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Lurche in Mönchengladbach |
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Kinderstube im Wasser
Unsere heimischen Amphibien werden in
Froschlurche (Frösche, Kröten) und Schwanzlurche (Salamander,
Molche) unterschieden. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie an Land,
nur im Frühjahr, zur Fortpflanzungszeit, suchen sie das Wasser auf.
Dann wickeln die Kröten lange Laichschnüre um Wasserpflanzen.
Der Laich von Fröschen dagegen findet sich als großer,
vom Wasser aufgequollener Klumpen in fllachem Wasser. Die Molche
wiederum müssen jedes Ei einzeln in die Blätter von Wasserpflanzen
einwickeln. Dadurch dauert ihre Laichzeit von März bis Mai. Die Larven
der Molche fressen, wie die erwachsenen Tiere übrigens auch, kleine
Wassertierchen, z.B. Wasserflöhe, Mücken-, Eintagsfliegen- und
Libellenlarven. Die Froschlarven dagegen ernähren sich von Algen,
die auf Steinen und an Wasserpflanzen wachsen. Nach der Metamorphose bevorzugen
sie allerdings auch Insekten, Schnecken und Würmer. Natürliche
Feinde der Amphibienlarven sind Fische, Vögel, Libellenlarven und
Amphibien. An Land stellen ihnen Raubinsekten, Vögel, Schlangen und
Säugetiere nach.
Kurz vorgestellt: Die Amphibien in Mönchengladbach
In Nordrhein-Westfalen kommen 17 Amphibienarten
vor, davon sind 6 bereits vom Aussterben bedroht, andere Arten sind (stark)
gefährdet. Acht Arten zählt man auch in Mönchengladbach:
Grasfrosch, Wasserfrosch, Erd- und Kreuzkröte, und die vier Schwanzlurche
Berg-, Teich-, Kamm- und Fadenmolch.
Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist bräunlich, grau-grünlich oder gelblich mit dunklen Flecken. Die langen Hinterbeine sind gestreift. Er hat eine Schallblase unter der Kehle. Er quakt nicht, er knurrt zur Fortpflanzungszeit.
Der Wasserfrosch (Rana kl. esculenta), der eine Kreuzung zwischen See- und Teichfrosch ist, lebt vorwiegend im Wasser. Er ist grünlich mit einem hellerem Rückenstreifen. Das bekannte "Froschkonzert" zur Laichzeit entsteht durch seine beiden seitlichen Schallblasen.
Die Erdkröte (Bufo bufo) ist unsere größte Kröte. Die Pupille steht waagerecht, ihre Haut ist dunkel und warzig. Sie lebt nachtaktiv in Wäldern und in ähnlichen Biotopen. Typisch ist ihre ausgeprägte Treue zum Laichgewässer, zu dem sie über viele Jahre zurückkehrt.
Die Kreuzkröte (Bufo calamita) ist 10 cm groß, über ihren Rücken läuft ein heller Mittelstreifen. Charakteristisch sind ihre sehr kurzen Beine. Sie liebt sonnige, trockene Lebensräume, wie etwa Kiesgruben, wo sie sich tagsüber unter Steinen verbirgt.
Der Bergmolch (Triturus alpestris) kommt trotz seines Namens bei uns im Flachland relativ häufig vor. Das Männchen ist ca. 8 cm lang und trägt zur Laichzeit die so genannte Wassertracht. Die Flanken sind dann intensiv bläulich und dunkel getupft, die Bauchseite ist kräftig orangerot ohne Flecken, über den Rücken läuft eine 2 mm hohe gelb-schwarze Leiste, der Kopf ist ungestreift. Das Weibchen ist größer und dunkel marmoriert. Die Art bewohnt stehende und schattige Gewässer.
Der Fadenmolch (Triturus helveticus) ist unser kleinster Molch. Auffällig ist der hellbraune Rücken, der gelblich ungefleckte Bauch und der dunkle Streifen, der über die Kopfseiten verläuft. Das Männchen misst 6 cm, das Weibchen 9 cm. Ein weiteres Merkmal des Männchens: der breite Schwanz hat einen rötlichen Streifen und endet in einem Faden. Die Beine sind während der Wassertracht dunkel. Das Weibchen ist hellbraun und schwer vom Weibchen des Teichmolchs zu unterscheiden. Fadenmolche lieben kühle, beschattete Tümpel.
Beim Teichmolch (Triturus vulgaris) hat das Männchen eine Länge von 11 cm, das Weibchen 9 cm. Zur Fortpflanzungszeit fällt der hohe, gewellte Kamm auf. Der Flossensaum an der Schwanzunterseite ist bläulich, die Bauchunterseite ist gelborange. Er besiedelt alle Gewässertypen, bevorzugt größere besonnte Gewässer.
Der Kammmolch (Triturus cristatus)
hebt sich von den drei anderen Arten durch seine Größe ab. Die
Männchen erreichen bis zu 14 cm Länge, die Weibchen sogar 18
cm. Die Hautfärbung ist dunkel mit schwarzen Punkten, an den Flanken
mit heller Punktierung, Bauchunterseite gelb bis orange mit dunklen Punkten.
Zur Paarungszeit trägt das Männchen einen hohen gezackten Hautkamm,
der an der Schwanzwurzel
eingekerbt ist. Der Molch meidet kleine
Gewässer, liebt besonnte, pflanzenreiche Weiher und Teiche.
Flachsrösten als Lebensraum
Wenn mittlelerweile viele Lurche in ihrem
Bestand gefährdet sind, hat das zahlreiche Gründe: die Bergradigung
der Fließgewässer, die Entwässerung der Grünlandflächen,
die Umwandlung der Wiesen in Äcker, das Ausräumen der Landschaft,
das Einsickern von Nährstoffen (Dünger, Gülle) in Gewässer,
und der gesunkene Grundwasserspiegel. Auf einen Nenner lassen sich alle
Ursachen indes bringen: die Zerstörung des Lebensraums. Wo kommen
dann noch Amphibien in Mönchengladbach vor?
Interessante Kleingewässer sind durch den Flachsanbau entstanden, der um 1800 weit verbreitet war. Auf den staunassen Böden wurden Flachsrösten angelegt, in denen der Flachs für die Weiterverarbeitung präpariert wurde. Die kleinen Gewässer bieten heute Lebensraum für Amphibien. Alte Flachsrösten findet man noch im Bereich Viehstraße, Bistheide, Mennrather Wald und im Bruchwald bei Sittard. Der NABU Mönchengladbach pflegt seit 1986 ca. 25 Flachskuhlen in der Bistheide. Das bedeutet den jährlichen Freischnitt des Schwarzerlenaustriebs an den Ufern durchzuführen, die Verlandung zu reduzieren, aber auch die Verbuschung der umgebenden Wiesen zu verhindern. In diesen Gewässern wurden auch der gefährdete Kammmolch nachgewiesen.
Im Bereich der Niersniederung, des Knippertz-
und Mühlenbachs sowie des Wetscheweller Bruchs bleiben nach den Frühjahrsüberschwemmungen
einige Kleingewässer zurück, die erst im Sommer austrocknen,
wenn die Amphibien das Wasser bereits verlassen hatten. Gewässer mit
Quellen bleiben ganzjährig nass. Die heute noch zahlenmäßig
bedeutendsten Laichgewässer sind die Flachskuhlen, aber auch die Kiesgrube
Aretz im Hardter Wald und der alte Niersarm bei Schloss Rheydt.
Amphibien auf den rechten Weg geholfen
Ende
der 80er-Jahre hat der NABU tausende Kröten, Frösche und Molche
auf den rechten Weg gebracht. Eine Straße am Laichgewässer im
Hardter Wald stellte für die wandernden Tiere eine große Gefahr
dar. Viele Amphibien wurden bei dem Versuch, die Kiesgrube zu erreichen,
auf dem Asphalt überfahren. Ein sicheres Überqueren ermöglichte
den Lurchen erst ein Amphibienzaun, den wir entlang der Straße aufbauten.
In daneben eingegrabene Eimer fielen die Tiere, die versuchten an dem etwa
30 cm hohen Zaun vorbeizuwandern. Einmal in den Eimern gelandet, konnten
wir sie sicher an ihr Laichgewässer bringen. Glücklicherweise
wurde die aufwändige Aktion bald überflüssig, da die Straße
- für Kraftfahrzeuge eigentlich ohnehin gesperrt - auch auf Drängen
des NABU durch zwei Schranken wirkungsvoll beruhigt werden konnte. Durch
den Amphibienzaun gelang aber auch ein Einblick in den Bestand an der Kiesgrube
Aretz:
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