KMU - NETZWERKE IN SACHSEN

Im Rahmen eines durch den Europäischen Sozialfonds mit Komplementärmitteln des Freistaates Sachsen geförderten Projektes werden fünf kooperative KMU-Netzwerke in den Bereichen Bau (Planung, Erschließung, Ausbau, Sanierung), Metallverarbeitung (Produktion, Dienstleistung), Mikroelektronikanwendungen sowie Werkstätten für Behinderte initiiert und betreut. Die Netzwerkinitiierung und -betreuung erfolgt durch den Projektträger, die Professur Erwachsenenbildung und betriebliche Weiterbildung der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Prof. Dr. Schöne. Ziel des Projektes ist die Unterstützung der Personal- und Organisationsentwicklung innerhalb und zwischen KMU, die in Netzwerken zusammenarbeiten (z.B. als Wertschöpfungsketten bei Produkten und/oder Dienstleistungen). Dadurch wird der Innovationsprozeß in jedem Unternehmen und gemeinsam für das Netzwerk gefördert. Zugleich wird es damit möglich, modellhafte Lösungen zu schaffen, die auf andere Unternehmen ausstrahlen. Zur Verallgemeinerung der gesammelten Erfahrungen erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung durch den Projektträger.

Die Förderung für die Unternehmen aus den Netzwerken ist eine überwiegend personelle Förderung. Die beim Projektträger angestellten, jeweils für mehrere KMU zuständigen Netzwerkinitiatoren, initiieren, moderieren und befördern in und zwischen den Unternehmen in einem ganzheitlichen Innovationsansatz (Verbindung zwischen technischen, betriebsorganisatorischen, betriebswirtschaftlichen und qualifikatorischen Belangen) die notwendigen Prozesse. Sie haben die folgenden Aufgaben:

Damit leisten Sie einen Beitrag sowohl zur kurzfristigen Problemlösung als auch zur Verbesserung der strategischen Planung in den KMU.

KMU-Netzwerke bieten gegenüber dem herkömmlichen unternehmerischen Handeln zahlreiche Vorteile. Durch die Verknüpfung von KMU mit einem sich ergänzenden Angebot von Produkten und Dienstleistungen können Entwicklungszeiten des Endprodukts verkürzt und gleichzeitig Vertriebsstrukturen geteilt und erweitert sowie neue Marktsegmente erschlossen werden (z.B. neue Produkte, umfangreichere Aufträge). Die fest etablierten Informations- und Materialwege der beteiligten KMU können effizienter gestaltet werden als herkömmliche Wege zwischen Zuliefer- und Herstellerunternehmen, was finanzielle Vorteile, kürzere Lieferzeiten und verläßliche Qualität garantiert. Die Kombination verschiedener Leistungen kommt zudem dem Kundenwunsch entgegen, "alles aus einer Hand" zu fest kalkulierten Preisen zu bekommen. Der Schritt vom Zulieferer, der von seinem Auftraggeber abhängig ist, zum Teil einer Wertschöpfungskette im kooperativen Netzwerk gewährt dem Unternehmer auch eine bessere strategische Kontrolle über seine Geschäftsprozesse.

Durch den Synergieeffekt beim Zusammenschluß von KMU können betriebliche Ressourcen, wie z.B. Personal/Ausrüstung, gemeinsam genutzt werden. Maßnahmen, wie z.B., Beratung oder Personalentwicklung, können gemeinsam, kostengünstiger durchgeführt werden und Aufträge, die für einzelnen Unternehmen zu umfangreich sind, arbeitsteilig im Netzwerk bearbeitet werden. Von besonderem Vorteil ist die Teilung von Ressourcen bei geringer oder diskontinuierlicher Auslastung, z.B. von teuren, wenig genutzten Spezialmaschinen. Dies bietet dem einzelnen Unternehmen die Möglichkeit, die eingesparten Ressourcen produktiv zu verwenden, beispielsweise für F&E (vgl. Hahn et al., 1995). Durch das für das einzelne Unternehmen gesenkte Projektrisiko wird für das Netzwerk ein verstärktes Innovationspotential geschaffen, das neue Marktsegmente zu erschließen hilft (vgl. Bechtler, 1990). Ein Zusammenschluß versetzt KMU in die Lage, den Standards und Normen des Marktes gerecht zu werden (z.B. Qualitätszertifizierung nach ISO 9000ff) und so den Marktvorteil der Großunternehmen wenigstens teilweise auszugleichen (Schmidt, 1995). Auch gegenüber Fördermittel- und Kreditgebern können Netzwerke stärker als die einzelnen Unternehmen auftreten (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft, 1996).

Bechtler, T. (1999). Kooperation, ein Gebot der Stunde. Technische Rundschau, 41.
Bundesministerium für Wirtschaft (1996). Kooperationen-Chancen und Risiken. Gründerzeiten, 11.
Hahn, R., Gaiser, A., Héraud, J.-A. & Müller, E. (1995). Innovationstätigkeit und Unternehmensnetzwerke. Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 3.
Schmidt, A. (1995). Der mögliche Beitrag der Kooperation zum Innovationserfolg für kleine und mittelgroße Unternehmen. Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Ergänzungsheft 65.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. R. Schöne,
Technische Universität Chemnitz,
Professur Erwachsenenbildung und betriebliche Weiterbildung,
09107 Chemnitz.

Matthias Freitag , TU Chemnitz