Elsternzählung 2003 in Mönchengladbach

- Gerhard Maas -



1. Informationen zur Elsternzählung

Die Elster sucht die Nähe des Menschen, wenngleich die Fluchtdistanz des klugen Vogels groß sein kann. Die Vorteile des Siedlungsraumes sind:

1. Kein Jagddruck durch Jäger.
2. Seltener durch Habicht geschlagen.
3. Weniger Last mit Steinmardern.
4. Die überlegene, konkurrierende Aaskrähe rückt nicht so dicht in den Siedlungsbereich vor.
5. Viele Rasenflächen, viel Abfall (Schulhöfe, Bahnhof, Haltestelle) zur Nahrungsbeschaffung.
6. Ausreichend sichere Nistgelegenheit in Parks, Alleen und Gärten. Im Agrarbereich sind solche Nistbäume Mangelware.
7. Letztendlich ist das Klima im urbanen Bereich milder.
 

So kommt es, dass der ursprüngliche Lebensraum nur dünn besiedelt ist. Dagegen ist die Elster in den Ortschaften ein häufiger Anblick. Der Ruf nach „Regulierung“ wird laut, als Argument dient z.B. der Singvogelschutz. Das ist Unberechtigt. Begrenzender Faktor ist das geeignete Revier. Etliche Vögel können erst zur Brut schreiten, wenn ein Revier frei wird (stille Reserve). Auch in Dichtezentren der Elstern (selber Singvögel) nehmen Kleinvögel im gleichen Maß zu oder ab wie in elsternarmen Gegenden.

Die Elster ist sehr standorttreu. Die vorjährigen Reviere werden wieder genutzt. Reviergrößen liegen bei 5ha (+/- 2ha). Dazwischen können große Flächen unbesetzt sein. In bis zu 40% der Fälle wird das vorjährige Nest ausgebessert und wieder zur Brut benutzt. Problem: Am 27.10.2002 hat das Tief Jeanette mit seinen Orkanböen sicherlich Nester weggeputzt.
 
 
Mistel, Foto: G.Maas
Mistel 
Elsternnest, Foto: G.Maas
Elsternnest

2. Methode
 

3. Die Bezugsfläche

Im Siedlungsbereich werden nur ganze Blocks kartiert. Die Grenze ist die Straßenmitte. Die Flächen sind dann eindeutig und leicht auszumessen. Blocks mit nicht einsehbaren Innenhöfen, (wie der Bereich um Kaiserstraße, Regentenstraße) können nicht kartiert werden, es sei denn, man hat Zutritt!

Meldungen wie „einzelne Nester irgendwo“ sind sinnlos und werden nicht berücksichtigt!

Im Feldbereich wird auch „blockweise“ kartiert wie oben beschrieben. Hat ein Weg Nester auf beiden Seiten werden nur die Nester auf der Seite des Zählgebietes berücksichtigt oder die Zählfläche wird bis zum nächsten Feldweg vergrößert.

Wir müssen mindestens 26 km2  (=15%) schaffen, um eine 95%-ige Sicherheit des hochgerechneten Brutpaarbestandes zu erreichen. Je mehr Fläche, desto genauer.
 

4. Erste Ergebnisse - eine Ausarbeitung folgt später

- Holger Hurtmann -

Elster, Foto: G.MaasErst durch die Untersuchung des NABU ist bekannt, wie viele der Rabenvögel in Mönchengladbach brüten. Mit einer „gefühlten Elsterndichte“ hat es keine sachliche Diskussion geben können, und an der liegt zumindest den Ornithologen viel. Die ausführliche Beschreibung der Kartierungsmethoden wird Bestandteil einer detaillierten Auswertung sein, die noch gesondert erscheint. Nur so viel: Um den Brutbestand der Elster zu ermitteln, sind auf Probeflächen besetzte Nester und revieranzeigende Vögel gezählt worden. Die Ergebnisse sind mit statistischen Verfahren auf das gesamte Stadtgebiet hochgerechnet worden.

Was nicht zu kurz kommen darf, ist der große Dank an alle Kartierer, die ungezählte (und unbezahlte) Stunden draußen verbracht haben. Schließlich darf man nicht vergessen, dass die Erfassungen mit kilometerlangen Fuß- oder Radtouren verbunden waren. Ohne diesen Einsatz wären die Leistungen, die der NABU seit Jahren in der Ornithologie erbringt, nicht möglich. Bei der statistischen Auswertung der Elsterndaten war zudem die Hilfe von Michael Maas unentbehrlich.

Entwarnung: Kein Übermaß! Um das Ergebnis zur Elster vorweg zu nehmen: Der Rabenvogel siedelt in Mönchengladbach nicht in außergewöhnlich hohen Dichten. Auf den untersuchten Flächen, zusammengenommen 56 km², fanden sich 213 Brutpaare (BP). Für ganz Mönchengladbach resultiert aus den Zahlen ein Bestand von 606 – 953 Paaren (die Differenz ist der statistischen Berechnung geschuldet). Auffällig war ein „Stadt-Land-Gefälle“. Lebensräume, die vom Menschen besiedelt werden (Gebäude-, Verkehrs-, Erholungsflächen etc.) stehen bei der Art weitaus höher im Kurs. Die Kartierer fanden hier 8,11 BP/km², in land- oder forstwirtschaftlich geprägten Teilen war die Elster mit 0,95 BP/km² deutlich seltener. Die unterschiedlichen Abundanzen sind nicht überraschend. Im Siedlungsbereich findet die Art bessere Lebensbedingungen vor, angefangen von der Nahrungssituation bis hin zum geringeren Jagddruck. Für die ganze Stadt ergibt sich eine
Siedlungsdichte von 3,5 – 5,6 BP/km². Im Vergleich zu anderen Städten oder Regionen von NRW ist das kein ungewöhnlich hoher Wert, von einer „Elsternplage“ kann man in Mönchengladbach also nicht sprechen.