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Grüße aus... Byzanz?Bin gestern in Byzanz gewesen. Naja, in der Byzanz-Ausstellung in Bonn. Und ein Eindruck von der Ausstellung wird von den Besprechungen geteilt: Es wurde zu wenig erklärt, nur präsentiert: "Wie kann ein Reich mehr als eintausend Jahre bestehen? Das ist doch die eigentliche Frage an Byzanz. Sie wird nicht einmal aufgeworfen. Geschweige denn, dass Versuche von Antworten vorgestellt werden. Stattdessen Goldkettchen."
Ich fand es trotzdem spannend. Und die Fehler der Ausstellung haben mich für die Zukunft sensibilisert, auch mal das Ausstellungskonzept zu hinterfragen.
Mein Lieblingsexponat war dann übrigens zwischen all den Ikonen und dem Goldschmuck ein profaner Glücksspielautomat: Ein Kugelspiel aus Marmor, dass ein Streitwagenrennen simulieren soll.
Außerdem habe ich auf der Zugreise nach Bonn dann auch endlich mal den Kölner Dom gesehen (und bin dort gleich ins Hochamt gestolpert). Angeblich soll ich den als Kind mal gesehen haben, konnte mich aber nicht erinnern. Witzig ist nur: An das Römisch-Germanische Museum direkt daneben kann ich mich bis heute gut zurückerinnern, sogar an einzelne Exponate.
Grüße von der Spiel 2009 in Essen!
Sonntag ein Kurztripp in den Norden, Samstag noch die Spielemesse "Spiel 2009" in Essen. Das Foto zeigt eine Testpartie "Tobago". Ein sehr passables Spiel! Daneben gab es natürlich auch Visiten beim Ulisses-Stand, ein wenig Probespielen der Demo von "Drakensang: Am Fluss der Zeit", ein nettes Gespräch mit "Erdenstern" sowie den Jungs von DeGenesis und mehr.
Kino: Watchman
Es ist März, aber meinen Film des Jahres habe ich bereits gefunden:
"Watchman".
USA, 1985: Die symbolische Doomsdayclock steht
auf fünf vor zwölf - die Atombomber sind schon aufgetankt. Jederzeit
könnte aus dem Kalten Krieg der letzte werden. Die Vereinigten Staaten
haben den Vietnamkrieg brutalstmöglich gewonnen, die Friedens-Bewegung
beseitigt, und ein diabolischer Präsident Nixon tritt seine fünfte (sic!)
Amtszeit an. Überall schweben Überwachungs-Zeppeline, das Land verfällt.
Irgendwie ist das 20. Jahrhunderts noch viel schlimmer verlaufen als real.
Warum? Vielleicht auch weil es Superhelden gab. Die ersten von ihnen waren
Ende der 1930er Jahre aufgetreten: maskierte Verbrecherjäger ohne große
Fähigkeiten, die sich später als die "Minutemen" zusammentaten - und bis
zu den 1950er Jahren nach und nach die Bühne verließen. Die zweite
Generation dieser Vigilanten wurde nach Selbstjustizskandalen per Gesetz
in den Ruhestand gezwungen. Von den einst legendären Watchmen sind
inzwischen nur noch Dr. Manhattan (mit tatsächlichen Superkräften) und der
Comedian aktiv, beide arbeiten für die Regierung. Als der Comedian
ermordet wird, vermutet der soziopathische Rohrschach eine Verschwörung
gegen die Helden von einst. An der Spitze des Komplotts steht dann aber
ein Bösewicht, dessen Plan endlich einmal so groß und verlockend ist, dass
selbst die "Helden" ihm nicht wirklich wiedersprechen können. Der Film
endet mit einer klaffenden Wunde - die Moral wurde tödlich verletzt. Der
Zuschauer ist gefragt.
Schon wenn in den ersten Minuten des Films Bob
Dylan's "The Times, They Are A-Changin'" ertönt und dazu die Geschichte
der Watchman und dieser ganzen Dystopie entfaltet wird, dann ist das tolle
Pop-Kultur. Der ganze Erzählstil lädt ein zum verweilen. Andere Filme
erwürgen ihre Zuschauer mit dem rotem Faden, Watchman lässt sich Zeit. Der
Film ist da wie ein gutes Buch: Man will noch schnell das nächste Kapitel
lesen, aber man will auch nicht, dass das Buch dann endet. Der Vergleich
passt auch insofern, als dass die Graphik-Novelle "Watchmen" vom New
Yorker "Time Magazine" 2005 sogar als einziger Comic in die Liste der 100
besten Romane seit 1923 aufgenommen wurde. Manche vergleichen das Werk von
Alan Moore sogar mit Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit".
Wer
also eine dieser Comic-Verfilmungen mit hübscher, oberflächlicher Action
erwartete, wurde enttäuscht. Kein heiteres Gröllen möglich. Wenn auch die
etwas nervigen Zeitlupeneffekte (bekannt aus "300") es beinahe vermaseln,
so kam die spärliche Gewalt doch so brutal, letztgültig und verachtenswert
über, wie es sein sollte. Auch der Sex wurde nicht für gefällige
Nacktaufnahmen verschwendet. Er zeigte die Entfremdung des Dr. Manhattan,
die Unbehaglichkeiten von Nite Owl im Angesicht von Apokalypse und
fehlender Identität.
Fans mögen ja meckern, aber wer wie ich
"Watchmen" ohne Vorbehalte sah, muss zugeben, dass es sich um eine der
intelligentesten und besten Comic-Verfilmungen bisher handelt. Und jetzt
muss ich mir wohl den Comic kaufen.
Ralf Metzenmacheram KvG-Gymnasium
Das links ist nicht Bono von U2 - er sieht mit orangefarbener Sonnenbrille
und seiner Sergeant-Pepper-Uniformjacke nur ein wenig danach aus.
Vielmehr
ist das Ralf Metzenmacher, ein erfolgreicher Künstler und Produktdesigner.
Letzten Freitag besuchte er Oberstufenschüler des
Kardinal-von-Galen-Gymnasiums Hiltrup. Meinen Artikel darüber hat
Metzenmacher auf
seine Homepage geladen.
In den 90er Jahren vollbrachte Ralf
Metzenmacher das Kunststück, den damals biederen fränkischen
Sportartikelhersteller Puma mit einer neuen Verbindung aus Kunst und
Design auf den Weltmarkt zurückzubringen. Der Retro-Look traf den Nerv der
Zeit, Puma wuchs rasant.
Seit 2004 schwingt der ehemalige
Design-Direktor aber lieber den Pinsel und ist als freischaffender
Künstler tätig - zuletzt für die Raucherlounge im neuem Jovel.
Ein Jongleur in Luxemburg

Vor etwa einem Monat gab es an der Universität von Luxemburg eine öffentliche Lesung von Patrick Pfeiffer (Creative Commons Luxembourg) über die Prinzipien von Creative Commons. Auf den Plaketen und Werbebanner zur Veranstaltung war wohl mein Jongleur drauf.
Peter Wensierske im Drostenhof
Am Samstag habe ich den Spiegel-Redakteur und Autor Peter Wensierski
kennengelernt. Er las im Drostenhof zu Wolbeck aus seinem Buch "Schläge
im Namen des Herrn". Die Darstellung des miserablen Umgangs mit
den Kindern der Nachkriegszeit ist gespickt mit Schilderungen persönlicher
Schicksale von Misshandlung, Demütigung und Ausbeutung in staatlichen wie
kirchlichen Heimen.
Die Stimmung im
Rittersaal war eigentümlich. Fast alle Anwesenden wurden
als Kinder und Jugendliche selbst aus teils absurden Gründen in geschlossene
Erziehungsanstalten eingewiesen und erlitten dort Höllenqualen. Einige
brachen unter der Last der Erinnerung zusammen. Es tat weh zuzuhören.
Der
Artikel über die Veranstaltung im Westpreußischem Landesmuseum steht
im Internet. Aber da ich den Links der Westfälischen Nachrichten nicht
so recht traue, habe ich meinen Text auch als Pdf-Dokument
zum Download auf die entsprechende Projektseite gestellt.
Aktuell
schreibt Wensierski über das Entsetzen, welches Papst Benedikt XVI. mit
seiner Aufwertung der Piusbruderschaft auslöste. Wensierski erzählte
vorgestern, er habe noch bis drei Uhr nachts in der Redaktionskonferenz
gesessen. Einen solchen Sturm der Entrüstung, wie er derzeit über die
katholische Kirche rolle, habe er lange nicht gesehen. Die heutige
Titelgeschichte des Spiegels wurde von ihm mitverfasst.
Vom falschen Selbstverständnis, dass dieses Universum zu uns gehört
In meiner Büchervirtrine stehen drei Werke von Richard
K. Morgan. "Das Unsterblichkeitsprogramm", "Gefallene Engel" und
"Heiliger Zorn" handeln von Takeshi Kovacs, einem hartgesottenem
Anti-Helden, erfüllt von existenzieller Verbitterung.
Das
Szenario: Die Menschheit hat das Uploading gemeistert. Alle drei Minuten
wird das eigene Bewusstsein, der gesamte Gehirnzustand eines Menschen, in
einem implantierten Stack im Rückenmark gespeichert. Stirbt der Mensch,
kann sein Bewusstsein problemlos in einen anderen Körper transplantiert
werden. Je nach den finanziellen Möglichkeiten sind das dann gemietete
Körper, Klone des ursprünglichen Fleisches oder hochgezüchtete
Militärausführungen aus den Gen-Labors. Interstellare Raumfahrt ist dank
des Uploadings auch kein Problem. Man "funkt" das digitale Bewusstsein
eines Menschen einfach durch das All zu einem bereitgestellten Körper.
Aber auch Mord, Krieg und soziale Probleme haben eine neue, fürchterliche
Dimension erreicht. Reiche Oligarchen lassen sich in die Körper von
Raubkatzen laden, um absurde sexuellen Neigungen an anderen Menschen auszuleben. Folter lässt
sich nach dem Tod des Opfers beliebig wiederholen und arme Tagelöhner ackern
sich ihr Leben kaputt, um ihren nächsten Körper bezahlen zu können.
Klar,
die Bücher sind blutig, zynisch, zornig. Aber sie sind eher politischer
Future-Noir, als arroganter Cyberpunk. Und für den SciFi-Fan entfaltet
sich eine ziemlich authentische, ganzheitliche technische Zukunft.
Spätestens mit den im zweiten und drittem Buch thematisierten
Hinterlassenschaften einer ausgestorbenen außerirdischen Spezies ergeben
sich auch einige kluge Perspektiven auf das Universum, der Titel dieses
Eintrages lässt grüßen.
Was mich aber zu diesem Eintrag treibt:
Morgan hat meinen Musikgeschmack. Er empfiehlt BRMC und Arcade Fire, "the
most interesting indie band out there right now."
Aaseeeis
Hallo und willkommen im zweiten Jahr des Anthropozän.
Letzten Februar enthüllte die Stratigraphie-Kommission der Geological
Society of London das neueste Stockwerk der geologischen Säule, nämlich
das vom Mensch gemachte Erdzeitalter. Derweil flaniert ganz Münster auf
dem zugeforenem Aasee und ich rodel mit dem Schlitten. Alle frieren im
tiefsten Winter, einige lachen über die Klimaerwärmung. Gerade deswegen
empfehle ich an dieser Stelle mal die beiden letzten Essays im Spiegel, "Blindflug
durch die Welt" und "Lust
an der Apokalypse". Sie kennzeichnen ganz gut den emotionalen
Frontverlauf der aktuellen Klima-, Finanz- und anderen Total-Krisen: Alles
halb so wild oder wird es Zeit für radikale Revolutionen? Ich bin
gespannt, in welche Richtung die öffentliche Meinung ausschlägt. Denn
nicht die Fakten werden über kommende Maßnahmen entscheiden, sondern die
Stimmung.
Apropos der Spiegel. Es lohnt sich immer mal, zu gucken ob
ein Artikel vom Henri-Nannen-Preisträger Klaus Brinkbäumer geschrieben
wurde. Mein erklärter Lieblingsreporter ist nicht nur Münsteraner, Sohn
meines ehemaligen Lateinlehrers, sondern auch ein wirklich
bewundernswerter Schreiber. Aktuell und noch bis Montag bestreitet sein
Artikel über Michelle Obama die Titelseite des Nachrichtenmagazins.
Mit
diesem Eintrag wurden Galerie und Projektseiten aktualisiert. Auch die
Abteilung für ausgewählte Texte aus der freien Mitarbeit bei den WN wurde
ergänzt. Unter den Neuzugängen sind Artikel über Kabarett und Comedy (Florian
Schroeder, Sebastian
Schnoy, und Jürgen
von der Lippe). Neu ist auch ein Artikel über Christian
Führer. Führer hat 1989 mit Friedensgebeten und Kerzen einen Teil
zum friedlichen Zusammenbruch der damaligen DDR beigetragen.
Rezension: Mass Effect
Es gibt da einige Missverständnisse bei Computer-Rollenspielen: Nein,
dass der Charakter eine tolle
goldene Rüstung trägt, macht ihn nicht lebendiger. Nein, ein
Dialog ist nicht nur Überleitung zur nächsten Queste. Ein Dialog sollte
wenigstens über die Antwortmöglichkeiten "Ja" und "Nein" hinausgehen. Und:
Nein, nur Monster niedermetzeln ist keine gut Story.
Wegen dieser
Missverständnisse, welche die Namen "Diablo" oder "Oblivion" tragen und
auch "Drakensang" enterten, kennt die aktuelle Generation von Zockern
nicht mehr die wirkliche Bedeutung des Wortes "Rollenspiel". Letztlich
sollte es in Rollenspielen nämlich weniger um Grafik und Statistiken
gehen, sondern darum, in eine neue Welt einzutauchen und von den
Abenteuern seines dortigen Alter Egos gefesselt zu werden. Und nichts
geringeres gelingt "Mass
Effect" aus der legendären Rollenspiel-Schmiede Bioware.
Und
das obschon es deutliche Anleihen bei Ego-Shootern nimmt, obwohl es einen
Schwerpunkt auf die Action legt. Bei Mass Effect bedeuten Dialoge noch
etwas, sie formen Welt und den eigenen Charakter. Erschieße ich den
Halunken oder mache ich mit ihm gemeinsame Sache? Lasse ich meinen
Charakter mit Crew-Mitgliedern flirten? Benehme ich mich vor dem
galaktschem Rat wie ein Kosmopolit oder beharre ich einzig auf den
Interessen der Menschheit? Noch dazu sind die Dialoge auch goßartig
umgesetzt, wurden mit mit reizvollen Schnitten, Motion-Blur, Vollvertonung
und toller Mimik filmreif inszeniert.
Und auch die Interaktion mit
Party-Mitgliedern setzt Massstäbe. Man kann seine Kampfgefährten
eifersüchtig machen, sie auf den richtigen Weg bringen oder gar in den
Heldentod schicken. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann ich sie sogar
selber erschießen. Diesen interaktiven Dialog muss man wirklich gesehen
haben:
Auch macht es einen Unterschied, ob man eine Frau oder einen Mann
spielt. Es ist nicht nur Fassade. Tatsächlich kann der Spieler sogar
einige Ereignisse aus der Vergangenheit des Charakter bestimmen.
Irgendwann im Spiel holen einen die Schatten der Vergangenheit ein.
Doch
am beeindruckensten ist wohl das Finale. Ich habe zwar erst zwei der
möglicherweise sechs Varianten gesehen, aber es macht Lust auf mehr.
Mass Effect 2 soll 2010 auf dem PC erscheinen. Die Filmrechte wurden
wohl auch schon verkauft.
Mondfinsternis Diptychon

Zwei Bilder der partiellen Mondfinsternis über Deutschland. Hat sogar ohne Stativ geklappt.
Aktueller Zusatz: Ungefähr eine Millionen mal großartiger ist das heutige "Astronomy Picture of the Day" (APOD). Es zeigt die komplette Mondpassage durch den Erdschatten.
Rezension: Drakensang!

Früher war das Buch "Der Herr der Ringe" ein Insider-Tipp, heutzutage läuft die Filmtriologie auf RTL. Früher war das Pen&Paper Rollenspiel "Das Schwarze Auge" (DSA) dem Mainstream unbekannt und leicht suspekt. Jetzt liegt eine neue PC-Spiel-Umsetzung vor - "Drakensang" - und laut den Charts rennt nun wirklich jeder durch Aventurien, durch die Welt des Schwarzen Auges...
Am Anfang habe ich mich richtig gefreut: Wahnsinn, Drakensang ist wie Baldurs Gate (bzw. Knights of the Old Republik) in der Welt des Schwarzen Auges! Damit war dann zwar auch schon gleich der erste Wermutstropfen verbunden, denn selbst diesem besten aller Computer-Rollenspiele fehlt der eigentliche Reiz des Pen&Paper Rollenspiels unter Freunden. Auch dort gibt es Kämpfe. Aber selten öfter als im Finale des Abenteuers. Denn die Herausforderungen liegen eher in Dingen, die ein PC-Spiel nicht gut abfragen kann: Am Spieltisch ist also eher die Besteigung eines verschneiten Berggipfels das Abenteuer, nicht irgendwelche Kämpfe auf diesem Gipfel. So auch besteht am Spieltisch ein großer Reiz in der Gruppenkommunikation und den Hintergrundmotivationen des gespielten Charakters. Aber auch darin, einfach mal in einer aventurischen Kneipe herum zu hängen. Einen schönen Teppich für die, sagen wir mal, Schiffskajüte des Helden zu finden. Oder nebenher etwas Handwerk zu erlernen, etwas für die Helden-Familie daheim zu schnitzen. So etwas kann ein Computerspiel nur ungenügend simulieren. Eine Wunde im Kampf ist hier nur ein Icon und ein Abzug auf gewisse Werte. Im Pen&Paper könnte eine Wunde (wie im echten Leben) ein gebrochenes Bein, vier Wochen Gips und humpeln, oder eine Narbe fürs Leben bedeuten - neben den spieltechnischen Abzügen auf gewisse Werte natürlich. Aber gut. Mit einem DSA-Baldurs Gate wäre ich auch schon zufrieden gewesen.
Wenn Drakensang das doch nur wäre. Zwar gibt es eine Party und 'ne Pausefunktion. Doch während noch die erste Spielhälfte von Drakensang so grandios BioWare imitiert, dass man alleine die Romanzen zwischen den Party-Mitgliedern vermisst, fällt Drakensang in der zweiten Spielhälfte auf ein komplett lineares Mainstream-RPG zurück.
So ist Drakensang am Ende kein DSA-Baldurs Gate, sondern nur ein DSA-Gothik...
Im Detail: Das Talent "Etikette" wird beispielswiese nur drei-, viermal im Spiel benötigt. Und das nicht einmal zwingend. Taschendiebstahl wird selbst vor Augen der Garde nicht geahndet. Und während das Spiel anfangs manchmal zwei, drei Lösungswege anbietet, bleibt am Ende nur die berüchtigte Schiene zum Finale (das so genannte "Rail-Roading"). Im modernen DSA gibt es außerdem selten einmal klassische Dungeons, es geht oft eher um Detektivplots oder etwa Exeditionen. Drakensang aber ist voll von diesen düsteren Relikten aus der Frühzeit des Rollenspiels. Überall Kerker, Minen, Höhlen und einmal kämpft man sogar um eine Burg, deren Äußeres man eigentlich gar niemals richtig zu Gesicht bekommen hat. Das Schlimmste: Die meisten Dialoge sind Klickorgien ohne Optionen. Und das disqualifiziert ein RPG doch ziemlich. Dazu noch das teils unfaire Verhalten der Monster im Kampf (wieso stürzen sich die sofort auf den Magier, der gar nichts tut und hinten steht?) und das bei AD&D geklaute Übermass an magischen Items.
Das war harte Kritik. Davon abgesehen ist es aber noch immer etwas DSA. Und spätestens wenn man einem Mitglied der Familie Störrebrand die Hand schüttelt, oder vor einem leibhaftigem Oger, Purpurwurm oder Troll steht, kann man sich trotz aller Schwächen Drakensangs nicht mehr lösen von der Stimmung, der liebevollen Grafik, der aventurischen Atmosphäre. Zwergenstädte, Grafen, Erzmagier und Bergkönige bekommen erstmals ein Gesicht. Und es tut sich was: Man schreibt aventurische Geschichte. Der Clou der Hauptstory ist ziemlich überraschend, überraschend heftig. Als eingefleischter DSA-Spieler muss man sich kurz zurücklehnen und durchatmen um der zentralen Eröffnung Drakensangs gerecht zu werden. Es ist schon eine immense Bedrohung und Enthüllung, gegen welche man sich zum Ende der Story stemmen muss.
(Im nachhinein fällt aber auf: Man hat zwar die Welt gerettet, aber eigentlich nur vor einer Bedrohung, die vorher noch keiner kannte und jetzt ja auch nicht mehr da ist. So betrachtet ist es dann doch ein Nullsummenspiel.)
Ein Fazit: Trotz aller Kritikpunkte hat mir Drakensang wirklich Spaß gemacht, es hat mich richtiggehend an den PC gefesselt. Immerhin habe ich wie andere Spieler des Schwarzen Auges auch fast drei Jahre auf Drakensang gewartet. Zu dem, was mich an Drakensang gestört hat, habe ich schon (zu) viel gesagt. Was mich an Drakensang fasziniert hat, fasst auch dieser bemerkenswerte Stern.de-Artikel zusammen - das Look&Feel von Drakensang ist ein ganz neues in der PC-Welt:
"Noch eine Kopie der Optik bekannter Fantasy-Filme wie "Der Herr der Ringe" wollte [Bernd Beyreuther] nicht. Also hat Radon Labs einen Fotografen losgeschickt, der alte Brücken und Fachwerkhäuser als Inspirationsquelle fotografiert hat, während die Grafiker Werke klassischer Maler wie Caspar David Friedrich studiert haben. Gedämpfte Farben und Pflanzen die aussehen, als wären sie aus Pinselstrichen zusammengesetzt: der Grafikstil des Spiels erinnert tatsächlich an alte Gemälde."
Dieses Spiel hätte in die Computerspiel-Geschichte eingehen können, das Potential war da. Jetzt ist es nur noch - wie es im grundsätzlich positiven Beitrag des ZDF heute-journals hieß - zum Erfolg verdammt.
Kartophilie

Seit etwa einer Woche oder so kursiert die Karte oben links herum. Zuletzt druckte sie das "ZEIT Internet Spezial" in ihrer Heftmitte ab. Urheber und Vollansicht des Web-Fahrplans gibt es originär im Internet. Genauso unnütz, aber wesentlich witziger, ist die Webkarte von xkcd.com, dem legendärem Webcomic, oben rechts.
Und wo wir schon von Karten sind: Auf history.nasa.gov gibt es nicht nur Tonnen von Hintergrundinformationen zur Geschichte der NASA-Missionen, sondern auch eine faszinierende Karte der Mondpaziergänge von Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin.

Gelesen: Supercomputer und die Würde der Erzählung
Bücher sind gefährlich. Zumindest bringen sie mich als An-Einem-Stück-Leser dazu, Nächte gegen jede Vernunft durchzumachen. Nachdem ich vergangene Woche irrationaler Weise und wieder einmal fünf Bücher hintereinander und fast ohne Rücksicht auf Verluste gelesen habe, muss ich einfach ein paar Worte über das Gelesene verlieren.
Zwei der Zeitkiller wurden von Stanislaw Lem verfasst. Doch darüber nur ein Gedanke aus "Also sprach Golem", zur späteren Erinnerung vielleicht: Der Mensch und seine Vernunft könne nicht die Spitze der Evolution sein, sondern müsse - weil hervorgegangen aus Mutationen und Abweichungen von der Abweichung - als eine Degeneration einer grandiosen Urform, dem ersten Leben, betrachtet werden. Während bereits in urtümlichen Stromatolithen Quantenmechanik am Werke ist, arbeitet unser plumper Körper mit mittelalterlichen anmutenden Pumpen und Schläuchen. Es ist faszinierend, dass es keinen Dawkins brauchte, um das egoistische Gen zu postulieren, das konnte Lem auch ganz ohne das ganze Trara um Dawkins neuen Atheismus. Aber warum hat Lem sich nicht getraut, das Thema nicht-fiktional zu behandeln?
Alles in allem eine extrem anregende Lektüre, besonders wenn man aktuell ein Seminar über philosophische Anthropologie belegt hat.
Aber nun zum eigentlichen Anliegen, die Bücher von Robert Charles Wilson: Angefixt wurde ich von "Spin". Dort legt sich eines abends eine Art semipermeable Membran um die Erde. Darunter vergeht die Zeit schneller als für den Rest des Universums, in einem Erdenjahr altert das Weltall um Millionen Jahre und den Erdbewohnern bleiben vielleicht nur noch 50 Jahre, bis die Sonne zu einem verglühenden Stern wird. Das SF-typische Prickeln im Kopf beginnt spätestens dann, als man beschließt mit Hilfe dieses Effektes den Mars zu terraformen und zu kolonisieren. Denn während auf der Erde nur ein Jahr vergeht, sorgen dort hinauf geschossene irdische Mikroben und Sporen in Millionen von Jahren für blühende Landschaften auf rostrotem Sand. Während der Dauer einer Ampelphase wird aus den eben erst losgeschickten ersten Kolonisten eine marsianisch-menschliche Zivilisation. Kann diese die Menschheit vor der so genannten Spinmembran retten? Oder herausfinden, was das alles überhaupt soll? Handelt es sich, wie viele glauben, wirklich um ein perfides Euthaniseprogramm außerirdischer Kräfte?
"Axis" setzt diese Geschichte fort, auch wenn "Spin" ein abgeschlossener Roman ist. Wer sich nicht schon bei Wilsons erstem großem Erfolgsbuch an Arthur C. Clarke erinnert fühlte, der kommt bei "Axis" nicht mehr drum herum, der bekommt die Transzendenz hier endgültig um die Ohren gehauen.
"Quarantäne" nimmt sich gegen die raumgreifenden Entwürfe von "Spin" eher unauffällig aus. Statt der Erde wird hier nur eine kleine Stadt mit Forschungsanlage vom Rest der Welt militärisch abgeriegelt. Warum, das wissen die eingeschlossenen Forscher nicht. Hat es etwas mit ihren gruseligen evolutionären Quantenrechnern zu tun? Schließlich können diese ganz ohne Teleskop fremde Planeten und ihre Bewohner beobachten?
Spätestens in "Quarantäne" offenbart sich Wilsons Faible für Lebensgeschichten und die darin verborgene menschliche Würde. Seine Charaktere sind ebenso lebendig, irrational und passiv wie wir. Alles die üblichen Gestrandeten. Und tatsächlich glaubt Wilson fest an den Wert und Selbstzweck der Geschichten jedes Menschen. Läuft nicht alles irgendwie auf eine Geschichte hinaus? Schreiben wir nicht alle gemeinsam an der größten Geschichte von allen? "Durch das Erzählen verstehen wir das Universum, und es ist offensichtlich, dass wir auch uns selbst erst durch Erzählungen verstehen. Ein Fremder mag undurchschaubar oder gar bedrohlich wirken, bis er uns seine Geschichte erzählt."
Nun, zumindest für einen Fantasy-Rollenspieler sind das alles keine neuen Gedanken.
Homo ludens

Sid Meier's Alpha Centauri (SMAC) ist nun schon seit neun Jahren mein liebstes Computerspiel. Dabei spiele ich eigentlich gar nicht so viele oder oft PC-Spiele. Aber nachdem ich diesem besten aller rundenbasierten Strategiespiel nun schon wieder einen Teil meiner derzeit so spärlichen Freizeit geopfert habe, schreibe ich sogar einen Blogeintrag darüber. Schließlich war und ist jeder Aspekt dieses Spieles großartig. Das ganze Konzept, die Musik, die Literaturreferenzen und sogar die Synchronsprecher. Sogar die Grafik war trotz klassischer isometrischer Draufsicht weit besser als die von Civ IV. Alpha Centauri (und die Erweiterung "Alien Crossfire") ist eine echte Landmarke des Genres.
Aber worum geht es eigentlich? Eben um nichts geringeres als die Zukunft der Menschheit. Die Erde hat sich durch Bürgerkriege, Seuchen und Umweltzerstörung selbst gerichtet. Doch mehr um die Hoffnungen der Erdenbürger zu befriedigen als tatsächlich den Weltraum erobern zu wollen, schickte die UN ein Kolonistenraumschiff zum nächstgelegenen Stern Alpha Centauri (ein mögliches Spielziel der klassischen Civilization-Titel). Doch die Crew der Unity bricht nach Streitigkeiten in verschiedene Fraktionen auseinander. Jede Kolonistengruppierung kämpft nun mit ihrer Ideologie um die Vormachtstellung auf dem Planeten Chiron. Seien es Miriam Godwinson und ihren fanatischen Evangelikalen, Morgan Industries oder die Wissenschaftler des ehemaligen Wissenschaftsoffiziers des abgestürzten UN-Raumschiffes Unity: Sie haben die alten irdischen Konflikte in den Kosmos getragen. Auch Chiron ist nicht immun gegen Gewalt und Leid.

Das Ganze ist also einfach Civ auf einem außerirdischen Planeten? Nicht ganz. Denn man spielt hier nicht einfach die irdische Geschichte nach. Mit dem technischen Arsenal der Science-Fiction-Literatur gilt es den Planeten zu terraformen, der Umwelt zu strotzen und dem menschlichen Streben Sinn zu geben. Denn Chiron birgt ein Geheimnis, dass die Menschheit entweder zerstören oder befreien wird.
Schon kurz nach der Landung müssen die Kolonisten feststellen, dass der ganze Planet von einer unbekannten Pilzsorte überwuchert ist. Dieser Fungus schickt sogar "Antikörper", so genannte Psychoviren, gegen die Menschen aus und das umso heftiger, je rücksichtsloser der Mensch den Planeten verschmutzt. Außerirdische Monumente und Artefakte lassen darauf schließen, dass der Fungus ein großangelegtes biogenetisches Projekt einer außerirdischen Rasse gewesen sein muss und irgendwann erkennen die Fraktionen, dass die Pilzsporen sich spontan vernetzen können und dann wie die Synapsen eines Gehirnes funktionieren. Noch überschreitet das Fungusnetzwerk nicht die Schwelle zum reflexiven Denken, doch lässt sich der Gedanke nicht verdrängen es schon bald mit einem erwachendem Gott, einem denkendem Planeten, zu tun zu haben.
Letztes Endes bietet sich durch diese Entdeckung die Chance, der Menschheit den Aufstieg zu Transzendenz zu ermöglichen.
All diese Entwicklungen werden in Zwischenspielen, den Weltwundervideos oder Technologiebeschreibungen beschrieben. Der Spieler findet sich in einem existenziellem Kampf wieder, schickt Grav-Schiffe in den Krieg, hetzt dem Gegner Quantenplanetenbomben auf die Basen, errichet einen Weltraumlift, infiltiert die Netzwerke seiner Gegner, startet orbitale Solarkollektoren um die globale Erwärmung zu stoppen oder dressiert Psychoviren. Klonfabriken steigern das Bevölkerungswachstum, die Eudämonie kann als Staatsform gewählt, Städte auf den Meeren errichtet werden. Spätestens wenn es darum geht das gesamte Wissen der Menschheit in das labile Fungusnetzwerk zu pumpen, fällt es schwer, sich dem Spiel und seinen Ideen zu verschließen:
"Die Mission der Unity war eine schwache Kerze, die in einer dunklen Nacht flackerte. Wir trugen diese Illusion in den Himmel, und jetzt werden wir hier sterben, oder, eventuell schlechter, auf dem Planeten sterben. Jene von uns, die an Bord sind trugen die Illusion in die Nacht; jene, die zurückblieben, nahmen ihre Chancen auf einer sterbenden Welt war.
Jetzt fahren wir mit dem fort, was die Menschen immer getan haben. Wir essen, schlafen, lieben uns, verbessern unsere Fertigkeiten, verbringen die Zeit. Und tief in unserem Inneren warten wir auf jemanden, irgendeinen speziellen Menschen, um über uns hinaus zu wachsen und Tausende von Jahren der Geschichte zu schreiben, voll mit Leiden, die es Wert sind. Um uns zu erleuchten, beende unsere Schmerzen, heile unsere Wunden und nimm uns die Ungewißheit.
Aber ich habe den Verlauf der Geschichte gesehen, und wir sind von jetzt nicht besser, als wir jemals waren. Wir sind nur besser unterrichtet. Das wird auf einem fremden Planet auch nicht anders sein.
Es sei denn, ..."
Ein Vortrag mit Jürgen Habermas
Es kommt nicht oft vor, dass ich einem Menschen begegne, den ich schon einmal als LEGO-Figur (für unsere Fachschaftszeitung Philosophie) nachgebaut habe. Es kommt nicht oft vor, dass Jürgen Habermas öffentlich, außerhalb wissenschaftlicher Kongresse, auftritt.
Doch Münsters Exzellenzcluster für Politik und Religion hat ihn irgendwie - der Förderkreis der Uni war auch beteiligt - dazu gebracht und so strömten gestern Hunderte in die Hörsäle am Hindenburgplatz. Der angebliche Geheimtipp brachte den H1 zum Überlaufen, brachte die Veranstalter dazu, den Vortrag auf Leinwänden der anderen Hörsäle zu übertragen. Glücklicherweise konnte ich noch einen der begehrten Plätze im eigentlichen Vortragssaal ergattern.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob alle verstanden hatten, dass Habermas so etwas wie ein Wissenschaftler, nämlich Philosoph ist. Denn zumindestens die anschließende Diskussion und Fragerunde ließ vermuten, dass einige ihn eher als Orakel oder Politiker einschätzen, als V.I.P. mit Deutungshoheit vielleicht. Oder als einen dieser Kirchenvertreter, die in Gefahr geraten, ihren religiösen Wahrheitsanspruch "mit falliblen Argumenten gleichzuschalten" (so ein Zitat Habermas, bezogen auf die Probleme im Diskurs zwischen säkularer Moderne und Religion). Zugegeben: Der Vortrag war schwer zu verstehen, alleine schon phonetisch aufgrund Habermas medizinischer Vorgeschichte. Aber auch die WN kapitulierten vor "einem phasenweise hochkomplizierten Vortrag". Daher hat es mich gewundert, dass außer einigen tapferen Fragen hiesiger Professoren nur absurde Ideologie und unnötige Anmerkungen aus dem Plenum kamen. Warum kamen so wenig Klärungsfragen? Differenzierungsfragen?
Ich würde mich auf jeden Fall sehr über eine Mitschrift des Vortrages freuen. Soweit ich folgen konnte, war es die große Leistung des Vortrages einen Mittelweg zu Luhmanns emergenten Weltgesellschaft und Huntingtons "clash of civilisations" aufzuzeigen, nämlich die Theorie einer Weltgesellschaft als Arena divergierender Zivilisationen, die gemeinsam eine neue Zivilisation gebären. Bisher ist diese Neugeburt zwar funktional geeint (hier taucht der Systemfunktionalismus à la Luhmann auf), aber kulturell gespalten (in dieser Beobachtung finden sich die abgeschlossenen Kulturräume Huntingtons und Konsorten wieder). Hoffnung in dieser etwas verfahrenen Situation sieht Habermas wohl in der Verrechtlichung der globalen Beziehungen. Auch wenn dies unter "Realisten" belächelt, statt angegangen wird.
Wird diese neue Zivilisation säkulär sein? Zunächst konstatierte Habermas hier den säkulären Weg Europas als einen Sonderweg, erklärte die frühere Einschätzung, dass die Religionen verschwinden werden, für falsch und historisch überholt. Wir leben in einer "post-säkularen" Welt, so Habermas. Ludwig Siep wollte es lieber "post-laizistisch" nennen. Dann zeigte Habermas die Probleme im notwendigen Dialog zwischen Moderne und Religion auf. Wie soll die säkulare Gesellschaft mit der Religion umgehen? Vielleicht, indem man nicht abschließend über die Religion urteilt. Die Existenz Gottes agnostisch einklammert. Denn extrem laizistische Gesellschaften befinden sich aufgrund ihres Alleingeltungsanspruches mit den Religionen, die ja inhärente Alleingeltungsansprüche besitzen, ebenso heftig im Konflikt, wie einige Religionen untereinander.
Kino: I Am Legend
Nach langer, viel zu langer Zeit war ich gestern dann mal wieder im Kino, im Film "I Am Legend" mit einem überragendem Will Smith in der Rolle des Militärbiologen Robert Neville, dem scheinbar letzten Überlebenden einer wildgewordenen transduktiven Gentherapie. Mir war zwar bewusst, dass es sich um eine Neuverfilmung des "Omega-Mann"es handelt und damit um eine weitere Verfilmung des Science-Fiction-Romans "Ich bin Legende" ("I Am Legend") von Richard Matheson. Aber irgendwie hatte ich mir dann doch mehr versprochen und anderes erwartet als den gelieferten und recht uninspirierten Zombie-Schocker.
Es gibt aus der Zeit des Kalten Krieges mehr als eine gute Kurzgeschichte, welche die Einsamkeit eines letzten Menschens auf Erden auch philosophisch und nicht nur gruselig in Szene setzt. Geschichten, in denen der Protagonist irgendwann erkennt, dass selbst unsere größten Schätze ohne Menschen wertlos sind. Dass das Universum bald seinen besten Zuschauer verliert: Den sich selbst bewussten und reflexiven Menschen nämlich. Geschichten, in denen der letzte Mensch seine Lesebrille verliert, dabei wollte er doch die restliche Ewigkeit für all die zurückgebliebene Literatur in einsamen Bibliotheken nutzen. Geschichten, in denen der letzte Mensch verzweifelt das Erbe der Menschheit in die Ewigkeit retten möchte.
All dies war in "I Am Legend" höchstens Beiwerk. Der einsame VampirjägerMutantenjäger saß zwar mal im Metropolitan Museum of Art herum und in seinem Versteck hingen wahrscheinlich echte, da einfach mitgenommene Picassos, aber das war es dann auch schon. Das heruntergekommene New York war zwar genial gemacht, aber nach der Lektüre von Alan Weismans "Die Welt ohne uns" habe ich mir auch in dieser Richtung mehr Tiefgang versprochen. Auch die Intelligenz der Mutierten wurde nur angedeutet. Dabei stellt sich in der Buchvorlage durchaus die Frage, wer der eigentliche Bösewicht ist: Der Mensch oder der Mutant?
Leider gab es dann auch ein paar logische Brüche, zumindest bei mir blieben Fragen offen. In "Omega-Mann" versucht Robert Neville, damals gespielt von Charlton Heston, ein Serum zu entwickeln, um andere Überlebende vor der Ansteckung zu schützen. In "I Am Legend" ist ein solcher Impfstoff eigentlich gar nicht mehr nötig, da es automatisch Immune gab, darunter ganze Kolonien. Wieso also unter Selbstaufopferung einen Impfstoff herstellen? Zugegeben: Das begründete sich wohl darin, dass es sich scheinbar nicht nur um einen Impfstoff, sondern sogar um ein Heilmittel für die "Nachtsucher" handelt (Eigentlich benötigt es dafür einer weiteren viralen Genmanipulaton, doch das fällt im Film dezent unter den Tisch). Doch spätestens als tatsächlich sicher ist, dass es zahlreiche weitere Immune außer Robert Neville gibt, wird ein solches Heilmittel doch eigentlich obsolet. Denn dann liegt die Zukunft der Menschheit sicher nicht mehr in einem Heilmittel und in der Rettung der Mutierten, sondern im Überleben der Immunen und dem Tod der Mutierten.
Trotz Bob Marley-Zitaten und beklemmenden Evakuierungsrückblenden war es doch alles in allem ein Film, der sich am kleinstmöglichen Nenner (beispielsweise der Familienidylle, einem klaren Freund-Feind-Schema und einer bizarren Prise Religion) orientiert. Schauspielerisch und ausschnittssweise irgendwo sehenswert, aber eigentlich genügt bereits der Trailer des Films, um die besten Szenen gesehen zu haben: Das Leben in einem verwildertem New York. Um mit diesen morbiden Bildern echte Beklemmung auszulösen, hätte man aber selbst aus diesen Szenen mehr machen müssen.
Jetzt freue ich mich allerdings auf "Cloverfield" von J.J. Abrams. Einige Verschwörer glauben bereits an einen Film um den Cthulhu-Mythos! Das kann ja heiter werden.
Nachtrag: Die Originalverfilmung von "I Am Legend" ist unter dem Titel "The Last Man on Earth" in voller Länge bei Archive.org erhältlich!
Über die Demokratisierung des Publizierens
Ein schönes Plädoyer für die Demokratisierung des Publizierens hat der FAS-Kolumnist und (BILD-)Blogger Stefan Niggemeier da für taz.de geschrieben. Der Artikel "Die Arroganz der Papierverfechter" räumt meiner Meinung nach vor allem mit dem demokratiezersetzendem Vorurteil auf, dass Otto-Normal-Menschen ungeeignet seien für den publizistischen Meinungsdiskurs. Oder wie sich Bernd Graff von der SZ über Kommentarschreiber im Netz aufregte: "Sie zetteln Debattenquickies an, pöbeln nach Gutsherrenart und rauschen dann zeternd weiter". Aber wollen wir wirklich einen Diskurs, der nur von den Journalisten, Intellektuellen und selbsternannten Meinungshohepriestern geführt wird?
Exkursion zur LWL-Klinik Warstein

Bereits am Donnerstag befand ich mich auf Exkursion im Studienfach Geschichte zum LWL-Psychiatrieverbund in Warstein. Auf dem gut 34 Hektar großem Gelände kann man wunderbar in die Psychiatriegeschichte seit 1905 Einblick nehmen, inklusive Hungerwinter, NS-"Euthanasie" und Psychiatriereform. Auch, weil hier Hermann Simon wirkte.
Einen ersten Zugang zur Psychiatriegeschichte, v.a. der von Warstein, bietet die Sektion zur Geschichte auf der Klinik-Homepage. Dort ist auch ein informativer Flyer erhältlich.
Zur Ergänzung: Einige Tage nach der Exkursion hat unser Kurs auch eine Pressemitteilung zu dieser Exkursion herausgegeben.
Wem gehört dieses Graffiti?
In der Frage, wie man Graffitis bewerten soll, war ich bisher eher unentschieden. Auch wenn mich die Ästhetik des Graffiti nicht sonderlich anspricht, hatte und habe ich eine gewisse Sympathie für die Forderung, kommunikative Oberflächen nicht ausschließlich von kommerziellen Kommunikatoren besetzen zu lassen. Was dagegen das idotische Taggen angeht, halte ich Graffiti allerdings für völligst destruktiv. Scheinbar geht es beim Taggen nur darum, ein Ego zu verteidigen, das zuvor gar nicht angegriffen wurde.
Der rechts abgebildete Graffiti-Schriftzug "Dein Fernseher lügt" am F-Haus lässt sich nur schwer einordnen. Einerseits ist da die geradezu aufklärerische Botschaft, anderseits die absurde Vorliebe für Sandsteinoberflächen und Neubauten. Wer bitte kommt auf die Idee den Dom zuzusprühen? Was rechtfertigt eine derart dreiste Sachbeschädigung des neuen Eingangs des Fürstenberghauses?
Besonders irritierend: Die Botschaft entspricht dem Titel des Filmes "free rainer - dein fernseher lügt". Doch zumindest Regisseur Hans Weingartner bestreitet in einem Kommentar auf polylog.tv eine Verbindung von entsprechenden Berliner "Dein Fernseher lügt"-Graffitis mit seinem Film über eine quotenbesessene Unterhaltungsindustrie.
Weiß jemand mehr? Was sind die wahren Hintergründe dieser Sprüherei?
Kunst
In den Stadtparks Beijings schreiben alte Männer mit einem Pinsel und Wasser Gedichte auf das Steinpflaster der Gehwege. Auf diese Weise entstehen vergängliche Gedichte und kurzlebige philosophische Passagen in chinesischer Kalligraphie. Sobald das Wasser verdunstet, bleibt nichts von dieser Straßenkunst bestehen.
Ein wenig exaltierter und streitbarer ist dagegen eines der interessantesten Musikstücke der modernen Kunst. John Cages 4'33'' besteht nämlich nur aus einer Anweisung: Tacet, d.h. es besteht eigentlich nur aus 4 Minuten und 33 Sekunden völliger Stille. Der Reiz entsteht dann mehr oder weniger aus den aufgebrachten, gelangweilten oder verwirrten Zuhörern.
Zwei wunderbare Problemfälle für die Philosophie der Kunst.
Selene
Zwar haben auch die Apollo-Missionen vor fast dreißig Jahren Filmaufnahmen von ihren Mondumrundungen mitgebracht, aber was aktuell der japanische Mondsatellit Selene zur Erde überträgt spielt technisch in einer völlig anderen Liga.
Ein von der japanischen Weltraumbehörde Jaxa freigegebener Film ist nun auf der Internetseite der FAZ zu sehen.
Wissen, wo der Frühling geblieben ist
Mittlerweile ist es Herbst. Doch als noch Frühling herrschte, habe ich an einem Fotowettbewerb zum Thema "Wissen wo der Frühling steckt ? Florales aus Münster" teilgenommen. Jetzt ist die Entscheidung über die Gewinnerfotos gefallen und ich muss neidvoll zugestehen: Es sind sehr gute Fotos, die da gewonnen haben. Ich wundere mich etwas über den Gewinner des Onlinevoting, nicht nur weil der Online-Wettbewerb etwas abgeschmacktes hatte, sondern auch weil ich nach all den Eskapaden nicht vermutet hätte, einen verdienten Sieger in dieser Kategorie zu sehen zu bekommen. Stellt sich nur noch die Frage wie dieser Sieger tatsächlich ermittelt wurde... Wirklich in aller Konsequenz durch das Voting?
Egal. So wie es aussieht gibt es nächstes Jahr wieder einen solchen Fotowettbewerb. Mal sehen ob ich dann wieder dabei bin. Bis dahin habe ich meine diesjährigen Teilnehmerfotos bei FlickR hochgeladen:
Bayertz im SPIEGEL
Erst die Bewilligung eines Exzellenzclusters, heute ein zweiseitiger Artikel im SPIEGEL über einen meiner Philosophie-Profs: "Mein" philosophisches Seminar macht Schlagzeilen. In der Serie "Geistesgrößen" plaudert Prof. Dr. Kurt Bayertz über sein neues Buchprojekt.
Spiel '07
Ein gelungener Sonntag auf den Internationalen Spieltagen 2007 (oder kurz SPIEL '07) in Essen und Stichwörtern: Probespielen von Gesellschaftsspielen, Probeknüppeln mit LARP-Waffen, Probeweise anstehen für die Signierstunde von John Kovalic, Anprobe von Helmen und falschen Tattoos. Eingedeckt mit neuen Würfeln (aus Metall!), OOTS-Comics und fliegenden Gimmicks.
Mehr davon als Fotoimpressionen im StudiVZ, wo ich und meine Begleiter einige Fotos hochgeladen haben.
Freibad Hiltrup
Schon seit einer ganzen Weile wird im Freibad Hiltrup umgebaut. Der ganze Komplex soll Strandatmosphäre und eine Röhrenrutsche bekommen und trotz kleinerer Wasserflächen attraktiver wirken. Gestern war dann großes Showlaufen der Politik angesagt, vom Bezirksvorsteher bis zum Architekten latschten alle über die Baustelle, guckten altbekannte Pläne und lächelten für die Kamera. Das wollte ich mir als WN-Praktikant nicht entgehen lassen und habe ein Panorama mitgebracht; ist ja schon irgendwie spannend anzusehen. Ich hege wohl eine heimliche Leidenschaft für Abrissarbeiten.
Nachtrag: Habe dieses Foto und zwei Norwegen-Panorama dem Panoramarama hinzugefügt. Darüber hinaus sind einige neue Aufnahmen aus London und Norwegen in die Galerie aufgenommen worden.
Philosophen-Krankenhaus
Notfall im Philosophen-Krankenhaus: "Professor Habermas, bitte sofort auf die Ontologie!"
Finale des Fotowettbewerbs
Unter dem Leitmotto "Wissen
wo der Frühling steckt – Florales aus Münster" findet bis Ende dieses Monats ein Online-Fotowettbewerb statt, an dem ich seit geraumer Zeit mit zehn
recht erfolgreichen Bildern teilnehme.
Zwar hat sich die Wahl genau so entwickelt wie ich befürchtet habe, aber trotz merkwürdiger Zwischenergebnisse und einem dramatischem Ansteig der Teilnehmer spiele ich noch oben mit und so habe ich wider allem Realismus die Hoffnungen noch nicht aufgegeben den Wettbewerb zu gewinnen. Das einzige was es dafür noch braucht sind Voter und ich hoffe daher weiterhin auf zahlreiche Stimmen!
Märkte sind Gespräche
Der Elektrische Reporter von Mario Sixtus und dem Handelsblatt ist nicht nur ganz allgemein sehr empfehlenswert, sondern hat mit seinem aktuellem Video-Podcast auch Themengebiete berührt, die mich derzeit im Studium (Wirtschaftsethik) und im Privaten (durch die Beschäftigung mit dem Medienphilosophen Vilém Flusser) sehr beschäftigen. Es geht um intelligente Märkte, das Ende des einseitigen Marketings, Kunden als Sender und um Verbraucherrechte und -ansprüche im Zeitalter des Internets: "Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Daten".
Weiterhin lohnt es sich den Film bis zum Ende zu sehen, denn im Anschluss an Martin Oetting folgen "Siggis letzte Worte", die man für gewöhnlich auch in dessen Blog nachlesen kann:
"Den evolutionären Drang zur Technik aufhalten zu wollen hieße die Luft anhalten. Der inhumane Kern eines jeden Denkens das sich der Technik verweigert, ist Tod, Entropie, oder bestenfalls Stasis. Überall wo man sich ideologisch mit der Entlarvung von Technikgläubigkeit brüstet oder selbst definiert, lässt sich im Kern dieser geistige Kältetod aufspüren. Meist in der Hülle der naturwissenschaftlichen Unbildung bis Dummheit und dem ewigen 'verweile doch, du bist so schön' auf den Lippen."
Vielleicht sollte ich meine Semesterarbeit zum Thema Transhumanismus doch noch mal etwas aufpolieren und hier ins Netz stellen; dieses Zitat ist zu gut um es nicht zu unterstützen.
NATO - OTAN
Dieses gelungene Foto vom FlickR-User albspotter
zeigt ein Flugzeug der NATO. Neben dem Wort "NATO" ist eine Windrose
aufgezeichnet und daneben steht der Schriftzug "OTAN", was ja einfach nur
"NATO" umgedreht ist. Ich habe mich schon immer gefragt was dieses
verrückte "Logo" eigentlich soll. Entstand es aus Einfallslosigkeit oder
war ein Ambigramm intendiert, in dem sich womöglich diabolische
Nachrichten verstecken?
Nun, ich musste tatsächlich erst 24 Jahre alt
werden um zu kapieren, dass "OTAN" einfach nur französisch für
"Organisation du Traité de l´Atlantique Nord" ist, also kurz "OTAN".
Wieder etwas gelernt.
Auch wenn sich hinter dem "Corporate Design"
der NATO tatsächlich nur französischer Narzissmus verbirgt: Palindrome
erfreuen sich seit je her einem Ruf als sublime Beeinflusser mit geradezu
dämonischer Magie. In Sagen und Legenden wimmelt es von Berichten von
dummen Zauber-Lehrlingen, die nichts vom Rückwärtslesen der Formel
wussten. Wie ungeheuerlich und machtvoll muss da Abergläubigen erst ein
Name, Bannfluch oder Zauberspruch in Form eines Palindroms erscheinen?
Tatsächlich gibt es viele, die in "NATO - OTAN" Reste magischer
Vorstellungen suchen...
Unvermeidbar, dass auch hinter rückwärts
eingespielten Passagen in der Rock- und auch Pomusik Diabolisches und
Manipulatives vermutet wurde. In Wahrheit taugt der Spaß der
Rückwärtsmaskierung wenig um Jugendliche subtil auf die Seite Satans zu
ziehen: Unser Wahrnehmungsapperat ist schlicht zu dumm um sich derart
hinterhältig beeinflussen zu lassen, was mittlerweile auch Werbestrategen
und Geheimdienste eingesehen haben.
(Es ist wohl müßig zu erwähnen,
dass mich gelangweilte Gedanken über den DSA-Rollenspiel-Zauberspruch
"REVERSALIS REVIDUM" während meines Französisch-Kurses zu diesem weit
verzweigtem Blogeintrag samt Erkenntnissen und Recherchen getrieben
haben...)
Sturmtief "Kyrill"
Orkan "Kyrill" erreicht in Deutschland fast 200 km/h +++
Hunderttausende in Großbritannien ohne Strom +++ Bahnverkehr fast komplett
eingestellt +++ Höhe der Schäden an Gebäuden noch nicht abzuschätzen
Ist
vielleicht moralisch betrachtet ein wenig dubios von mir, aber diese
alltagsbrechenden Wetterkapriolen üben auf mich einen gewissen fatalen
Zauber aus. Vor allem wenn man selbst wohlbehütet im Warmen sitzt und das
Wetter einem die seltene Gelegenheit gibt Blitze zu fotografieren...
Children of Man
Meiner Meinung nach ist Children of Man der bisher beste Film des Jahres.
Inhaltlich geht es zunächst einmal um folgendes:
2027, seit 18
Jahren ist kein einziges Baby mehr zur Welt gekommen und so altert die
Menschheit unaufhaltsam ihrem Untergang entgegen. Zukunft, so sagt man,
ist was für die Vergangenheit. Wer wird die letzten Menschen noch begraben
können?
Doch die Unfruchtbarkeit ist in Children
of Man von Regisseur Alfonso Cuaron eher eine groß angelegte Metapher,
denn die Menschheit ist vor allem in einer Kategorie unfruchtbar: Geistig.
Keine neue Idee rettet die verfahrene Politik, nichts beflügelt die
zerrissene Gesellschaft. Und so regieren totalitäre Regime über die Agonie
der Endzeit, Terrorismus bestimmt den Alltag und hinter der Fassade der
Zivilisation verbirgt sich der allgegenwärtige Dämon der wütenden,
verzweifelten Gewalt: Ohne Vorwarnung sterben wichtige Protagonisten des
Films, Blut bespritzt die Kameralinse, Militärs patroillieren in den
Straßen, im Fernsehen laufen Spots für Suizidmedikamente, Abu Ghureib ist
überall. Die Ausläufer der Gegenwart haben die Zukunft eingeholt und die
Utopie endgültig zerstört. Selten hat mich ein Film derart in den
Kinosessel gepresst, selten so mitgenommen in seinem ruppigem Stil...
Es
gibt Häuserkampfszenen wie bei Kubrick, bizarr-realistische
Verfolgungsszenen, die Beklemmung leerer Schulen und gegen die panisch
lebensmüde Stimmung, die von den grauen, kalten Bildern ausgeht, kommt
auch das satte britische Wiesengrün nicht an. Wenn die Kamera in Theos
Perspektive springt, erzeugt das einen Schock, der sich bei den üblichen nüchternen
Blicken auf größere Verwüstungen nie einstellt.








