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- von Johannes Kox -
Eine Artenschutzmaßnahme von besonderer Qualität stellt die Totholzmauer dar. Sie bietet, was in unseren „aufgeräumten Landschaften“ so sehr fehlt: Schlupfwinkel und Bruträume, Totholz, Kammern und Hohlräume in großer Zahl.
Totholzmauer in der Bistheide
Ebenso wie Hecken können Totholzmauern
in einer Landschaft zahlreiche Funktionen übernehmen, indem sie Grundstücke
begrenzen, Gärten und Wiesen bzw. Terrassen trennen, Geflügelausläufe
oder Reitplätze, Obstgärten und Wege eingrenzen. Sie können
ganzjährigen Windschutz bieten. Die rustikal wirkenden Totholzmauern
heben außerdem manches Anwesen reizvoll aus der Umgebung ab. Am meisten
aber beeindruckt die Bedeutung, die das aufeinander geschichtete Holz für
die Natur hat.
Viel Leben im toten Holz
Im
Gegensatz zu Hecken sind Totholzmauern auch im Winter dicht und halten
immer Bodenanschluss. In ihren Nischen pulsiert das Leben. Hier brüten
Singvögel, leben Eidechsen, kriechen Feuersalamander, hüpfen
Erdkröten und Grasfrösche. Blindschleichen, Igel und Haselmäuse
finden hier ebenso ihre Quartiere wie Baum-, Garten- und Siebenschläfer.
Selbst Fledermäuse nehmen die unterschiedlich großen Hohlräume
an und mit etwas Glück trifft man an einer Totholzmauer auch auf einen
Iltis oder ein Zwergwiesel. Noch ungleich höher ist die Zahl der Insektenarten
in und an der Totholzmauer: Hautflügler, Solitärbienen, Schlupf-,
Grab- und Pflanzenwespen, dazu noch Hunderte von Käferarten und viele
Spinnen. In großer Vielfalt besiedeln zudem Pilze das vermodernde
Holz.
Durch
die mikroklimatischen Verhältnisse lassen sich drei Zonen an der Totholzmauer
unterscheiden: die erdberührte untere Lagerschicht mit Kapillarfeuchte,
die ausgeglichene mittlere Schicht und die obere trockene Abdichtung. Ob
sonnig-trocken, schattig-warm oder feucht und kühl, in der Trockenmauer
finden sich alle Zustände für die Ansprüche unterschiedlicher
Tierarten. Im Verrottungsprozess, der im unteren Bereich besonders stark
voranschreitet, entsteht als Endprodukt des natürlichen Stoffkreislaufes
Humus. Häufig sind deshalb dort auch schmackhafte Speisepilze anzutreffen.
Anlage einer Totholzmauer
- Bauanleitung:
Eine Totholzmauer ähnelt in ihrer
Bauweise dem Schlagholzstapel im Wald. Die Länge und Höhe der
Mauer richtet sich nach der Menge des zur Verfügung stehenden Holzes
und nach den zugedachten Funktionen. Die Tiefe der Totholzmauer sollte
50 cm nicht unterschreiten. Kammern und Höhlen sollten in möglichst
großer Anzahl und in allen Höhenschichten zu finden sein.
- Standort:
Eine Totholzmauer kann besonnt oder schattig
stehen. Vorteilhaft ist aber, wenn beide Situationen anzutreffen sind.
So ist z.B. eine Teilberankung mit Kletterpflanzen wertvoll für die
natürliche Vielfalt.
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Material:
Grundsätzlich eignen sich alle Holzarten
zum Bau einer Totholzmauer. Zur Steigerung des ökologischen Wertes
sollten besonders die heimischen Hölzer in großer Artenvielfalt
verwendet werden. Behandeltes Holz, z.B. durch Holzschutzmittel, darf allerdings
nicht benutzt werden
- Pflege:
Eine aufwändige Pflege wie etwa bei
der Hecke, entfällt. Es empfiehlt sich allerdings im Laufe der Jahre
die Totholzmauer von oben nachzulegen und so die Lebensdauer des Kleinbiotops
erheblich zu verlängern.
