4. Folgerungen
Um aus den Ergebnissen der Protokollauswertungen endgültige Schlussfolgerungen im Hinblick auf die in 1.2. aufgestellten Hypothesenziehen zu können, muss man in den nun unten angegebenen Schaudiagramme die errechneten Ergebnisse aufzeigen und diese im Bezug auf die in 2.4. angegebenen Fehlerquellen ausdiskutieren
4.1. Diskussion der Ergebnisse aus 3.1.
(Gesamtdiagramm Koprophagie s. Anhang XVII)
Wie in 3.1.3. beschrieben ergeben die Beobachtungen, dass Koprophagie im Innengehege anscheinend doppelt so häufig auftreten als im Außengehege. Betrachtet man nun das hierfür erstellte Gesamtdiagramm ist jedoch auffallend, dass dieses Verhalten hauptsächlich von einem einzigen Tier gezeigt wurde. Die Häufigkeit, mit der das Individuum diese Verhaltensweise aufwies, schwankt nur minimal (vgl. Tab. 3.1.1. & 3.1.2.).
Bezieht man nun die unter 2.4. beschriebenen Fehlerquellen mit ein, nämlich, dass es im Außengehege auf Grund toter Winkel vorgekommen sein kann, dass Aktionen im Hinblick auf die Koprophagie übersehen werden konnten, im Innenbereich jedoch kaum, so lässt dies die Wahrscheinlichkeit offen, dass jenes Tier auch an dem Tag an welchen es scheinbar keinen Kot gefressen hatte, dies trotzdem getan haben mag. Auch ist aus diesem Grund die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass ebenfalls die anderen Individuen ein bis zwei Mal im Außengehege bei der Aufnahme des Kotes übersehen wurden.
Würde man das Diagramm nun dementsprechend „ausgleichen“, so bestünde im Vergleich zwischen Innen- und Außenbeobachtungen kaum mehr ein Unterschied.
Im Hinblick auf diese Überlegungen kann man nun schlussfolgern, dass sich die Hypothese aus 1.2. - Koprophagie tritt im Innengehege häufiger auf als im Außengehege - kaum bestätigen lässt, obwohl dies, den Tabellenwerten zu Anschein, der Fall gewesen wäre.
Betrachtet man das Diagramm nun vielmehr weiter unter dem Gesichtspunkt der Unterschiede , die sich zwischen den einzelnen Individuen bemerkbar machen, so kann man feststellen, dass Bianka, trotz einen im Hinblick auf die Fehlerquellen bezogenen Ausgleich, im Vergleich zu den anderen Gorillas eine gewisse Regelmäßigkeit entwickelt. Denn im Gegensatz zu ihren Artgenossen tritt bei ihr die Koprophagie sowohl im Innen- als auch im Außengehege fast täglich auf. Dies lässt vermuten, dass jenes Verhalten nicht zwingend als Reaktion auf akuten, allgemeinen sozialen Stress hin bezogen werden sollte, sondern führt zu der Annahme, dass es vom einzelnem Individuum und dessen individuellem Stressempfinden oder gegebenen Fall sogar früheren, prägenden Erfahrungen abhängig ist.
4.2. Diskussion der Ergebnisse aus 3.2.
(Gesamtdiagramm Aggression s. Anhang XVIII)
In 3.2.3. wurde beschrieben, dass Aggressionen nach der Auswertung der Tabellen zu schließen im Innengehege zweieinhalb Mal so häufig auftreten als im Außengehege.
Das Diagramm zeigt bei allen Individuen eine höhere Aktivität im Innengehege. Es ist folglich anzunehmen, dass sich dies auch unter Einbezug der in 2.4. angegebenen Fehlerquellen nicht bedeutend verändern würde, da diese meist sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich gelten. Man muss jedoch im Hinblick auf jene eine gewisse Variabilität in den aufgenommenen Werten einräumen. So kann man den Häufigkeitsgrad des Auftretens aggressiver Handlungen in ein Intervall zwischen „zwei und drei Mal so häufig“ ohne weitere Bedenken setzen.
Die in 1.2. aufgestellte Hypothese - Aggressionen treten im Innengehege häufiger auf als im Außengehege - kann in jedem Fall bestätigt werden.
Die großen Schwankungen zwischen den einzelnen Daten im Diagramm zeigen jedoch deutlich auf, dass das Aggressionspotential der Gorillas nicht allein von der Örtlichkeit bestimmt wird.
So liegt beispielsweise der Tagesdurchschnittswert von Hakuna Matata am 27.8.2003 im Außengehege eindeutig sogar höher als an den meisten Tagen der Innenbeobachtung. Im Allgemeinen schwanken fast alle Werte von Tag zu Tag enorm, was die Vermutung nahe legt, dass die dem Individuum eigene „Laune“ in das Verhalten im Bezug auf die Äußerung von Aggressionen eine hoch angelegte Gewichtung trägt. Ist zum Beispiel nur ein Tier dazu aufgelegt um eine Ressource zu kämpfen, das andere jedoch nicht, so wird es vermutlich zu weniger aggressiven Handlungen kommen, als wenn das zweite Individuum versucht sein Eigentum zu verteidigen.
Weiterhin ist auffallend, dass die Spitzenwerte im Bereich der Aggression vor allem bei Hakuna Matata, dem jüngsten Mitglied der Gruppe, auftreten, bei dem bereits 40 jährigen Fritz jedoch durchschnittlich nur geringe Werte vermerkt sind. Dies lässt eine Schlussfolgerung zu, dass das Alter im Bezug auf das Aggressionsverhalten der Primaten ebenfalls eine wichtige Rolle spielt
4.3. Zusammenfassung der Auswertungen / Kritik
Wie man 4.1. und 4.2. entnehmen kann, können die in Hypothesen aus 1.2. nur zum Teil bestätigt werden und durch Ergänzungen durch Einbezug der Fehlerquellen abgeleitet werden.
Um die Ergebnisse dieser Arbeit zu optimieren, müssten vor allem zeitlich mehr Beobachtungen angestrebt werden, denn je mehr Aufzeichnungen vorhanden sind, desto genauere Durchschnittwerte können erzielt werden. Hierzu müsste die Möglichkeit gegeben sein die Individuen zeitgemäß einheitlich im Innen- und Außengehege zu beobachten und gegebene Störfaktoren, wie beispielsweise hohen Besucherandrang bzw. außergewöhnliche Aktivitäten rund um das Gehege (z.B. Betäuben des Orang Utans im Nachbargehege, s. Anhang XVI) ausgeschalten werden. Auch wäre es sinnvoll die Fütterungszeiten, im Bezug auf die Hypothese zur Koprophagie, den Studien gemäß anzupassen.
Ebenso wäre es dienlich genauere Statistiken anzufertigen, was im Rahmen dieser Arbeit leider nicht möglich war, da hierfür das Grundwissen der Gymnasialen Oberstufe nicht ausreichend ist.
4.4. Mögliche Folgethemen
Im Bezug auf die Erkenntnisse dieser Arbeit ist es eventuell möglich Folgearbeiten anzustreben.
Einige mögliche Themen wären:
Hängt Koprophagie vom einzelnen Individuum oder von Stresssituationen ab?
Ist Koprophagie schädlich (physisch / psychisch)?
Inwieweit treten Aggressionen im Zoo auf Grund von Reaktionen auf Besucher hin auf?
Wodurch legen sich verschiedene Launen einzelner Tiere fest?
Inwieweit ist die Individualdistanz auswirkend in Hinblick auf Aggressionen?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Alter und aggressiven Handlungen (Häufigkeit / Intensität) ?
Inwieweit spielt das „Besetzen eines Lieblingsplatzes eine Rolle bei aggressivem Verhalten in einer Gruppe?
Auf welche Weise spielt das Alter im Hinblick auf das aggressive Verhalten der Gorillas eine Rolle?
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