Kiesgrube Beltinghoven ist ornithologischer Schatz

- von Holger Hurtmann -

Bestandserfassungen von Flora und Fauna sind eine wichtige Stütze der Naturschutzarbeit. Erst dadurch wird klar, welche Gebiete besonders schützenswert sind und welche Biotoppflege gegebenenfalls erforderlich ist, um seltene Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Der NABU hat im Jahr 2001 eine ornithologische Erfassung in der Kiesgrube Beltinghoven durchgeführt, deren Ergebnisse Sie hier finden. Die Auswertung gliedert sich in:
 
1. Einleitung
2. Beschreibung des Untersuchungsgebietes
3. Methode
4. Danksagung
5. Ergebnisse der Bestandsaufnahmen
    5.1 Brutvögel
    5.2 Rastvögel (Durchzügler, Wintergäste)
    5.3 Nahrungsgäste
6. Artbeschreibungen
7. Zusammenfassung
8. Literaturverzeichnis
           Foto: H. Hurtmann
Blick über die Kiesgrube

1. Einleitung

Die Kiesgrube Beltinghoven ist schon seit längerer Zeit bekannt als eines der bedeutendsten Naturgebiete in der Stadt Mönchengladbach (vgl. FRANKEN & HURTMANN 1991, HURTMANN 1997, KRÜNER 1998). Die Attraktivität für die Fauna liegt in der Art und der Vielfalt von Biotoptypen, die lokal teilweise selten sind. Allerdings sieht sich das Gebiet einer intensiven Freizeitnutzung ausgesetzt, die im Gegensatz zum Schutzbedürfnis der dortigen Tier- und Pflanzenwelt steht. Um die Bedeutung der Kiesgrube nochmals zu verdeutlichen, wurde im Jahr 2001 eine systematische Erfassung der Avifauna durchgeführt. Das Datenmaterial sollte dazu beitragen, bei zukünftigen Planungen die Belange des Naturschutzes zu stärken.
 

2. Beschreibung des Untersuchungsgebietes

Das rund 25 ha große Untersuchungsgebiet liegt im Nordwesten von Mönchengladbach, zwischen den Stadtteilen Beltinghoven und Hardt (Abb. 1). Ab 1977 wurde hier Kies abgebaut, bis schließlich Ende 1998 der Nutzungsvertrag zwischen dem Betreiber und der Stadt als Flächeneigentümerin auslief. Seitdem obliegt der Stadt die Nutzung des Geländes.

Lageplan  Abb. 1: Lage der Kiesgrube
Verschiedene Sukzessionsstadien prägen das Bild der Abgrabung, die im Laufe der Jahre etappenweise voranschritt. Das unterschiedliche Alter zeigt sich an den Gewässern, die insgesamt etwa 9 ha messen. An dem Grundwassersee und den diversen Kleingewässern ist der Uferbewuchs mit Binsen, Röhricht und Weiden unterschiedlich weit fortgeschritten, gehört mittlerweile aber zu den umfangreichsten in Mönchengladbach. Auf dem kiesigen Boden reicht die Spanne von lockerer Primärvegetation bis hin zu ausgeprägten Beständen von Weiden (Salix spec.) und Hängebirken (Betula pendula). Neben der natürlichen Sukzession bestimmt die gezielte Neugestaltung durch den Menschen das Aussehen des Gebiets. Bereits weit vor 1998 wurde mit Rekultivierungsmaßnahmen begonnen. Eines der ältesten Anzeichen hierfür ist ein schätzungsweise 20jähriger Forst im Nordteil. Die dicht nebeneinander wachsenden Bäume einer einzigen Altersstufe und der nur sehr spärliche Unterwuchs in der Strauch- und Krautschicht bilden indes nur einen strukturarmen Wald. Wiesengesellschaften bedecken einen Großteil der Hänge. Durchsetzt sind sie mit lockeren Strauchpflanzungen, auch Brombeeren (Rubus fruticosus) oder Neophyten wie die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) haben sich angesiedelt. Die Strauchvegetation setzt sich zum äußeren Rand hin fort und geht in der Süd- und Westhälfte in einen dichten, artenreichen Gehölzsaum über. Neben verschiedenen Sträuchern, wie Liguster (Ligustrum vulgare), Hundsrose (Rosa canina) und Hasel (Corylus avellana) finden sich auch  Hainbuche (Carpinus betulus), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) oder Schwarzerle (Alnus glutinosa). Eine derartige Pufferzone fehlt im Südosten, wo sich direkt die Hehner Felder anschließen.

Das Gebiet hat mit den beiden Ausbuchtungen im Süden Teil am Landschaftsschutzgebiet Hardter Wald. Für die 1999 wiederverfüllte Grube nahe der Hardterwald-Klinik sowie für die erst kürzlich entstandene Abgrabung sieht der Landschaftsplan in diesem Zusammenhang allerdings keine Einzelfestsetzungen vor (STADT MÖNCHENGLADBACH 1995). Der Kernbereich verfügt über keinen besonderen Schutzstatus, im Landschaftsplan ist er als Rekultivierungsfläche gekennzeichnet. Eine Nutzung als Erholungsgebiet wird festgeschrieben, wobei Belange der Natur- und Artenschutzes und die Erholungsnutzung in Einklang gebracht werden sollen. Dies hofft man durch eine Aufgliederung des Gebietes zu erreichen. Die westliche Uferhälfte ist „für Zwecke des Biotop- und Artenschutzes ohne Erschließung herzurichten (...), die Osthälfte des Abgrabungsbereiches ist (...) der ruhigen Erholung zu erschließen“ (STADT MÖNCHENGLADBACH 1995).
 

3. Methode

Nicht allein die Brutvogelarten wurden bei der durchgeführten Revierkartierung ermittelt, es wurden auch Rastvögel (Durchzügler und Wintergäste) sowie Nahrungsgäste erfasst. Wegen der jahreszeitlichen Streuung der Ankunfts- und Gesangstermine war ein dreimonatiger Erfassungszeitraum von Mitte März bis Mitte Juni notwendig (vgl. BIBBY et al. 1995). In dieser Zeit wurden sechs morgendliche Begehungen a’ ca. 2,5 Std. durchgeführt. Die Interpretation der Felddaten erfolgte nach HUSTINGS et al. (1985) und WINK (1988:393-397). Zugleich wurde von Januar bis Dezember jeweils zur Monatsmitte der Bestand an Wasservögeln gezählt. Ergänzt wurden die systematischen Erfassungen durch mehr oder minder zufällig gewonnene Daten bei weiteren Begehungen.
 

4. Danksagung
Für die Mitteilung ergänzender Beobachtungsmeldungen danke ich Gerhard Maas, Heinrich Maas und Kurt Veckes. Ihre Meldungen sind in den Artbeschreibungen (Kap. 6) namentlich gekennzeichnet.
 

5. Ergebnisse der Bestandsaufnahmen

Im Jahr 2001 konnten insgesamt 93 Vogelarten festgestellt werden, darunter 24 (!) Arten der Roten Liste NRW (Tab. 1). Die Reihenfolge in der Tabelle sowie die Namen der Arten richtet sich nach der Abhandlung der Arten bei HERKENRATH (1995).
 
Nr.
Artname
Nr.
Artname
Nr.
Artname
Nr.
Artname
1
Zwergtaucher
25
Teichhuhn
48
Mehlschwalbe
71
Ziplzalp
2
Haubentaucher
26
Blässhuhn
49
Wiesenpieper
72
Fitis
3
Rothalstaucher
27
Kranich
50
Schafstelze
73
Schwanzmeise
4
Kormoran
28
Austernfischer
51
Gebirgsstelze
74
Weidenmeise
5
Graureiher
29
Säbelschnäbler
52
Bachstelze
75
Blaumeise
6
Weißstorch
30
Flussregenpfeifer
53
Zaunkönig
76
Kohlmeise
7
Graugans
31
Kiebitz
54
Heckenbraunelle
77
Eichelhäher
8
Kanadagans
32
Rotschenkel
55
Rotkehlchen
78
Elster
9
Höckerschwan
33
Waldwasserläufer
56
Nachtigall
79
Dohle
10
Nilgans
34
Flussuferläufer
57
Hausrotschwanz
80
Aaskrähe
11
Krickente
35
Lachmöwe
58
Braunkehlchen
81
Star
12
Stockente
36
Hohltaube
59
Amsel
82
Feldsperling
13
Knäkente
37
Ringeltaube
60
Wacholderdrossel
83
Buchfink
14
Löffelente
38
Turteltaube
61
Singdrossel
84
Bergfink
15
Tafelente
39
Kuckuck
62
Rotdrossel
85
Girlitz
16
Reiherente
40
Waldohreule
63
Misteldrossel
86
Grünling
17
Rohrweihe
41
Mauersegler
64
Sumpfrohrsänger
87
Stieglitz
18
Kornweihe
42
Eisvogel
65
Teichrohrsänger
88
Erlenzeisig
19
Sperber
43
Grünspecht
66
Gelbspötter
89
Bluthänfling
20
Mäusebussard
44
Buntspecht
67
Klappergrasmücke
90
Gimpel
21
Turmfalke
45
Feldlerche
68
Dorngrasmücke
91
Kernbeißer
22
Baumfalke
46
Uferschwalbe
69
Gartengrasmücke
92
Goldammer
23
Rebhuhn
47
Rauchschwalbe
70
Mönchsgrasmücke
93
Rohrammer
24
Fasan
 
 
 
     
Tabelle 1: nachgewiesene Arten im Jahr 2001 (fett: Arten der Roten Liste NRW)

Die Anzahl der nachgewiesenen Arten ist als sehr hoch einzustufen. Dies zeigen die Angaben aus vergangenen Kartierungen: Im Mühlenbachtal, heute Naturschutzgebiet, stellte die OAG Wickrath 1982/83 bei einer Flächengröße von 105 ha insgesamt 83 Arten fest (UNI DÜSSELDORF & OAG WICKRATH 1986). Eine Erfassung im südlichen Nierstal von Keyenberg bis Wickrath erbrachte 1991 bei 160 ha 73 Vogelarten (JÖBGES o.J.). Bezieht man die Anzahl der registrierten Arten auf eine einheitliche Flächengröße von 10 ha, errechnet sich für die Kiesgrube mit 37,2 Arten ein deutlich höherer Wert als für die beiden anderen Gebiete Mühlenbach- (7,9 Arten) und Nierstal (4,6 Arten).

Gemessen an der Gesamtavifauna von Mönchengladbach (ohne die ehemalige Gemeinde Wickrath) konnten in der Kiesgrube Beltinghoven in einem Jahr etwa 52% aller jemals im Stadtgebiet nachgewiesenen Arten festgestellt werden  (vgl. BURGHARDT 1989). Die Aufgliederung des Artinventars nach faunistischem Status zeigt, dass die Kiesgrube nicht nur über eine „Sockelavifauna“ von Brutvogelarten verfügt (Kap. 5.1), sondern eine Vielzahl von Rastvögeln (Kap. 5.2) und Nahrungsgästen (Kap. 5.3) das Gebiet gezielt aufsucht. Im Jahresverlauf können Arten sowohl als Brut- wie auch als Rastvogel (Durchzügler, Wintergast) oder Nahrungsgast auftreten.

5.1 Brutvögel
Im Jahr 2001 konnten 37 Brutvogelarten registriert werden, für eine weitere gab es Brutverdacht (Buntspecht). Darunter sind 6 Arten, deren Bestand landesweit gefährdet ist (Tab. 2).
 
Nr.
Artname
Paare
Nr.
Artname
Paare
Nr.
Artname
Paare
1
Zwergtaucher
2-3
14
Kuckuck
1 Revier
27
Gartengrasmücke
6
2
Haubentaucher
4
15
Buntspecht
0-1
28
Mönchsgrasmücke
18
3
Graugans
4
16
Bachstelze
1-2
29
Zilpzalp
15
4
Nilgans
1
17
Zaunkönig
10
30
Fitis
11
5
Stockente
mind. 2
18
Heckenbraunelle
8
31
Schwanzmeise
3-4
6
Rebhuhn
1-2
19
Rotkehlchen
10
32
Blaumeise
3
7
Fasan
6 Reviere
20
Amsel
24
33
Kohlmeise
6
8
Teichhuhn
10
21
Singdrossel
8
34
Eichelhäher
2-3
9
Blässhuhn
10
22
Sumpfrohrsänger
9-13
35
Buchfink
1
10
Flussregenpfeifer
3
23
Teichrohrsänger
7-9
36
Bluthänfling
3-4
11
Kiebitz
3
24
Gelbspötter
1
37
Gimpel
1
12
Ringeltaube
3
25
Klappergrasmücke
1
38
Goldammer
10
13
Turteltaube
2
26
Dorngrasmücke
15 Reviere
 
 
 
Tabelle 2: nachgewiesene Brutvogelarten im Jahr 2001 (fett: Arten der Roten Liste NRW)

Das Vorkommen von Rote-Liste-Arten ist ein Zeichen für die ökologische Bedeutung eines Gebietes. Da eine Hauptursache für die Gefährdung von Vogelarten die Zerstörung von Lebensräumen ist, sind vor dem Hintergrund landesweit knapper Biotopressourcen die verbliebenen Lebensräume für den Arterhalt umso wichtiger. Die Kiesgrube Beltinghoven beherbergt 6 Brutvogelarten, die im Bundesland Nordrhein-Westfalen auf der Roten Liste stehen.   Vier davon (Flussregenpfeifer, Kiebitz, Turteltaube, Teichrohrsänger) gelten als „gefährdet“ (Kategorie 3), zwei (Zwergtaucher, Rebhuhn) sogar als „stark gefährdet“ (Kategorie 2).

Für Mönchengladbach kommt die lokale Bedeutung hinzu: Drei Rote-Liste-Arten (Zwergtaucher, Flussregenpfeifer und Teichrohrsänger) haben ihr Hauptvorkommen bzw. gar ihr einziges Vorkommen in der Kiesgrube Beltinghoven. Gleiches gilt für eine Reihe anderer Arten. Der Haubentaucher brütet lediglich noch auf dem Holtmühlenteich und dem Rückhaltebecken Wickrath. Die Bedingungen sind indes nicht so optimal wie in der Kiesgrube. Der Brutbestand blieb in beiden Gebieten seit Mitte der 90er Jahre auf 1 Paar beschränkt, in Wickrath bleibt seit 1998 der Bruterfolg aus (HURTMANN, in Vorb.).  Auch die Nilgans (Abb. 2) hat ihr einziges Mönchengladbacher Vorkommen in der Kiesgrube. Im restlichen Stadtgebiet tritt sie ansonsten nur sporadisch auf. Die Aufzählung von lokal bedeutsamen Brutpopulationen ließe sich für weitere Vogelarten fortführen (z.B. Graugans, Blässhuhn, Sumpfrohrsänger, Dorngrasmücke). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Beltinghovener Grube nicht nur 6 landesweit (stark) gefährdete Brutvogelarten beherbergt, sondern auch im Hinblick auf lokale Populationen eine große Relevanz besitzt.

5.2 Rastvögel (Durchzügler, Wintergäste)
Vögel, die im Herbst in die Überwinterungsquartiere ziehen und im Frühjahr zurückkehren, benötigen auf der Zugstrecke Rastflächen, wo sie ihren Energiebedarf zum Weiterflug decken können. Insofern kommt Gebieten, die derart genutzt werden, eine wichtige „Trittstein-Funktion“ zu. Gleiches gilt für Arten, die in dieser Region nicht nur rasten, sondern auch  überwintern. In der Kiesgrube Beltinghoven wurden 2001 56 Vogelarten registriert, die die Grube als Rastgebiet aufsuchten oder sie auf dem Zug überflogen (Tab. 3).
 
Nr.
Artname
Anzahl
Nr.
Artname
Anzahl
Nr.
Artname
Anzahl
1
Haubentaucher
<5
20
Rotschenkel
1
39
Sumpfrohrsänger
<5
2
Rothalstaucher
1
21
Waldwasserläufer
2
40
Teichrohrsänger
<5
3
Kormoran
15
22
Flussuferläufer
<10
41
Gelbspötter
1
4
Weißstorch
1
23
Lachmöwe
10
42
Klappergrasmücke
1
5
Kanadagans
1
24
Ringeltaube
<150
43
Schwanzmeise
<10
6
Höckerschwan
6
25
Turteltaube
mind. 1
44
Eichelhäher
<10
7
Krickente
2
26
Mauersegler
mind. 1
45
Dohle
<5
8
Stockente
<10
27
Feldlerche
<30
46
Star
>50
9
Knäkente
1
28
Uferschwalbe
1
47
Buchfink
~15
10
Löffelente
6
29
Rauchschwalbe
>10
48
Bergfink
3
11
Tafelente
7
30
Wiesenpieper
~30
49
Girlitz
1
12
Reiherente
14
31
Schafstelze
4
50
Grünling
<5
13
Rohrweihe
1
32
Bachstelze
<5
51
Stieglitz
<40
14
Kornweihe
2
33
Nachtigall
1
52
Erlenzeisig
5
15
Baumfalke
1
34
Hausrotschwanz
3
53
Bluthänfling
>5
16
Blässhuhn
<5
35
Braunkehlchen
1
54
Gimpel
<15
17
Kranich
~410
36
Wacholderdrossel
~10
55
Kernbeißer
<5
18
Austernfischer
1
37
Rotdrossel
~15
56
Rohrammer
8
19
Säbelschnäbler
1
38
Misteldrossel
1
 
   
Tabelle 3: nachgewiesene Rastvogelarten im Jahr 2001 (fett: Arten der Roten Liste NRW)

Der Durchzug von Vögeln ist durch eine hohe Dynamik geprägt. Nur für kurze Zeit rastende Arten, überfliegende Zugvogeltrupps – das Bild in einem Rastgebiet kann sich innerhalb weniger Augenblicke ändern und ist durch eine begrenzte Anzahl von Begehungen kaum angemessen zu erfassen. Ein zweites methodisches Problem stellt sich mit einigen Singvogelarten, die in der Kiesgrube Beltinghoven brüten, allerdings wohl auch als Rastvögel auftreten (z.B. Heckenbraunelle, Rotkehlchen). Eine klare Zuordnung ist nicht immer möglich, die Daten sind in diesen Fällen restriktiv interpretiert worden. Tatsächlich wird also die Anzahl der Rastvogelarten wie auch deren Individuenzahl noch höher liegen.

Unter den (mindestens) 56 Rastvogelarten ist mit 18 Arten eine hohe Anzahl von Rote-Liste-Arten festgestellt worden. Dies unterstreichen Vergleiche mit den (Naturschutz-)Gebieten Mühlenbach und dem südlichen Nierstal: Im Mühlenbachtal waren es 1992/83 7 Rote-Liste-Arten (UNI DÜSSELDORF & OAG WICKRATH 1986), im Nierstal von Keyenberg bis Wickrath 1991 3 gefährdete Arten (JÖBGES o.J.). Bis auf Weißstorch und Schafstelze, die das Gebiet lediglich überflogen, nutzten alle anderen 16 Rote-Liste-Arten die Kiesgrube zum Teil über längere Zeit unmittelbar als Rastgebiet. Das Gelände fungiert somit für wandernde Arten als „Trittstein-Biotop“.

Für zwei Vogelordnungen (-formes) hat die Kiesgrube Beltinghoven eine besondere lokale Bedeutung. Zum einen sind es die Entenvögel (Anseriformes), zum zweiten die Limikolen (Charadriiformes). Das Ergebnis aus dem Jahr 2001 mit 7 Enten- bzw. 5 Limikolenarten bekräftigt die Erkenntnisse aus den 90er Jahren. Im Laufe des letzten Jahrzehnts rasteten 16 Enten- und 12 Limikolenarten in der Beltinghovener Grube, diese Zahlen werden in keinem anderen Gebiet der Stadt erreicht (vgl. HURTMANN, in Vorb.). Die Anziehungskraft erklärt sich durch die räumliche Beschaffenheit des Gebietes. Der große Grundwassersee und die temporären Kleingewässer mit ihren Schlickbänken bieten für beide Gruppen gute Rastbedingungen.
 
Baggerteich Flachwasserstelle
Wasser- und Schlickflächen für rastende Enten und Limikolen
Fotos: H. Hurtmann

5.3 Nahrungsgäste
Die auftretenden Nahrungsgäste sind meist Vögel, die in den umliegenden Gebieten brüten (z.B. Vorster Busch) und die Kiesgrube Beltinghoven zur Jagd bzw. Nahrungssuche nutzen. Gleichzeitig fallen hierunter aber auch Arten, die im Großraum Mönchengladbach übersommern oder nach abgeschlossener Brutzeit auf der Suche nach Nahrungsgewässern die Grube aufsuchen (Kormoran, Eisvogel). Im Untersuchungsjahr konnten 25 Arten registriert werden, darunter 4, die in der Roten Liste des Landes NRW als „gefährdet“ (Kategorie 3) eingestuft werden (Tab. 4).
 
Nr.
Artname
Anzahl
Nr.
Artname
Anzahl
Nr.
Artname
Anzahl
1
Kormoran
1-7
10
Waldohreule
1
19
Weidenmeise
1
2
Graureiher
1-4
11
Mauersegler
~10
20
Elster
bis 3
3
Nilgans
2
12
Eisvogel
1-2
21
Aaskrähe
bis 3
4
Sperber
1
13
Grünspecht
1
22
Star
bis 15
5
Mäusebussard
2
14
Buntspecht
1-2
23
Feldsperling
1
6
Turmfalke
2
15
Rauchschwalbe
<10
24
Grünling
1
7
Kiebitz
<5
16
Mehlschwalbe
>10
25
Stieglitz
~10
8
Hohltaube
bis 20
17
Gebirgsstelze
1
   
 
9
Kuckuck
1
18
Misteldrossel
1
   
 
Tabelle 4: nachgewiesene Nahrungsgäste im Jahr 2001 (fett: Arten der Roten Liste NRW)

Ähnlich wie bei den Rastvögeln besteht bei den Nahrungsgästen das methodische Problem, dass sie bei der begrenzten Anzahl von Begehungen nicht vollständig erfasst werden konnten. Auch hier wird also die Artenanzahl wie auch die Zahl der Individuen höher sein.

Viele Arten, die ihre Brutreviere außerhalb der Abgrabung haben, profitieren von der Kiesgrube Beltinghoven. Das reich strukturierte Gelände bietet im Gegensatz zu den intensiv bewirtschafteten Feldern oder den versiegelten Flächen der umliegenden Ortschaften reichhaltige Nahrungsvorkommen. Dabei zieht es Arten mit den unterschiedlichsten Nahrungsspektren an. Nach Fischen jagen z.B. Graureiher und Eisvogel, Greifvögel finden Kleinsäuger, eine Reihe von Singvögeln profitiert vom Insektenangebot oder von samentragenden Pflanzen.
 

6. Artbeschreibungen

Im folgenden wird das Vorkommen der nachgewiesenen Vögel charakterisiert. Dabei wird eingegangen auf:
 

  • faunistischer Status – unterschieden werden Brut- und Rastvogel, Nahrungsgast
  • Häufigkeit – Anzahl der registrierten Brutpaare oder Individuen
  • Gefährdung (Rote Liste) – Gefährdungskategorien in NRW und D
  • Besonderheiten – Anmerkungen zu besonderen Vorkommen etc.

  •  

     

    1. Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis)
    Brutvogel mit 2-3 Paaren
    Rote Liste: Die Art ist in NRW in ihrem Bestand stark gefährdet (Kategorie 2), im Bundesgebiet gefährdet (Kategorie 3).
    Seit der Wiederbesiedlung Mitte der 90er Jahre ist die Kiesgrube das wichtigste Brutgebiet in der Stadt. Andernorts brütet die Art nur sehr sporadisch (HURTMANN, in Vorb.).

    2. Haubentaucher (Podiceps christatus)
    Brutvogel mit 4 Paaren, vereinzelter Rastvogel mit <5 Individuen
    Das Gebiet beherbergt seit langem das größte Vorkommen im Stadtgebiet. Insgesamt 6 erfolgreiche Bruten im Jahr 2001 (Zweitbruten bei 2 Paaren) zeigen die guten Bedingungen.

    3. Rothalstaucher (Podiceps griseigena)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Vom 17.03. – 17.04. schwimmt 1 Taucher in der Kiesgrube (Hurtmann, H. Maas, Veckes). Dies ist überhaupt erst der zweite Nachweis der Art im Stadtgebiet. Im Jahr 1997 rasteten drei Exemplare – ebenfalls in der Kiesgrube Beltinghoven (HURTMANN 1998).

    4. Kormoran (Phalacrocorax carbo)
    Rastvogel mit 15 Individuen, Nahrungsgast mit 1 – 7 Exemplaren
    Am 24.03. überfliegt ein ziehender Trupp von 15 Kormoranen das Gebiet. Im Gelände halten sich nahezu regelmäßig Nahrungsgäste auf, selten jedoch mehr als 2 Exemplare.

    5. Graureiher (Ardea cinerea)
    Nahrungsgast mit 1 – 4 Exemplaren
    Von bis zu 4 Reihern wird die Kiesgrube regelmäßig aufgesucht (Hurtmann, G. Maas, H. Maas). Denkbar, dass darunter auch Vögel aus der Wickrather Brutkolonie sind.

    6. Weißstorch (Ciconia ciconia)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: Die Art ist in NRW vom Ausstreben bedroht (Kategorie 1), im Bundesgebiet gefährdet (Kategorie 3).
    1 Exemplar zieht am 19.03. über die Kiesgrube Beltinghoven (Veckes).

    7. Graugans (Anser anser)
    Brutvogel mit 4 Paaren
    Seit 1995 Brutvogel, wurde 2001 mit fünf Bruten ein neuer Höchststand erreicht. Obwohl die letzte Brut erfolglos abgebrochen wurde, wuchsen immerhin 22 Jungvögel (7, 6, 5, 4 juv.) auf. Bemerkenswert ist dabei die Bigamie eines Männchens, das mit 2 Weibchen insgesamt 13 juv. führte. Neben den Brutpaaren halten sich noch <10 Nichtbrüter in der Kiesgrube auf, womöglich die noch nicht geschlechtsreifen Jungvögel aus dem letzten Jahr. So konnten bis zu 39 Graugänse gezählt werden (Hurtmann, G. Maas, H. Maas, Veckes).

    8. Kanadagans (Branta canadensis)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Vom 30.03. – 01.04. hält sich 1 Kanadagans im Gebiet auf (H. Maas). Dabei handelt es sich wohl um ein umherstreifendes Exemplar aus der Region, womöglich um einen Vogel der Rheydter/ Wickrather Population. Der Bestand hat in Mönchengladbach in den letzten Jahren zugenommen. Denkbar, dass die Art in der Beltinghovener Grube zukünftig ein Brutgewässer sieht.

    9. Höckerschwan (Cygnus olor)
    Rastvogel mit bis zu 6 Individuen
    In der Zeit vom 07.02. – 05.03. verweilen 2 – 6 Individuen am Kleingewässer der verfüllten Grube im Südteil (Hurtmann, H. Maas, Veckes). Das Maximum wurde am 17.02. erreicht.

    10. Nilgans (Alopochen aegyptiacus)
    Brutvogel mit 1 Paar, Nahrungsgast mit 2 Individuen
    Die Kiesgrube Beltinghoven ist das einzige Brutgebiet der Art im Stadtgebiet. Erstmals im Jahr 1999 besiedelt, brütete 2001 ein Paar und führte 7 Jungvögel. Die Brut fand in einem Entenhäuschen statt (H. Maas). Darüber hinaus versuchte sich ein zweites Paar im Gebiet zu etablieren, was angesichts des strengen Territorialverhaltens der Revierinhaber aber nicht gelang. Insofern beschränkte sich bei ihnen die Nutzung der Grube als Nahrungsgebiet.

    11. Krickente (Anas crecca)
    Rastvogel mit 2 Individuen
    Rote Liste: Die Art ist in NRW in ihrem Bestand stark gefährdet (Kategorie 2).
    Am 24.03. rastet ein Paar in der Kiesgrube (Hurtmann, H. Maas). Neben dem Schlammbecken der Kläranlage Neuwerk und dem Holtmühlenteich gehört das Gebiet zu den am regelmäßigsten genutzten Rastplätzen im Stadtgebiet (HURTMANN, in Vorb.).

    12. Stockente (Anas platyrhynchos)
    Brutvogel mit mindestens 2 Paaren, Rastvogel mit <10 Individuen
    Der Brutbestand wird sicherlich höher gelegen haben als bei 2 Paaren. Die Angabe basiert auf einen Nachweis von zwei Weibchen mit Pulli am 15.06. Die Wasservogelzählung legt einen Rastbestand von knapp 10 Exemplaren nahe.

    13. Knäkente (Anas querquedula)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: Die Art ist landesweit vom Aussterben bedroht (Kategorie 1), im Bundesgebiet gefährdet (Kategorie 3).
    Ein Männchen schwimmt am 24.03.2001 im Gelände (H. Maas). Ähnlich wie die Krickente ist die Art auf naturnahe und störungsarme Rastgewässer angewiesen.

    14. Löffelente (Anas clypeata)
    Rastvogel mit 6 Individuen
    Rote Liste: Die Löffelente ist im Bundesland NRW stark gefährdet (Kategorie 2).
    Zwei Beobachtungen vom Frühjahrszug liegen vor: 2,3 Exemplare rasten am 05.03. in der Kiesgrube, am 02.04. ist es ein Männchen (jew. H. Maas). Die Kiesgrube ist neben dem Schlammbecken der Kläranlage Neuwerk das Gebiet, auf das sich der Durchzug konzentriert (vgl. HURTMANN, in Vorb.).

    15. Tafelente (Aythya ferina)
    Rastvogel mit 7 Individuen
    Rote Liste: In Nordrhein-Westfalen ist die Art stark gefährdet (Kategorie 2).
    Im Jahr 2001 sind 7 Exemplare datiert: Vom 04.02. – 09.02. verweilt 1 Exemplar (H. Maas, Veckes), am 05.03. sind es 5 Enten (H. Maas) und am 28.04. ist es nochmals 1 Tafelente (Hurtmann, H. Maas). Auch für diese Entenart hat die Kiesgrube lokale Bedeutung. Neben dem Rückhaltebecken Wickrath bietet sie den durchziehenden Tafelenten die besten Rastbedingungen, was sich von der Regelmäßigkeit und dem zahlenmäßigen Auftreten ableiten lässt (vgl. HURTMANN, in Vorb.).

    16. Reiherente (Aythya fuligula)
    Rastvogel mit 14 Individuen
    Im Laufe des Jahres summierte sich der Rastbestand auf 14 Individuen. Die Verweildauer umfasst mitunter mehrere Wochen und erstreckte sich bis in die Brutzeit (vgl. WINK 1988:395). Nicht auszuschließen, dass es sich teilweise um brutwillige Exemplare handelte.

    17. Rohrweihe (Circus aeruginosus)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: In Nordrhein-Westfalen ist die Art stark gefährdet (Kategorie 2).
    Am 12.08. landet ein weibchenfarbener Vogel in der Röhrichtzone der Kiesgrube. Die Art zieht nur sehr vereinzelt und unregelmäßig durch das Stadtgebiet (vgl. HURTMANN, in Vorb.).

    18. Kornweihe (Circus cyaneus)
    Rastvogel mit 2 Exemplaren
    Rote Liste: Mittlerweile ausgestorben ist die Kornweihe in NRW (Kategorie 0). Im Bundesgebiet ist sie vom Aussterben bedroht (Kategorie 1).
    Wie in den Vorjahren war die Kornweihe Wintergast. Am 29./30.12. beobachtete H. Maas 2 Exemplare. Die Wintergäste benötigen zur Jagd große Räume und sind deshalb nicht für lange Zeit in einem kleinen Gebiet anzutreffen.

    19. Sperber (Accipiter nisus)
    Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    Mehrfach konnte jeweils 1 Sperber in der Kiesgrube registriert werden. Womöglich ist der Sperber dem Brutplatz im Vorster Busch zuzuordnen, in der Vergangenheit sind zumindest Jagdflüge von dort aus in die Kiesgrube belegt (Hurtmann). Insgesamt wird die Anzahl der Nahrungsgäste 2001 höher gelegen haben, als mit 1 Exemplar angegeben.

    20. Mäusebussard (Buteo buteo)
    Nahrungsgast mit 2 Exemplaren
    Häufiger wurden je 2 Individuen registriert. Da es sich nicht immer um die selben Exemplare gehandelt haben dürfte – Beobachtungen gibt es auch aus Zugmonaten – wird die Anzahl der Nahrungsgäste (und Durchzügler?) höher gewesen sein.

    21. Turmfalke (Falco tinnunculus)
    Nahrungsgast mit 2 Exemplaren
    Ähnlich wie beim Sperber und Mäusebussard dürfte die tatsächliche Anzahl an Nahrungsgästen im Laufe des Jahres 2001 höher gelegen haben.

    22. Baumfalke (Falco subbuteo)
    Durchzügler mit 1 Exemplar
    Rote Liste: Sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene ist die Art gefährdet (Kategorie 3).
    Am 16.09. überfliegt 1 Baumfalke die Beltinghovener Grube.

    23. Rebhuhn (Perdix perdix)
    Brutvogel mit 1 – 2 Paaren
    Rote Liste: In NRW und Deutschland ist das Rebhuhn jew. stark gefährdet (Kategorie 2).
    Der strukturreiche, nicht bewirtschaftete Randbereich der Kiesgrube an den Hehner Feldern bot 1 – 2 Paaren Brutraum. Für ein Paar gelang sogar der Nachweis einer erfolgreichen Brut, allerdings blieb der genaue Nestort unbekannt. (H. Maas).

    24. Fasan (Phasianus colchicus)
    Brutvogel mit 6 Revieren
    Bei der Kartierung wurden 6 Reviere ermittelt. Beim Fasan ist die Anzahl rufender Männchen nicht gleichzusetzen mit der Brutpaaranzahl (vgl. HUSTINGS et al. 1985:320). Da die Männchen polygam leben, kann es pro Revierinhaber mehrere brütende Hennen geben. Die Anzahl der besetzten Nester blieb indes unbekannt, zumal sie eine störungsintensive Suche erfordert hätte.

    25. Teichhuhn (Gallinula chloropus)
    Brutvogel mit 10 Paaren
    Der Bestand des Teichhuhns ist landesweit aktuell zwar nicht gefährdet, er ist „in großen Teilen des früher besiedelten Gebietes aber bereits stark zurückgegangen“ (GRO & WOG 1997). Für das Rheinland berichten bereits ENGLÄNDER et al. (1992) Anfang der 90er Jahre von einem Rückgang. Mit 10 Paaren beherbergt die Kiesgrube ein lokal bedeutsames Vorkommen (vgl. HURTMANN, in Vorb.), das vor dem Hintergrund der landesweiten Entwicklung auch über Mönchengladbach hinaus zu betrachten ist.

    26. Blässhuhn (Fulica atra)
    Brutvogel mit 10 Paaren, Rastvogel mit <5 Individuen
    In der Kiesgrube befindet sich mit 10 Paaren der größte Brutbestand des Stadtgebiets, der 2001 bei insgesamt 28 Brutpaaren lag (HURTMANN 2001a). Über die Brutvögel hinaus konnte im Dezember leichter Zuzug festgestellt werden (<5 Exemplare).

    27. Kranich (Grus grus)
    Rastvogel mit ~410 Individuen
    Am 06.03. ziehen etwa 400 Kraniche über das Gebiet (H. Maas), 10 Nachzügler folgten am 18.03.

    28. Austernfischer (Haematopus ostralegus)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    1 Exemplar überfliegt am 25.05. rufend die Kiesgrube. Entweder handelt es sich um einen Durchzügler (vgl. MILDENBERGER 1982), oder um einen Vogel aus einer Brutpopulation des Umkreises. Unter anderem im angrenzenden Kreis Viersen brütete die Art im Jahr 2000 mit  4 Paaren (BSKS 2001).

    29. Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Vom 18.04. – 20.04. hält sich 1 Vogel in der Kiesgrube auf (H. Maas, Kremer). Dies ist der erste Nachweis der Art im Stadtgebiet überhaupt (vgl. BURGHARDT 1989, HEINEN et al. 1983, HURTMANN, in Vorb.).

    30. Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)
    Brutvogel mit 3 Paaren
    Rote Liste: In NRW zählt der Flussregenpfeifer zu den gefährdeten Arten (Kategorie 3).
    Im Jahr 2001 konnten erstmals 3 Paare nachgewiesen werden (vgl. HURTMANN, in Vorb.). Zumindest von 1 Paar ist ein erfolgreiches Brüten belegt (3 juv. am 30.06.; Veckes). In der Kiesgrube hat der Regenpfeifer sein wichtigstes und seit 1999 auch einziges Brutgebiet in Mönchengladbach. Andere bekannte Brutgebiete, zwei Abgrabungen sowie das Schlammbecken der Kläranlage Neuwerk, sind entweder durch Rekultivierungen oder fortschreitende Sukzession als Brutplatz verloren gegangen (vgl. HURTMANN, in Vorb.).

    31. Kiebitz (Vanellus vanellus)
    Brutvogel mit 3 Paaren
    Rote Liste: Sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene gilt der Kiebitz mittlerweile als gefährdet (Kategorie 3).
    Die schütter bewachsenen Kies- und Schlickflächen im Ostteil waren offensichtlich Brutgebiet für 3 Paare, die dort teilweise mit Pulli beobachtet werden konnten. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass der genaue Brutort knapp außerhalb des Gebietes in den Hehner Feldern lag und die Altvögel mit den Pulli lediglich zur Aufzucht in die Randbereiche der Grube wanderten.

    32. Rotschenkel (Tringa totanus)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: Im Bundesland NRW gilt die Art als vom Aussterben bedroht (Kategorie 1), bundesweit ist ihr Bestand gefährdet (Kategorie 3).
    1 Exemplar rastet am 16.09. an einem Kleingewässer im Südteil. Das Untersuchungsgebiet ist bevorzugtes Rastgebiet in Mönchengladbach: Von den fünf Nachweisen der 90er Jahre entfallen vier auf die Kiesgrube Beltinghoven (HURTMANN, in Vorb.).

    33. Waldwasserläufer (Tringa ochropus)
    Rastvogel mit 2 Individuen
    Jeweils 1 Vogel hält sich am 21.04. (Hurtmann, G. Maas, H. Maas) und am 21./22.05. (H. Maas) im Gelände auf.

    34. Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
    Rastvogel mit <10 Individuen
    Rote Liste: In Nordrhein-Westfalen ist der Flussuferläufer bereits ausgestorben (Kategorie 0), deutschlandweit ist er gefährdet (Kategorie 3).
    Die genaue Anzahl der Rastvögel ist wegen der unbestimmten Aufenthaltsdauer der Individuen und potenzieller Doppelbeobachtung nicht einfach zu ermitteln. Die Angabe von <10 Vögeln ist eine zurückhaltende Interpretation. Alle Daten beziehen sich auf den Frühjahrszug vom 24.03. – 22.05. (Hurtmann, G. Maas, H. Maas, Veckes). Für die 90er Jahre ist die lokale Bedeutung der Kiesgrube als Rastplatz deutlich belegt. Von hier stammten 75% aller Durchzugs-Meldungen (HURTMANN, in Vorb.).

    35. Lachmöwe (Larus ridibundus)
    Rastvogel mit 10 Individuen
    Beobachtungen liegen vor aus den Monaten Mai, August und November. Die insgesamt 10 Möwen überflogen das Gebiet beim Umherstreifen.

    36. Hohltaube (Columba oenas)
    Nahrungsgast mit bis zu 20 Individuen
    Die Nachweise aus den Monaten April bis August betreffen meist <5 Hohltauben, das Maximum lag indes bei etwa 20 Exemplaren (16.07.).

    37. Ringeltaube (Columba palumbus)
    Rastvogel mit <150 Individuen
    Regelmäßig anzutreffen war die Ringeltaube, von der Mitte Februar das Maximum mit etwa 50 Individuen erreicht wurde. Im Laufe des Jahres wird die Anzahl überfliegender Durchzügler (und Nahrungsgäste?) noch weitaus höher gelegen haben.

    38. Turteltaube (Streptopelia turtur)
    Brutvogel mit 2 Paaren, Rastvogel mit mind. 1 Exemplar
    Rote Liste: Im Land NRW ist die Turteltaube in ihrem Bestand gefährdet (Kategorie 3).
    Zu Beginn der zweiten Maidekade rufen mindestens 3 Turteltauben im Gebiet (G. Maas), letztendlich etablierten sich 2 Paare.

    39. Kuckuck (Cuculus canorus)
    Reviervogel mit 1 Paar
    Der Raum Kiesgrube Beltinghoven – Vorster Busch beherbergte 1 Revier.

    40. Waldohreule (Asio otus)
    Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    Am 16.07. sitzt 1 Vogel in einer Baumgruppe im mittleren Kiesgrubenteil.

    41. Mauersegler (Apus apus)
    Nahrungsgast mit regelmäßig ~10 Individuen, Rastvogel mit 1 Exemplar
    Zur Brutzeit jagen stets rund 10 Mauersegler über dem Gebiet. Der Nachweis am 12.08. (1 Exemplar) liegt bereits nach dem Abzug der heimischen Brutpopulation und betrifft entsprechend einen Durchzügler.

    42. Eisvogel (Alcedo atthis)
    Nahrungsgast mit 1-2 Exemplaren
    Rote Liste: In Nordrhein-Westfalen ist der Bestand des Eisvogels gefährdet (Kategorie 3).
    Je 1 Vogel konnte am 12.08. und 14.10. in der Kiesgrube beobachtet werden. Womöglich stehen die Nachweise im Zusammenhang mit Brutvorkommen im Mönchengladbacher Niersraum. Nach der Brutzeit verstreichen die Jungvögel aus ihren Brutgebieten. Es ist plausibel, dass die Art im Untersuchungsgebiet einen zukünftigen Brutplatz sieht.

    43. Grünspecht (Picus viridis)
    Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    Rote Liste: In Nordrhein-Westfalen ist der Bestand des Grünspechts gefährdet (Kategorie 3).
    Ab August wurde die Art mehrfach nahrungssuchend beobachtet. Zuzuordnen ist das Vorkommen sicherlich dem angrenzenden Vorster Busch/ Hardter Wald (vgl. HURTMANN 1999).

    44. Buntspecht (Dendrocopos major)
    Brutverdacht für 1 Paar, Nahrungsgast mit 1-2 Exemplaren
    In dem Forst im Nordteil hielt sich am 12.04. 1 Buntspecht auf, es blieb in der Brutzeit jedoch bei dieser einen Beobachtung. Angesichts des Artverhaltens kann trotz des Datums nicht mit Gewissheit von einem Brutpaar ausgegangen werden (vgl. HUSTINGS et al. 1985:379, WINK 1988:393). Unabhängig davon suchte der Specht die Kiesgrube sporadisch als Nahrungsgast mit 1-2 Exemplaren auf.

    45. Feldlerche (Alauda arvensis)
    Rastvogel mit <30 Individuen
    Insbesondere in den Frühjahrs- und Herbstmonaten zogen meist sehr vereinzelt Feldlerchen über das Gebiet hinweg. Am 14.10. war es eine größere Anzahl mit 21 Exemplaren.

    46. Uferschwalbe (Riparia riparia)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: Sowohl in NRW wie auch im Bundesgebiet ist die Art gefährdet (Kategorie 3).
    Eine Uferschwalbe jagt am 12.05. auf dem Durchzug über der Kiesgrube. Ende der 80er Jahre beherbergte das Gebiet eine Kolonie von schätzungsweise 20 Brutpaaren (DBV 1991).

    47. Rauchschwalbe (Hirundo rustica)
    Rastvogel mit >10 Individuen, Nahrungsgast mit <10 Exemplaren
    Rote Liste: Die Rauchschwalbe gilt in NRW als in ihrem Bestand gefährdet (Kategorie 3).
    Recht früh konnte am 24.03. 1 Schwalbe beobachtet werden. In den darauffolgenden Frühjahrsmonaten sind Nahrungsgäste und Durchzügler nicht klar voneinander zu trennen. Bis zum 16.09. wurden wiederholt Rauchschwalben registriert, maximal 6 Exemplare am 09.04. (wohl Durchzug; H. Maas).

    48. Mehlschwalbe (Delichon urbica)
    Nahrungsgast mit >10 Exemplaren
    Von Anfang Mai bis Mitte Juli jagen Mehlschwalben über dem Gebiet, insbesondere über dem Kleingewässer der wiederverfüllten Grube im Südteil. Sicherlich stammen die Vögel von der Brutansiedlung in Hehn. Die Kiesgrube ist damit wichtiges Nahrungsrefugium. Mehlschwalben sind zur Aufzucht der Jungvögel auf ausreichende Nahrungsquellen angewiesen, die in versiegelten Stadt(-rand-)bereichen kaum zu finden sind.

    49. Wiesenpieper (Anthus pratensis)
    Rastvogel mit ~30 Exemplaren
    Rote Liste: In NRW wird der Wiesenpieper als gefährdet eingestuft (Kategorie 3).
    Auf dem Durchzug wurden meist überfliegende Einzelvögel nachgewiesen. Lediglich am 18.11. konnte mit ~15 Individuen eine höhere Anzahl festgestellt werden (Hurtmann, G. Maas, Stiels). Wie insgesamt beim Kleinvogelzug wird die angegebene Zahl die Zugbewegung indes nicht angemessen widerspiegeln.

    50. Schafstelze (Motacilla flava)
    Rastvogel mit 4 Individuen
    Rote Liste: In ihrem Bestand ist die Art landesweit gefährdet (Kategorie 3).
    Datiert sind zwei Meldungen vom Frühjahrszug: Am 12.05. überfliegen 3 Schafstelzen rufend das Gelände, am 25.05. ist es 1 Exemplar.

    51. Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)
    Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    Am 15.06. wurde 1 Gebirgsstelze nachgewiesen.

    52. Bachstelze (Motacilla alba)
    Brutvogel mit 1-2 Paaren, Rastvogel mit <5 Exemplaren
    Die Brut im Südostteil fand womöglich in oder an einem Baustoffsilo statt. Daneben gibt es Hinweise auf ein weiteres Paar im Kerngebiet der Grube. Weitere Bachstelzen (<5 Exemplare) sind dem Durchzug zuzuordnen.

    53. Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)
    Brutvogel mit 10 Paaren
    Der Zaunkönig gehört mit 10 Brutpaaren zu den häufigeren Vogelarten im Gebiet. Ob er tatsächlich nur Brutvogel ist oder aber auch als Rastvogel auftritt (z.B. Zuzug im Winter, vgl. MILDENBERGER 1984:233), konnte nicht geklärt werden.

    54. Heckenbraunelle (Prunella modularis)
    Brutvogel mit 8 Paaren
    Ähnlich wie beim Zaunkönig stellt sich bei der Heckenbraunelle das Problem, dass festgestellte Vögel im Herbst/ Winter von den Brutvögeln nicht abgegrenzt werden konnten. Insofern bleibt unklar, ob über die 8 Brutpaare hinaus die Art als Rastvogel auftritt. Von der Heckenbraunelle bevorzugt werden die locker mit Sträuchern durchsetzten Hänge in der Kiesgrube.

    55. Rotkehlchen (Erithacus rubecula)
    Brutvogel mit 10 Paaren
    Die 10 Brutpaare konzentrieren sich auf den Nordteil der Grube, die wiesenbewachsenen Hänge mit lockerer Strauchvegetation im Süden wurden gemieden.

    56. Nachtigall (Luscinia megarhynchos)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: In NRW steht die Nachtigall als gefährdete Art auf der Roten Liste (Kategorie 3).
    Am 12. und 16.05. singt 1 Exemplar im Gebiet. Zwar deuten WINK (1988:395) zufolge Beobachtungen nach dem 10.05. bereits auf Brutvögel hin, doch ist von einer Bewertung als Brutvogel abgesehen worden. Da keine weiteren Nachweise mehr folgten, ist vielmehr von einem (späten) Durchzügler auszugehen (vgl. HUSTINGS et al. 1985:404).

    57. Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)
    Rastvogel mit 3 Individuen
    Ein durchziehender Hausrotschwanz singt am 18.03. im Gelände. Auf dem Herbstzug wurden 2 Exemplare am 14.10. registriert.

    58. Braunkehlchen (Saxicola rubetra)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Rote Liste: Im Bundesland NRW ist die Art stark gefährdet (Kategorie 2), bundesweit wird ihr Bestand als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft.
    Am 11.05. rastet ein Männchen an der Südböschung (G. Maas, H. Maas).

    59. Amsel (Turdus merula)
    Brutvogel mit 24 Paaren
    Mit 24 Paaren ist die Amsel die häufigste Brutvogelart in der Kiesgrube Beltinghoven. Dass darüber hinaus noch Rastvögel oder Nahrungsgäste auftraten ist denkbar, allerdings nicht belegt.

    60. Wacholderdrossel (Turdus pilaris)
    Rastvogel mit etwa 10 Individuen
    Rund 10 Exemplare überfliegen am 14.10. rufend die Abgrabung.

    61. Singdrossel (Turdus philomelos)
    Brutvogel mit 8 Paaren
    Insbesondere die Randbereiche der Grube werden von der Art besiedelt. Der Beobachtungszeitraum des (Kurzstrecken-)Zugvogels erstreckte sich vom 18.03. – 14.10.

    62. Rotdrossel (Turdus iliacus)
    Rastvogel mit etwa 15 Individuen
    Die Art, die regelmäßig im Herbst und Frühjahr über die Stadt zieht, konnte auch im Untersuchungsgebiet festgestellt werden. Am 24.03. fliegen mehrfach Drosseln über die Grube, insgesamt rund 15 Exemplare. Der reale Durchzug wird stärker ausgeprägt gewesen sein.

    63. Misteldrossel (Turdus viscivorus)
    Rastvogel und Nahrungsgast mit jeweils 1 Exemplar
    Am 24.03. konnte 1 Misteldrossel vernommen werden, hierbei handelte es sich wohl um einen Durchzügler (vgl. HUSTINGS et al. 1985:416). Womöglich war die Kiesgrube Teil eines Reviers, denn am 25.05. wurde 1 Exemplar über dem Untersuchungsgebiet beobachtet. Die Territorien der Misteldrossel können Dutzende Hektar groß sein (HUSTINGS et al. 1985:416).

    64. Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)
    Brutvogel mit 9-13 Paaren, Rastvogel mit <5 Individuen
    Die relativ große Spanne von 9 bis 13 Paaren ergibt sich durch unterschiedliche Interpretationsansätze. HUSTINGS et al. (1985:420-421) und WINK (1988:396) geben ein um wenige Tage voneinander abweichendes Datum an, nach dem Durchzügler ausgeschlossen werden können (Anfang Juni vs. 25.05). Die Differenz in den Angaben ist in bezug auf die Begehung am 25.05. relevant. Würde sie berücksichtigt, ergäben sich 13 Brutpaare, ansonsten 9 Paare. Ungeachtet dessen ist die insgesamt hohe Anzahl von Brutpaaren erwähnenswert, wie sie im Stadtgebiet an anderer Stelle nur noch selten zu finden sein dürfte.

    65. Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus)
    Brutvogel mit 7-9 Paaren, Rastvogel mit <5 Individuen
    Rote Liste: Als gefährdet (Kategorie 3) wird die Art in Nordrhein-Westfalen eingestuft.
    Das beim Sumpfrohrsänger geschilderte Problem bei der Interpretation der Felddaten lässt sich auf den Teichrohrsänger übertragen. Auch hier liegen die Terminierungen von HUSTINGS et al. (1985:421-422) und WINK (1988:396) auseinander (Anfang Juni vs. 20.05). Bliebe mit HUSTINGS et al. (1985:421-422) die Kartierung am 25.05. unbeachtet, resultieren 7 Paare, im anderen Fall 9 Paare. Auch für diese Art hat die Kiesgrube Beltinghoven lokal einen hohen Stellenwert. Aus ehemaligen Brutgebieten ist der Teichrohrsänger verschwunden. JÖBGES (o.J.) muss 1991 sein Verschwinden für das südliche Nierstal konstatieren. Auch der noch von BURGHARDT (1989) angegebene Brutplatz bei Schloss Rheydt ist heute verwaist (Hurtmann). Im Stadtgebiet ist der Rohrsänger aktuell nur noch am Holtmühlenteich bekannt und das mit offenbar deutlich weniger Paaren als in der Kiesgrube (seit Mitte der 90er Jahre 1-2 singende Männchen; Hurtmann).

    66. Gelbspötter (Hippolais icterina)
    Brutvogel mit 1 Paar, Rastvogel mit 1 Exemplar
    Ab dem 16.05. singen bis zu 2 Gelbspötter im Gebiet. Letztendlich etablierte sich 1 Brutpaar. Der Bestand dieser Art ist landesweit in großen Teilen „merklich zurückgegangen“, aktuell aber (noch) nicht gefährdet. Bestehen die Gefährdungsursachen weiter, muss jedoch mit der Aufnahme in die Rote Liste gerechnet  werden (GRO & WOG 1997).

    67. Klappergrasmücke (Sylvia curruca)
    Brutvogel mit 1 Paar, Rastvogel mit 1 Exemplar
    Die Erstbeobachtung erfolgte bereits am 12.04., als 1 Exemplar in der Kiesgrube sang. Handelte es sich dabei offenbar noch um einen Durchzügler, etablierte sich im Juni ein Brutpaar.

    68. Dorngrasmücke (Sylvia communis)
    Brutvogel mit 15 singenden Männchen
    Bei der Dorngrasmücke ist eine Aussage zur Brutpaaranzahl schwierig zu treffen, da das Territorialsystem durch große Instabilität gekennzeichnet ist (vgl. GLUTZ & BAUER 1991:864). Der Anteil unverpaarter Männchen ist „gewöhnlich hoch“ (GLUTZ & BAUER 1991:865), was zu einer Überschätzung des Brutbestandes führen kann. Insgesamt muss also eher von reviermarkierenden Männchen ausgegangen werden. Auf der anderen Seite ist der Erfassungsgrad mit 50–64% verhältnismäßig gering (JENSEN 1971, BERTHOLD, 1976, SPITZNAGEL 1978, zitiert nach GLUTZ & BAUER 1991:865). Mit 15 singenden Vögeln ist die Anzahl sehr hoch und bezogen auf den Gesamtbestand von Mönchengladbach liegt in der Kiesgrube ein wichtiges Vorkommen. Auch im Vergleich zu auswärtigen Gebieten wird deutlich, wie optimal das Gelände für die Art ist. Im NSG Lüsekamp im westlichen Kreis Viersen konnten 1994 bei 248 ha 30 Reviere festgestellt werden (PLEINES & SCHWIRK 1994, zitiert nach HUBATSCH 1996:205). Die sich daraus errechnende Abundanz von 1,2 Revieren/ 10 ha bezeichnet HUBATSCH (1996) als eine „ungewöhnlich hohe Dichte.“ In der Beltinghovener Grube werden auf 10 ha sogar 6 Reviere erreicht.

    69. Gartengrasmücke (Sylvia borin)
    Brutvogel mit 6 Paaren
    Obwohl erste Gartengrasmücken schon in der letzten Aprildekade erscheinen (vgl. MILDENBERGER 1984:280), ließ der Erstnachweis in der Kiesgrube bis zum 12.05. auf sich warten. Letztendlich konnten 6 Brutpaare kartiert werden.

    70. Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
    Brutvogel mit 18 Paaren
    Nach der Amsel ist die Mönchsgrasmücke mit 18 Paaren die häufigste Vogelart im Untersuchungsgebiet gewesen.

    71. Zilpzalp (Phylloscopus collybita)
    Brutvogel mit 15 Paaren
    Auch der Zilpzalp gehörte wie die vorgenannte Mönchsgrasmücke zu den häufigsten Brutvogelarten. Er besiedelte die Kiesgrube mit 15 Paaren. Der Zilpzalp am 18.11. (Hurtmann, G. Maas, Stiels) könnte ein (später) Durchzügler gewesen sein (vgl. MILDENBERGER 1984:309), allerdings gibt es aus der Grube auch Winternachweise (1997; Hurtmann).

    72. Fitis (Phylloscopus trochilus)
    Brutvogel mit 11 Paaren
    Mit einer Abundanz von 4,4 BP/ 10 ha ist die Kiesgrube verhältnismäßig dicht besiedelt. MILDENBERGER (1984:305) nennt für einige Gebiete Siedlungsdichteangaben, die von 0,9 – 5,7 BP/ 10 ha reichen. Der erste Fitis konnte in der Kiesgrube am 07.04. festgestellt werden - ein Datum, das im Rahmen des rheinischen Zuges liegt (vgl. MILDENBERGER 1984:304).

    73. Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)
    Brutvogel mit 3-4 Paaren, Rastvogel mit <10 Individuen
    Neben 3 festgestellten Paaren gibt es einen Brutverdacht. Hierbei handelt es sich um ein Paar im Nordwestteil, das in die angrenzenden Gartenanlagen wechselte. Insofern könnte der Brutort auch dort gelegen haben. Die Meisenart schließt sich außerhalb der Brutzeit zu kleineren Verbänden zusammen. Diese umherstreifenden Gruppen konnten auch in der Kiesgrube registriert werden, allerdings reichte ihre Anzahl nie über etwa 5 Vögel hinaus.

    74. Weidenmeise (Parus montanus)
    Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    Der einzige Nachweis datiert vom 18.03., als sich 1 Weidenmeise im Gelände aufhält. Womöglich war es ein Nahrungsgast aus dem angrenzenden Vorster Busch.

    75. Blaumeise (Parus caeruleus)
    Brutvogel mit 3 Paaren
    Für den Höhlenbrüter sind die natürlichen Brutmöglichkeiten in der Kiesgrube sehr begrenzt. Insofern überrascht es nicht, dass Bruten mit anthropogenen Einflüssen zusammen hängen. Ein Paar nahm einen Nistkasten an, ein weiteres lässt sich dem Bürogebäude zuordnen.

    76. Kohlmeise (Parus major)
    Brutvogel mit 6 Paaren
    Ähnlich wie bei der Blaumeise beschränken sich (alle?) Vorkommen auf anthropogene Einwirkungen. Vier Paare am nördlichen Gewässerteil brüteten in Nistkästen, ein fünftes in einer alten Förderbandanlage im Südosten. Lediglich bei einem Paar ist der genaue Brutort unbekannt. Er befindet sich jedoch in der Nähe eines Tores, in dessen Rohrkonstruktion bereits früher Bruten stattgefunden haben (Hurtmann).

    77. Eichelhäher (Garrulus glandarius)
    Brutvogel mit 2-3 Paaren, Rastvogel mit <10 Individuen
    Neben den 2-3 Paaren wurden auch außerhalb der Brutzeit wiederholt (sehr) vereinzelt Eichelhäher beobachtet. Ein Trupp von 6 Exemplaren, der am 12.04. die Kiesgrube überfliegt, ist wohl mit Zug in Verbindung zu bringen.

    78. Elster (Pica pica)
    Nahrungsgast mit bis zu 3 Exemplaren
    Die Art konnte 2001 lediglich als regelmäßiger Nahrungsgast mit bis zu 3 Individuen festgestellt werden. Denkbar allerdings, dass die Elster die jungen Baumpflanzungen in der Kiesgrube als winterlichen Gemeinschaftsschlafplatz nutzte, wie 2000 und 2002 beobachtet (Hurtmann, Stiels). Gezielte Kontrollen am späten Nachmittag blieben allerdings aus.

    79. Dohle (Corvus monedula)
    Rastvogel mit <5 Individuen
    Die sehr sporadisch nachgewiesenen Dohlen waren entweder Rastvögel (1 Oktobernachweis; vgl. MILDENBERGER 1984:587) oder aber umherstreifende Exemplare bzw. Vögel von naheliegenden Brutorten (2 Mainachweise).

    80. Aaskrähe (Corvus corone)
    Nahrungsgast mit bis zu 3 Exemplaren
    Obwohl im Nordteil ein alter Krähenhorst entdeckt wurde und die Kiesgrube insofern auch 2001 als Brutgebiet hätte dienen können, blieb ein Brutnachweis aus. Stattdessen wurde die Art als regelmäßiger Nahrungsgast mit bis zu 3 Individuen beobachtet.

    81. Star (Sturnus vulgaris)
    Rastvogel mit > 50 Exemplaren, Nahrungsgast mit bis zu 15 Individuen
    Nachweise liegen von April bis Oktober vor. Am 25.05. waren unter den 15 Staren auch Jungvögel, die in der Kiesgrube nach Nahrung suchten. Am 14.10. wurde das Maximum mit etwa 50 Exemplaren erreicht. Meist konnte die Art jedoch nur vereinzelt beobachtet werden.

    82. Feldsperling (Passer montanus)
    Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    Am 14.10. wurde 1 Feldsperling in der Kiesgrube Beltinghoven registriert. Die angrenzende Kleingartenanlage Vorster Busch beherbergte eine Brutpopulation (Hurtmann).

    83. Buchfink (Fringilla coelebs)
    Brutvogel mit 1 Paar, Rastvogel mit ~15 Individuen
    Ein Brutpaar etablierte sich im Nordteil der Grube. Die übrigen Beobachtungen im Januar und von Oktober bis Dezember summieren sich auf einen Rastvogelbestand von 15 Individuen, der real aber höher liegen dürfte.

    84. Bergfink (Fringilla montifrigilla)
    Rastvogel mit 3 Individuen
    Drei Exemplare ziehen am 14.10. rufend über die Kiesgrube.

    85. Girlitz (Serinus serinus)
    Rastvogel mit 1 Exemplar
    Am 21.04. singt 1 Durchzügler am Westrand der Beltinghovener Grube (Hurtmann, G. Maas, H. Maas).

    86. Grünling (Carduelis chloris)
    Rastvogel mit <5 Individuen, Nahrungsgast mit 1 Exemplar
    In verschiedenen Wintermonaten wurde mehrfach 1 Grünling registriert. Die Brutzeitbeobachtung vom 25.05. ist wohl auf einen Nahrungsgast zurückzuführen.

    87. Stieglitz (Carduelis carduelis)
    Rastvogel mit <40 Individuen, Nahrungsgast mit ~10 Exemplaren
    Das Gelände bot im Herbst/ Winter Trupps von bis zu 35 Vögeln Nahrung, darüber hinaus wurden mehrfach Einzelvögel festgestellt (Hurtmann, H. Maas, Veckes). Beobachtungen im Juli und August stehen wohl im Zusammenhang mit heimischen Brutterritorien (vgl. MILDENBERGER 1984:521).

    88. Erlenzeisig (Carduelis spinus)
    Rastvogel mit 5 Individuen
    4 Zeisige überfliegen am 15.02. rufend die Kiesgrube, 1 Exemplar ist es 14.10.

    89. Bluthänfling (Carduelis cannabina)
    Brutvogel mit 3-4 Paaren, Rastvogel mit >5 Individuen
    Die 3-4 Brutpaare konnten allesamt in den locker mit Strauchvegetation bewachsenen Randbereichen nachgewiesen werden. Nahezu das gesamte Jahr über hielten sich Hänflinge im Gebiet auf, darunter auch ein kleinerer Verband mit 6 Exemplaren.

    90. Gimpel (Pyrrhula pyrrhula)
    Brutvogel mit 1 Paar, Rastvogel mit <15 Exemplaren
    Neben 1 Brutpaar trat der Gimpel auch als Rastvogel auf. Die Meldungen aus den Herbst- und Wintermonaten summieren sich auf knapp 15 Individuen, maximal wurden 3 Gimpel beobachtet. Inwiefern es sich dabei um echte Zuzügler handelt oder ob es heimische Brutvögel aus angrenzenden Gebieten waren, muss offen bleiben.

    91. Kernbeißer (Coccothraustes Coccothraustes)
    Rastvogel mit <5 Individuen
    Eine Brutzeitbeobachtung (1 Expl. überfliegt am 12.05.) ist wohl eher dem Vorster Busch als einem Vorkommen in der Kiesgrube zuzurechnen. Drei Rastvögel wurden zudem am 18.11. registriert (Hurtmann, G. Maas, Stiels).

    92. Goldammer (Emberiza citrinella)
    Brutvogel mit 10 Paaren
    Der Bestand der Goldammer ist landesweit „merklich zurückgegangen“ (GRO & WOG 1997). Auch für Mönchengladbach sei ein negativer Bestandstrend zu verzeichnen, es brüteten allein noch 20-50 Paare im Stadtgebiet (ohne Wickrath) (BURGHARDT 1989). Insofern kommt der festgestellten Population von 10 Brutpaaren eine besondere (lokale) Bedeutung zu. Die Siedlungsdichte ist mit 4 BP/ 10 ha hoch (vgl. MILDENBERGER 1984:474).

    93. Rohrammer (Emberiza schoeniclus)
    Rastvogel mit 8 Individuen
    Vom Frühjahrszug stammen mit 6 Exemplaren die meisten Individuen. Die Einzeldaten: 1 Expl. am 15.02., 4 Expl. am 24.03. und 1 Expl. am 12.04. (Hurtmann, H. Maas, Stiels). Im Herbst wurden 2 Ammern am 18.11. beobachtet, davon eine an der wiederverfüllten Grube im Südteil (Hurtmann, G. Maas, Stiels).
     

    7. Zusammenfassung

    Strukturreiche Kiesgruben sind für eine Vielzahl von Arten wichtige Lebensräume. Dass dies in besonderem Maße auf die Kiesgrube Beltinghoven zutrifft, wurde bei einer ornithologischen Bestandserfassung 2001 deutlich. Im Untersuchungsjahr konnten 93 Vogelarten registriert werden, was selbst die Anzahl in größeren (Naturschutz-)Gebieten (z.B. Mühlenbach, Niersaue) noch übertrifft. Aber nicht allein die Quantität weist das Gebiet als bedeutungsvoll aus, auch die Artenzusammensetzung zeigt die Relevanz für die Vogelwelt. Unter den nachgewiesenen Arten waren 24 (!), deren Bestand landesweit gefährdet ist (Rote Liste). Hinzu kommt die Bedeutung für die Avifauna von Mönchengladbach. Eine ganze Reihe von Vogelarten besiedelt das Gelände mit lokal wichtigen Populationen, einige Arten sind sogar ausschließlich hier anzutreffen.

    Im Kontrast zu den Erkenntnissen über die Bedeutung der Kiesgrube steht die Nutzung. Die im Landschaftsplan vorgesehene Erschließung als Erholungsgebiet ist aus Sicht des Naturschutzes bereits keine Optimallösung. Umso Besorgnis erregender ist die (illegale) Nutzung als Kanugewässer, Schwimm-, und Badesee, Grillplatz, etc., die seit der Aufgabe als Betriebsgelände spürbar zugenommen hat. Neben der „Vermüllung“ des Geländes sind die Folgen für viele Vogel- und andere störungsanfällige Tierarten entsprechend. Bei Bodenbrütern droht durch unkontrolliertes Betreten Gelegeverlust, durchziehende Limikolen und Enten werden von den Rast- und Nahrungsgewässern aufgescheucht und die (Brut-)Ansiedlung weiterer störungsempfindlicher Arten wird verhindert. Um der Bedeutung der Kiesgrube Beltinghoven gerecht zu werden, muss ein effektiver Schutz des Gebietes gewährleistet werden, der die anthropogenen Störungen vermeiden hilft oder zumindest deutlich minimiert.
     

    8. Literaturverzeichnis