Nisthilfen selber bauen

- von Gerhard Maas -

Die Vollhöhle

Für Meisen, Trauerschnäpper, Feldsperling, Star, Hohltaube u.a. fehlen in unseren Gärten die natürlichen Baumhöhlen. In den meisten Gärten fehlen alte Bäume. Die Gärten sind klein und da dürfen auch die Bäume nicht so groß und alt werden, dass sie ausfaulen und in ihrem langsamen Sterben neuem Leben Raum und Nahrung geben können. Gerade in Neubaugebieten kann die Vogelwelt mit Nistkästen ans Haus gelockt werden.
 

Die universelle Nistkastenvollhöhle

Das besondere an dieser Anleitung ist, dass mit einfachen Werkzeugen auch von Laien eine Vollhöhle gebaut werden kann. Eine Handsäge genügt. Bequemer geht es mit einer elektrischen Stichsäge oder Handkreissäge. Der Bauplan ist simpel aber genial, denn der Zuschnitt muss nicht perfekt sein. Maßabweichungen von mehreren Millimetern gleicht die Konstruktion aus.

Zuerst brauchen Sie ein Brett. Aus der Breite B und der Dicke D des Brettes ergibt sich die Breite A des Bodens: A = B - D.

Ein Blick in die folgende Tabelle zeigt welche Vollhöhle aus diesem Brett gebaut werden kann.
 
Zuschnitttabelle: Brettbreite B Brettstärke D  Bodenbreite A
(ausrechnen!)
Flugloch-
Durchmesser F
Kleinmeisen 110-142mm 15-22mm 95 -120mm 26-27mm
Kohlmeise, Feldsperling 125-162mm 15-22mm 110-140mm 33-35mm
Star 160-195mm 20-25mm 140 -170mm 50mm
Hohltaube 220-300mm 22-26mm 180-250mm 85-90mm
Waldkauz 220-300mm 22-26mm 180-250mm 110mm
Seitenwand Höhe H = 1,7 mal B  
Dach 1,5 B mal (B + D)  
Riegel 1,5x2x6cm, 4 Leisten verschiedener Länge der Stärke D x D.  

Der Zusammenbau

Beginnen Sie mit der linken Wand. Nageln sie den Boden so an, dass die Wand unten 3-5mm übersteht. Die linke Wand steht vorn D cm über und ist hinten mit dem Boden genau bündig. Es folgt die Rückwand. Diese muss hinten rechts am Boden genau bündig sein und wird mit Boden und linker Wand vernagelt. Das rechte Brett schließt mit dem Boden vorn rechts genau ab und wird mit diesem und der Rückwand vernagelt.

An dieser Stelle sollte Ihnen der Vorteil des "Wickelns" auffallen. Ist der Boden relativ zu den Seiten zu groß geraten, entstehen an den Ecken des Kastens kleine Stufen, die nicht weiter stören. Ist der Boden zu klein geraten, stehen die Seitenteile an den Ecken etwas über. Auch egal.


 
 
Blick von oben
in den 
Nistkasten
Riegel Blick von vorn ohne
Dach und Tür
Tür von innen gesehen Blick von rechts auf
den fertigen Kasten

Als nächstes legen Sie die letzte Seite, die Tür, auf den Kasten, nehmen einen Bleistift und machen auf der linken Seitenwand innen (durch das offene Dach) einen Strich entlang des Türbretts. Dieser Strich muss dann unten mit der vorderen Bodenkante übereinstimmen. Entlang des Bodens und der rechten Seitenwand führen Sie den Bleistift so, dass auf der Tür innen ein großen "L" entsteht. Sind die Striche gut zu sehen, dann nageln Sie das Dach an. Hinten bündig.

Auf die Tür, noch ohne Einflugloch, nageln Sie aus schmalen Leisten entlang des Bleistiftstriches ein "L". Auf die linke Seitenwand nageln Sie innen hinter dem Strich eine Leiste. Die Leiste hört 2,5cm über dem Boden auf! Legen Sie die Tür auf den Kasten. Vorn quer vor die Tür wird eine Leiste auf die Unterseite des Daches genagelt. Die Tür sitzt jetzt schon recht fest. Nur unten kann man sie vorziehen. Auf die Vorderkante der linken Wand (unteres Drittel) schrauben Sie einen Holzriegel von 1,5x2x6cm. Die Schraube ist das Gelenk, also nicht zu fest andrehen. Damit der Riegel nicht vor der Tür herunter gleiten kann, kommt ein Nägelchen oder Holzdübel als Anschlag so in die Tür, dass der Riegel waagrecht aufliegt.

Lassen Sie die Tür zu und messen Sie die Breite des Nistkastens. In der Mitte, etwa 1,5 Lochdurchmesser von oben, wird die Mitte des Einflugloches markiert. Nehmen Sie die Tür vom Nistkasten, zeichnen das Loch um die Markierung und sägen es aus. Kanten schön glatt schmirgeln!

Auf das Dach wird ein Stück Teerpappe gelegt und an den Seiten vernagelt. Die Teerpappe muss tiefer als die untere Dachkante reichen, damit Wasser nicht an der Dachunterseite entlang laufen kann.

Die Aufhängung

Das Flugloch soll nicht in die Hauptregenrichtung Südwest zeigen. Es sei denn, der Nistkasten hängt geschützt vor Regen unter einem Vordach oder einer dichten Baumkrone. Die bevorzugte Richtung ist Südost.

Soll der Nistkasten an eine Hauswand gehängt werden, wird direkt durch die Rückwand geschraubt. Für die Anbringung am Baum befestigen Sie einen Drahtbügel rechts und links mit einer Schraube am Nistkasten. Die Schrauben werden auf Höhe Fluglochmitte in die Seitenwand eingeschraubt, etwas näher zur Rückwand als zur Vorderwand (2/5 der Kastenbreite von hinten). Mit dem Draht wird der Nistkasten an einem Alunagel oder einem Ast mit dem Rücken am Stamm aufgehängt. Soll der Kasten frei hängen, werden die Halteschrauben auf gleicher Höhe, aber genau in der Mitte der Kastenseite eingedreht. Durch den Dachüberstand neigt sich der Kasten dann etwas nach vorn.

Rechenbeispiel

Sie haben ein Brett, das 1,5m lang (oder zwei kürzere Bretter, die zusammen so lang sind) 15cm breit und 2cm dick ist. Dann werden der Boden 13x13cm (A=B-D), die Seiten 25,5x15cm ( HxB=(1,7xB) x B) und das Dach 22,5x17cm ((1,5xB) x (B+D)). Um die Dachbreite zu erreichen wird eine 2cm Leiste an das 15cm-Brett genagelt. Die Leisten werden aus Reststücken gefertigt.

Fehlt nur noch ein Stück Dachpappe, ein kräftiger Draht, Nägel, Dachpappennägel und drei Holzschrauben (Spanplattenschrauben).

Die Halbhöhle

Viele Halbhöhlenbrüter waren ursprünglich Felsenbrüter. Die Bauwerke des Menschen boten dann die Möglichkeit den Lebensraum zu erweitern und in die Siedlungen zu ziehen, wo sich durch Ackerbau und Viehzucht auch neue Nahrungsquellen ergaben. Die Art und Weise Häuser zu bauen hat sich aber in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Moderne Bauten sind zu. Es gibt keine Nischen in den Wänden, der Raum zwischen den Dachsparren ist verkleidet und in modernen Scheunen fehlen die Eulenlöcher. Mit sehr einfachen Mitteln können den Nischenbrütern Brutplätze am Haus geschaffen werden.
 
Zuschnittplan für eine Halbhöhle
Halbhöhlen für Grauschnäpper, Hausrotschwanz, Zaunkönig*, Rotkehlchen* und bei entsprechender Größe Turmfalke. Die Maße können auch leicht verändert werden. Das Dach wird mit Teerpappe verkleidet.
  • Für die kleinen Singvögel sind die Maße: B = 15cm, L1 = 12cm, L2 = 15cm, L3 = 17cm, L4 = 8cm, D = 20cm. 
  • Ein Turmfalkenkasten kann folgende Maße haben: B = 35-40cm, L1 = 25cm, L2 = 35cm, L3 = 30cm, L4 = 15cm, D = 40-45cm. 
  • Für Dohlen gelten die Maße des Falkenkastens. Der Nistkasten wird dann als Dreiviertelkasten gebaut.

Der Aufhängungsort
 
 
  • Für den Grauschnäpper hoch und unter einem Dachvorsprung. Die Richtung ist egal, aber der Anflug muss frei sein. Der Grauschnäpper mag es nicht zu hell.
  • Für Bachstelze, Zaunkönig und Rotkehlchen niedrig bis 3m hoch und nicht zur Wetterseite zeigend anbringen. 
  • Die Gebirgsstelze möchte direkt am Bach brüten. Der beste Aufhängungsort ist unter oder an Brücken oder an Mauern, die im Wasser stehen oberhalb der Hochwasserlinie. 
  • Der Turmfalkenkasten soll 5 - 8m hoch an einer ebenen Wand hängen. Regenrichtung beachten! Weitab von Gebäuden kann der Nistkasten auch direkt auf einen 5 - 6m hohen Mast angebracht werden. 

  •  

     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Dach und Seitenteile stehen als Schutz vor Krähenvögel über. 

Zeichnung einer Halbhöhle

 
 
Zeichnung einer Dreiviertelhöhle
Für Nischenbrüter wie die Bach- und Gebirgsstelze, Hausrotschwanz, Grauschnäpper und Dohle kann man die Halbhöhle auch in den den mehr geschlossenen Dreiviertelkasten umwandeln.

Nisthilfen für Schwalben

Die Schwalbenbestände in Mönchengladbach nehmen ab. Das hat unsere Schwalbenkartierung 1999 klar ergeben. Vielleicht kann man die wendigen Flieger etwas unterstützen beim Bau ihrer Nester. Besser wäre es, der Natur mehr Raum zu lassen, aber das erreichen wir nicht so schnell. Fangen wir mit dem an, was sofort hilft.
 
 
Nisthilfe für die RauchschwalbeRauchschwalben brüten in Gebäuden. Zu 99% in Viehställen. Der beste Brutort ist der Kuhstall. Die Nestbretter werden an einer glatten Wand über 2m hoch angebracht. Nicht im Bereich von Rohren und Kabeln, denn da können Ratten zu leicht entlang klettern. Auch in Pferdeboxen kann man die Bretter anbringen. Dann aber über 2,50m hoch, damit die Nester nicht angeknabbert werden. 

Die Halteschraube sitzt mittig oben im Wandbrett. In die Wand kommt ein Dübel. Damit das Nestbrett etwas Gefälle zur Wand hin bekommt, drehen Sie unten rechts und links eine Schraube durch das Wandbrett. Diese Schrauben stützen sich gegen die Wand und kippen das Nest zur Wand hin. 

In den Ställen soll tatsächlich Vieh gehalten werden. Verwaiste Ställe sind für die Rauchschwalbe nicht sehr attraktiv. Auch müssen lehmige Pfützen in der Nähe sein, damit die Schwalben ihr Baumaterial aufnehmen können.


 
 
Nisthilfe für Mehlschwalben Mehlschwalben bevorzugen Außenwände. Direkt unter dem Dachvorsprung kleben sie ihre Nester aus Lehm und Speichel an die Wand. Damit die Nester einen sicheren Halt bekommen, kann ein schmales Brett 12-13cm unter dem Dach angebracht werden. Damit Ihnen die Aktion nicht später Leid tut, montieren Sie 60-70cm tiefer ein Kotbrett. Der Kot der Tiere würde sonst die ganze Wand beschmutzen. Mehlschwalben sind nicht an Bauernhöfe gebunden. Man findet sie mitten in der Stadt. In der Stadt fehlt aber der Lehm! Hier ist es besonders wichtig, feuchten Lehm anzubieten. In einer Vogeltränke oder einer flachen Schale auf dem Garagendach zum Beispiel. Auf Lehm sind auch viele Solitärbienen angewiesen, die auch wieder Nahrung für die Schwalben sind. (Siehe auch: Das Insektenhaus - Praktischer Naturschutz im eigenen Garten)