Pilze in und um Mönchengladbach
- Hans Bender -


NEU:         Clitopilus argentinus

23.11.2011  Erstnachweis für Deutschland

Gefunden in Mönchengladbach (Bresgespark), MTB 4804/2

(siehe hier)


Hans Bender, Foto: privat. Mein Name ist Hans Bender und bin als Pilzsachverständiger und Referent der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mycologie) für die Sparte Pilze, im NABU Mönchengladbach als Ansprechpartner benannt.

Im Jahr 1991 hat der NABU in der ersten Veröffentlichung (damals noch DBV) u.a. eine Artenliste der Pilze: „Volksgarten und Mönchengladbacher Stadtgebiet“ herausgebracht (noch erhältlich).
Dort wurden die Arten geordnet nach „Rote Liste Kategorie“,- Häufigkeit,- Speisewert usw., aufgelistet. Mit 816 Arten für das gesamte Stadtgebiet einschließlich 685 Arten allein für den Volksgarten = Messtischblatt 4804/2 war das schon eine beachtliche Anzahl. Nur ca. 13% wurden davon als essbar eingestuft.
10 Jahre später (2001) war die nachgewiesene Artenzahl fast um die Hälfte gewachsen. 1147 einschließlich 839 Arten allein für den MTB Quadrant 4804/2 Volksgarten.

Für das Messtischblatt 4804 in dem Mönchengladbach zum größten Teil liegt, sind jetzt nach 15 Jahren 1421 einschließlich 1149 Arten allein für den MTB Quadrant 4804/2 Volksgarten, kartiert. 
2004 waren es 104/72, 2005 = 108/85, und 2006 = 72/54 Neue Arten
Es handelt sich hierbei um Pilze aus allen Gattungen, von Millimetergröße bis zum Riesenbovisten. 
(Ausführlich unter 
www.bender-biotop.de)

Diese gliedern sich wie folgt:

 2001/2006

707/ 789 Blätterpilze, Agaricales
158/ 267 Nichtblätterpilze, Aphyllophoreales
160/ 210 Becherlinge, Ascomycetes
  47/   74 Schleimpilze,Myxomycetes
  22/   27 Bauchpilze, Gasteromycetes
  22/   27 Röhrenpilze, Boletales
  16/   21 Gallertartige, Heterobasidiomycetes
     6/    6 Arten aus verschiedenen Spezial Abteilungen.
 

Die größten Gruppen kamen dabei aus folgenden Gattungen:

87 Tintlinge. Coprinus
48 Helmlinge, Mycena
54 Täublinge, Russula
32 Faserlinge, Psathyrella
31 Trichterlinge, Clitocybe
29 Risspilze, Inocybe
31 Rötlinge, Entoloma
32 Schirmlinge, Lepiota
26 Milchlinge, Lactarius
23 Dachpilze, Pluteus
24 Champignons, Agaricus


Die mit Abstand größte Gruppe und mein Spezialgebiet sind die Tintlinge.
Mit etwas Stolz kann ich behaupten, dass es mit Sicherheit kein Messtischblatt in Deutschland gibt, in dem auch nur annähernd so viele Coprinusarten nachgewiesen sind, wie hier in MTB 4804 Mönchengladbach.
 

Als neuere Funde wurden z.B. folgende größere Arten notiert:

Agaricus  litoralis, Steppen Egerling
Amanita phalloides, grüner Knollenblätterpilz, (tödlich giftig)
Boletus aureus, der schwarze Steinpilz, (dritter Fund für Nordrheinwestfalen)
Boletus piperatus, Pfeffer Röhrling
Brefeldia maxima, Riesen Lohblüte
Geastrum lageniforme, Flaschenförmiger Erdstern
Leccinum rufum, Espen- Rotkappe
Leucoagaricus bresadolae, Büscheliger Champignon- Schirmling
Macrolepiota permixta, Rötender Riesenschirmling
Macrolepiota puellaris, Jungfern Schirmling
Pezziza subisabellina, Isabell Becherling
Phaeolepiota aurea, Goldfarbener Glimmerschüppling
Polyporus umbellatus, Eichhase
Terametes multicolor, Zonen Tramete

Bei den überwiegend kleineren und nicht für Speisezwecke geeigneten Arten gab es etliche Funde, für die mancher „Pilze- Narr“ von weither angereist wäre, um diese mal in Natura sehen und fotografieren zu können.

In meinen Spezialgebiet, den Tintlingen, konnte ich auch noch einige neue Arten entdecken, die bis dato noch keinen Namen hatten und demnach neu beschrieben werden mussten.

Neben den schon im DBV Heft 1991 erwähnten neu beschriebenen Arten

Coprinus cardiasporus Bender 1986
Coprinus krieglsteineri Bender 1987
Coprinus stanglianus Enderle, Bender & Gröger 1988
Coprinus velatopruinatus Bender 1989
Coprinus ramosocystidiatus Bender 1990

kamen folgende hinzu:

Coprinus pilosotomentosus Bender 1990
Coprinus nemoralis Bender 1993
Coprinus pseudoniveus Bender & Ulje 1993
Coprinus lilatinctus Bender & Ulje 1997

Es gibt sicherlich noch weitere zu finden, aber dafür muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Man kann dies nur durch viel Fleiß, sprich Suchen, erreichen und muss außerdem die Zeit dafür haben. Wer neue Tintlingarten finden will, muss auch meist noch in der Früh hinausgehen, weil diese ja oft schnell zerfallen.
Recherchiert man im Internet die von mir entdeckten Arten, findet man Nachweise fast aller irgendwo in Europa oder anderswo auf der Welt, z.T. mit einer Beschreibung und Foto.

Eine kleine Auswahl von Fotos der in der Literatur sehr seltenen Arten, alle aus Mönchengladbach.

Ascocoryne inflata = Birkenholz Gallertbecher (ca. bis 5mm breit)
Pulcherricium caeruleum = Blauer Farbrindenpilz
Phleogena faginea = Buchen-Hütchenträger (ca. 3mm groß)
Coprinus erythrocephalus = rotbestäubter Tintling
Boletus queletii = glattstieliger Hexen-Röhrling
Clathrus archeri = Tintenfischpilz
Melanogaster broomeianus = gelbbraune Schleimtrüffel
Agrocybe carbonicola = Kohlen-Ackerling
Coprinus foetidellus
Nidularia deformis = Vollgestopfter Nestling