Greifvogelschutz in MG
 - von Gerhard Maas -


Tag- und Nachtgreife sind heute zum Teil schon auf Hilfsmaßnahmen angewiesen, um wenigstens die Mindestanforderungen an ihren Lebensraum vorzufinden. War es ursprünglich die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die mit ihren kleinflächigen, abwechselnden Feldern, Wiesen und Weiden den Lebensraum für Steinkauz, Schleiereule und Turmfalke schuf, so ist es heute die moderne, industrielle Landwirtschaft, die den Tieren die Lebensgrundlage entzieht. Weil alles "Nutzen" bringen muß, wurden Hecken gerodet, Parzellen zusammengelegt und Feuchtwiesen entwässert. Alles muss maschinengerecht sein, was stört muss weg. Obstwiesen sind unrentabel, sie werden nicht mehr gepflegt. Die alten Bäume zerbrechen im Wind oder werden durch Pferdeverbiss zum Absterben gebracht. Scheunen werden zu Wohnraum, Kirchtürme werden wegen der Stadttauben für Vögel geschlossen. Die Folge ist, dass das Nahrungsangebot knapp wird und Brutplätze fehlen.
Steinkauz
 

Schleiereule
 

Turmfalke

Der Steinkauz (Athene noctua)

Die "Rote Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands" stuft den kleinen Kauz in die Kategorie 2, stark gefährdet, ein. Das bedeutet die Bestände sind erheblich rückläufig oder aber durch laufendes bzw. absehbares menschliches Einwirken erheblich bedroht. 80% der Steinkäuze Deutschlands brüten in Nordrhein-Westfalen. Das sind etwa 4500 Paare (MEBS T., SCHÖNN 1995/97). Wir in NRW tragen eine besondere Verantwortung für diese Eule.

Als Minimalanspruch an ein Revier braucht der Steinkauz eine Bruthöhle. Dazu noch eine als Nahrungsversteck und ein weiteres Tagesversteck, denn während der Jungenaufzucht darf Vater Kauz zwar Futter bringen, nicht aber mit in der Höhle wohnen. Der NABU Mönchengladbach wirkt diesem Höhlenmangel entgegen. Schon vor 30 Jahren wurde damit begonnen in ehrenamtlicher Arbeit Nisthöhlen zu bauen und anzubringen. Über 100 spezielle Steinkauzröhren wurden über die Jahre aufgehängt, jährlich gereinigt und repariert. Wir haben etliche Kopfweiden gepflanzt und alte Weiden in Pflege genommen. Es wurden auch Obstwiesen neu angelegt. Der Zusammenbruch der Population konnte dadurch verhindert werden. Doch schon lauern neue Gefahren. Baugebiete rücken bis in die Obstwiesen vor. Die Dörfer verstädtern.

Gewölle des SteinkauzesIn den 80-er Jahren kannte man in Mönchengladbach etwa 32 Paare (BURGHARDT 1989, HEINEN et al. 1983). 1996 kartierte der NABU Mönchengladbach im Stadtgebiet die infrage kommenden Flächen mit Hilfe von Klangatrappen. Die Ergebnisse der Röhrenkontrollen wurden mit berücksichtigt, denn längst nicht alle Käuze lassen sich mit einem Tonband zum Rufen provozieren. Als Ergebnis wurden 44 Brutpaare ermittelt. Demnach hat sich der Bestand in den letzten 15 Jahren durch das Artenschutzprogramm erholt. Allerdings sind auch die Winter milder geworden und fordern den Käuzen weniger Verluste ab. Heute (2004) liegt der Bestand bei etwa 60-70 Brutpaaren in ganz Mönchengladbach. Rund 80% davon sind auf künstliche Nisthöhlen angewiesen. Auf 10km² kommen bei uns 4 Paare (2004). In Viersen sind es etwa 3,55 BP/10km² (HUBATSCH 1996). Unser Wert liegt im Durchschnitt der Werte des Rheinlandes (MILDENBERGER 1984). Landwirtschaftliche Flächen machen aber nur 43,5% (Stand 1999) des Stadtgebietes aus.
 

Bruterfolg des Steinkauzes in Mönchengladbach
 
Jahr Kontrollierte Bruten gezählte Junge Junge pro Brutpaar
1998 11 23 2,1
1999 25 60 2,4
2000 27 52 1,9
2001 25 68 2,7
2002 20 46 2,3
2003 18 30 1,7
2004 16 40 2,5
2005 22 59 2,7
2006 27 49 1,8
2007 17 42 2,5
2008 10 30 3,0

Der Bruterfolg schwankt mit dem Mäuseangebot und dem Wetter. Zum Erhalt des Bestandes sind 2,35 J/BP und Jahr (BEZZEL 1985) erforderlich. Diesen Wert erreichen die Käuze bei uns nicht ganz, aber dennoch war der Bestandstrend bislang steigend. Hoffen wir, dass es so bleibt.
 
 
 
Junger Steinkauz, Foto: H.Kuhlen
Juveniler Steinkauz, gerade flügge.
Verteilung der Reviere in Mönchengladbach
Besetzte Reviere 2000-2003

 

Wie kann dem Kauz geholfen werden?

Welche Strukturen nützen dem Kauz? Wir werden unsere Arbeit zum Erhalt dieser kleinen Eule fortsetzen.
 

Steinkauzniströhre mit Marderschutz

SteinkauzröhrenvorratDer Bestand an Steinmardern hat allerorten zugenommen. Bei Röhrenkontrollen in Mönchengladbach wurden mehrfach Marderspuren gefunden und es waren schon Opfer unter den Steinkäuzen zu beklagen. Einmal sprang ein Marder aus der Röhre heraus, die gerade gereinigt werden sollte. Der Marder gehört zum normalen Arteninventar und soll nicht zum Schutz der Eule verfolgt werden. Den Schutz erreicht man zuverlässig durch eine kleine technische Finesse: das sogenannte Labyrinth. Der Kauz kommt mühelos um die Ecken und Winkel. Die Wirbelsäule der Marder lässt diese mehrfachen, gleichzeitigen Verbiegungen nicht zu.

Bauen Sie keine Röhren ohne Marderschutz!

Bauanleitung

Die Aufhängung der Röhren sollte in jedem Fall mit den örtlichen Eulenschützern (NABU) abgesprochen werden. Dort erfährt man welche Gebiete ausreichend versorgt sind und wo noch Bedarf an Steinkauzröhren besteht. Ersparen Sie sich den Frust, dass die Röhre ewig unbesetzt bleibt.

Wo der Steinkauz noch kein Revier hält werden die Röhren sofort vom Star bezogen. Der stopft in einer Saison bis zu vier Strohnester in den Nistkasten. Vom Star genutzte Kästen müssen früh im Herbst geleert werden. Das kann der Steinkauz nicht selber. Jungkäuze werden zu dieser Zeit aus den Elternrevieren vertrieben und streichen auf der Suche nach einem eigenen Revier um die Dörfer und Flußniederungen. Immer Ausschau haltend nach Höhlen als Tageseinstand und für die eigene Familienplanung.
 
 

Die Schleiereule (Tyto alba)

Der Bestand dieser schönen Eule schwankt je nach Härte der Winter erheblich. Schleiereulen können nur halbsoviel Winterspeck anlegen wie zum Beispiel der Steinkauz. Der Bestand ist nicht einfach zu ermitteln. Durch ihre nächtliche Lebensweise, sie fliegt erst in der Dunkelheit aus, sieht man sie selten. Am auffälligsten sind noch die Bettelrufe der Brut, ein Fauchen und Schnarchen. An bekannten Einständen lassen ihre Gewölle ihre Anwesenheit erkennen. In den 80-er Jahren gab es 1-5 Brutpaare in Mönchengladbach (BURGHARDT 1989) und 2 in Wickrath (HEINEN et al. 1983). Im Jahr 2000 fanden in Mönchengladbach mindestens 4 Bruten statt. An einem weiteren Ort, an dem die Eule bereits 1999 gesehen wurde, kam es zu einem Brutversuch.

VogelringRing der "Vogeltrekstation Arhem-Holland"

Die Zahl der bekannten und besetzten Reviere liegt bei ca. 8-9 (2000). In Giesenkirchen und Odenkirchen-Ost gibt es je ein Paar (LAUSCHER briefl., 2000). Im Wickrath-Beckrather Raum sind 2 Brutpaare (MÄURER mdl., 2000) bekannt. In Rheydt fehlt die Schleiereule derzeit (SPENGLER mdl., 2000). Ein Paar sitzt in Koch/Gerkerath, zwei in Rheindahlen, eines in Rasseln und eines in Venn (MAAS).
 
 
Handflügel der Schleiereule
Flügel der Schleiereule
Gewölle der Schleiereule
       Schleiereulengewölle

 

Wenngleich die Schleiereule in der "Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands" nicht geführt wird, ist sie doch neben der Waldohreule unsere seltenste Eulenart. Die Ursachen für den geringen Bestand sind das Fehlen potentieller Brutplätze, die Veränderungen in der Landwirtschaft und der Straßenverkehr. Kirchtürme wurden in den letzten Jahren saniert und wegen der Straßentauben für Vögel zugesperrt. Die Schleiereule braucht als Kulturfolger zwar die Gebäude des Menschen, möchte von diesem aber nicht gestört werden. Sie sucht eben ruhige, ungestörte Ecken. In Gegenden wie der Lüneburger Heide, wo Artenschutzprogramme sehr erfolgreich durchgeführt wurden, stehen einem Brutpaar 4-5 Nistkästen zur Verfügung. Der Verlust der potentiellen Brutplätze in den Kirchtürmen muß durch das zusätzliche Anbringen von Nistkästen wieder aufgefangen werden. Derzeit stehen 28 (2.8.2006) bekannte Nistkästen zur Verfügung. Sicher gibt es noch andere oder ruhige Ecken in Scheunen, die für eine Brut in Frage kommen, aber es ist leicht zu sehen, dass es zu wenige sind. Die Anzahl dieser Nistkästen, in der Größe einer Waschmaschine, soll weiter erhöht werden. Dabei ist Hilfe sehr willkommen!
 
Der Einstieg, Foto: H.Kuhlen Am 8.8.2000 wurde ein Schleiereulenkasten in das Dach eines Bunkers gebaut. Ganz still da oben, nur mit sehr langen Leitern zu erreichen. Jedes Brett musste einzeln hochgebracht werden, da der Einstieg sehr klein ist. Die Mühen haben sich gelohnt! Im Juni 2001 waren 4 saubere, kräftige junge Schleiereulen darin. So schnell kann das gehen!

Im Jahr 2002 konnten wieder 4 Schleiereulenkästen neu angebracht werden. In Genhülsen, Rheindahlen Viehstraße, Hehner Kirche und Venner Kirche stehen der  Schleiereule nun geeignete Bruthilfen zur Verfügung.
2003 wurden je ein Schleiereulenkasten in einer Scheune in Hilderath und in der Schriefers Mühle bei Rheindahlen eingebaut. 2004 ein Schleiereulenkasten in Mennrath. 2005 ein Schleiereulenkasten Giesenkirchen, Eiger angebracht.
Nachgewiesene Bruten 2002: zweimal 4 Junge (Kenntnisstand bis zum 6.7.2002). Dazu Brutverdacht in Hilderath.
2006 nur eine nachgewiesene Brut mit 4 Jungen.
 
 
Schleiereulenkasten, Skizze
Schleiereulennistkasten
Höhe: 45-60cm, Breite:70-100cm, Tiefe:50-70cm
Einflug:12x18cm (bis 15x20cm)
ein Zwischenbrett zur Abdunkelung läßt hinten
einen Durchgang von 15-20cm. Reinigungsluke an der zugänglichen Seite einbauen.
Als Einstreu 1-2 cm grobe Sägespäne.

Schleiereulenkasten, Foto: H.Kuhlen
Verteilung der Schleiereulenpaare 2002
Deutsche Grundkarte, 2 km Raster.
Bekannte Reviere der Schleiereule 2002
 

 

Der Turmfalke (Falco tinnunculus)

Als ursprünglicher Felsenbrüter ist der Turmfalke von der Vergitterung der Kirchtürme und dem Abriss der alten gemauerten Fabrikhallen, seinen Kunstfelsen, negativ betroffen. Zwar brütet er auch in Krähen- und Greifvogelnestern, doch sind diese Neststandorte viel häufiger Plünderungen durch Marder, Rabenvögel und Habichten ausgesetzt. Dazu kann schlechtes Wetter der Brut viel härter zusetzen. Mit klassischen Halbhöhlen, etwa 30x40 cm Grundriss, ist dem Vogel leicht zu helfen. An einer Fabrik-, Haus - oder Scheunenwand 5 bis 8 m hoch angebracht oder frei stehend auf einem Mast bietet der Nistkasten Schutz vor Feinden allen Art, einschließlich allzu neugieriger Menschen. In Mönchengladbach (ohne Wickrath) hängen 26 Turmfalkenkästen, 19 davon werden vom NABU betreut. Weitere 5 Gebäudebrutplätze sind bekannt.

Der Bruterfolg in Mönchengladbach (ohne Rheydt und Wickrath)
 
          1998           5,0 J/BP 10 kontr. Bruten
          1999           4,7 J/BP   9 kontr. Bruten
          2000           3,9 J/BP   9 kontr. Bruten
          2001           3,8 J/BP   9 kontr. Bruten
          2002           3,7 J/BP 12 kontr. Bruten 
          2003           3,9 J/BP 10 kontr. Bruten 
          2004           5,0 J/BP 12 kontr. Bruten
          2005           5,6 J/BP   9 kontr. Bruten
          2006           4,2 J/BP   6 kontr. Bruten
          2007           4,3 J/BP   8 kontr. Bruten

 

Aus dem Jahr 2002 wissen wir von 13 Bruten (MAAS) in betreuten Brutkästen. Für Rheydt und Wickrath liegen dem NABU erstmals aktuelle Zahlen vor.

In den 80-er Jahren schätzte man in Mönchengladbach 25-30 Brutpaare (BURGHARDT 1989, HEINEN et al. 1983). Den Mittelwert für Kulturland gibt BEZZEL (1985) mit 0,3 bis 0,6 BP/km² an. Das ergäbe für die Fläche von Mönchengladbach 51 bis 102 Brutpaare. Diese Zahlen erreicht der Turmfalke bei uns nicht. 
Im Rahmen der Kiebitzkartierung 2002 wurde im landwirtschaftlichen Bereich auch nach balzenden Turmfalken Ausschau gehalten. Zusammen mit Nistkastenkontrollen und bekannten Gebäudebrutplätzen ergibt sich die in der nebenstehenden Karte eingetragene Verteilung. Es fehlt lediglich die Kartierung der Innenstadtbereiche. Mit diesem verbesserten Kenntnisstand darf 2002 auf einen Gesamtbestand von 40 bis 50 Paaren geschlossen werden. 
 

Bekannte Turmfalkenbrutpaare 2002
Deutsche Grundkarte, 2 km Raster.
Bekannte Turmfalkenbrutpaare 2002.

 
Gewölle des Turmfalken Nistkasten für Turmfalke
Turmfalkengewölle Turmfalkennistkasten
Höhe: 35cm, Breite:40-45cm, Tiefe:30-35cm,
Dach überstehend. Alle Maße dürfen auch größer sein.
Einstreu 1-2 cm grobe Sägespäne.

Literaturverzeichnis