tz.Herzliche Gratulation,

momopol - äh monopol - ist die hochgelobteste und auch von mir jetzt meistgeliebte neuerscheinung der welt. warum? weil ich mich schon seit jahren nicht mehr so inspiriert fühlte über einen solchen haufen scheiße, wie ich ihn nicht größer nach reichlichem genuss von ballaststoffen in die schüssel zu setzen vermag, so RICHTIG ABZULÄSTERN!

kunstkacke ist noch VIEL ZU HARMLOS. aber fangen wir vorne an. gut, der titel "monopol" ist ... sagen wir ok gesetzt. dann rutscht unser Blick tiefer. erstmal können wir natürlich gar nicht so gut lesen, was da überhaupt steht, weil die kontraste zum gemälde hinten zu schwach sind. haha, 8,00 USD, selbst der dümmste amerikaner gibt keine 8 Dollar für dieses eitle-fa(t)zke- hirngewichse-produkt aus, höchstens ein euroländer wie ich (wählt mich, wählt keine partei am 13.6.2004!), der auf die medienhype hereinfällt, aber immerhin jetzt diesen oberquatsch in stücke reißt, und sei florian illies noch so heilig.

weiter im text.

...oder im bild: das titelbild - ja gut, so what. aha. ausdrucksmalerei einer frustrierten hausfrau, oder erotische fantasie eines ewig pubertierenden jungkunst-studenten? falsch, der ausschnitt ist einfach schlecht gewählt, denn das bild ist gar nicht soo schlecht. und dann hey, total punkig: den barcode - zack einfach nur so ein paar grad schräg mitten reingesetzt, ebenso wie den runden pseudo-aufkleber als themenanreißer, der schlimmes für die weitere typografie erahnen lässt: st - suhrkamps taschenburchreihe lässt grüßen. so schlecht, dass es schon wieder gut ist. oh mann, als 64 geborener bedaure ich wirklich die nach mir geborenen, die noch unter schlimmeren geschmaxverirrungen leiden als ich selbst.

ich blättere auf: die erste anzeigen doppelseite belehrt mich eines besseren ob der ursache für den preis: der freundliche türkische kioskverkäufer am kölner hansaring meinte noch, "7 euro, ganz schön teuer", ich vermutete "wenig werbung, teure fotografen und texter" - haha, das war wirklich superdoof und naiv von mir, denn so viel reklame von stinkenden kapitalisten für soviel kaufpreis gips sonst wenig. schon als erstes sehe ich eine vertu (hä?) handywerbung, das teil dort sieht ungefähr aus wie eine mischung aus cadillac und becker-autoradio, die anmutung ist so eine mischung zwischen "vox"-spätabendprogramm und nazi-sado-maso ... naja seine anzeigenkunden kann sich man so wenig aussuchen wie seine familie, und was dieser rumliegende stecker in der darauf folgenden boss-werbung soll, versteht wahrscheinlich nur der artdirector, der dem kunden irgendwas vom bild-im-bild-rätsel vorgesülzt hat, was der dann sofort gekauft hat: "super. so machen wir das. nur links ins kabel noch einen knoten rein, wenn sie wissen, was ich meine..." augenzwinker, haha, klar - wir verstehen uns (von wegen, kein stück, alles nur energie fressendes fassadengekreische).

inhaltsangabe

wäre die schwarzweiß, könnte sie eine schülerzeitung aus den 80er jahren sein. bei der weiteren durchsicht der anzeigen schaudert es mir. aber vielleicht kriegt der einzige amerikanische leser und von manhattan gelangweilte emigrant ja doch lust sich im beisheim center ein ***** apartment als zweitwohnsitz in berlin rauszulassen ... und wer zum fick ist beisheim???

inhalt

...obwohl ja frankfurt der nabel der welt sein wird, denn offenbach ist ja "das friedrichshain von frankfurt" und "groß-gerau ist avantgarde" - diese völlig idiotische vergleichskultur ist zur marotte des deutschen feuilleton geworden, also stimme ich ein: "monopol ist der supergau des deutschen zeitschriftenmarktes, das coupe für geistig arme reiche". ja, und das "strategische benchmark für frankfurt ist los angeles". das sitzt, mister standortanalyse Thomas "McKinsey" Sevcik, und wenn du in deinem Kreativ-Think-Tank "arthesia" verrottest, wird die welt ebenso wenig davon notiz nehmen wie davon, dass "monopol" leider bald mangels interesse wieder eingestellt wird. dann muss herr florian illies halt auch noch generation golf III-V schreiben. pech.

warum habe ich mir dieses heft auch noch gekauft? bernhard martin kenne ich noch aus seinen kreativen zeiten an der kasseler kunsthochschule. die centerfold idee ist auch ganz nett (achtung 3. verstecktes halblob!), aber jetzt bernhard, das foto - mit tommy-hilfmir-extrem-posing, das sieht einfach nicht aus, vielleicht zuviel "schön gewixt", bernhard?

noch abgewixter ist freilich schlingensief. er führt seine eltern in wenigen zeilen vor wie ingrid steeger bei talk 2000 und beweist, dass er auf seinem kreativen tiefpunkt angelangt ist. kopf hoch, es kann nur noch aufwärts gehen. sich als autotester zu outen ist peinlichstes jammern auf allerhöchstem niveau. und so ist auch "monopol". es gibt einen witzigen indien-film, der heißt "die perle in der kacke". aber monopol is die kacke in der perle. und mit perle meine ich einen hundsdurchschnittlichen kiosk mit all seinen käseblättern bis zur untersten schublade.

ok, ich habe noch nicht alles gelesen und werde sicher noch zu einem differenziertem urteil gelangen. aber wie sagt die head-and-shoulders-anti-schuppen-werbung aus den usa so schön: "you never get a second chance to make a first impression."

resümee nach dem weiterlesen:

kommen wir nochmal zu den anzeigen zurück, denn sie haben ja doch was mit der redaktion zu tun: putzig ist freilich dass bernhard martins galerie "im passenden redaktionellen umfeld" für seine ausstellung wirbt, ebenso wie autor peter richters verlag für dessen buch. das kenne ich von drittklassigen sogenannten fachzeitschriften, hat aber wohl überall auf dem medienmarkt raum gegriffen. die "previews" / kunstvorschauen sind teils ok, obwohl ich nicht dachte dass die kunstwelt den alten hut 'kitsch' weiter so hypt. noch dazu matthias arndt, dem ich immer mehr geschmack zugetraut hatte. ist der herr orr haus- und hofmaler der zeugen jehovas? sieht sehr nach "der wachturm" titelbilder aus. die buchbesprechungen: das können andere viel besser, und bei 'gute seiten, schlechte seiten' (wahnsinn, wer hat denn diese pangalaktische headline-spitzenidee geboren?) mit hornby setzt sich das prinzip fort: große namen und nix dahinter.

der rest der längeren artikel hat meine befürchtung geld für dieses blöde heft verschwendet zu haben bestätigt. eitel, bemüht "anders", schwülstig. wenn langjährige redakteure nur noch selbstgefälliges geschreibsel von sich geben sind und meinen, das wäre ganz großes kino und eine unnachahmliche, 'abgeklärte' schreibe, ist das schlimm genug. wenn aber jungredakteure sich vergeblich bemühen, wie abgeklärte altredakteure zu schreiben und das mit einem spritzer originalität zu versehen, ist das nur noch peinlich. das soll reichen. genug gesagt.

markus schilling

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