Aufruf für alle Ex-I C O C`s…

 

Zu Wort komme ich als Ehemalige, welche noch lockeren Kontakt

zu Aussteigern hat- aber auch engeren, denn ich habe einen geheiratet.

Was hätte ich wohl sonst getan nach dem Ausstieg? Mit wem hätte ich so

intensiv darüber reden können? Ich habe mich geradezu freigeredet. Meinem

Mann ging es genauso. Was also tut jemand, wenn er weg geht? Meiner

Meinung nach lautet das Resultat der Gedanken nach einer gewissen

Stabilisierung :“Sie haben vielleicht recht mit ihrer Lehre und ihren Überzeug-

ungen , aber ich kann halt nicht so leben.“ Und:“ Wenn ich schon nicht

für Gott agieren kann, werde ich jedenfalls nichts gegen ihn tun.“ So ähnlich

dachten wir beide auch mind. 2-3 Jahre, bis irgendwann die Wut und

Ernüchterung kam - u.a. auch, dass der Kontakt zu anderen in der

Gemeinde ja wohl kaum mehr möglich ist. Wozu sich zurückziehen, wo ich

mich doch auch missbraucht gefühlt habe und zu der Überzeugung gekommen

war, dass die Gruppe imgrunde mir ein großes Stück Idealismus gestohlen hat!

Ich bin sicher, dass viele sich nie wieder ganz von der Lehre lösen können, aber

dies auch nicht leben können oder wollen. Dieser Zwiespalt bohrt im Unter-

oder Bewusstsein. Warum nicht anderen mit der eigenen Erfahrung helfen? (Und sich

damit selber helfen?) Oder besser noch „Unbefangene“ bewahren? Der Kinderglauben

leidet im Laufe des Lebens wahrscheinlich sowieso, aber was diese Gruppe anrichten

kann in kurzer Zeit - ist einfach ungeheuerlich. Warum nicht andere bewahren vor

der geistlichen Verführung, psych. Manipulation, dem Ausnutzen - wo man doch

noch an das Gute im Menschen glaubt - an ihre Freundlichkeit. Als ich dann in einer

Demo einfach mal nur dabei war, ohne mich zunächst verbal zu äußern, sah ich sie

dann ganz anders. Diese Janusköpfigkeit machte mich am Anfang fassungslos.

Nichts vom meiner ursprünglichen Achtung z.B. den Leitern gegenüber ist übriggeblieben

nach nur wenigen Demos. Die Leute, die mir dort von der Gruppe begegnen, sind

sicher keine nur freundlichen, sondern berechnende Menschen. Verglichen mit Besuchern

bin ich erstaunt über diesen menschlichen Unterschied.

Mit diesem kleinen Einblick in meine Gefühlswelt möchte ich Ehemalige motivieren,

einfach mal darüber nachzudenken, ob es nicht vielleicht einen Sinn hat, warum Du

in diese Gruppe gekommen bist - und diese auch wieder verlassen hast. Irgendwie muß

man sich ja damit aussöhnen. Ich denke nicht, dass man gegen Gott agiert, wenn man

sich vor diese Kirche stellt- und Besuchern von seinen Erfahrungen erzählt. Wenn jemand

davon über alle Maßen angezogen wird, dann wird er seinen Weg gehen.

Ich fände es aber auch schön, wenn man sich als Aussteiger wiedersieht. Ich freue mich,

wenn ich jetzt höre, dass es jemand „geschafft“ hat, den ich kannte.

Vielleicht könntet Ihr Euch durchringen zu einem Stück „Vergangenheitsbewältigung“,

denn auch wir müssen zusammenhalten.

                                                        S.K.-S.