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- von Holger Hurtmann und Johannes Kox -
Wie sieht ein Waldrand aus? Bei einem Wirtschaftswald
werden Sie eine ganze Reihe gleichaltriger und -hoher Bäume sehen.
Der Rand schaut eigentlich nicht anders aus, als das Zentrum des Waldes.
Man könnte meinen, hier habe jemand plötzlich mit einem großen
Messer ein Querschnitt mitten durch den Forst gemacht. Ein natürlicher
Waldrand ist indes viel strukturreicher. Wir finden hier nicht nur Bäume
verschiedener Altersklassen und Höhen, sondern auch den ursprünglichen
Artenreichtum eines Waldes. In unserem Pflegegebiet Bistheide
haben wir deshalb einen solchen Waldsaum angepflanzt.
Der Zwiebel-Wald
Ein natürlicher Wald besteht, wie
eine Zwiebel, aus verschiedenen Schichten. Sie sind das Ergebnis der Sukzession
(lat.: succedere = nachrücken), d.h. der Ausdehnung und Entwicklung
zum Hochwald. Am deutlichsten wird das am Waldsaum.
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| Wald - Übergangszone - Wald-Strauchzone - Strauchzone - Kräutersaum |
Der Kräutersaum bildet die äußerste Trennlinie zwischen Waldrand und offener Landschaft. Er beherbergt eine Vielzahl von Gräsern und krautigen Pflanzen, die bei ungestörter natürlicher Entwicklung hier oft einen letzten Rückzugsbereich gefunden haben. Damit wird der Kräutersaum zu einem der wichtigsten Elemente des Waldrandes. Unter der Strauchzone, vielfach auch als "Waldmantel" bezeichnet, versteht man einen unterschiedlich breiten Gebüschstreifen, der den Wald gegen störende Außeneinflüsse schützt. In Wäldern nährstoffreicher Standorte kann diese Zone mehrere Meter breit sein und eine Vielzahl unterschiedlicher Straucharten aufweisen.
Den Gebüschen folgt in einer Wald-Strauchzone
eine erste Baumschicht. Weil die dort wachsenden Bäume nicht sonderlich
hoch sind, werden sie auch als Bäume zweiter Ordnung bezeichnet. Sie
sind meist lichtbedürftig und bieten in enger Verzahnung mit vorgelagerten
und zwischenständigen Sträuchern den Waldbeständen Schutz.
In dieser Zone finden auch Baumarten Platz, die im Waldzentrum den Bäumen
erster Ordnung weichen mussten, weil sie im Wettstreit um Licht und Wasser
unterliegen.
Die Übergangszone stellt eine
weitgehend unmerkliche Verbindung zwischen Waldbestand und vorgelagerten
Waldrandzonen her. Hier fehlen die Bäume zweiter Ordnung bzw. die
Lichtbaumarten zunehmend und werden von den Baumarten des eigentlichen
Waldbestandes ersetzt. Besondere Bedeutung hat die Übergangszone für
Nadelwälder, die häufig von einem Laubwaldgürtel umgeben
sind.
Der Waldrand bildet also einen Übergang
vom dunklen, gleichmäßig temperierten und feuchten Waldesinneren
zur lichten und windbeeinflussten offenen Landschaft mit stärkeren
Temperaturschwankungen. Diese unterschiedlichen Lebensbedingungen auf kleinem
Raum ermöglichen es, dass Arten mit unterschiedlichsten Biotopansprüchen
in diesem schmalen Streifen nebeneinander vorkommen. Intakte Waldränder
können daher eine hohe Artendichte und Artenvielfalt aufweisen.
Ein Saum mit über 1400 Pflanzen für die Bistheide
Angesichts der ökologischen Bedeutung
ist klar, dass die bestehenden strukturreichen Waldsäume erhalten,
bzw. neue gepflanzt werden sollten. Bereits zweimal, 1995 und 1998,
hat der NABU Waldsaumpflanzungen im Pflegegebiet Bistheide durchgeführt.
Dabei musste zunächste ein Zaun gegen Wildverbiss gesetzt werden.
Für den Zaun wurde ein etwa 20 cm tiefer Graben ausgehoben, damit
der Maschendraht eingegraben werden konnte (Schutz gegen Kaninchen und
andere Nagetiere, die sich für die Rinde der jungen Pflanzen interessieren).
In die Erde gesetzt wurden vornehmlich Pflanzen, die bald eine üppige
Strauchzone bilden werden:
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Schlehe | Prunus spinosa |
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Eingriffliger Weißdorn | Crataegus monogyna |
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Pfaffenhütchen | Euonymus europaeus |
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Feldrose | Rosa arvensis |
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Hasel | Coryllus avellana |
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Liguster | Ligustrum vulgare |
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Roter Hartriegel | Cornus sanguinea |
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Schneeball | Viburunum opulus |
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Hundsrose | Rosa canina |
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Weinrose | Rosa rubiginosa |
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Feldahorn | Acer campestre |
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Gewöhnliche Stachelbeere | Ribes uva-crispa |
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Hainbuche | Carpinus betulus |
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Purpurweide | Salix purpurea |
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Salweide | Salix caprea |
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Eberesche | Sorbus aucuparaia |
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Wildapfel | Malus sylverstris |
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Wildbirne | Pyrus pyraster |
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Speierling | Sorbus domestica |