Die Kiebitzzählung 2002 in Mönchengladbach

 
- Gerhard Maas -
 

Winkelner Felder, Foto: G. Maas

1. Einleitung

Bisher liegen für  Mönchengladbach nur Avifaunen einzelner Stadtteile aus den 80-er Jahren und älter vor, von den ehemals eigenständigen Städten/Gemeinden Mönchengladbach, Rheydt und Wickrath. Vorbereitend für eine neue Avifauna für ganz Mönchengladbach wurden verschiedene Erfassungsprogramme durchgeführt:

- 1996 Steinkauzkartierung
- 1997 monatliche Zählung der Wasservögel
- 1998/1999 Erfassung von Vögeln in Wälder, Parks und Friedhöfen
- 1999 Schwalbenzählung
- 2001 Stichprobenzählung der Schwimmvögel

Um die Entwicklung des Kiebitzbestandes auch stellvertretend für andere Offenlandarten zukünftig genauer bewerten zu können, wurde 2002 eine flächendeckende Bestandsaufnahme in Mönchengladbach durchgeführt. Dabei wurden Rebhuhn, Wachtel, Schafstelze, Grauammer und Turmfalke durch Zufallsbeobachtungen mit erfasst. Auf dieser Datenbasis aufbauend ließe sich die weitere Entwicklung zukünftig mit einer erneuten Zählung in vielleicht 10 Jahren dokumentieren.

Der Kiebitz hat in der BRD (mit neuen Bundesländern) von 1970 bis 1994 Bestandseinbußen von über 50% hinnehmen müssen, wobei der Rückgang in NRW mit über 20% im gleichen Zeitraum geringer ausgefallen ist (BLÜHDORN 2001). Für Mönchengladbach liegen aus den 80-er Jahren nur Bestandsschätzungen als „spärlicher Brutvogel“ vor. Das heißt 50 bis 200 Brutpaare ohne Wickrath (BURGHARDT 1989) und 6 bis 15 BP für Wickrath (HEINEN et al. 1983). Genaue Zählungen wurden nicht durchgeführt (BURGHARDT, mdl.).

Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts verringerten sich die Bestände in Europa rasant durch Trockenlegung und Kultivierung von Feuchtgrünland  und Mooren. Ab Mitte des Jahrhunderts erholten sich die Bestände noch einmal. Dem Kiebitz gelang es teilweise sich auf Ackerflächen umzustellen, was anderen Arten, wie dem Brachvogel, nicht gelungen ist. Doch seitdem geht die Talfahrt weiter. Das restliche Dauergrünland schrumpfte im Rheinland von 1970 bis 2001 um 29%. Auch das Ackerland wurde weniger. Im gleichen Zeitraum immerhin minus 17,5%. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sank im Rheinland von 57149 (1970) auf 15852 (2001) (LANDWIRTSCHAFTSKAMMER RHEINLAND 2001). Dadurch kommen zwangsläufig durch Zusammenlegung von Feldern größere Parzellen mit ein und der selben Frucht zustande. Monotonie und fehlende,  abwechslungsreiche Ackerraine sind die Folge. Zur Aufzucht der Jungen brauchen Kiebitz, Rebhuhn und andere Offenlandarten gerade diese Raine, wo noch Insekten und andere Wirbellose als Nahrungsgrundlage zu finden sind.

Der Rückgang des Kiebitz geht unauffällig vonstatten. Er ist hier nicht mehr nur durch Umwandlung von Grünland in Ackerland und den modernen hochtechnisierten Ackerbau bedingt. Auch zunehmender Landverbrauch durch Ausweisung von Neubaugebieten um die Dörfer, obwohl die Baulücken des letzten Krieges in der Stadt noch immer nicht geschlossen sind, und Anlage von Gewerbegebieten mitten in der freien Feldflur nehmen dem Kiebitz den Lebensraum. Dazu verlangt die Freizeitindustrie noch Flächen für Reitställe, Tennishallen, etc.

Der Kiebitz sucht offene, weite Areale. Von Vertikalstrukturen (und menschlichem Trubel) hält er Abstand. Somit fehlt ihm viel mehr als nur die bebaute Fläche.
 

2. Untersuchungsgebiet

Die Stadt Mönchengladbach ist 170,4 qkm groß. In Nord-Süd-Richtung sind es 17 km und in Ost-West-Richtung 18 km. Die Höhe über NN fällt von etwa 90m im Süden auf 35m im Norden ab. Die höchste Landerhebung ist mit 133m die Rheydter Höhe, die allerdings kein natürlicher Hügel ist, sondern eine ehemalige Mülldeponie. Das Klima ist gemäßigt atlantisch. Die jährliche Regenmenge bewegt sich von 1991 bis 2000 zwischen 450mm und 850mm. Die Lufttemperatur liegt im Jahresmittel zwischen 7,8 °C und 12,8 °C (STADT MÖNCHENGLADBACH 1997, 2001). Es gibt weder arktisch kalte Winter noch Dürrekatastrophen.
 
 
Kiebitzacker, Foto: G. Maas Die landwirtschaftlich genutzte Fläche, und die galt es zu untersuchen, beträgt 72,1 qkm (STADT MÖNCHENGLADBACH 2001). Nicht alle Flächen werden vom Kiebitz genutzt. Kraftfahrzeugverkehr, Radfahrer, Fußgänger mit und ohne Hunde vertreiben den Kiebitz vor allem aus den ortsnahen Feldern. Aber auch Felder, die uns geeignet erscheinen, können unbesetzt bleiben. So hatten einige Zähler auch „kiebitzfreie“ Gebiete zu untersuchen. Das macht weniger Spaß, ist aber nötig.
Auf diesem im Winter brachliegenden Acker bei Genhausen fanden sich
im April 10 Kiebitze, die sich auch durch Pflügen, Eggen und Einsäen
nicht vertreiben ließen. Mindestens zwei mal drei Junge wurden flügge.
 

3. Methoden

3.1: Bestandsaufnahme im Feld

Das Zählgebiet umfasst nur die Freiflächen innerhalb der Stadtgrenzen. Bei je einer Begehung Anfang bis Mitte April, Anfang bis Mitte Mai und gegebenenfalls Anfang Juni wurden  alle offenen Flächen vormittags zwischen 9 und 12 Uhr und teilweise auch nachmittags mit Fernglas und/oder Spektiv nach Kiebitzen abgesucht. Dabei wurden alle Individuen gezählt und jeweils den Kriterien: steht, sitzt, fliegt, Gelege und Jungvögel zugeordnet (Tab. 1, vgl. SUDMANN et al. 2002). Eine Nestersuche durch Abschreiten der Flächen war ausdrücklich nicht gewollt, um die Brutvögel nicht zu stören und Gelege nicht zu gefährden.

Um etwas über die Habitatpräferenzen unserer Kiebitze zu erfahren, sollte die Vegetation der Brutplätze notiert werden. Es war zu unterscheiden zwischen Mais, Getreide, Hackfrucht, Dauergrünland, Mähwiesen/ Schnittgrün und Anderes. (Tab. 1). Ein Problem war, dass zur ersten Erfassung im April noch keine Vegetation auf den Äckern zu sehen war, also noch völlig unklar war, was angebaut werden sollte. Wo es möglich war, wurde der Nichtbrüteranteil und die genaue Zahl der brütenden Kiebitze ermittelt. Aus den Quotienten Nichtbrüter/Gesamtzahl und Brutpaare/Gesamtzahl können dann die Brutpaare auf Flächen ermittelt werden, auf denen wegen äußerer Einflüsse nur die Gesamtzahlen der Kiebitze gezählt werden konnten.
 

Tabelle 1: Beispiel eines Erfassungsbogens.
 
Kartierer: Gebiet: Datum:
Anzahl Kiebitze und Verhalten Flächennutzung
Parzelle
u nd Stelle

steht

sitzt

fliegt

Gelege

Küken
Mais Getreide  Hack-
frucht
Weide/
Dauergrün-
land
Schnitt
-grün
anderes
P XI                      
1 1   1     x          
2   1 1         x      
3 2   4       x        
PXII                       
1   2             x    

Die Hoffnung Brutpaare direkt zu zählen musste teilweise aufgegeben werden. Es wurde zu Fuß oder vom Rad aus gezählt, was dazu führte, dass die Kiebitze teilweise aufgescheucht wurden. Abgesehen davon waren ständig Landwirte mit ihren Traktoren auf den Äckern. Die Vögel kamen kaum zur Ruhe. So konnte meist nur die Anzahl der anwesenden Kiebitze festgestellt werden und die räumliche Verteilung in den jeweiligen Feldern.

Gleichzeitig wurde auch nach Rebhuhn, Wachtel, Grauammer, Schafstelze und Turmfalke Ausschau gehalten. Dies aber nicht als Kartierung mittels methodischer Suche, sondern nur über Zufallsbeobachtungen. Die Kiebitzzählung gab Tageszeiten vor, die für die Erfassung der anderen Vögel nicht gut geeignet waren. So ermittelt man zwar nur unvollständige Bestandszahlen, hat aber ohne besonderen Aufwand zusätzliche Erkenntnisse über Mindestzahl und Verbreitung der Arten (vgl. Kap. 4.3).
 

3.2: Interpretation der Felddaten

Überwiegend war die Siedlungsdichte der Kiebitze gering, was eine Abschätzung der Revierzahlen zuließ. In einigen wenigen Zählgebieten gab es aber regelrechte Dichtezentren, in denen die Verteilung der Paare und Reviere nicht mehr eindeutig zu erkennen war. Direkte Nachweise von Nestern oder jungen Kiebitzen gelangen auch einige. Für die Ermittlung möglicher Brutpaare aus der Zahl der angetroffenen Kiebitze musste auf Erfahrungen aus anderen Kiebitzkartierungen zurückgegriffen werden. So wie es für Möwenkolonien recht gute Erkenntnisse gibt, wie aus der Zahl der anwesenden oder auffliegenden Tiere ziemlich genau auf die Zahl der Nester geschlossen werden kann, gibt es auch erprobte Faktoren, mit denen man das gleiche bei Kiebitzen ermitteln kann. Werden dann in zehn Jahren die Kiebitzbrutpaare mit denselben Methoden erfasst und ausgewertet, kann endlich auch eine Bewertung der Bestandsentwicklung für Mönchengladbach erfolgen. Die neueren Arbeiten zum Kiebitz in „Die Vogelwelt“ waren zwar nicht der Anstoß zu unserer Zählung, kamen aber für die Planung und Auswertung unserer Zählung sehr gelegen (BLÜHDORN 2001, SCHREIBER 2001 etc.). Daraus wurden folgende Auswertungsansätze entnommen:

a) Als Mindestanzahl für Brutpaare werden anlehnend an COLLIN J. B., BURGESS N. D., HILL D. A. (1995) und BLÜHDORN, I. (2001) die Zahl aller ermittelten Kiebitze ( = N) geteilt durch zwei angenommen. Ein wahrscheinlich vorhandener Überschuss an Männchen verrechnet sich so mit schwerer zu findenden und dadurch übersehenen brütenden Weibchen. Aus der Verteilung von paarweise und einzeln angetroffenen Kiebitzen könnte man auf einen höheren Bestand an Brutpaaren schließen, so dass es begründet scheint mit BP = N x 0,5 den Minimalwert angeben zu können.

b) Für eine  mögliche Obergrenze der Brutpaarzahl  werden in Dichtezentren (>10 Individuen in enger Nachbarschaft) die gezählten Individuen nicht mit dem Faktor 0,5 sondern anlehnend an HÄLTERLEIN et al. (1994 in SUDMANN et al. 2002) mit dem Faktor 0,7 bewertet. Die übrigen Kiebitze werden wieder mit 0,5 multipliziert.

c) Ein dritter Ansatz berechnet die Zahl der Brutpaare nach Kartenlage. Das heißt, den anwesenden Kiebitzen werden je nach ihrer Verteilung im Gelände theoretische Reviere („Papierreviere“) zugeordnet.

Die Berechnungen der Brutpaare wurden für die Zeitfenster in April, Mai und zum Teil Juni gesondert durchgeführt und zur Diskussion gestellt. Brutnachweise mittels Jungvögel, sowie anhand rufender Weibchen, konnten auch erbracht werden, können aber zur Bestandsschätzung nicht herangezogen werden. Die Entdeckungsrate der Kiebitzjungen ist aus methodischen Gründen viel zu gering. Die Jungensterblichkeit ist bei Kiebitzen sehr hoch. Bei zeitlichen Abständen der einzelnen Kartierungen von 4 (bis 5) Wochen können ganze Bruten verschwunden sein, bevor der Zähler das nächste Mal kommt. Im Juni werden die Äcker grün. Beobachtungen von Pulli sind dann reine Glückssache. Flügge Jungkiebitze wurden dann aber noch gefunden.

Beim Rebhuhn wurde jede Sichtung eines Paares und auch eines Einzeltieres als mögliches Brutpaar gewertet (wachender Hahn, versteckt brütende Henne). Bei der Schafstelze und Grauammer wurden nur Mai- und Junibeobachtungen gewertet. Darüber hinaus gelangen für die Schafstelze indirekte Brutnachweise über Futter tragende Alttiere. Beim Turmfalken wurden balzende Paare als Brutpaar gewertet. Nicht balzende Paare und Einzeltiere mussten bei mindestens zwei Kartiergängen angetroffen werden, um als Brutpaar gewertet zu werden. Die Ergebnisse wurden mit der Belegung der betreuten und kontrollierten Nisthilfen verglichen.
 
 

Kiebitz, Foto: H. Hurtmann
Allein auf weiter Flur






4. Ergebnisse

4.1 Die Zahl der ermittelten Kiebitzbrutpaare und ihre Verteilung

Das Vorkommen des Kiebitz erstreckt sich im Wesentlichen auf den Westteil Mönchengladbachs. Die größten Bestände sind im Südwesten zwischen Rheindahlen und Wickrath zu finden. Die unbesiedelten Quadrate sind entweder Wald oder Siedlungsbereich/Gewerbegebiete.
 
 
Kiebitzverteilung DGK
Karte 1: Die Verteilung der Kiebitzbrutpaare 2002 in Mönchengladbach, eingetragen in die Raster der Deutsche Grundkarte (DGK). Die Gitterfelder haben eine Kantenlänge von 2km.
Kiebitzverteilung TK25
Karte 2: Die Verteilung der Kiebitzbrutpaare 2002 in Mönchengladbach, eingetragen in die Topographische  Karte 1:25000 (TK25), Blatt 4804 und angrenzende.

Mit 18 Zählern wurden bei 3 (2) Kartierungsgängen 72,1 km2 landwirtschaftliche abgesucht. Die maximale Anzahl angetroffener Kiebitze betrugt 294 im April und Mai und 62* im Juni (* nicht alle Flächen wurden im Juni noch untersucht). Aus der Gesamtzahl und der Verteilung in den Zählgebieten ergibt sich, unter Anwendung oben genannter Auswertungsmethoden a-c, ein Bestand von 147 bis 173 Revierpaaren. Das Ergebnis von Methode „c“ entspricht dem Ansatz „b“ (siehe Tab.2). Der Nichtbrüteranteil konnte nicht ermittelt werden.
 

Tabelle 2: Ergebnisse der Kiebitzkartierung in Mönchengladbach 2002 nach unterschiedlichen Auswertungsmethoden (a-c, vgl. Kap. 3.2). Angegeben sind Brutpaare.
Bewertungsansatz April Mai
a) BP = N x 0,5 147 147
b) BP = N1 x 0,7 + N2 x 0,5 173 168
c) nach Kartenlage 167 163

Für Mönchengladbach errechnet sich daraus eine Siedlungsdichte des Kiebitzes zu 0,088 bis 0,104 Paare/10ha (für das gesamte Stadtgebiet). Damit liegt die Dichte in Mönchengladbach im gleichen Bereich wie im nördlichen Münsterland 1999 (BLÜHDORN, 2001). Betrachten wir nur die landwirtschaftliche Fläche beträgt die Dichte 0,204 bis 0,240 Paare/10ha. Die landwirtschaftliche Fläche beträgt nur 43% des Stadtgebietes. Mit diesem geringen Anteil landwirtschaftlicher Flächen sind die Dichteangaben für den Kiebitz in Mönchengladbach schwer zu vergleichen mit Kartierungen in anderen ländlichen Gegenden.
 

4.2. Habitatpräferenzen des Kiebitzes

Der Plan, schon im April und Mai die Einsaat der Felder erkennen zu wollen, war unrealistisch. Mitte Mai konnte man an den ersten Feldern, Anfang Juni an den meisten Feldern die Feldfrucht erkennen. Kiebitze in Wiesen oder anderem Grünland waren die Ausnahme. Nur zu 2% fanden sie sich dort.
 

Felder bei Hardt, Foto G.Maas
Blanke Erde, für den Kiebitz sehr anziehend. Felder bei Hardt.
 

In der Regel wurde der nackte, bearbeitete Boden bevorzugt. Im Juni fanden sich 13% der Kiebitze im Mais und jeweils 41% in Getreide und Hackfrucht. Die Anzahl der gesehenen Kiebitze war dabei aber nur noch ein Fünftel der Zahlen von April und Mai. Bei höherem Bewuchs nimmt auch die Entdeckungsrate rapide ab. Das Verhältnis von Getreide zu Hackfrucht beträgt im Rheinland grob 2 zu 1 (LANDWIRTSCHAFTSKAMMER RHEINLAND 2001).
 

4.3. Die anderen Arten

Rebhuhn

Beobachtungen von Rebhühnern wurden in den letzten Jahren nur wenige gemeldet. Um so erfreulicher ist es, dass, obwohl wir zu ungünstigen Tageszeiten unterwegs waren, doch noch Hinweise auf 19 Brutpaare möglich waren. Diesen Wert darf man aber nur als untersten Wert interpretieren. Bei einer gezielten Kartierung zur richtigen Tageszeit, nämlich zwei Stunden nach Sonnenaufgang und zwei Stunden vor Sonnenuntergang (COLLIN J. B. et al. 1995), wären sicher mehr Rebhühner nachzuweisen gewesen. Um mehr Rebhühner zu finden würde man auch entlang von Hecken und Waldrändern suchen, die für den Kiebitz nicht in Frage kommen und somit bei der Kiebitzkartierung vernachlässigt wurden.
Die Verteilung in Planquadraten der Deutschen Grundkarte ergibt dennoch ein gutes Bild über die Verbreitung des Rebhuhns in Mönchengladbach. Diese Erhebung kann bei späteren Kartierungen eine gute Planungshilfe sein.
 
 

Rephuhnverteilung DGK
Karte 3: Die Verteilung der potentiellen Rebhuhnpaare 2002
in Mönchengladbach (DGK). Schwerpunkte sind die Kiesgrube
Beltinghoven und der Raum Rheindahlen-Wanlo.

Wachtel

Im Jahr 2000 gab es für Mönchengladbach noch einige Wachtelmeldungen, sogar mit Bruterfolg. Bei der Kiebitzkartierung 2002 gelangen dagegen keine Nachweise. Auch für die Wachtel waren die methodischen Voraussetzungen für eine Erfassung sehr ungünstig. Sie ruft meist nachts und auch nur kurzzeitig bis zur Verpaarung. Die Wachtel tritt wohl nur noch sporadisch als Brutvogel in Mönchengladbach auf.
 

Grauammer

Es ist erfreulich, dass der einstmals häufige Vogel überhaupt noch bei uns vorkommt. Auf der Kamphausener Höhe im Südosten der Stadt brütet noch ein Paar, wenn auch auf Neusser Gebiet. Meldungen aus den letzten zehn Jahren nennen Schelsen, Wanlo und die Kamphausener Höhe selbst als Fundort (NABU-MG, Datensammlung).

Grauammervorkommen DGK
Karte 4: Die letzte Grauammer bei Mönchengladbach 2002 (DGK)




Schafstelze

Es konnten 25 Individuen gezählt werden. Nach den Kriterien von HUSTINGS et.al. (1985) können 10 Brutpaare gewertet werden. In der Verbreitungskarte wurden Beobachtungen, die diesen Kriterien nicht genügen (z.B.: vor dem 15.5.) grau eingetragen. Wenn man dagegen hält, dass sicher auch Schafstelzen übersehen wurden, mag die wahre Anzahl aber höher liegen. Es wurde deutlich, dass der Mönchengladbacher Süden noch besiedelt ist und die Schafstelze den Umstieg von Grünland auf Ackerland geschafft hat.
 
 

Schafstelze Zufallskartierung, DGK
Karte 5: Die Verteilung der potentiellen Schafstelzenpaare 2002
in Mönchengladbach (DGK)




Turmfalke

Der Bestand des Turmfalken in der nördliche Hälfte der Stadt ist dem NABU Mönchengladbach gut bekannt. Der Wickrather Raum ist auch gut untersucht, nur liegen uns diese Zahlen hier nicht vor. Das hat sich nun geändert. Obwohl es nur auf Zufallsfunde aufbaut, ist das Bild der Verteilung doch sehr eindeutig.

Den Mittelwert für Kulturland gibt BEZZEL (1985) mit 0,3 bis 0,6 BP/km² an. Das ergäbe für Mönchengladbach 51 bis 102 Brutpaare. Diese Zahlen erreicht der Turmfalke bei uns nicht.
 
 
Turmfalke Zufallskartierung DGK
Karte 6: Die Verteilung der zufallskartierten Turmfalkenbrut-
paare 2002 in Mönchengladbach (DGK)
Turmfalke Zufallskartierung und Nistkastenkontrollen
Karte 7: Die Verteilung der Turmfalkenbrutpaare 2002 in
Mönchengladbach unter Berücksichtigung der besetzten 
Nisthilfen (rot). (DGK)

In den Regionen in denen Nistkästen hängen, die im Jahr 2002 auch besetzt waren (Kontrolle durch den Verf.), wurden diese Brutpaare über die Zufallskartierung zum Teil bestätigt (roter und schwarzer Punkt überdeckend). Die Bestandsschätzung wird durch die Ergebnisse der Brutkontrollen in den Nistkästen präzisiert. Jetzt fehlt noch eine Zählung in den Siedlungsbereichen, wo keine Nisthilfen hängen.
 

5. Zusammenfassung

Erstmals wurde für ganz Mönchengladbach von April bis Juni 2002 der Bestand an brütenden Kiebitzen ermittelt. Ältere Daten lagen nur für bestimmte Stadtteile, ehemals eigenständige Städte oder Gemeinden, vor und waren sehr vage, konnten daher auch nicht zu Vergleichszweken herangezogen werden.

Die Ergebnisse überraschen. Da es bislang kaum quantifizierbare Bestandsschätzungen des Kiebitzes in Mönchengladbach gab, wurde der Bestand von uns bisher eher unterschätzt. Voraussichtlich 2003 wird die NWO (Nordrhein Westfälische Ornithologengesellschaft) die Kiebitze landesweit zählen. Dann können die für Mönchengladbach 2002 ermittelten 0,088 bis 0,104 Paaren/10 ha eingeordnet werden. Jetzt liegt erstmals eine Datengrundlage vor, mit der die weitere Entwicklung belegt und nachvollzogen werden kann.
 

6. Danksagung

Bedanken möchte ich mich bei den Zählern: Elisabeth Bargel, Barbara Bitzer, Horst Bolten, Giesela Cremer,  Alexandra Ditters, Holger Hurtmann, Johannes Kox, Georg Lauscher, Fritz Rust, Johann Sagel, Martin Sasum, Alfred Schneider, Rüdiger Schreiter, Ruth Seidel, Martin Temme, Liselotte Uhlig, Uschi und Axel van gen Hassend.
Eine große Hilfe waren Stefanie Pleines von der Biologischen Station Krickenbecker Seen, die mit Rat und Literatur beistand und Holger Hurtmann bei der Überarbeitung des Manuskriptes.
 

7. Literaturverzeichnis


 
NABU-Mönchengladbch, NABU-MG, nabu-mg, Naturschutzbund Deutschland Stadtverband Mönchengladbach, Kartierungen, Bestandserfassung, Ornithologie, Forschung, Zählung, Bestandsschätzung, Konflikt, Landwirtschaft, Landverbrauch