Eine sehr gerne gestellte Frage lautet: "Wie kann ich diesen Rechner
schneller machen?" Gemeint ist damit in der Regel das
Übertakten von Prozessor und/oder der Grafikkarte. Nun, das geht
bei diesem Rechner schon innerhalb gewisser Grenzen. Wie das geht, und
wo die Grenzen liegen, das erfahren Sie hier.
Grundvoraussetzung für irgendwelche Tuningmaßnahmen ist
selbstverständlich ein sauber konfiguriertes System. Jeglicher
Eingriff in die Betriebsparameter der Hardware ist sinnlos, wenn das
Grundsystem nicht absolut stabil läuft. Denn, was bringt Ihnen ein
geringer Leistungsgewinn, wenn dieser durch Neustarts als Folge von
Abstürzen wieder zunichte gemacht wird.
Tuning fängt also beim Betriebssystem und den Anwendungen an:
Der VIA-Chipsatz des MD2000 (und auch des MD2001) unterstützt prinzipiell das sogenannte "Memory Interleaving", bei dem die Speichermodule schneller angesprochen werden können. Besonders vorteilhaft wirkt sich dies bei zwei installierten Speichermodulen aus. Leider ist (zumindest beim MD2000) diese Funktion nicht aktiviert und auch nicht über das BIOS einstellbar.
Einen Ausweg aus dieser Situation bietet der "VIA Memory Interleave Enabler" von George E. Breese. Dieses Tool wird als Treiber(für Windows 9x, ME, NT, 2000 und XP) eingebunden und aktiviert 4-way Interleaving. Wie die Messungen mit SiSoft Sandra zeigen, kann damit der Speicherdurchsatz um 35-45% gesteigert werden:
| ohne Interleave Enabler: | mit Interleave Enabler: |
|
![]() |
Weiterführende Dokumente:
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Da alle Intel-CPUs über einen festen Multiplikator (interner Takt = Bustakt x Multiplikator) verfügen, bleibt nur die Erhöhung des Bustaktes als Möglichkeit, den CPU-Takt zu erhöhen. Dabei werden auch alle internen Schnittstellen, von AGP über PCI und Speicher bis hin zu den IDE-Schnittstellen mit höheren Frequenzen angesteuert. Manche Komponenten stecken dies klaglos weg, manche nicht.
Insbesondere das Speicherinterface kann hier an seine Grenzen geraten, was Abstürze zur Folge haben kann. Die werksseitig verbauten Speichermodule sind für einen Takt von 143 MHz spezifiziert und geben hier das Limit vor. Wer zusätzlichen Arbeitsspeicher installiert hat, muß damit rechnen, daß die zusätzlichen Module nicht mit der höheren Taktfrequenz zurechtkommen, so daß im BIOS-Setup konservativere Einstellungen vorgenommen werden müssen, was die Übertaktungsaktion praktisch aufhebt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Datensicherheit: Da die IDE-Schnittstellen ebenfalls jenseits der Spezifikation betrieben werden, sind Datenverluste nicht ausgeschlossen.
Das MD2000-Mainboard verfügt über keinerlei Jumper, mit denen man die Taktfrequenz einstellen kann. Auch im BIOS-Setup findet man keine Einstellmöglichkeiten. Demnach bleibt nur die Möglichkeit, die Taktfrequenz per Software zu verändern. Gut geeignet hierfür ist SoftFSB von H.Oda (www.h-oda.com).
SoftFSB programmiert den auf dem Mainboard verbauten Taktgenerator für die laufende Windows-Sitzung um. Der Cypress W-211 Taktgenerator des MD2000 wird mit Hilfe einer externen Parameterdatei unterstützt.
Nachteilig für Übertaktungsmaßnahmen ist bei der MD2000-Hauptplatine das Fehlen jeglicher Hardware-Überwachungsfunktion. Damit ist keinerlei Kontrolle über den Systemzustand (CPU-Temperatur, Lüfterdrehzahl usw.) möglich. Aus diesem Grund sollten Sie den Rechner nur dann übertakten, wenn diese Leistung wirklich gebraucht wird.
Getestet habe ich das System mit einem Systemtakt von 145 MHz, woraus sich eine CPU-Frequenz von 735 MHz ergibt. Die Steigerung des CPU-Taktes um runde 10% liefert mit einem reinen Prozessor-Benchmark in der Tat um etwa 10% bessere Werte, wie erwartet.
Wichtiger ist jedoch die Gesamtleistung, die man beispielsweise für Spiele und dergleichen steigern will. Mißt man mit einem typischen 3-D-Spiele-Benchmark wie dem 3-D-Mark 2000 von Mad Onion nach, so ergibt sich bei einer Steigerung der CPU-Leistung um 10% gerade einmal eine Steigerung der Gesamtleistung von lediglich 3%, und das lohnt sich eigentlich nicht. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, daß mit dem richtigen Grafikkartentreiber höhere Leistungssteigerungen (bis zu 10%) erzielbar sind, und das ohne Übertakten.
Für Anwendungen wie Office oder Internet ist ein
Übertakten der CPU sowieso sinnlos, da diese Applikationen meist
auf Benutzereingaben warten oder durch die Übertragungsraten des
Modems (oder der ISDN-Karte) limitiert werden. Das gilt in gleicher
Weise auch für die Grafikkarte, die durch diese Anwendungen in
keinster Weise gefordert ist.
Weiterführendes Material:
Interessanter für Spieler ist die Möglichkeit, die
Grafikkarte zu übertakten. Die Nvidia-Treiber bieten die
Möglichkeit, die Taktfrequenzen des Chips und des Speichers
einzustellen, wobei diese Funktion meist durch einen entsprechenden
Registry-Eintrag aktiviert werden muß. Leistungssteigerungen um
etwa 10% sind hier möglich.
Die Grenzen der Übertaktung sind daran zu erkennen, daß Grafikfehler oder gar Abstürze auftreten. In diesem Falle sollte man den Rechner neu starten und etwas moderatere Einstellungen wählen. Grundsätzlich abzuraten ist von der Option des Treibers, die gewählten Einstellungen beim Start anzuwenden, es sei denn, man hat die Grafikkarte "untertaktet", was bei normalen Anwendungen nicht auffällt.
Bei allen Tuningmaßnahmen ist zu berücksichtigen,
daß der TNT2-Pro-Chip bereits ab Werk mit höheren
Taktfrequenzen betrieben wird, so daß der verfügbare
Spielraum relativ gering ist.
Mehr:
Den Angaben der Werbung zufolge sollen Grafikkarte und Mainboard den
AGP 4x-Modus unterstützen, mit dem die Datenübertragungsrate
der AGP-Schnittstelle 266 MHz betragen soll. Analysetools zeigen meist,
daß trotz entsprechender Einstellungen im BIOS die Schnittstelle
"nur" mit AGP 2x läuft.
Zum Trost kann hier erwähnt werden, daß ich bei meinen
Messungen damals keinen signifikanten Leistungsgewinn zwischen AGP 2x
und AGP 4x feststellen konnte. Die Unterschiede lagen in der
Größenordnung der Meßgenauigkeit des verwendeten
Benchmarks.
Ursache für dieses Verhalten scheinen Probleme im Zusammenspiel des auf dem Mainboard verbauten VIA 694x-Chipsatzes mit NVidia-Grafikkarten zu sein:
Bei älteren Chipsatztreibern (Versionen bis
einschließlich 4in1 4.29) bestand zwar die Möglichkeit, AGP
4x bei der Installation einzustellen ("Turbo Mode"), diese Einstellung
wurde jedoch von den NVidia-Grafiktreibern deaktiviert. Zur
Wiederherstellung des AGP 4x-Modus kann jedoch ein entsprechender
Registry-Eintrag gesetzt werden.
Die Wirksamkeit von Tuningmaßnahmen sollte man anhand von
Leistungstests nachweisen, um zu beurteilen, ob die erzielten Ergebnisse
das Risiko von Hardwareschäden bei Übertaktungsmaßnahmen
Wert sind.
Die nachstehenden Werte wurden mit dem 3D-Mark 2000 von MadOnion in
folgender Testkonfiguration gemessen:
| Prozessor CPU/FSB |
Grafikkarte Chip/Speicher |
3D-Marks Punkte |
Bemerkungen |
| 667/133 MHz | 143/166 MHz | 3.130 | Originalzustand |
| 667/133 MHz | 165/190 MHz | 3.390 | nur Grafikkarte übertaktet |
| 735/145 MHz | 143/166 MHz | 3.250 | nur CPU übertaktet |
| 735/145 MHz | 165/190 MHz | 3.600 | CPU und Grafikkarte übertaktet |
Zum Vergleich die Werte, die ich mit einer Geforce 2 MX-Karte, die
später nachgerüstet wurde, erzielt habe:
| Prozessor CPU/FSB |
Grafikkarte Chip/Speicher |
3D-Marks Punkte |
Bemerkungen |
| 667/133 MHz | 175/166 MHz | 4.510 | Originalzustand |
| 735/145 MHz | 175/166 MHz | 4.660 | nur CPU übertaktet |
Diese Ergebnisse zeigen eines sehr deutlich:
Durch Übertakten von CPU und/oder Grafikkarte lassen sich nur
unwesentliche Leistungssteigerungen erzielen, es sei denn, man
übertaktet beide Komponenten bis zum Anschlag. Eventuell kann man
durch andere Treiber noch das eine oder andere Quäntchen Leistung
herauskitzeln, aber es ist zu erwarten, daß sich diese
Maßnahmen in der Praxis kaum bemerkbar machen dürften.
Ferner zeigt sich, daß die Leistung der Grafikkarte wesentlich
mehr zur "Spieleleistung" beiträgt als der Prozessor. Daher sollten
Aufrüstwillige bevorzugt die Grafikkarte durch ein schnelleres
Modell ersetzen. Ein schnellerer Prozessor dürfte nicht die
Erwartungen erfüllen, die eine höhere Taktfrequenz weckt, es
sei denn, im Zusammenspiel mit einer angemessen dimensionierten
Grafikkarte.