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Noch weiß man nicht wie außergewöhnlich das Leben
im Universum wirklich ist. Ist es eine statistische Notwendigkeit
oder ist das Leben eine wundersame Anomalie? Aber eines ist sicher:
Das Leben ist hartnäckig. Seit das Leben vor ungefähr 3,5
Milliarden Jahren angefangen hat diesen Planeten zu erobern, hat es
Meteoriteneinschläge, Sonnenstürme, Magnetfeldanomalien, Wetterkatastrophen,
extremen Vulkanismus, diverse "nukleare Winter" und andere
Desaster überstanden, hat sich sogar noch weiterentwickelt und
hat selbst unwegsamste Nischen erobert. Wie widerstandsfähig das
irdische Leben ist, zeigen unter anderem die berühmten schwarzen
Raucher -hydrothermale Schlote- in der Tiefsee, die einem ganzem Zoo
merkwürdigster Kreaturen zur Heimat geworden ist die unabhängig
vom Sonnenlicht sind, was bisher als Ding der Unmöglichkeit galt.
Man fand sogar Bakterien im Kühlwasser von Atomkraftwerken oder
auf Asteroiden im All.
Überhaupt: Mittlerweile ist die Theorie, dass Leben sei über
ebensolche unwirtliche Gesteinbrocken als Trittbrettfahrer zur Erde
gelangt, zu einer ernsthaften Option in der Wissenschaft geworden (die
sogenannte Panspermie-Theorie). Das Ganze klingt doch fast nach
einem Projekt -besser: Vorgang- den man geneigt ist zu unterstützen.
Und wieso sollten wir uns auch nicht aktiver daran beteiligen?

Acanthocystis turfacea

Cyanobakterie

Stromatolithen
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Bis wir einst selbst zu unerforschten Welten vordringen wird es noch
Jahrtausende dauern, wenn es denn überhaupt gelingt: zu gigantisch
ist das All und zu komplex ist unser Organismus als dass wir unbeschadet
auf völlig fremden Welten überleben könnten. Vorerst
sehen wir keine Möglichkeit die menschliche Rasse auf die Sterne
auszudehnen. Aber das Leben im Universum darf nicht einfach mit unserer
Erde irgendwann enden (solange wir nicht von anderen Lebensformen wissen,
müssen wir davon ausgehen mit der Erde ein Einzelfall zu sein).
Mit ein wenig Altruismus könnten wir das Universum ganz
uneigennützig wunderbar bereichern und mit Leben "bestäuben".
Die wahren Herrscher über die Erde sind die Einzeller und mit ihnen
hat auch alles begonnen. Der überragende Teil der irdischen Biomasse
gehört den Einzellern. Und von dem was überbleibt übertreffen
Insekten die Biomasse der Menschheit nochmal um eine zehnfache Potenz.
Die Welt gehört den Kleinen: Extremophile Mikroben vertragen
unfassbaren Druck, Umweltgifte, sogar härteste Strahlung. Cyanobakterien
produzierten den ersten Sauerstoff auf der Erde, Stromatolithenteppiche
gibt es noch immer auf unserem Planeten, dabei haben sie den Siegeszug
des Sauerstoffs damals schon angezettelt. Rädertierchen können
sich für Ewigkeiten einkapseln und schwierigste Zeiten überdauern
usw.
Mit Hilfe verschiedenster solcher Überlebenskünstler könnten
wir das All kolonisieren, ganz anders als wir es uns je erträumt
hätten. Anfangen könnten wir mit den marsianischen Polkappen,
dem Jupitermond Europa, aber auch auf anderen, weniger lebensfreundlichen
Monden des Jupiters und Saturns: Ganymed, Kallisto, Dione, Titan, Iapetus
und Rhea. Die Monde der großen Gasriesen bestechen durch eine
geologische Aktivität, erzeugt von der Schwerkraft ihrer Mutterwelten
und auf Europa gibt es möglicherweise auch oben erwähnten
schwarzen Raucher und der Saturnmond Enceladus führt "Wasservulkane"
ins Feld. Ob diese Welten wirklich als gute Ernährer taugen wissen
wir nicht, aber es ist einen Versuch wert. Und letztendlich könnten
wir auf gut Glück auch Mikroben ins Unbekannte All außerhalb
des Sonnensystems schicken, wer weiß schon wo sie in Jahrtausenden
oder Jahrmilliarden ankommen oder wer sie findet?
Doch wie genau sollen wir unser "Saatgut" verbreiten?
Die Antwort lautet: Mit autonomen Sonden.
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Das obige Schaubild stellt eine Konzeption einer "Sporensonde"
dar: Mit einem Ionenantrieb (blau
in der unteren Aufbauskizze) könnten solche Sonden Schwung holen
und mit hoher Geschwindigkeit das Sonnensystem verlassen oder auch einfach
nur zum Mars oder den Jupitermonden fliegen. Drehbare Solarsegel
(die zugehörigen Aggregate sind lila eingefärbt) dienen
in der Nähe von Sol als sekundäre Energiequelle (ein nuklearer
Reaktor sorgt für die Primärenergie), aber auch als Funkantennen
und sichtbarer Reflektor, so dass die Sonde schnell optische Aufmerksamkeit
erwecken kann.. Nähres dazu später. Eine autonome KI
(gelb) steuert die Sonde und fällt
anhand von umfangreichen Daten der manigfaltigen Sensoren selbstständig
Entscheidungen und programmiert Umlaufbahnen. Der eigentliche Clou der
Sonde befindet sich in den grünen
Bereichen der Sonde: Umfangreiche Bakteriensammlungen werden
teilweise in verbundenen, teilweise in streng getrennten Mini-Ökosystemen
(manche Bakterienstämme auch in eigenen Kältekammern) je nach
ihren Bedürfnissen eingelagert, vermehrt oder in Schach gehalten.
Radiophile Bakterien haben zudem die Möglichkeit sich in einem
Tank außerhalb der strahlungssicheren Hülle zu bewegen (die
grüne Reagenz kann man bei einem Blick auf die Sonde erkennen).
Dieser Tank gibt auch auf dem ersten Blick dem neugierigem Beobachter
eine Idee von dem was die Sonde darstellt.
Die diversen Bakterienröhren, -sphären und -habitate durchziehen
die gesamte Sonde: Sowohl das Mutterschiff, als auch die abwerfbare
Bestäubungskapsel (orange
im Schema, auch deutlich zu erkennen in der ganz oberen Skizze). Findet
die Sonde tatsächlich einen Planeten der entfernt dem in ihr lebenden
Organismen zuspricht wird dieses Abwurfmodul abgedockt und setzt mit
seiner kostbaren Fracht auf dem Planeten auf bzw. schlägt ein.
Sollte die Sonde beispielsweise den Jupitermond Europa anfliegen würde
die autonome Sonde eine Spalte im Eis ansteuern lassen. Aber nicht alle
Mikroben begleiten die Bestäubungskapsel: Ein paar bleiben zurück
auf der Muttersonde und kreisen mit ihr in einem stabilen Orbit bis
-hoffentlich. in alle Ewigkeit, stetig Funkfeuer ausstrahlend mit Warnungen
vor der biologischen "Verseuchung" und Informationen zu ihren
Absendern: Der Erde. Etwaige Nachkömmlinge der Bestäbung oder
neugierige Fremde würden so schnell aufgeklärt. Sollte ein
Planet bereits bewohnt sein -was ja nun wirklich sehr unwahrscheinlich
ist, so kann noch rechtzeitig eingegriffen werden, bevor der eigene
Planet von irdischen Mikroben erobert wird. Zu guter Letzt befindet
sich in sowohl in der Muttersonde als auch der Bestäubungskapsel
ein kompletter Satz menschlicher DNS, sei es als Inspiration für
die Bakterien oder als Hinweis auf die Erschaffer dieser Mission.
Ist
die Bestäubungskapsel (orange)
erst einmal gelandet analysieren riesige Sensorarrays die Umgebung,
seien es nun orkanartige Winde, säurehaltige Gewässer oder
glutheiße Böden. Je nach Umwelt werden passende Bakterienstämme
über feine Düsen aus der Kapsel gesprüht. Der Rest wird
zurückbehalten bis sich entweder die Umwelt ändert (zum Beispiel
durch Jahreszeiten eines Planeten oder gar durch freigelassene, sauerstoffproduzierende
Cyanobakterien die es geschafft haben die Atmossphäre eines Planeten
zu verändern oder ersteinmal eine zu erzeugen) oder die Sonde schlicht
verrottet ist. Ebenfalls wird kurz nach der Analyse durch die Sonde
ein Ballon, gefüllt mit Bakterien losgeschickt. Er befindet sich
zuvor zusammengerollt in einer Außenklappe der Kapsel. Auf diese
Art wird ein zweiter Startpunkt -willkürlich durch den Wind bestimmt-
für die Bakterien gesetzt. Ab jetzt sind diese auf sich allein
gestellt und es muss sich zeigen ob sie auf dem Planeten langfristig
überleben können. Sollten sie das schaffen -unwahrscheinlich
genug- ist es noch einmal eine immense Unwahrscheinlichkeit, dass sich
der Genpool mutiert in eine höher geordnete Struktur: Mehrzellige
Lebewesen. Und wer weiß: Läuft die Bestäubung tatsächlich
derart gut, dass eine kraftvolle Evolution in Gang kommt, dann ist es
vielleicht nicht mehr weit bis irgendwann intelligente Lebensformen
aus dem hervorgehen was wir auf all diese fremden Himmelskörper
gebracht haben.
Kritik und Anmerkungen: "Wir wollen eine Kontamination der
Planeten, die wir besuchen, verhindern", erklärt John Bennett
vom Mars-Express-Team der ESA. Bennett ist einer der Wissenschaftler,
die den roten Planeten vor eben einer solchen irdischen Mikro-Invasion
schützen sollen, die ich hier propagiere. "Wir wollen schließlich
nicht, dass künftige Missionen anstelle von Leben Verunreinigungen
aufspüren".
Die COSPAR-Bestimmungen regeln, in welchem Umfang ein Raumflugkörper
keimfrei gemacht werden muss; sie sehen unterschiedliche Reinheitsgrade
vor. Welchem Reinheitsgrad eine Mission entsprechen muss, hängt
zum einen von der Art und zum anderen vom Bestimmungsort der betreffenden
Mission ab. Bei Landern werden wesentlich strengere Kriterien angelegt
als bei Orbitern. Je wahrscheinlicher der Ziel-Himmelskörper Spuren
von Leben birgt, desto rigider wird die Reinheitsstufe gehandelt.
Die hier entworfene Sporenkapsel ist also nach den heute in der Raumfahrt
geltenden Moralparametern nicht möglich, nicht gewollt und erst
recht nicht geplant. Und zugegeben: Das hier vorgestellte Projekt klingt
tatsächlich mehr nach Nietzsches Philosophie von tanzender Überlegenheit
als nach überlegter Wissenschaft. Aber letztendlich müssen
wir uns fragen: Ist das (irdische) Leben so wertvoll und schön,
dass es verbreitet werden sollte oder soll es mit uns untergehen? Oder
sollen wir einfach auf die vage Möglichkeit zu setzen, dass das
Leben schon "einen Weg findet"? Wir sollten uns fragen ob
wir nicht dieser "Weg" sein könnten und müssen.
Wenn auch erst irgendwann.
"If We Are Alone in the Universe, Then It Is an Awful Waste of
Space" - Carl Sagan, ihm zu Ehren wurde die Landeeinheit der Pathfinder
Mission 1998 in Carl Sagan Memorial Station umbenannt.
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