Erfassung der Wasservögel
         - von Holger Hurtmann -

Angaben über die Bevölkerungszahl einer Stadt kennt jeder. Die Frage, wie viele Wasservögel in einer Stadt vorkommen, fällt einem bei dem Stichwort Einwohnerzählung zunächst wohl nicht ein. Dennoch hat der NABU im Jahr 1997 diese "Einwohner" Mönchengladbachs gezählt. Wir wollten wissen, welche Arten in der Stadt vorkommen und wie häufig sie sind. Darüberhinaus erfährt man, welche Bereiche besonders gern von seltenen Wasservögeln zur Brut oder Rast genutzt werden, und deshalb besonders geschützt werden müssen.
 


Brautente                             Foto: Holger Hurtmann 
 
Stockente                             Foto: Holger Hurtmann

Was, wann, wo? Die Methode

Um zunächst zu klären, wie und was wir gezählt haben: Als Wasservogel gelten jene Vögel, deren Lebensraum auf das Wasser oder die unmittelbare Wassernähe beschränkt ist. Dazu gehören natürlich Taucher, Gänse, Enten, Schwäne, Möwen aber auch Limikolen oder bestimmte Singvögel, wie der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) oder die Rohrammer (Emberiza schoeniclus). Diese Vögel wurden im Laufe des Jahres jeweils zur Monatsmitte an nahezu allen Gewässern der Stadt erfasst.

Dabei fehlen in Mönchengladbach große Wasserflächen, wie sie in den umliegenden Kreisen zu finden sind. Das größte stehende Gewässer misst ca. 6 ha. Ein bedeutenderes Fließgewässer ist die Niers, die 22 km durch das Stadtgebiet verläuft. Wie in vielen Großstädten ist ein erheblicher Teil der Gewässer urban geprägt, d.h. umgeben von dichter Besiedlung und insofern entsprechend anthropogen geprägt und beeinflusst. Naturnahe Gewässer mit einer typischen Ufervegetation fehlen bis auf wenige Ausnahmen völlig.

Eine Besonderheit war die Härte des Winters 1996/97. Vom 23. Dezember bis zum 11. Januar herrschte stetiger Dauerfrost mit Tiefstwerten von bis zu -21°C. Dies hatte zur Folge, dass sämtliche stehende Gewässer sowohl in Mönchengladbach als auch außerhalb der Stadt gänzlich vereist waren. Die Niers fror in den Randbereichen und seichteren Stellen zu.
 

Wie viele Wasservögel sind es denn nun?

Die Anzahl der Vögel liegt in Abhängigkeit von den Jahreszeiten zwischen rund 800 und 1800 Tieren. Das Diagramm verdeutlicht die Entwicklung des Bestandes im Jahresverlauf:

Das Maximum wird im Januar erreicht. In diesem Monat halten sich neben den bei uns brütenden Vögeln viele Wintergäste auf, die im Februar abzuziehen beginnen. Diese Entwicklung setzt sich im März fort und verstärkt sich deutlich (gegenüber dem Februar -41%). Im April erreicht die Anzahl den tiefsten Stand des gesamten Jahres. Wintergäste sind abgezogen, rastende Zugvögel nur sehr gering vertreten. Gebrütet wird auch schon, einige Stockenten führen bereits Jungvögel. Die Anzahl der Entenpaare mit Nachwuchs nimmt im Mai zu, durch den Bruterfolg weiterer Arten und Zweitbruten steigt die Individuenzahl bis Juli an. Nach dem Abschluss der Brutperiode bleibt das Bild im August nahezu unverändert. Mit dem September und Oktober ist die Zugzeit bereits wieder angebrochen. Der vollständige Winterbestand stellt sich bis in den Dezember wieder ein und erreicht das Niveau des Jahresanfangs.
 

Artenliste der registrierten Wasservögel

Bei den Zählungen konnten insgesamt 36 Arten festgestellt werden (dahinter das jeweilige Maximum):
 
Artname
Maximum
Artname
Maximum
Artname
Maximum
Haubentaucher
17
Stockente
1318
Flussregenpfeifer
2
Zwergtaucher
19
Löffelente
12
Waldwasserläufer
2
Kormoran
81
Mandarinente
20
Flussuferläufer
5
Graureiher
34
Brautente
11
Sturmmöwe
55
Höckerschwan
4
Tafelente
40
Heringsmöwe
16
Trauerschwan
3
Reiherente
8
Silbermöwe
16
Graugans
56
Moorente
1
Lachmöwe
276
Rostgans
2
Moschusente
9
Eisvogel
4
Kanadagans
13
Gänsesäger
1
Gebirsstelze
9
Höckergans
4
Zwergsäger
1
Wasseramsel
3
Zwerggans
1
Teichralle
182
Teichrohrsänger
3
Krickente
12
Bläßralle
75
Rohrammer
1

Die Häufigkeit der Arten: Stockente auf Spitzenplatz

Den prozentualen Anteil der Arten am Gesamtbestand zeigt das folgende Diagramm:

Die mit Abstand häufigste Wasservogelart in Mönchengladbach ist die Stockente (Anas platyrhynchos). Mit durchschnittlich 960 Exemplare (=73%) sind statistisch gesehen unter vier Vögeln drei Stockenten. Ihr folgt gewissermaßen auf Platz zwei die Teichralle (Gallinula chloropus), die im Mittel mit 120 Individuen (=9%) vertreten war. Obwohl die Lachmöwe (Larus ridibundus) den gesamten Sommer über nicht oder nur ausnahmsweise in der Stadt anzutreffen ist, ist sie durch das häufige Auftreten in den Herbst- und Wintermonaten mit durchschnittlich 77 Exemplaren (=6%) noch eine der häufigeren Arten.
Ungleich seltener sind da die Limikolen, die mit 1,4 Individuen pro Zählung mit weit unter 1% nur einen kleinen Teil ausmachen.
 

Zusammenfassung

Die Wasservogelfauna Mönchengladbachs wird von jenen Arten dominiert, denen es gelungen ist sich den vom Menschen vorgegebenen Verhältnissen anzupassen. Diese Arten profitieren von den Bedingungen, die sie in der Nähe menschlicher Besiedlung vorfinden und suchen deshalb diese Bereiche verstärkt auf. So ist der Niersbereich im Odenkirchener Raum mit seinen angrenzenden Parkanlagen das Gebiet mit den meisten Wasservögeln. Als häufigste Art stellte sich hier - wie auch im gesamten Stadtgebiet - die Stockente heraus.

Angesichts dessen, dass naturnahe Gewässer Mangelware sind, ist deren konsequenter Schutz umso wichtiger. Viele anspruchsvolle Arten, wie Rohrsänger oder Rohrammer, finden nur in einer Röhrichtzone Brutmöglichkeiten. Die aber gibt es nicht am Geroweiher oder an anderen stadtnahen Gebieten.

Was das Brutvorkommen von bedrohten Arten anbelangt, so hat Mönchengladbach noch den ein oder anderen lokal bedeutsamen Bestand. Hervorzuheben ist besonders das Brüten von Graureiher (Ardea cinerea), Eisvogel (Alcedo atthis)  und Wasseramsel (Cinclus cinclus). Die Gewässer der Stadt sind für seltene Wintergästen oder Durchzüglern nur bedingt von Bedeutung, hier haben die umliegenden Kreise angemessenere Rastgebiete.

Der harte Winter 1996/97 brachte durch das weiträumige Zufrieren vieler Gewässer einige nicht alljährlich zu beobachtende Vogelarten in das Stadtgebiet, z.B. Zwergsäger (Mergus albellus). Zu einem generellen Anstieg des Winterbestandes führte er jedoch nicht.

Literaturverzeichnis