Siedlungsentwicklung in Mönchengladbach macht Sorge

- von Holger Hurtmann -

Wo sich vor einiger Zeit noch Hasen in der Feldflur jagten, stehen nun Baukräne. Dort, wo man einst mit dem Hund durch Felder spazieren ging, stapft man heute durch ein Neubaugebiet. Der Trend zur Versiegelung ist in Mönchengladbach ungebrochen – bei sinkender Einwohnerzahl.

Lebensraum für Tiere und Pflanzen geht verloren
Flächen für Wohnen, Gewerbe und Mischnutzung bedeckten nach der Neugliederung Mönchengladbachs 1975 allein 36,4 km² der Stadt. Im Jahr 2002 hatte diese Fläche um 28% auf 46,5 km² zugenommen. Noch stärker ausgedehnt hat sich in diesem Zeitraum die Verkehrsfläche mit 53%. Die Stadtentwicklung verlief vor allem auf Kosten der landwirtschaftlichen Fläche. Sie schrumpfte um 20,4 km².

Damit verloren gingen auch Biotope für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die in ihrem Bestand ohnehin gefährdet sind. Typische Feldvögel, wie Rebhuhn oder Feldlerche, stehen mittlerweile entweder auf der „Roten Liste“ oder sind auf dem besten Wege, in die Kategorie der Verkehrsopfer, Foto: G.Maasgefährdeten Arten aufgenommen zu werden. Die Gründe dafür liegen nicht allein in der Lebensraumzerstörung, sondern auch im mangelnden ökologischen Wert der Landwirtschaftsflächen. Durch die Versiegelung wird der Lebensraum der Arten allerdings endgültig zerstört. Die zunehmende Zerschneidung der Landschaft mit Straßen und das höhere Verkehrsaufkommen verschärfen das Problem. Für viele Arten haben Straßen eine regelrechte Barrierewirkung, so dass ihr verfügbarer Lebensraum stets kleiner wird. Selbst für Vögel, die Straßen überfliegen können, birgt der Ausbau von Verkehrsflächen Gefahren. Schleiereulen etwa jagen häufig an Straßenrändern, die wegen ihrer reichen Krautschicht Beutetiere versprechen. Beim niedrigen Suchflug über der Fahrbahn kollidieren viele tödlich mit Autos. Der Straßenverkehr dürfte heute zu den größten bestandsreduzierenden Faktoren gehören. In den benachbarten Niederlanden fielen vor 1963 weniger als 5% der Schleiereulen dem Straßenverkehr zum Opfer. In den 90er Jahren waren es über 50%.

Die Dimension des lokalen Siedlungswachstums zeigen die Abbildungen 1 und 2. Zwischen beiden Karten liegen rund 50 Jahre, was in der Entwicklung einer Stadt kein allzu langer Zeitraum ist.
 
Abb. 1: Flächennutzung 1950 - 1952 Abb. 2: Flächennutzung um 2000

Siedlungsfläche wächst täglich um mehr als 1750 m²
Vor dem Hintergrund der enormen Ausdehnung überrascht es nicht, dass wir heute an einer denkwürdigen Marke angekommen sind. Jeder zweite Quadratmeter Mönchengladbachs wird mittlerweile durch Wohnbebauung, Betriebsflächen, Straßen, Sportanlagen oder ähnliches eingenommen. Die letzten Jahre geben wenig Grund zur Hoffnung auf eine Trendwende. Obwohl seit 1992 die Einwohnerzahl insgesamt leicht rückläufig ist, nimmt die Siedlungsfläche ungehindert zu (Abb. 3). Der Zuwachs beläuft sich seit 1992 auf täglich rund 1750 m². Mit anderem Vorzeichen: Mit jedem Tag gehen in unserer Stadt eben jene 1750 m² an unbesiedelter Fläche (Wälder, Felder, Gewässer) verloren – für Pflanzen und Tiere aber auch als Erholungsfläche für den Menschen.
 
Abb. 3: Veränderung von Einwohnerzahl und Siedlungsfläche gegenüber 1992

In Politik und Verwaltung fehlt Problembewusstsein
Mit welcher offensichtlichen Sorglosigkeit neue Bebauungspläne aufgestellt werden, ist angesichts der Problematik verwunderlich. Immerhin gäben die Bodenschutzbestimmungen im Baugesetzbuch, im Bundesnaturschutzgesetz, im Raumordnungsgesetz und in den Leitlinien der Landesplanung Instrumente an die Hand, um das Umweltmedium Boden besser zu schützen. Nicht so in Mönchengladbach, wie zwei Beispiele zeigen:

Freiflächen sind mehr als ungenutztes Bauland
Zumindest in Teilen der Mönchengladbacher Politik und Verwaltung ist noch nicht ausreichend realisiert worden, dass uns Boden nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Auch dass Freiflächen mehr sind als Verfügungsmasse für ökonomische Projekte, scheint noch nicht angemessen bekannt zu sein. Wenn wir unsere Stadt nicht zupflastern wollen, ist ein rasches Umdenken dringend erforderlich.

Literaturverzeichnis