|
|
|
![]() |
Was machen die Schotten in der Bistheide?
Dieser Frage möchte ich in diesem Bericht nachgehen. Natürlich
handelt es sich nicht um Schotten im Kilt mit Dudelsack, sondern um die
zotteligen schottischen Hochlandrinder, die sich hervorragend als Landschaftspfleger
im Sinne des Naturschutzes eignen.
Foto: Ralf Fikert |
Das Galloway-Rind stammt ursprünglich aus Südwest-Schottland und gilt als eine der ältesten Rinderrassen der Welt. Vor allem ist sie in den letzten Jahrhunderten nicht durch Einkreuzungen verändert worden und somit sehr ursprünglich geblieben. Die heutige Region Dumfries und Galloway ist aus der Zusammenlagung mehrerer Grafschaften in ein Fürstentum entstanden. Ursprünglich war der hügelige Landstrich, der durch hohe Niederschläge gekennzeichnet ist, von dichten Eichenwäldern bedeckt. Lediglich in den zahlreichen Flusstälern und in der Nähe der Küste gab es fruchtbares Acker- und Weideland. In den höher gelegenen Zonen ist das Bild von unzähligen Seen und ausgedehnten Heide- und Moorflächen bestimmt, die von Granitfelsen überragt werden. Unter diesen Voraussetzungen sahen sich die Farmer in Galloway zu einer Rinderhaltung mit Rassen gezwungen, die genügsam sind und den Witterungsunbilden widerstehen können.
Schon die Römer, die bei der Eroberung
der Britischen Inseln weit in den Norden des Landes vordrangen, berichteten
von den Vorkommen schwarzer, hornloser Rinder und rühmten die Vorzüge
ihres Fleisches. Über die Abstammung der Galloways wird von den Geschichtsschreibern
folgende Vermutung angestellt:
In Northumberland und Lanarkshire wurden
Überreste zweier unterschiedlicher Urformen heutiger Rassen gefunden,
von denen die eine mittellange Hörner hatte, die andere dagegen hornlos
war. Die modernen Nachkommen der gehörnten Rinder finden sich in den
Rassen Devon, Herford, Sussex, Highland, während die Galloways von
der hornlosen Rasse abzustammen scheinen. Die Güte des mageren, gleichmäßigen
marmorierten, feinfaserigen Fleisches führte nach der endgültigen
Vereinigung Schottlands mit England zu einer regen Nachfrage nach Galloways
und einem intensiven Handelsaustausch.
Heute sind Galloways in allen Teilen der
Welt verbreitet. Nach Deutschland wurden die ersten Galloway-Rinder im
Jahre 1973 importiert. Besonders geschätzt wird die ausgezeichnete
Futterverwertung bei häufig kargem Nährstoffangebot sowie die
kaum zu übertreffende Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit an
die unterschiedlichsten Klimaverhältnisse. Dabei wird die Vitalität
der Galloways besonders hervorgehoben.
Foto: Ralf Fikert |
Erstmalige Winterbeweidung im Naturschutzgebiet
Bistheide durch Galloway-Rinder
Die Wiesenflächen werden einmal
im Sommer vom Bio-Bauer Brungs geschnitten, der dieses Schnittgut als Silage
nutzt. Durch diesen Schnitt magern die teilweise durch Staunässe geprägten
Wiesen langsam aus. In Kleinstbereichen hat sich die Callunaheide (Calluna
vulgaris) wieder eingestellt, was ein sicheres Indiz für eine
fortschreitende Ausmagerung ist.
Durch die Nachbeweidung im Winter mit 2-4 Großvieheinheiten pro ha werden unsere Flächen eine weitere Nutzung erfahren. Der unregelmäßige Verbiss der Rinder schafft Licht und Deckung zugleich und damit ideale Bedingungen für Flora und Fauna. Außerdem wird durch die Nachbeweidung der sonst zunehmenden Verfilzung der Grasnabe vorgebeugt. Galloways fressen fast alles. Erfahrungen zeigen, dass sie Binsen und Seggen, auch sogenannte Weideunkräuter wie Sauerampfer im Jugendstadium oder Brennnesseln annehmen. Selbst manche Distelarten werden in jungem Stadium verzehrt.
Als Beispiele für eine ökologische Beweidung durch Galloway-Rinder wurde in der Zeitschrift „FLEISCHRINDER" 2`95 eine Herbstzeitlosenwiese genannt, die im Frühjahr stark abgeweidet wurde, im Sommer und in der herbstlichen Blütezeit jedoch nicht. Eigenartig ist es, dass die Scharfgarbe im grünen Zustand verschmäht, dagegen im Herbst im dürren Zustand gefressen wird.
Für uns ist die Gallowaybeweidung eine neue Erfahrung, die uns sicherlich helfen wird zukünftige Aufgaben in unseren Pflegeflächen zu optimieren und zu erleichtern, denn eine extensive Beweidung durch die Galloways ist besser und einfacher, als mit Balkenmäher, Rechen, Heugabel und Schubkarre die Wiesen zu mähen und damit äußerst arbeitsintensiv auszumagern.
Literaturverzeichnis