Sie soll die Eltern über Gefahren der verwendeten Chemikalien aufklären, soll ihnen aber zugleich auch zeigen, wie kompetent ihre Kinder mit dieser Gefahr umzugehen wissen.

Gelingt es, das Interesse der ganzen Familie für die Lochkamerafotografie anzuregen, wird dies dem Kind sicherlich viele wertvolle über die Schule hinausgehende Lernsituationen ermöglichen.

In diesem Sinne stellt die Ausstellung sicherlich den Höhepunkt der Veranstaltungsreihe dar. Die Einladungen für die Ausstellung finden sich im Anhang 8.3.

4.11.2 Stationen der Ausstellung

Die Ausstellung gliedert sich in einen passiven Bereich, in dem die Ergebnisse der AG-Teilnehmer ausgestellt sind und einen aktiven Bereich, in dem die Ausstellungsbesucher selbst tätig werden und die Lochkamerafotografie ‚begreifen’ können. Beide Räume sind voneinander getrennt, um dem Ausstellungsraum die notwendige Atmosphäre zu verleihen.

Im passiven Bereich treffen sich zunächst alle Besucher und werden begrüßt. Im Raum sind Stellwände aufgebaut, an denen die Foto-Plakate hängen, die die Kinder in der Woche zuvor gestaltet haben. Die (Blechdosen-)Kameras der Kinder liegen auf einem Tisch.

Im aktiven Bereich können sich die Besucher selbst eine Kamera aus einem Filmdöschen herstellen. Diese Kamera ist einfach zu bauen; die Belichtungszeiten für diesen Kameratyp sind recht kurz, so dass auch Anfänger schnell zu guten Ergebnissen kommen können (bei gutem Wetter etwa 10 Sekunden). Die Entwicklung findet in der Dunkelkammer statt, in der es fertig vorgeschnittenes Fotopapier gibt. Hilfe erhalten die Besucher von den Kindern der Lochkamera-AG, die nun in der Rolle des erfahrenen Experten agieren.

Die begehbare Lochkamera ergänzt als freies Angebot den aktiven Bereich, um die Besucher mit den Eigenheiten der Lochkamera vertraut zu machen (vgl. Kapitel 4.6.3).

4.11.3 Durchführung und Reflexion

An der Ausstellung nahmen etwa 30 Personen teil. Die Elternbeteiligung war recht hoch. Mir fiel auf, dass viele Kinder ihre Alltagskleidung abgelegt und sich (bewusst oder unbewusst) schick gekleidet hatten. Dies gab der Ausstellung ein festliches Äußeres und trug zu einer angemessenen Stimmung bei. Die meisten Besucher verweilten lange Zeit bei den fotografischen Ergebnissen der AG, begutachteten die Fotos und zeigten sich beim Blick auf die Kameras erstaunt, dass man „mit solch einfachen Mitteln Fotos herstellen kann" (Aussage eines Erwachsenen während der Ausstellung).

Die Bilder übten auf die Eltern einen professionellen Eindruck aus und ein typischer Ausspruch war der Satz: „Das hätte ich den Kindern ja gar nicht zugetraut.“

Die Kinder begleiteten die Beobachtungen ihrer Eltern und Geschwister und erzählten oft etwas zu ihren Bildern. Sie zogen die Eltern zu ganz bestimmten Bildern („Das hab ich gemacht!“) und waren sehr stolz auf ihre Ergebnisse.

Viele Eltern berichteten während der Ausstellung von der Begeisterung und Faszination ihrer Kinder, wenn sie über die Lochkamera-AG erzählten.

Der Aufforderung, sich selbst eine Kamera herzustellen, kamen alle Besucher und AG-Teilnehmer nach. Die Kinder waren besonders interessiert an der Arbeit, da sie das Fotodöschen-Kameramodell noch nicht kannten. Während der Ausstellung konnte sich noch einmal ihr Interesse entfalten und sie hatten die Möglichkeit, neue Eigenschaften der Kamera kennen zu lernen (z.B. extrem kurze Belichtungszeit und extrem kleine Bilder).

Die Resonanz der Eltern war sehr erfreulich. Vielen musste ich genau erklären, wie die Lochkamera funktioniert, wo man die passenden Chemikalien kaufen kann, wie man einen Raum zur Dunkelkammer umrüstet usw. Meine Hoffnung, die Eltern für die Arbeit mit der Lochkamera zu begeistern, wurde vollends erfüllt. Es gab Mütter, die sich von ihren Kindern Positiv-Abzüge anfertigen ließen, um noch einmal den Unterschied zwischen Positiv und Negativ zu sehen. Eine Mutter meinte: „Also das Thema könnte mich ja sogar noch aktivieren!“

Die Ausstellung war ein großer Erfolg und trug dazu bei, die teilnehmenden Eltern emotional an die Schule ihrer Kinder zu binden.

 

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