|
Es ist schon länger dunkel, als am späten Abend des 26. Juli 1942 um ca. 22:45 Uhr mehrere Flugzeuge vom Flugplatz Grimsby/Waltham im Nordwesten Englands starten. Unter ihnen auch eine Wellington IV der 142 Squadron mit der Kennung Z1319, QT-W. An Bord der Maschine befinden sich: S /L C.L. Olsson Sie fliegen gemeinsam mit insgesamt 403 Maschinen - von verschiedenen Flugplätzen startend - in Richtung Hamburg. Es wird ein Großangriff, der auf beiden Seiten schwere Verluste fordert. Schon der Anflug gestaltet sich nicht einfach, da die Maschinen durch eine Mischung aus Wolken und Schnee behindert werden. Nur 304 Flugzeugen gelingt es, Hamburg zu erreichen und ihre tödliche Last abzuwerfen. Im einzelnen sind 181 Wellington, 77 Lancaster, 73 Halifax, 39 Stirling und 33 Hampden bei diesem Angriff im Einsatz. Gegen 0:43 Uhr erreichen die ersten Bomber Hamburg. Die Sicht im Zielgebiet ist - im Gegensatz zum Anflug - sehr gut. Der Angriff dauert bis ca. 2:07 Uhr. In dieser Zeit fallen ungefähr 724 t Bomben auf die Hansestadt, insgesamt 31 Minenbomben, 588 Sprengbomben, ca. 68.000 Stabbrandbomben und 1.600 Phosphorbrandbomben. Die Schäden in Hamburg sind verheerend. Mehr als 800 Häuser werden zerstört und über 5.000 beschädigt. Die Bevölkerung hat 337 Tote und ca. 1.000 Verletzte zu beklagen. 14.000 Menschen haben kein Dach mehr über dem Kopf. Am Himmel über Hamburg tobt während des Angriffs ein erbitterter Kampf der Nachtjagd und der am Boden stationierten Flak-Geschütze gegen den Bomberverband. Durch die Nachtjäger und Flak verliert die RAF in dieser Nacht 29 Flugzeuge, im einzelnen: 15 Wellington, 8 Halifax, 2 Hampden, 2 Lancaster und 2 Sterling. Das entspricht einer Verlustrate von 7,2 Prozent - ein herber Schlag für die britische Luftwaffe. Unter den abgeschossenen Flugzeugen befindet sich auch die oben genannte Wellington. Sie stürzt am 27.7.1942 um ca. 1:15 Uhr ca. 40 km nordwestlich von Hamburg in Horst (Holstein) ab und wird durch den Aufprall und Brand völlig zerstört. |
||||
|
|
||||
|
Drei Besatzungsmitgliedern gelingt es, die Wellington vor dem Aufprall zu verlassen und sich durch Fallschirmsprung zu retten. Alle werden noch in der gleichen Nacht verhaftet. Squadron Leader C.L. Olsson wird ca. 8 km vor der Absturzstelle in Elmshorn verhaftet. F/O J.A. Goring und Sgt. A.H. Collison landen auf Horster Gebiet und werden ebenfalls in Gewahrsam genommen. P/O W.S. Findlay und F/S W.A. Penney schaffen es nicht und verlieren in dieser Nacht ihr junges Leben. Am nächsten Tag rückt das Bergekommando des Fliegerhorstes Uetersen an, um das Flugzeug zu untersuchen und den Abtransport vorzubereiten. Die oben gezeigten Bilder von der Absturzstelle stammen aus diesem Bericht. |
||||
|
|
||||
|
Da der Bericht des Bergekommandos selber nur in einer schlecht leserlichen Qualität vorliegt, habe ich mir erlaubt, diesen Bericht auf den folgenden Seiten noch einmal leserlich abzuschreiben. |
||||
William Scott Findlay wird nur 29 Jahre und William Alfred Penny 26 Jahre alt. Beide werden am 30.7.1942 mit militärischen Ehren in Uetersen beigesetzt. |
||||
|
||||
|
||||
|
Nach dem Krieg werden die beiden exhumiert und auf den englischen Soldatenfriedhof in Hamburg Ohlsdorf umgebettet.
Die Absturzstelle ist heute mit Häusern überbaut und nichts deutet mehr darauf hin, dass hier einmal ein großer englischer Bomber sein tragisches Ende gefunden hat. Die Bewohner der umliegenden Häuser haben damals unheimlich viel Glück gehabt, dass ihre Behausungen nicht zerstört bzw. beschädigt wurden. Wenn man sich diese kleine Stelle heute betrachtet, kann man fast schon von einem Wunder sprechen, dass das große Flugzeug genau in dieses "Loch" gefallen ist. |
Danksagung: An erster Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Frank Quast aus Seestermühe bedanken, der mir die Bilder und die Berichte zur Verfügung gestellt hat. Denn nur solche Bilder und Dokumente machen es uns möglich, einen realistischen Eindruck der damaligen Geschehnisse zu bekommen. Weiterhin danke ich Markus Schmidt für seine Recherchen und den beiden unermüdlichen Helfern Peter Schiller und Olaf Weddern, die mir alle immer mit Rat und Tat geholfen haben. Daten der Angriffe und zu den Personen habe ich teilweise dem Internet entnommen: Wenn Sie weitere Informationen zu diesem Absturz haben oder Ihnen noch andere Abstürze in oder um Horst herum bekannt sind, schreiben Sie mir bitte: Michael Tesch |