3. Ergebnisse :Die Auswertungen der Beobachtungen werden nun folgendermaßen durchgeführt. Zunächst einmal werden das Auftreten der einzelnen Verhaltensweisen separat für jeden Gorilla aus den Protokollen ausgezählt und in Tabellen eingetragen. 3.1. Ergebnisse der Koprophagiebeobachtungen im:3.1.1. Außengehege:Im Bereich der Koprophagie ergaben die Auszählungen, dass Fritz, Lena und Hakuna Matata im Außengehege bei diesem Verhalten nicht gesehen wurden (vgl. Protokolle, Anhang XV, A), Bianka jedoch an vier der fünf herangezogenen Tage (7.8.2003, 12.8.2003, 18.8.2003, 26.8.2003, 27.8.2003) jeweils einmal ihren Kot fraß. TABELLE3.1.2. Innengehege:Bei den Innenbeobachtungen (vgl. Anhang XV, B) sind der 27.8.2003 und der 28.8.2003 zwar in die Tabelle mit einbezogen, man muss diese beiden Tage jedoch einklammern, da hier jeweils nur eine halbe bis dreiviertel Stunde beobachtet worden ist und zu Beginn jeweils die Fütterung stattfand. Außerdem schneidet sich der 27.8.2003 mit den Außenbeobachtungen, denn, wie bereits erwähnt, wurde an jenem Tag der Kot von Bianka im Außengehege gefressen. An den anderen vier Innenbeobachtungstagen konnte Fritz erneut nicht bei der Koprophagie beobachtet werden, Bianka jedoch täglich. So fraß sie am 30.8.2003, 27.10.2003 und 29.20.2003 ihren Kot jeweils einmal, am 28.10.2003 wurde dies sogar zweimal beobachtet, wobei die hierbei den Kot aufgeteilt hatte und zu verschiedenen Zeiten zu sich nahm. Am 27.10.2003 konnte auch Hakuna Matata ein Mal bei der Koprophagie beobachtet werden, ebenso zeigte Lena am 29.10.2003 (vgl. Anhang XV, B) Ansätze, die in der Tabelle mit dem Wert 0,5 gekennzeichnet sind. TABELLE3.1.3. VergleichIn der Gesamtwertung erhält man nun das Ergebnis, dass das Fressen des eigenen Kotes im Außengehege insgesamt viermal in fünf ausgezählten Tagen vorkam, im Innengehege sechseinhalb mal in sechs ausgezählten Tagen, wobei hier ja zwei der angegebenen Daten zu vernachlässigen sind. Folglich trat im Innengehege die Koprophagie innerhalb von vier Tagen sechseinhalb Mal auf. Nimmt man nun die Durchschnittswerte aller ausgezählten Innen- und Außenbeobachtungen, 0,8/Tag und ~ 1,62/Tag, so sieht man, dass die Koprophagie im Innengehege scheinbar zweimal so häufig wie im Außengehege auftritt. DIAGRAMM3.2. Ergebnisse der Aggressionsbeobachtungen:Bei den Aggressionen verläuft das Auszählen auf ähnliche Weise, jedoch muss man hier die Beobachtungszeiten mit ins Kalkül ziehen. Die Innenbeobachtungen konnten nur an insgesamt sechs Tagen durchgeführt werden. Die Außenbeobahtungszeit hingegen verlief sich auf ca. fünf Wochen. Aus diesem Grund wurden nur fünf zufällige Daten aus dieser Beobachtungsphase herangezogen und man erhält nun in etwa das Doppelte an Beobachtungszeit wie im Innengehege. Trotz dem wurde bei der Auswertung die Werte nicht halbiert, sondern in den Stunden hochgerechnet, um genauere Ergebnisse zu erzielen. Dies erklärt die umständlichen Kommazahlen in der unten angegebenen Tabelle. Natürlich kann ein Gorilla nicht beispielsweise 0,25 Aggressionen an einem Tag zeigen, wie bei Bianka, Lena und Hakuna Matata am 7.8.2003 in der Tabelle angegeben. Jedoch nimmt man den Wert mal vier (Beobachtungsstunden, s. Protokolle) , so erhält man eine (1) aggressiv gewertete Handlung , die in einem Zeitraum von vier Stunden beobachtet wurde. 3.2.1. Im Außengehege:Da Aggressionen nun aber differenzierter auftreten als das eindeutige und immer gleich ablaufende Verhalten bei der Koprophagie, muss man nun das Heranziehen bzw. Auslassen der einzelnen Aktionen erklären: In den Protokollen (s. Anhang XVI, A) ist für jeden Gorilla, gemäß den Farben in den noch folgenden Diagrammen, die jeweils gewertete Aktion gekennzeichnet. Als aggressive Handlung wurden gewertet: Schnelles Losrennen / auf Artgenossen zu (vgl. 7.8.2003, Lena, 12.20 Uhr) Werfen von Gegenständen (vgl. 7.8.2003, Bianka, 12.10 Uhr) Schnelle Handbewegungen in Richtung von Artgenossen (vgl. 7.8.2003, Hakuna, 12.30) Brusttrommeln (vgl. 12.8.2003, Hakuna, zwischen 9.00 und 10.00 Uhr) Lautäußerungen, wenn diese in einen Zusammenhang gebracht werden konnte. (vgl. 12.8.2003, Fritz kurz nach 10.00 Uhr) Abwehrreaktionen, wenn diese nicht als reines Blocken sondern als Gegenreaktion zu verstehen waren.(vgl. 12.8.2003, Bianka - Hakuna, zwischen 10.04 und 10.17 Uhr) Schlagen von Artgenossen (vgl. 27.8.2003, Lena - Hakuna, 8.55) Schlagen von Artgenossen mit Gegenständen [vgl. 27.8. Hakuna - Lena, 9.30 Uhr) Schlagen gegen Gegenstände (vgl. 27.8., Hakuna, 9.39) Bewegungen, die anscheinend zum Abbau innerer Spannungen dienen. [vgl. 27.8. Hakuna, 9.33) Weiterhin ist anzugeben, dass mehrere Aktionen, welche gleichzeitig auftraten nur als eine Aktion gewertet wurden, da sie als Ausbruch einer einzigen Aggression gesehen wurden (Beispiel: Bianka rennt los und schmeißt mit Stein; vgl. 7.8.2003, 12.10 Uhr) Die ausgezählten, einzelnen Aktionen wurden nun in der Zeit hochgerechnet und ergeben die unten angegebene Tabelle. Zu den Stundendurchschnittswerten wird hier noch ein Gesamt-tages-durchnittswert angegeben, der den späteren Gesamtvergleich vereinfacht. TABELLEIn der Tabelle fallen zwei Extremwerte sofort ins Auge. So sind am 18.8.2003 keinerlei Aggressive Handlungen trotz einer Beobachtungszeit von 92 Minuten dokumentiert. Die angegebene Zeit muss jedoch im endgültigen Vergleich der Außen- und Innen- Gesamtwerte mit einbezogen werden, da dies andernfalls das Ergebnis verfälschen würde. Am 27.8.2003 ist der Wert von 14,62 Aktionen pro Stunde vergleichsweise zu den anderen Werten, die sich im Bereich zwischen 1,5 und 3,4 Aktionen pro Tag bewegen extrem hoch, was jedoch später in der Deutung der Diagramme erklärt wird. 3.2.2. Im InnengehegeBei den Innenbeobachtungen (s. Anhang XVI, B) wurden folgende Aktionen als aggressive Handlungen gewertet: s. Aufführung unter 3.2.1 Beißen in Gegenstände (vgl.27.8.2003 Hakuna, 7.59 Uhr) Gegenseitiges „Scheuchen“ in die verschiedenen Räume (vgl. 27.8.2003, Hakuna - Bianka, 8.14 Uhr) Wegnehmen von Gegenständen (Wettbewerb um Ressourcen; vgl. 27.10.2003, Lena, 9.16 Uhr) Zerstören von Gegenständen (vgl.27.10.2003, Lena, 10.35 Uhr) Überrennen von Artgenossen (vgl. 28.10.2003, Bianka - Hakuna, 8.44 Uhr) Sexuelle Handlungen, da diese als agressionsmindernd gelten (vgl. 28.10.2003, Bianka - Hakuna, 8.47 Uhr) Auch hier wurden mehrere Handlungen, die in einer Abfolge auftraten als eine Aktion gewertet (vgl. 3.2.1.). Die Tabelle der Innenbeobachtungen kommt auf die gleiche Weise zu Stande wie die der Außenbeobachtungen: TABELLEAuch hier kommen zwei Extremwerte zu Stande. So ist der Gesamtwert am 27.8.2003 auffallend hoch (23,38) und am 30.8.2003 im Vergleich zu den anderen Angaben, die sich zwischen 9,91 (27.10.2003) und 12,38 (28.10.2003) Aktionen pro Tag bewegen, sehr niedrig. Auch dies wird später in den Deutungen noch einmal erklärt. 3.3.3. Im Vergleich:Vergleicht man nun die Auswertungsergebnisse der Tabellen von Außen- und Innengehege in dem man sämtliche, gezählte Aktionen addiert und durch die Beobachtungszeit teilt , erhält man die Gesamtwerte 4,29 für das Innengehege und 10,96 Aktionen pro Tag für das Innengehege. Dies lässt erkennen, dass Aggressionen innen anscheinend zweieinhalb Mal so häufig auftraten als außen. DIAGRAMM |