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Die Geschichte der Ellertalbahn

von Bamberg nach Scheßlitz

 

 

Noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Eisenbahnstrecken. So erreichte

der Schienenstrang im Jahre 1844 als erste bayerische Staatsbahnlinie von Nürnberg

kommend die Stadt Bamberg.

 

In Scheßlitz dominierten bis Anfang des 20. Jahrhunderts Ackerbau, Handwerk und lokaler

Handel. Die zahlreichen Brauereien, Mühlen, Ziegeleien, Steinbrüche und Sägewerke

produzierten nur für den lokalen Bedarf. Das Entstehen größerer Produktionsstätten und

weiträumiger Absatz scheiterte aufgrund fehlender Transportmöglichkeiten. Weitsichtige

Bürger erkannten diesen Rückstand und so bildete man auf der Grundlage des bayerischen

Lokalbahn-Gesetzes am 1. Oktober 1891 einen Ausschuss zur Erbauung einer

normalspurigen Eisenbahn nach Scheßlitz. So teilte 1893 die Generaldirektion der Königlich

Bayerischen Verkehrsanstalt mit, dass die Projektion des Königlichen Staatsministerium

genehmigt wurde.

 

Der Eröffnungszug lief pünktlich um 11.26 Uhr in den Endbahnhof Scheßlitz ein   (Bild Toni Lindner)

 

Der Gesetzesbeschluss erzeugte bei den Interessenten eine große Erwartungshaltung, denn

bereits im Oktober 1904 reichte die Gemeindeverwaltung Scheßlitz ein Gesuch um baldige

Erbauung der Lokalbahn beim Staatsministerium für Verkehrsangelegenheiten ein. Am

25. November 1907 wurden mit 50 Beschäftigten beim künftigen Halteplatz Gundelsheim

die Arbeiten aufgenommen. Am 25. Juli 1908 war das Feldbahngleis bis zum Scherbach

- 400m vom eigentlichen Bahnhofsbereich entfernt - vorgerückt.

 

Anlässlich der Inbetriebnahme am 30. September 1908 bespannte die fichtenbekränzte und

fahnengeschmückte Personenzuglokomotive B VI 341 "DACHAU" einen Sonderzug. Pünktlich

um10.30 Uhr begann die Jungfernfahrt ins Ellertal. In den Wagen der I. und II. Klasse hatten

die Ehrengäste Platz genommen. Mit Kanonensalut, Festmarsch der Stadtkapelle, und der

weißblaue Fähnchen schwenkenden Schuljugend empfing man in Scheßlitz den Eröffnungszug.

Am 1. Oktober 1908 wurde der planmäßige Verkehr aufgenommen. Gleichzeitig endeten auf

dieser Route die Fahrten der Postkutsche. Das "Bockäla" entwickelte sich bald zur festen

Institution und die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung richteten sich nach dessen Fahrplan

aus. So wusste jeder, dass der Nachmittagszug die Tageszeitung anlieferte, welche wenige

Minuten später in den Poststellen zum Verkauf bereitlag.

 

Dampflokomotive 86 457 verlässt gerade Giech   (Foto von Matthias Wolf)

 

Nach einer entsprechenden Vereinbarung, gingen am 1. April 1929 die königlich bayerischen

Staatsbahnen - zusammen mit allen anderen Länderbahnen - mit ihren Streckennetzen in die

Verwaltung der Deutschen Reichsbahn über. Der Bahnhof Scheßlitz expandierte: So erhielt

ein neues Genossenschafts-Lagerhaus Anschluss an den Schienenstrang. Doch nicht nur im

Güterverkehr erfreute man sich einer besseren Auslastung. Die gut frequentierten

Personenzüge wurden im Sommer 1926 an Werktagen fünfmal und an Sonntagen sogar

siebenmal auf die Strecke geschickt. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am

1. September 1939 erreichte der Güterverkehr das höchste Aufkommen in der

Streckengeschichte. In den letzten Kriegswochen wollte man die Verwaltung des

Bahnbetriebswerkes Bamberg nach Scheßlitz verlegen. Am dortigen Berganstieg sollte eine

so genannte "Jurafront" den Vormarsch alliierter Truppen aufhalten.

 

Mit Wirkung vom 7. September 1949 führte die Reichsbahn im vereinigten Wirtschaftsgebiet

die Bezeichnung Deutsche Bundesbahn (DB). In den folgenden zwei Jahrzehnten war das

"Schäätzer Bockäla" erstmals einer Konkurrenz mit den aufkommenden

Staßenverkehrsträgern ausgesetzt. Die erste Abwerbung potentieller Bahnkunden geschah

bereits 1949, nachdem die Stadtwerke Bamberg eine Buslinie nach Memmelsdorf eröffnet

hatte. Doch damit nicht genug, bereits zwei Jahre später erfolgte eine Verlängerung dieser

Linie bis Drosendorf. Für unentschlossene Fahrgäste war der Bus insofern attraktiv, da

dieser direkt in die Bamberger Innenstadt fuhr. Dies hatte gravierende Einnahmen zur Folge.

 

Schienenbus zwischen Giech und Scheßlitz   (Foto von Wolfgang Bleiweis)

 

Ab 18. Januar 1954 fuhren als Ersatz für ausgemusterte Benzin-Triebwagen auch

Schienenomnibusse durch das Ellertal und Anfang der sechziger Jahre endete der Einsatz von

Dampflokomotiven vor den Personenzügen. Auf dem Sektor des Personenverkehrs führten

zunehmender Autoverkehr und paralleler Busverkehr zu weiteren Einbußen. Mitte der

Sechziger reduzierte man den Güterzugplan auf nur noch drei Fahrten pro Woche. Und Ab

Sommer 1973 bestand eine neu eingerichtete Bahnbuslinie Bamberg - Scheßlitz.

 

Am 13. September 1974 leitete die Bundesbahndirektion Nürnberg das Verfahren zur

dauernde Stilllegung des Gesamtbetriebes ein. Ziel war die Verlegung des Reisezugverkehrs

auf die Straße. Ab Sommer 1975 wurden massive Kürzungen im Fahrplan vorgenommen.

Durch unattraktive Abfahrtzeiten wurden Wanderern und Sonntagsbummlern und später

(1982) auch Schülern und Berufstätigen jegliche Grundlage auf der Schiene entzogen. Die

Jugendlichen zwängten sich in ersatzweise "im Auftrag der DB" verkehrende Omnibusse

eines privaten Unternehmers, während die meisten Berufstätigen auf das Auto umstiegen.

Die Stilllegung war nicht mehr aufzuhalten. Im Sommerfahrplan 1982 fuhr nur noch ein

Zugpaar. Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit der DB-Generalvertretung Bamberg

kamen jedoch immer öfter Sonderzüge auf die Strecke.

 

Die letzte Information der Bundesbahn zum Schienenpersonenverkehr im Ellertal lautete wie

folgt: "Ab 02.06.1985 wird mit Genehmigung des Herrn Bundesministers für Verkehr der

Reisezugbetrieb auf der Nebenbahnstrecke Bamberg - Scheßlitz eingestellt. Bitte beachten

Sie das umfangreiche Bahnbusangebot".

 

 

Quelle: Das Schäätzer Bockäla von Matthias Wolf, Verlag Wolfgang Bleiweis ISBN 3-928786-13-X

 

 

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