
Vorwort
Diese Aufzeichnungen möchte ich in Anlehnung an den Film “Der Himmel über Berlin” allen ehemaligen Engeln widmen, allen, die versucht haben, ein gottgefälliges Leben zu führen in Liebe, Vergebung, Geborgenheit, Reinheit, Zuversicht und Hoffnung. Besonders denke ich dabei an die Menschen, die mir während meiner Zeit in der Gemeinde “Jesu Christi” Berlin e.V. nahe standen .Wenn ich mir ihr Bild vergegenwärtige, kann ich dem Zitat von Nietzsche zustimmen:
“Sobald eine Religion herrscht, hat sie alle die zu ihren Gegnern, welche ihre ersten Jünger gewesen wären.”
Ich wünschte mir für die Mitglieder der Gemeinde, daß sie menschlich mehr Verständnis für jeden einzelnen aufbringen, jedem die Freiheit geben, die er braucht, um sich zu entfalten und die farbigen Töne des Lebens (zwischen Schwarz und Weiß) nicht ignorieren würden. Wenn eine Religion Menschen hilflos und verzweifelt macht, sie ihren Glauben verlieren, kann etwas nicht stimmen... Ich glaube nicht, daß ein radikales Leben , das alle “ungöttlichen” Gedanken und Taten im Keim erstickt, die Lösung für alle Probleme sein kann , erst recht nicht, wenn diese Ideologie mit Ablehnung aller Andersdenkenden verbunden ist und man nur noch in seiner eigenen “geistlichen” Welt lebt. Mir war es nicht möglich, dieses Leben auf Dauer zu führen.
Möge Gott allen wiedererwachten Engeln beistehen !
November 1997 Simone S.
Tagebuch, 3.10.97 “ Liebe Bianca !
Noch immer bedeutest Du mir sehr viel...Sicher war Dein Anruf heute auf “Rat hin” [wohl von Regina ] ; trotzdem habe ich mich gefreut, Deine Stimme zu hören...Schon wieder bist Du umgezogen und hast dabei das Arbeitstreffen vergessen -vor lauter Terminen. Ich werde dann gefragt, was mit Dir los sei und bin immer noch versucht, Dich in Schutz zu nehmen, finde aber auch, daß Du selbst verantwortlich bist und entscheiden mußt, wie wichtig Dir Dein Job ist...Ich freue mich, daß Du das Examen nun geschafft hast . Nur bin ich traurig, daß Dich diese Gruppe so abhängig macht, obwohl ich zugeben muß, nach bestimmten Augenblicken auch noch Sehnsucht zu haben. Mein Leben ist im Moment nicht so erfüllt [bzw. gefüllt ]. Ich will eigentlich viele Dinge tun, aber ich kann nicht so, wie ich gerne möchte...Bianca, es ist eine Illusion...diese Welt der Gemeinde...Auch draußen gibt es Menschen, die lieben können. Auch draußen gibt es Menschen, die eine Beziehung zu Gott haben...Aber diese Art, sich in das Leben von Menschen zu drängen, ist...nicht gut...Wenn ich nur mal richtig mit Dir reden könnte -mit Dir -offen und ehrlich, doch das ist nicht möglich.Was tust Du aus freien Stücken, was Du nicht in der Gemeinde gelernt hast ? Wir haben beide zuviel Angst, und ich weiß, daß es nicht unter uns bleiben würde. Du willst keine Fehler machen und weise handeln, und mir geht es genauso, wir haben nur leider nicht das gleiche Ziel.Es tut weh zu sehen, wie hörig Du Regina und anderen gegenüber bist...,dabei ging es mir vor nicht allzulanger Zeit genauso. Ich gebe zu, daß ich auch jetzt noch sehr um meine Echtheit kämpfen muß...,aber nur so - in Freiheit-ist wahres Menschsein möglich - “try and error”. Ich weiß, daß Du familiäre Probleme hast und hattest..Deine Mutter in Therapie, Deine Eltern geschieden..., so daß Du sicher froh warst, Florentine zu treffen [genau wie ich ! ] und damit Freunde und eine Gemeinde, wie sie es wohl biblischer nicht geben kann. Aber...Du wirst dem Leben immer mehr entfremdet werden...Diese ständigen Wechsel in der Gemeinde von Bibelkreisen \ Jüngerschaftsbeziehungen...Freundschaften... Was ist daran wahrhaft, wenn die Leitung darüber entscheidet -und nicht das Herz ? Oh Bianca, ich weiß nicht, ob Du den Absprung jemals schaffst...Was bleibt Dir in dieser Welt dann...in dieser Stadt ? Du sagst, Du fühlst Dich hier wohl...wegen der Gemeinde ? Ich fühle mich hier immer noch unwohl - wegen der Gemeinde. Ich mag diese freundliche, aufgesetzte Art nicht, wenn ich Leuten begegne..., die mir plötzlich nur noch positive Dinge erzählen, ihre Schwächen zurückhalten. [Anmerk. d. A. :Ich möchte hier kein Pauschalurteil abgeben, aber ich habe es bei vielen Mitgliedern so empfunden.] Es dient alles nur einem Zweck...”JÜNGER ZU MACHEN”...”ABGEFALLENE ZURÜCKZUHOLEN”...Im Grunde jedoch kann sich der einzelne in der Masse auch sehr einsam fühlen ...Es ist so zwiespältig, so schwer zu durchschauen...so reizend anders. Und doch...trotz all meiner momentanen Labilität -Bianca- es ist eine falsche Sicherheit...nur Schein ! Die ganze Logik daran ist künstlich konstruiert...die Bibel mißbraucht. Wo ist Dein eigener Wille...? Kehre doch um [und das nicht im Sinne der Gemeinde ], sonst wird es immer schwieriger...Dein ganzes Leben wird nur noch von anderen bestimmt werden ! ...Im Namen Gottes ist alles möglich ?! Wieso ???”
Berlin, im Nov.97
Vor ca. einem halben Jahr habe ich, Simone Schmeer [ Medizinstudentin, 23 Jahre], die Gemeinde “Jesu Christi” verlassen. Inzwischen löse ich mich auch mehr und mehr vom Gedankengut dieser radikalen Gruppe, die vorgibt, ein Urchristentum zu leben und dabei die Bibel als einzige und absolute Grundlage gebraucht.
Gestern Abend rief mich eine Bekannte an - auch eine “Aussteigerin” [oder gar die schreckliche Bezeichnung “Abgefallene”...Abfall von \ für Gott ?!]. Dabei wurde mir wieder bewußt, wie schwer die Zeit nach dem Verlassen der Gemeinde sein kann - vor allem, wenn man auf sich allein gestellt ist - aus Angst vor Unverständnis und einem Schamgefühl, wieder einmal versagt zu haben. Ich halte es deshalb für sehr wichtig, die Hilfe anderer zu suchen und anzunehmen, vor allem von Betroffenen. Der Zufall wollte, daß es für mich Menschen gab und gibt, die mich emotional aufgefangen haben [z.B. traf ich auf dem Geburtstag eines Mitgliedes eine Frau, die die Gemeinde schon verlassen hatte]. Obwohl ich nur ca. anderthalb Jahre Kontakt mit dieser Gruppe hatte - und davon nur 8-9 Monate als anerkanntes Mitglied - war diese Zeit sehr intensiv ; ich habe noch heute gemischte Gefühle ,sowohl was die Ideologie als auch die Menschen betrifft , welche sich als einzige Christen bezeichnen.
Der Einstieg in diese Gruppe war für mich unspektakulär und vielleicht wenig typisch. Ich wurde im Oktober ‘95 vor der TU in Berlin von einem netten Pärchen zu einem christlichen Gottesdienst eingeladen ; ich bekam eine Karte mit verschiedenen Predigtthemen.
[Sie fragten nicht nach meiner Telefonnummer - das hätte mich auch befremdet .] Ich assoziierte die beiden mit einer Studentengemeinde und nahm mir vor, dort mal vorbeizuschauen, da ich auf der Suche war...Erfahrungen mit anderen Glaubensgemeinschaften hatte ich kaum. [Ich komme jedoch aus einem evangelischen Elternhaus.] Einige Wochen später trieb mich meine Neugier dann zu einem Sonntagsgottesdienst , der in einem ehemaligen Gewerkschaftshaus in der Wallstraße stattfand. Schon beim Eintreten wurde ich freundschaftlich begrüßt, obwohl ich noch niemanden weiter kannte. Nachdem ich einen Platz gefunden hatte, sprach mich schon bald eine junge Frau an, ob ich das erste Mal hier sei ; sie hätte mich noch nicht gesehen. Ich war dankbar, daß ich nun eine Ansprechpartnerin hatte , wenn ich auch wahrzunehmen meinte, daß sie trotz ihrem Lächeln, ihrer herzlichen Art eine gewisse Unruhe ausstrahlte, so als stehe sie unter Druck. [Es ist möglich, daß ich gewisse Situationen im Rückblick interpretiere oder jetzt anders bewerte .] Der Gottesdienst erschien mir in der Art und Weise sehr gefühlsbetont .[ Das Video “Call to me” löste bei vielen Tränen aus.] Ich staunte, wie sehr alle bei der Sache waren, “mitgingen”, eifrig in ihren Bibeln blätterten. Die junge Frau neben mir, deren Name Sina war, kümmerte sich dann auch weiter um mich. Wir tauschten beim Abschied unsere Telefonnummern aus, was ich jetzt nicht für unangebracht hielt. Bald kam ich öfters, aber nicht regelmäßig zu anderen Veranstaltungen. Sina rief mich manchmal an, aber ich fühlte mich nicht dadurch bedrängt. Wir sprachen über Freizeit, Familie, Studium/ Beruf ; sie lud mich zu verschiedenen Gemeindeaktivitäten ein. Mit ihrer herzlich - schwäbischen , feinfühligen Art gab sie mir Raum, mich zu öffnen. Durch sie war ich in den Bibelkreis der Berufstätigen gekommen. Bald begannen wir in der Bibel zu lesen . Ich betrachtete es am Anfang als Austausch und war gespannt, wie sie die Bibel interpretierten. Die Logik dieser Bibelstudien war so stimmig und immer praktisch untermalt [jeder in der kleinen Frauengruppe erzählte etwas von sich ], daß ich bald in die Rolle der Lernenden schlüpfte - ganz automatisch [zumal die anderen sich einig waren ]. Immer mehr begann ich ,wie sie zu denken...
Nach einigen Monaten fragte mich Sina, ob ich in die Studentengruppe möchte. Ich bejahte, weil ich spürte, daß die Zuordnung so üblich ist. Sina stellte mich Regina vor. In den darauffolgenden Wochen war ich damit beschäftigt, mich in der Studentengruppe zu orientieren. Gleichzeitig wurde meine Teilnahme an den Aktivitäten und Bibelstudien intensiver, zumal mir eine [zukünftige] Schwester ins Gewissen redete, daß “dies hier kein Spiel sei”. Besondere Betroffenheit sollte die sogenannte “Studie über das Kreuz “ auslösen , wobei versucht wurde, mir Jesu `Leiden recht plastisch zu schildern [dies mit Hlife des Berichtes “Die Passionsgeschichte Jesu vom medizinischen Standpunkt”, (s. Anhang) was meine Aufmerksamkeit förderte ].Mir wurde klar gemacht, daß Jesus seine ganzen Leiden auf sich nahm -für mich, obwohl ich bis jetzt sein Feind gewesen bin. Eigentlich hätte ich es verdient, wie Jesus behandelt zu werden, d.h. angespuckt, verhöhnt und gekreuzigt zu werden. Er starb, als er meine schlimmste Sünde sah. Ich hatte das Gefühl, daß in dieser Studie von mir erwartet wurde, daß ich heftige Emotionen zeige, zumindestens schienen die anderen in der Gruppe Jesus`Lage damals sehr gut nachempfinden zu können. Gritta [meine spätere BK-Leiterin] führte die Studie sehr eifernd und mit Nachdruck. Zuhause erzählte ich begeistert von einer lebendigen Gemeinde mit vielen jungen Leuten, was meine Eltern erstmal positiv aufnahmen.
Mittlerweile wurde ich vom Enthusiasmus mehr und mehr angesteckt, spürte aber auch bald, daß ich mich entscheiden müsse, ob ich hier ganz dabeisein möchte -mit allen Rechten und allen Pflichten. Bei den Predigten [vor allem in der Andacht ] staunte ich über soviel Ermutigung und zugleich Klarheit und Direktheit. Manchmal war ich ganz seltsam gerührt, wenn ich das Gefühl hatte, diese Predigt sei nur für mich. Ich bekam das zu hören, was ich brauchte. Das machte mich betroffen, was wiederum meine Ernsthaftigkeit förderte. [Später erkannte ich, daß das alles geplant wurde, auf die individuellen Schwierigkeiten - vor allem der “heißen Fälle” - Leute, die kurz vor der Taufe standen - abgestimmt, was mich enttäuschte.] Ich kam in einen Gewissenskonflikt: Ich wußte, mich zog dieses Leben unheimlich an... endlich wollte ich mal das absolut richtige in meinem Leben tun - konsequent und radikal. Und doch wurde mir klar, daß es ein Bruch sein würde mit den Vorstellungen der evangelischen Kirche - wovon ich geprägt war - , mit meinem Elternhaus, ja auch mit der “Welt” insgesamt [was mir in vollem Umfang jedoch noch nicht bewußt war ]. Ich schwankte , und doch ahnte ich - mit diesem Wissen, diesen “Überzeugungen”, die ich jetzt zu haben glaubte, gab es kein Zurück. Auch hatte ich mich schon sehr an die Gemeinschaft gewöhnt, wo ich jedesmal alles alltägliche, was mich sonst belastete, hinter mir lassen konnte. Aus anfänglicher Neugierde wurde jetzt Ernst. Besonders fiel es mir schwer, die Kindertaufe abzulehnen, ich wollte mich nicht noch einmal taufen lassen und hoffte, daß es akzeptiert werden würde:
Tagebuch, 2.7.96
“Ich bin heute total verzweifelt. Es ist unmöglich für mich, mich ein zweites Mal taufen zu lassen. Ich sehe, daß ich mein Leben bisher verfehlt habe, aber meine Kindertaufe war ein Geschenk, wo ich mit Christi `Leib verbunden wurde, meine Sünden mir im voraus vergeben wurden, ich vielleicht auch den Heiligen Geist empfing...[was ein zweites Mal nicht möglich ist]. Ich würde meine Herkunft verleugnen, abgesehen davon, daß ich meinem Vater [und allen aus der Vergangenheit] nicht mehr in die Augen schauen könnte. Trotz allem möchte ich umkehren, mein Leben verändern, doch so radikal -ich würde allen Halt verlieren. Ich bin dabei, an Jesus irre zu werden. “
Das Festhalten an der Kindertaufe erwies sich bald als unmöglich, was mir mit Bibelzitaten nachgewiesen wurde.Nach einem Besuch zu Hause war ich sehr aufgewühlt und beharrte bei der folgenden Bibelstudie besonders hartnäckig auf meiner Meinung. Regina “bearbeitete” mich ; sie gab mir mal wieder das Gefühl, hier die Dumme zu sein. Es war demütigend - vor allem vor den anderen. Sie brachte mich dazu, daß ich immer stiller und stiller wurde und zuletzt kleinbeigab. Sie behielten mit der Bibel immer recht. Für jedes Problem gab es eine biblische Lösung, und wenn mal nicht , gab es im “Reich Gottes” zumindestens schon einen kleinen Erfahrungsschatz an ähnlichen Fällen...Aufgrund ihrer vielen Bibelstudien, wo sie mit den unterschiedlichsten Menschentypen konfrontiert werden, haben sie gelernt, für viele verschiedene Argumente Gegenargumente parat zu haben.
Nach einem Gottesdienst kam ich mit Regina nochmal auf das schon erwähnte Thema zu sprechen. Ich hatte mir einige dürftige Bibelzitate zurechtgelegt. Sie reagierte so, daß ich einen Schreck bekam :”Du willst mich lehren?”schrie sie fast und sah mich wütend an. Aus ihren Augen blitzte Zorn. Ich fühlte mich so, als wäre mir etwas teuflisches entfahren. Mir schien, als ob Regina diese Situation mit der Versuchung Jesu` durch Satan assoziierte, zumindestens reagierte sie sehr ähnlich. Ihre Umarmung und ihr :”Heh, ich hab` dich lieb!” einige Minuten später befremdeten mich eher noch mehr. Auch Regina`s Briefe empfand ich als Druckmittel: ”Wenn Du erst meine Schwester bist...”
Mittlerweile hatten wir eine neue Unterkunft im Haus der Adventisten am Bundesplatz, welche mir auch besser gefiel, da es mich mehr an eine Kirche erinnerte, wie ich sie kannte. Trotz allem war mir klar, daß ich nun meine kindlichen Vorstellungen von Gott alsbald ablegen werden würde - zumindest soweit, wie es die Gemeinde lehrte. Ich rang einige Tage intensiv um eine Entscheidung, so daß ich 2-3 Tage -wegen starker Betroffenheit - nicht aus dem Haus gehen konnte. Zur letzten Studie sollte ich zu Kim. Sie ist die Frau des Gemeindeleiters Dean Farmer und hat zugleich den Stellenwert der geistlichsten Frau in der Gemeinde. Kurz vor dem Treffen erreichte mich noch ein Brief eines jungen Pfarrers, mit dem ich mich zu Hause bei meinen Eltern unterhalten hatte. Er war auf der richtigen Spur, d.h. er ordnete die Gemeinde richtig ein und warnte mich. Ich versuchte später, noch eine Frau zu sprechen, die Kontakt mit der Gemeinde gehabt hatte. Der Pfarrer hatte mir die Telefonnummer gegeben. Leider erreichte ich sie nicht. [Ich war damals der Meinung, daß es wohl nicht sein solle...]
Sonnabend, den 13.7.`96 in L.
“Liebe Simone,
es wäre schön für uns, Dich kennenzulernen und deshalb schreiben wir Dir jetzt auch diesen Brief. Wir haben uns auch doll gefreut, daß Du mit Jesus leben willst und die Bibel für Dich neu entdeckt hast. Es hat auf mich als eine Mischung von Begeisterung und Nachdenklichkeit \ Unbehagen gewirkt, wie Du uns von der “Gemeinde Jesu” erzählt hast. Ich hatte es mir schon gedacht und es hat sich im Nachhinein herausgestellt : Es ist genau die Gemeinschaft, wo D., eine unserer besten Freundinnen , war, zusammen mit einer anderen Studentin, die wir auch gut kennen. Und ich muß Dir leider sagen, die “Gemeinde Jesu Christi Berlin” ist eine Sekte. Das klingt hart und ist es auch. Denn es gibt dort viele wirklich tolle Züge, z.B. die enge Gemeinschaft, die Freude an Jesus, das Hören auf Gottes Wort - alles, was echtes, gesundes Christsein ausmacht. Das laß Dir von niemandem nehmen ! So hat auch D. lange gebraucht, bis sie erkannt hat, daß der Laden faul ist. Anlaß dann war, daß sie zur Taufe gedrängt wurde, bzw. man ihr “zwingend” nachgewiesen hat, ihre Kindertaufe sei nicht wirklich echt biblisch. Dazu paßt, daß andere Christen, die in anderen Gemeinden Jesus nachfolgen, nicht für voll genommen, sondern geistlich abqualifiziert werden. Wenn man in der “Gemeinde Jesu” lebt, ist auch die biblische Beweisführung zwingend - aber nur, weil viele verschiedene Einzelstellen nach ihrem System zusammengefügt und interpretiert werden, oft ohne den Zusammenhang und ohne andere Auslegungsweisen bekannt zu machen. Damit will ich nicht sagen, daß alles falsch ist, was die in der Bibel lesen - aber sie machen daraus eine geistliche Diktatur. Sie gewinnen mit der Zeit eine enorme Macht über die Herzen und Gewissen der Mitglieder, die damit unter einem indirekten Druck stehen. So ist z.B. die Freigiebigkeit, die Verpflichtung, Geld zu geben, oft nur eine “Scheinfreiwilligkeit” und führt zu einer finanziellen Selbstausbeutung. Die psychische Abhängigkeit, in der die Mitglieder von den Leitern stehen, widerspricht der biblischen Freiheit und Eigenverantwortlichkeit der Christen. Besonders übel wird das dadurch, daß gezielt auch eine soziale Abhängigkeit geschaffen wird : Unsere Freundin hatte plötzlich entdeckt, daß sie alle ihre Freundschaften und sozialen Kontakte in dieser Gemeinde hatte. Das wird gezielt betrieben und macht es irre schwer auszusteigen, denn dann steht man erstmal ziemlich allein da, bis man neue oder alte Kontakte reaktiviert hat und eine gesunde, fitte Gemeinde gefunden hat. D. merkte auf einmal, daß sie ihre gesamte Freizeit für die Gemeinde verbrauchte und von ihr in jeder Hinsicht okkupiert war. Das ist nicht christlich ! Es raubt auch die Chance, andere Erkenntnisse und Lebensweisen in der Nachfolge Jesu kennenzulernen. Simone - wir wollen Dir dringend Mut machen, bei diesem Laden auszusteigen, auch wenn das ein schwerer Schritt ist. Es gibt tausende Christen und viele Gemeinden, in denen Du echtes Glaubensleben finden kannst und Geschwister in Jesus hast. D. würde sich freuen, wenn Du sie anrufst und sie ist echt supernett ! Es lohnt sich, wenn Du dich mal mit ihr triffst...Wenn Du Dir eine gute Gemeinde angucken willst, empfehle ich Dir...Viele liebe Grüße auch von...Melde Dich mal wieder bei uns ! Dein J.G.“
Jedenfalls fuhr ich dann innerlich ziemlich aufgewühlt zu Kim. Kim Farmer wirkt in ihrer Art wirklich sehr reif und in einer gewissen Weise gelassen - zumindest auf Neulinge. Sie ist die “Frau für alle Fälle”, was die Angelegenheiten der Frauen in der Gemeinde betrifft. ”Wenn jemand ein Problem hat, dann erzähle ihm von ähnlichen Schwierigkeiten, die du früher hattest und überwunden hast...oder leite ihn weiter an Geschwister, die in dieser Sache mehr Erfahrung haben.” Dieses Prinzip kannte ich schon. Kim erzählte mir von ihrer “Verfolgung” durch ihre jüdische Verwandtschaft. Ruhig und bestimmt meinte sie, daß das Problem meine Feigheit sei . [ Off. 21:8 “Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt ; das ist der zweite Tod.”] Ich nahm das innerlich mit einer gewissen Betroffenheit an. Das Gespräch erfüllte seinen Zweck. Nach einer kurzen “Down” - Phase war ich entschlossen, sprich ermutigt. Ich bewunderte Kim , doch blieb sie für mich in Zukunft eher unnahbar.
Mitschrift von Dienstag, dem 16.7.96 [ bei Kim, mit Flora und Regina ]:
“Apg.17:10-12 } Selber prüfen anhand der Bibel, was deine Überzeugungen sind.
Matth.7:13,14 } Breit ist der Weg zum Verderben ;viele gehen auf ihm .
Eng ist die Pforte, schmal der Weg zum Leben.
Jünger helfen einander, den schmalen Weg zu gehen.
Matth.7:21-23 } Menschen denken, Jesus und Gott zu kennen, aber sie haben nicht
den Willen Gottes getan.
Joh.15:18-20 ;16:1 } Jesus warnt seine Jünger, daß die Welt sie hassen wird.
Luk.4 }Jesus wird durch Satan versucht. Wie reagiert er ? Jesus sagt jedesmal “Es
steht geschrieben.” Er ging in die Bibel. Wenn Jesus das tun mußte, mußt du
das auch tun.
1.Kor.6:9 } Wir müssen Sünde gegenüber radikal sein.
Joh.12:48... } Die Bibel wird uns richten. Es kommt darauf an, daß unser Leben mit der
Bibel übereinstimmt.
Joh.3:19-21 } Die Menschen in der Welt scheuen das Licht . Deshalb hassen sie Leute,
die im Licht leben. Es deckt die Sünde auf. Unsere Gemeinde ist das
Licht.
1.Tim.4:16 } Wenn du an der Lehre bleibst, wirst du dich und andere retten, aber du
bist nicht der Richter.
Wenn wir als Christen leben, wirst du Verfolgung bekommen -du
besonders, und es wird deine Motivation prüfen.
Off.21:8 } Gott sagt, daß die Feigen geistlich sterben. Deine Feigheit könnte dich das
Leben kosten.Aber Gott kann aus deiner Feigheit Mut machen und dir Rück-
rat geben. Es kommt nicht auf unsere Gefühle an, sondern darauf, was die
Bibel sagt. Gefühle betrügen uns. Christsein hat nichts mit Gefühlen zu tun.
85 % der deutschen Männer sind untreu, weil sie nach Gefühlen leben.
Emotionen sind normal, aber sie dürfen unsere Überzeugungen nicht ver-
ändern.
Eph.6:10-18 } Es gibt einen geistlichen Kampf. Es ist der Kampf gegen Satan, nicht
gegen Menschen. Gott gibt uns eine Waffenrüstung . Gürtel : Wahrheit-
hält alles zusammen:die Bibel .Panzer : Gerechtigkeit - schützt das
Herz. Schild : Glauben - wehrt die Gefühle und Gedanken von Satan
ab. Helm : Heil - Ewigkeit mit Gott.
Joh.13:34-35 } Wir sollen einander lieben. Es ist nichts schlechtes.
Matth.6:33 } Es geht darum, zuerst nach Gott zu trachten.”
Mitschrift von Mittwoch, dem 24.7.96 [ bei Kim, mit Sina, Regina und Gritta ]
“Gott muß an allererster Stelle stehen :
-im Studium [ z.B. wenn du Prüfung am Montag
hast, am Sonntag zum Gottesdienst gehen ]
-mit deinen Eltern...selbst wenn deine Eltern
dich aus dem Haus schmeißen würden.
-z.B. Praktikumsplatz...Es geht darum, einen
Platz in einer Stadt zu finden, wo eine Gemeinde ist.
Das Ziel ist, daß du mit Gott für immer bist. Nicht, daß du getauft wirst, ist wichtig, sondern daß du bei Gott bleibst.
Luk.14:25-27 } Jesus ist nicht einfach nett, er möchte wirklich wissen, ob die Leute
bereit sind, ihm zu folgen.
Jüngerschaftsbeziehung : nicht direkt in der Bibel, aber wir sollen Jesus in unserem
Leben imitieren. Ein Jüngerschaftspartner hilft dir in deinem
Leben. Er steht neben dir. Du kannst offen sein. Wir
können Hilfe bekommen.
Schritte, wie man ein Christ wird : - Bibel annehmen
- Bibel umsetzen
- Jünger sein
- Umkehr von Sünde
- Taufe
Menschen, die diese Schritte nicht gegangen sind, sind verloren. Es sind eine Menge und es tut weh.”
“...Ich sehe Jesus als Herrn über mein Verhalten, meine Zeit, meine Gemeinde, meine zukünftige Partnerschaft, meine Arbeit [btw. Studium], meine Beziehungen, meine Jüngerschaftsbeziehung, inmitten von Verfolgung, über meine Talente und Fähigkeiten, über mein Geld...”
Am 24. 7. 96 ließ ich mich dann nach der Andacht gegen 22.00 Uhr in einem kleinen Teich in der Nähe der Koblenzer Straße von Florentine [genannt “Flora”] taufen. Als Taufvers wählte ich 2.Tim.1:7 “Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.” Ich habe mich gefreut, daß ich Flora als “Jüngerschaftspartnerin” bekam ; sie hat einen ähnlichen familiären Hintergrund wie ich. Vor allem ist sie eine sehr warmherzige Frau.
Mi.,24.7.96
“Liebe Simone !
Heute ist der Tag Deiner Taufe gekommen. Du bist eine sehr besondere Frau für mich, da Du auch als Pfarrerstochter mit 22 J. getauft wirst, mit meiner Schwester das gleiche Fach an derselben Uni studierst, auch die 2. von 4 Kindern bist... Ich habe die Zuversicht, daß Du viele Frauen, Männer und Familienangehörige in den Himmel mitnimmst. Deine Florentine.”
“Liebe Simone !
Heute ist ein besonderer Tag. Du wirst Gottes Kind werden. Du wirst durch die Taufe eine Beziehung mit Gott haben. Ich freue mich sehr, daß Du meine Schwester wirst und wir zusammen für unseren Vater kämpfen können. Ich weiß, wieviel Du gekämpft hast, ich kenne Deine Emotionen, mir ging es auch so. Aber Du hast ein Herz für Gott , und ich weiß, Du wirst weiterkämpfen. Du wirst nie allein sein, denn Christentum ist Teamwork. Lk.10\19-20:”Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes ; und nichts wird euch schaden. Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.” Dein Name wird ab heute im Himmel geschrieben sein, freue Dich im Herzen darüber und sehe immer die Hoffnung und Zuversicht, die von Gott kommt. Du wirst ganz stark als Jünger Jesu für Gott kämpfen. Ich habe große Träume für Dich.
Hab Dich lieb. Deine Peggy.”
Tagebuch, 25.7.96
“Heute bin ich getauft aufgewacht - bei Flora. Endlich kann ich richtig - ohne alte Schuldgefühle - eine Beziehung mit Gott beginnen. Nichts belastet mich mehr. Alles ist vergeben. Ich bin frei, kann jetzt so werden wie Gott mich gemeint hat - 2.Tim.1:7. Es ist
der einzige Weg für mich - und auch für andere. Für mich war die Zeit reif, ich war am Nullpunkt angekommen. Ich will nicht länger dieses schüchterne, selbstsüchtige, charakterlose kleine Mädchen sein... Dafür brauche ich mich nicht länger zu schämen. Es ist eine Schwäche, aber mit Gottes Hilfe kann ich es verändern. Der Charakter ist formbar. Das wird mein stärkster Kampf sein. Nie darf ich vergessen, was Gottes Liebe bedeutet, wie es sich zeigt...Mein ganzes Leben lang hat Gott mich auf das neue Leben jetzt vorbereitet -oft war es schmerzlich, aber er hat mich auch immer behütet, daß ich nicht falle auf ewig. Das wichtigste : Er hat mein Herz behütet, damit es nicht erstarrt, sondern nur schlummert...Mein Vater im Himmel ist kein selbstgerechter Gott, sondern ein unendlich liebender ! Er wacht eifersüchtig über mein Herz. Ich möchte ihn nicht verletzen...*Jesus ist Herr meines Lebens, d.h. für ihn will ich leben. Er ist die erste Priorität. Es macht mich glücklich, aber es ist auch verpflichtend. Ich soll zu den Menschen gehen - mein Leben [von Gott geschenkt ] dafür einsetzen, Jünger zu machen ! Denn auch ich habe das Geschenk Gottes erfahren, daß Sina mich angesprochen hat , Larissa mich eingeladen und viele Geschwister sich um mich gekümmert haben...[Mtth.28:18-20 ]...Ich hatte heute Kraftzeit mit Flora...Gebet :
1. Privileg [Hebr.19-22] - Mauer der Sünde ist abgebrochen.
2. Perspektive - Gott hat die Kontrolle. Er sorgt für mich. Gottes Willen suchen und nicht den eigenen.
3.Zweck meines Lebens ist es, Menschen zu retten.
...Gott , hilf mir, Früchte zu bringen, mich zu verändern, meine Träume für dein Reich zu erfüllen...! “
Die Taufe löste bei mir ein Glücksgefühl aus. Den Ernst des neuen Lebens [“Die Welt liegt hinter mir, das Kreuz liegt vor mir.”] erfaßte ich erst später nach und nach. Jetzt war ich verpflichtet, einen intensiven Zeitplan voller Aktivitäten einzuhalten, so daß ich täglich, mindestens aber jeden zweiten Tag Kontakt mit Geschwistern hatte.
Meine Eltern waren während meiner Taufe gerade im Urlaub und erfuhren es von mir später am Telefon. Sie reagierten sehr erregt, schätzten die Situation jetzt wohl ernster ein. [Später besuchten sie zweimal den Gottesdienst, um sich ein Bild zu machen, was sie aber -entgegen meinen Hoffnungen -nur noch mehr aufbrachte. Es folgten bald lange Diskusionen, bei denen ich ihre Argumente mehr und mehr ausblendete und ihren Ärger darauf zurückführte, daß sie das “Reich Gottes” nicht wirklich kennen würden.) Während ihrer Abwesenheit - ich hütete das Haus - besuchten mich Flora und nach meiner Taufe auch Bianca. [Sie studierte auch Medizin und ich fühlte mich ihr wesensverwandt ; leider war sie nur zeitweise in meinem Bibelkreis.] Ich war happy, weil ich das Gefühl hatte, die alte Welt [samt Kinderträumen] mit dem neuen Leben doch irgendwie verbinden zu können.
Ein Höhepunkt nach der Taufe war das erste “Date”. Flora verkuppelte mich für einen Abend zwei Wochen nach meiner Taufe mit einem Iren, der sich hier in Berlin vorübergehend aufhielt. Ich war gespannt auf den Ablauf dieses Abends. Da der Bruder mich eingeladen hatte, brauchte ich mich um nichts zu kümmern. In einer Gruppe zu sechst gingen wir in ein griechisches Restaurant am Savignyplatz. Ich bemühte mich, die Regeln zu durchschauen und mit Jonny ein Gespräch zu führen. Glücklicherweise sprach er gut deutsch. Die Situation kam mir etwas künstlich vor [zumal mir klar war, daß Jonny bald wieder nach Irland zurückkehren würde ]. Aus Neugier belauschte ich zwischenzeitlich die beiden anderen Paare. Mir war nicht ganz klar, ob es unhöflich wäre, wenn ich mich auch mit den anderen unterhalten würde. Der Bruder links neben mir sprach mich dann irgendwann an. Äußerlich paßte er mit seinen längeren Haaren so gar nicht in das Bild der Gemeinde ( Später wurde er dazu gedrängt, diese seine Haare zu kürzen, was er ungern -aber dann doch unter dem Druck einiger Brüder tat.), und auch seine Vergangenheit, von der er mir erzählte, ließ für mich das Bild eines Rebellen entstehen. Er erinnerte mich an den Darsteller des “Don Juan de Marco” , eines Kinofilms, den ich vor kurzem gesehen hatte. Mit seiner charmanten Art und seinen langwimprigen Augen hatte er mich verwirrt. So richtig bewußt wurde mir das erst wieder, als er mich bald darauf zu einem Date einlud. Ich ahnte, daß er mir nicht gleichgültig war.
Mitte August fand dann in Paris die Konferenz für alle europäischen Gemeinden statt. Eigentlich wollte ich aus finanziellen Gründen nicht mitfahren, aber ich wurde zwingend überzeugt, daß Geldmangel kein Hindernis sein könne und wurde tatsächlich diesbezüglich auch tatkräftig unterstützt . [Es wurde für Studenten, Arbeitslose etc. in der Gemeinde gesammelt.] Ich freute mich dann doch auf Paris, obwohl ich wußte, daß dies kein Urlaub werden würde. Alle Tage waren von vormittags bis abends durchgeplant mit Predigten, Berichten aus den einzelnen Gemeinden und über HOPE - Aktivitäten ; es gab Workshops speziell nur für die Männer bzw. für die Frauen sowie eine Olympiade. Das diesjährige Motto hieß “Run the Race” und bezog sich auf : 1.Kor.9:24-25 “Wißt ihr nicht, daß die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, daß ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge ; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.”
- W E L C O M E -
Welcome to the beautiful city of Paris and to the 1996 Euro Missions Conference. The week-end promises to be an historic time of praise, prayer and power as we are inspired to RUN THE RACE .We are grateful to the Paris Church for hosting this life-changing event and are thrilled to have many disciples from New England joining us for this year`s conference.
The starting gun to the RUN THE RACE has already been heard on Continental Europe. Beginning only seven years ago with a small European base of 40 disciples in Paris, the work has multiplied into 18 churches in 13 different contries in 10 different languages with a Sunday Service attendance of almost 2,500. This fall, three new mission teams will be sent from the Boston Church to Lisbon, Portugal and Sofia, Bulgaria and Zagreb, Croatia. By the end of 1996,
there will be 21 churches in 16 different countries in 13 different languages in the Continental Europe section of the World Sector.
On every inhabited continent we RUN THE RACE to save more and more. The kingdom goal is to plant churches in every nation with a city population of over 100,000 by the end of the year 2000. Therefore, eight more countries must be planted in our World Sector after this year- Slovakia, Yugoslavia, Bosnia-Herzegovina, Slovenia, Albania, Martinique and the Canary Islands.
As the world gathered in Atlanta, USA for the 1996 Olympic Games to run the races for the glory of their country, we, along with thousands upon thousands of angels, have gathered in Paris, France for the 1996 Euro Missions Conference to RUN THE RACE for the glory of God- not for gold, silver or bronze but for the sake of every European man, woman and child that they might hear the saving message of Jesus Christ. Let us use this conference to inspire and equip us to be stronger, to be wiser, to be faster as together we bodly and victoriously RUN THE RACE ! (Randy and Kay McKean, World Sector Leaders, New England\
Continental Europe, Euro Missions Conference Directors.)
RUN THE RACE
From the streets of Croatia to Cambodia
We`re part of the very same dream.
Our heroes are those who have given up all,
The leader who`s sent with his team.
The race begins there in the water buried with the past,
Then you rise up with the promise that what you have will last.
Run The Race To The Finish Line
Pass The Torch To The Ones Behind
Run The Race To Win The Crown That Never Fades.
Run The Race Till Your Life Is Done
Then You`ll Know That The Battle`s Won
Run The Race To Win The Crown That Will Never Fade.
Wherever we come from the struggels we face,
They really are one and the same.
But we have been yielded the freedom we need,
The freedom from personal shame.
We`re in a never-ending battle for our very souls,
But we will win when we surrender all to His control...Run The Race...
The repressed very soon will rise, wipe the tears from their eyes
When they hear the truth for the first time in their lives.
And together we will stand, soul to soul and hand in hand
When we`ve reached each and every soul that we can...Run The Race...
Ich hatte gehofft, mein Zimmer im Pariser Hotel mit Flora zu teilen. Sie war jedoch nicht aufzufinden, so wurde mir eine andere “geistlich reife” Schwester zugeteilt. Am nächsten Tag erfuhr ich dann von Flora`s Glück : Sie hatte sich offiziell befreundet - ein großes, vor allem seltenes Ereignis in der Gemeinde - besonders in Paris... Davon träumen viele Schwestern. Ich träumte mittlerweile mit. Trotz aller Geistlichkeit, um die ich mich bemühte, war ich doch auch schon ein bißchen verliebt. Ich erzählte vorerst niemandem davon und konnte so meinen Träumen unkontrolliert freien Lauf lassen. Außerdem wußte ich nicht , ob sich daraus jemals eine Beziehung entwickeln würde. Ich vertraute meinen Gefühlen auch nicht. In der Gemeinde wurde diese Ansicht immer wieder bestärkt, daß allein die Tatsachen ausschlaggebend sind. Das subjektive Empfinden sei nicht glaubwürdig. So blieb mir vorerst nur die Möglichkeit, Matthias aus der Ferne zu beobachten, was ich denn auch etwas wehmütig tat. Der Zufall wollte es, daß er im Hotel auf meiner Etage wohnte, so daß ich ihm manchmal begegnete. Er war Mitglied des Chores, war also viel hinter der Bühne beschäftigt. Für mich gab es insgesamt in Paris viele Eindrücke zu verarbeiten. Die große Menschenmenge [ ca. 2000] war gewöhnungsbedürftig. Ich kam mir manchmal verloren vor. Die ganze Veranstaltung erschien mir teilweise recht amerikanisch, womit ich Mühe hatte. Nach dem Abschlußgottesdienst ging es per Bus wieder heimwärts. Es gab dann einen Anlaß, der es mir ermöglichte, die Berliner Gemeinde für einen Monat zu verlassen. Schon längere Zeit hatte ich ein Praktikum im Rahmen meines Medizinstudiums in München geplant. Das kam mir jetzt sehr gelegen. Ich hatte auch für eine Unterkunft in einer WG außerhalb der Münchener Gemeinde gesorgt. [Erwähnt werden muß, daß dieses Fernbleiben von Berlin nur deshalb toleriert wurde, weil es in München auch eine Gemeinde “Jesu Christi” gibt.] Mit dem Quartier außerhalb der Gemeinde stieß ich auf Widerstand bei Schwestern, die sich zuständig für mich fühlten. Regina redete mir nochmal streng ins Gewissen. Sie meinte, daß die erste Zeit nach der Taufe die gefährlichste sei. [ 1.Petr. 5:8 “Seid nüchtern und wacht ; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.”] Doch ich setzte meinen Kopf durch und verbrachte so den ganzen September in München.
S E P T E M B E R F E S T
Jubiläumsgottesdienst der Gemeinde Christi München e.V.
Seit 8 Jahren sind wir hier in München und höchstwahrscheinlich sind Sie schon mal zu einem Bibelkreis oder Gottesdienst eingeladen worden. Am Sonntag, 22.09.1996 feiern wir, was Gott in diesen 8 Jahren gemacht hat. Wir haben miterlebt wie 18 Christen hierherkamen und jetzt sind daraus bereits mehr als 450 Christen in 6 Gemeinden im deutschsprachigen Raum geworden. Ihr Ziel war und ist es, Gottes Wort in Deutschland wieder lebendig zu machen.
Es ist offensichtlich, daß wir in Deutschland momentan eine geistliche Erneuerung erleben und, daß Gott all die Menschen zusammenbringt, die ernsthaft an sein Wort glauben und danach leben wollen.
Sie sind herzlich eingeladen dabeizusein.
Die neue Umgebung - und daß ich nun eher freiwillig zur Münchener Gemeinde ging - entlastete mich. Außerdem fühlte ich mich dort recht wohl, weil ihre Art mir lockerer erschien. Auch in den Predigten grenzte sich der Gemeindeleiter Christian Herbst nicht so aggressiv gegen andere Glaubensgemeinschaften ab. Die vier Wochen, in denen mir genug Zeit blieb, zu tun, was mir Spaß machte, ließen mich wieder gelassener werden. Ich war erstaunt, wie mich noch Unbekannte gleich aufnahmen und integrierten, nur weil ich ihre Schwester war. Einige kümmerten sich besonders um mich, jedoch empfand ich das nur selten als Kontrolle. Aus der Ferne hielt ich Kontakt mit Berlin. In Freiheit spürte ich meinen persönlichen Glauben wachsen. Ich nutzte die Gelegenheit und traf mich mit meiner Cousine, die Mitglied in einer fernöstlichen Sekte ist. Wir schwärmten uns gegenseitig etwas vor ; nur war sie schon länger von ihrer Ideologie überzeugt, was ihre glänzenden, in die Ferne blickenden Augen noch unterstrichen.
In München kam ich auch zu zwei “Date`s”. Der etwas exzentrisch wirkende Toni nahm mich mit zum Oktoberfest. Zu viert erlebten wir einige laute, lustige Stunden - trotz des strömenden Regens. Mein Gefühl bestätigte sich nochmal, daß die Münchener wirklich gelassener mit der “Weltlichkeit” umgingen.
Währenddessen gab es in der Berliner Gemeinde wieder einige Unannehmlichkeiten. Sie mußten zweimal den Raum wechseln ; mysteriöse Briefe waren im Umlauf [s. dazu die Aufzeichnung über “Nehemiah” von Dean im weiteren Text]. Mir war etwas bange, daß meine Eltern da ihre Hände im Spiel hätten.Ich wollte der Gemeinde keine Unannehmlichkeiten bereiten. [Mittlerweile wußte ich, daß meine Eltern sich Hilfe von außen gesucht hatten, was bei mir Mißtrauen -von entsprechenden Warnungen seitens der Gemeinde noch gefördert- erweckte. ] Während dieser Zeit nahmen sie auch Kontakt mit den Eltern von Florentine auf :
“Sehr geehrte Frau G.! Sehr geehrter Herr Pfarrer G.!
Sie werden sich sicher wundern, von einem unbekannten Amtsbruder Post zu erhalten. Deshalb möchte ich mich und meine Familie zunächst vorstellen : ...
Uns verbindet mit Ihnen, sehr geehrtes Ehepaar G., ein Problem, das Ihre Tochter Florentine und unsere Tochter Simone betrifft. S. studiert seit April 1993 an der FU Berlin Medizin und beginnt im Oktober 1996 ihr 8.Semester. Seit einem Jahr ist sie immer stärker in den Bann einer amerikanischen Sekte geraten (´Boston Church of Christ´). In Berlin trägt diese Sekte den Namen ´Gemeinde Jesu Christi e.V.´. Im Juli 1996 hat sich unsere Tochter gegen unseren Rat und den Hinweis, daß eine christliche Taufe einmalig ist, in dieser Sekte nochmals taufen lassen.
Anfang August nahm Simone an einer internationalen Konferenz dieser Sekte in Paris teil.
Mit Argumenten war unsere Tochter bisher nicht davon zu überzeugen, daß diese Sekte bibelfremde Praktiken anwendet, die junge Menschen (gegen Galater 2,1ff) unfrei macht und versklavt.
Am 18.08.1996 besuchten meine Frau und ich gemeinsam mit Simone einen ´Gottesdienst´dieser Sekte. Wir lernten dabei Ihre Tochter Florentine kennen.
Wie wir erfahren haben, ist Ihre Tochter schon seit 6 Jahren in dieser Sekte (bereits in München). In Berlin besteht diese Sekte erst seit 1991. Ihre Tochter Florentine gehört nach unserer Einschätzung schon zum harten Kern der Berliner Sekte und zu den Áufpassern und Kontrolleurinnen´unserer Tochter.
Anfang August 1996 wandte ich mich an den Sektenbeauftragten der Landeskirche Berlin-Brandenburg (Pfr. T.G.), besorgte mir von ihm empfohlene Literatur (´Ausbruch aus dem Bann der Sekten` von Steven Hassan, Rowohlt-Verlag 1993, psycholog. Beratung für Betroffene und Angehörige). In diesem Buch beschreibt der Verfasser u.a. drei Ausstiegsbeispiele (´Boston Church of Christ´). Anderes, kopiertes Material erhielten wir von T.G. und einer Ausstiegsberaterin mit weiteren Aussteigerberichten. Die ´Umprogrammierung` und die ´Bewußtseinskontrollen´ machen es Eltern und Angehörigen schwer, ihre ´erwachsenen` Kinder da wieder herauszuholen.
Zur Zeit befindet sich unsere Tochter Simone (bis 30.09.1996) in München und absolviert dort eine Famulatur (med. Praktikum) in einer psychiatrischen Klinik. Sie wissen sicher, daß in München diese Sekte seit 1987 existiert und noch aggressiver ist als in Berlin.
Nach dieser langen Vorrede komme ich nun zum Zweck und Anlaß dieses Briefes : Wir möchten gern mit Ihnen in Kontakt treten, Informationen austauschen und würden gern erfahren, was sie unternommen haben, um Ihre Tochter aus dieser Sekte herauszuholen. Juristisch gibt es keine Mittel in dieser Hinsicht. Außerdem sind unsere Töchter volljährig...
Wir haben Kontakt zu einer Aussteiger-Gruppe in Berlin aufgenommen. Ihre Adresse in A. haben wir durch einen Aussteiger erhalten, der mit Ihrer Tochter Florentine befreundet war und durch den Namen Ihrer Tochter Florentine in die Sekte kam. Durch Florentine´s Tante in Berlin kam er an Ihre Adresse.
Unsere Töchter werden ja auf fundamentalistische, biblizistische Weise getäuscht. Den Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern wird mit scheinbar einleuchtenden Beispielen aus dem Leben und biblizistischen Argumenten vorgegaukelt , daß wahres, echtes Jüngersein nur in dieser Sekte konsequent praktiziert und reflektiert würde.
Als wir am 18.08.1996 an dem Gottesdienst im Hause der Adventsgemeinde (Siebentagsadventisten) teilnahmen, war einer der führenden Leute dieser Sekte aus Washington D.C. zu Gast : D.J.. Dieser Mann, ähnlich einem Managertyp der Großindustrie, berichtete fast 2 Stunden nur über die Missionstätigkeiten dieser Sekte in aller Welt. Er machte sich dabei u.a. lustig über die etablierten Kirchen, in denen seit 100 Jahren kein Wachstum an Mitgliedern zu erkennen sei. Zu Beginn erfolgte eine biblische Besinnung durch den Gemeindeleiter Dean Farmer, die mit dem Bibeltext aus dem Hebräerbrief kaum etwas zu tun hatte. Nach dem Vortrag des D.J. erfolgte wieder eine kurze biblische Besinnung über Lukas 11,23-28. In beiden biblischen Besinnungen war die Auslegung dieselbe. Bezeichnend war der Abschlußsatz des D.J. : ´Es gibt nur gut und böse, was anderes gibt es nicht!´
Ich selbst bin überhaupt nicht fundamentalistisch geprägt und entsetzt über ein solches Schwarz-Weiß-Denken, das mit christlicher Theologie nichts zu tun hat. Deshalb war ich sehr verwundert darüber, wie unsere Tochter Simone solchem gefährlichen Fundamentalismus auf den ´Leim´gehen konnte. Diese Sekte ignoriert alle wissenschaftlich- exegetischen Erkenntnisse , jegliche Formgeschichte und transportiert alle biblischen umwelt-bzw. zeitbedingten Aussagen, soweit es in ihr Konzept paßt, in einen gegenwärtigen Glauben. Die gesetzliche Frömmigkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten im Neuen Testament , die Jesus infrage stellte, wird verstärkt, indem die radikalen Nachfolgeforderungen durch Jesus in den Vordergrund gestellt werden, ohne zu beachten, daß sie (die Sekte) damit den Geist der Liebe, der Jesus`Maßstab immer war, ins Gegenteil verkehren.
Unser Sektenbeauftragter T.G. riet mir, die Inhalte dieses Sektenglaubens nicht so ernst zu nehmen. Sie werden ja selbst mit Ihrer Tochter Florentine erfahren haben, daß durch inhaltliche, theologische Argumente unsere Töchter nicht überzeugt werden können, aus dieser Sekte auszusteigen, weil die Sektenmitglieder im ´Kopf` ´umprogrammiert` wurden.
Die einzige Möglichkeit ist der psychologische Weg, d.h. der Versuch, den Kontakt für einen Zeitraum zu unterbrechen, damit unsere Töchter wieder unbeeinflußt realistisch denken lernen. Wir müssen unseren Töchtern das Gefühl vermitteln, daß sie von ihrer Familie und ihren Freunden außerhalb der Sekte mindestens genauso geliebt und angenommen werden wie von den Sektenmitgliedern, denn nur über die emotionale Seite können wir ´Umprogrammierte´ erreichen und ihnen Schritt für Schritt die Augen öffnen.
Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie, verehrte Familie G., uns schreiben oder anrufen, mit uns in Kontakt treten und Ihre Erfahrungen mit Ihrer Tochter und dieser Sekte schildern.
Vielleicht schaffen wir es gemeinsam und mit der Aussteiger-Gruppe, unseren Töchtern die Augen für die fragwürdigen psychologischen Methoden und für die Irrlehre dieser Sekte zu öffnen.
Es grüßen Sie herzlich J. und I. Schmeer
P.S. :Wir bitten Sie, Ihrer Tochter Florentine diesen Brief noch nicht zu zeigen und ihr noch nicht mitzuteilen, daß wir zu Ihnen Kontakt aufgenommen haben. Die Sekte könnte sonst "Gegenmaßnahmen" ergreifen, d.h. Kontaktverbot mit Angehörigen u.a. “
“Verfolgung “ war das Schlagwort, das seltsamerweise zugleich gefürchtet und geliebt wurde. Sie sei ein Beweis für die Richtigkeit der Lehre. [1.Petr.4:12-14 “Ihr Lieben, laßt euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, daß ihr mit Christus leidet , damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet um des Namens Christi willen, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch.”] Der Umgang damit erschien mir befremdlich. Die Schwester mit der größten “Verfolgung” war meist bekannt.
Das Vokabular der Gemeinde besteht insgesamt aus vielen Schlagwörtern und Phrasen. Es ist äußerst schwierig, sich davon nicht beeinflussen zu lassen ; es ist anfangs der leichteste Weg, um zu kommunizieren. Von einigen “reiferen” Christen wurde diese Eintönigkeit der Sprache - was vor allem in den Gebeten auffiel - später bemängelt [s. Anhang]. Trotzdem war Imitation -besonders bei den “Baby”- Christen - auch in diesem Punkt erwünscht.
Während meiner letzten Wochen in der Gemeinde bekam ich die Art , wie sie Probleme angingen, besonders zu spüren. Für die individuelle Situation wird ein Wort gesucht, welches sich in der Bibel im Zusammenhang mit Sünde finden läßt, wie z. B. “Unglaube”, “Unoffenheit”, “Unabhängigkeit” [von Gott] u.a. Es wird in der Regel nicht nach dem Grund für das Vergehen gefragt, oder man wird in seiner Erklärung dafür nicht ernst genommen, sondern sofort werden Bibelzitate und einige praktische Tips angeboten. Mich konnte das nicht so richtig zufriedenstellen. Wenn die Bibel zu diesem Problem schwieg oder es sich als zu schwierig erwies, “holte man” von einer höheren Stelle “Rat” - ganz sicher gab es dann für alles Antworten. Selbst Sachen auszuprobieren, war unerwünscht. Regelmäßig wurde im Bibelkreis nach Sünden gefragt, wobei mich selten die Dinge belasteten, die die Gemeinde mit dem Wort “Sünde” betitelte. Mir bereiteten oft ganz andere Dinge Sorgen. Trotzdem waren mir solche Situationen äußerst unangenehm. Ich wollte nie die erste sein und überlegte krampfhaft und voller Angst, was ich wohl sagen könne. [Es sollte nicht zu banal sein, aber auch nicht extrem peinlich.] Jeder mußte etwas sagen, sonst wäre es verdächtig gewesen. Zu diesem Zweck wurden wir bei den BK - Treffen natürlich in Frauen und Männer getrennt. Immer wieder stärkte man uns in Andachten, Bibelkreisen , Gottesdiensten und in den persönlichen Jüngerschaftsbeziehungen geistlich im Kampf gegen Sünde. Am Schluß gab es noch eine Ermutigung, mit der wir entlassen wurden. Die Andachten [nur für Interne oder solche, die kurz vor der Taufe standen ] liefen so ab, daß wir am Anfang gemeinsam sangen [auch zwischendurch], eine Predigt hörten [teilweise Frauen und Männer bzw. jüngere und ältere Christen getrennt], organisatorisches besprochen wurde und jeder Bibelkreis [wieder Brüder und Schwestern getrennt] sich dann im kleinen Kreis zusammenfand. Diese Gruppentreffen waren für mich immer das unangenehmste innerhalb der Andacht. Die Kollekte wurde eingesammelt mit der Frage :”Hast du gegeben, was du Gott versprochen hast?” Über die Höhe unsererer Spende konnten wir anfangs noch selbst entscheiden, doch nach einem Workshop für Finanzen wurde bei jedem vom Jüngerschaftspartner der Zehnte vom Brutto- Einkommen berechnet - als Minimum. Außerdem fragte die leitende Schwester innerhalb dieser Gruppe, was wir aus der heutigen Predigt gelernt hätten. Besonderen Druck spürte ich, wenn es um persönliche Leistungen ging : Wieviele Kontakte hat jeder einzelne? Wen wird er zum nächsten Gottesdienst mitbringen? Wenn es niemanden gab, wurde mir ans Herz gelegt, mal mit einer Schwester einladenzugehen, und das wurde auch meist gleich verbindlich abgemacht. Dies ist ein weiterer heikler Punkt - Leute zum Gottesdienst einzuladen. Auch hierfür gibt es einen gewissen Übungseffekt . Es bestand die Norm, täglich “evangelisieren “zu gehen [bei jeder möglichen oder unmöglichen Gelegenheit]. Die meisten taten dies äußerst ungern, aber mindestens genauso peinlich war es zu bekennen, wenn man es nicht tat. Ich hatte das Gefühl, daß mein Angstpegel [was die Reaktionen der Leute betraf] geringer wurde. Zugleich gewöhnte ich mir aber auch eine Art an, um mein Ziel - d.h. eine Telefonnummer zu bekommen oder zumindestens ein gutes Gespräch zu haben - zu erreichen, die mir auch heute noch den Umgang mit anderen Menschen so manches Mal erschwert. Es gibt in der Psychopathologie einen Begriff dafür : “Distanzlosigkeit”. Ich erzählte fremden Menschen sehr persönliche Dinge und fragte sie auch aus. In dem Bereich wurden alle früher oder später “extrovertiert” - egal, ob das mit der Grundpersönlichkeit übereinstimmt oder nicht. Regina meinte dazu, daß das so sein müsse, wenn man Menschen erreichen möchte. Ich bin allerdings der Meinung, daß das nicht jeder verkraftet . Mit der Zeit wächst der Gruppendruck, so daß man gar nicht anders kann, als sich anzupassen, wobei man allerdings nur das Verhalten ändert. Jedes rebellische Aufbegehren wird im Keim erstickt. Nur die eigenen Gefühle kann einem niemand nehmen..., falls sich nicht das schlechte Gewissen meldet. Ich fühlte mich nur einigen wenigen so verbunden, mit denen ich offen und ehrlich reden konnte. Eine dieser Frauen war Flora. Sie versuchte, mir zuzuhören und mich zu verstehen. Leider stand ihre Aufgabe, mich zu belehren , zwischen uns , so daß sich eine wahre Freundschaft, wo beide gleichberechtigt sind, nicht entwickeln konnte. Sie stand immer unter dem Druck, mich geistlich lenken zu müssen. Unsere Jüngerschaftszeiten verliefen trotzdem eher angenehm, was bei anderen Schwestern, vor allem aber bei den Brüdern wesentlich radikaler ablief. Ein junger [gemeint ist damit immer, daß er neu in die Gemeinde gekommen ist] Bruder erzählte mir auf einem “Date” , welche Herausforderungen er bekam...wie sehr er sein altes Ich haßte und das neue Leben liebte. Es erschreckte mich, wie stark er seine Vergangenheit ablehnte und wie verbissen er seine momentanen Schwächen bekämpfte. Von dem Zeitpunkt an wurde ich besonders hellhörig, wenn ich mit Brüdern sprach, die mir ein bißchen mehr erzählten. [Ich war auch neugierig, was an dem anderen Ufer so los war, worüber unter den Schwestern ja nicht gesprochen wurde.] Da war z.B. Manuel, welcher einige Monate vor mir in die Gemeinde getauft worden ist. Er hatte sich eine gewisse Natürlichkeit und Ehrlichkeit bewahrt, bzw. er unterdrückte seine Gefühle immer weniger. Er machte z.B. kein Hehl daraus, als er eine Auseinandersetzung mit unserem Bibelkreisleiter Clemens hatte, mit dem er auch zusammen in einer WG wohnte. Die meisten Brüder waren für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Das lag wohl auch daran, daß die Vergangenheit - inclusive aller alten Sünden - ein Tabuthema zwischen den Geschlechtern war...es sei denn, daß es dem Zweck des “Jünger-machen`s” diente. Beispielhaft war da Clemens-unser BK -Leiter. Ich staunte , wie offen er manchmal über seine alten Beziehungen sprach. Seine Predigten waren meist sehr bestimmt,aber ich glaubte,bei sensiblen Themen [Freundschaft, Liebe] den Träumer zu entdecken. Über diese Themen sprach er recht glaubwürdig. Ich hatte nur einmal ein Date mit ihm und vorher kaum persönliche Gespräche mit ihm geführt, wo ich ihm näher gekommen wäre. Die “Date`s” erzeugen dann immer eine künstliche Atmosphäre, wo man gezwungen ist, sich dem anderen zu öffnen, vor allem , wenn man unerfahrener im “Reich Gottes” ist als der andere. Clemens ist auch eine gewisse Art zu eigen, die Dinge aus Menschen herauszulocken, ohne groß nachzufragen [ähnlich Flora]. Trotz seiner sympathischen Ausstrahlung war es mir sehr peinlich, als er mich nach meinen früheren Beziehungen fragte, weil es -wie schon erwähnt - nicht üblich ist. Kein anderer Bruder hätte das gemacht, aber als Leiter war er anscheinend angehalten, sowohl auf die Brüder als auch auf die Schwestern in seinem Bibelkreis aufzupassen.
An dieser Stelle möchte ich noch etwas über Dean Farmer, den Gemeindeleiter, sagen. Während der Zeit in der Gemeinde hatte ich wirklichen Respekt vor ihm. Ich habe mich fast immer gefreut, wenn er gepredigt hat -besonders, was die Predigten in den Andachten betraf. Es war wie eine heiße und kalte Dusche ; ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. In den Andachten legte er ein Stück seiner Seriösität ab und bewegte sich freier und zeigte dabei das Talent eines Schauspielers, was die Aussagekraft der Predigten förderte. In solchen Momenten fühlte ich mich geborgen und Gott schien mir menschlich faßbarer. So wurde auch mein Herz weicher...
Bevor das Semester dann wieder begann, wäre ich noch gerne einige Tage verreist. Mein Vater bot mir an, zu meiner Tante nach Großumstadt zu fahren. Ich war einverstanden, auch gerührt, daß er die Strapazen einer solchen langen Fahrt auf sich nehmen wolle- zumal der Aufenthalt nur kurz dauern würde. Mir war klar, daß ich mit Widerstand zu rechnen hätte, wenn ich dem Gottesdienst oder der Andacht fernbleiben würde. So plante ich die Reise zwischen Dienstag und Sonntag und informierte meine Jüngerschaftspartnerin darüber.Flora wies mich wieder mal zurecht, weil ich planen würde, ohne nach den Bedürfnissen in der Gemeinde [z.B. eine Studie ]zu fragen. Mir wurde es langsam zu viel, daß sie mir jedesmal die Sprüche Salomos über “Rat holen” vorhielt. Da Flora bei mir nichts ausrichten konnte, nahm sich dann bald Gritta- meine damalige BK-Leiterin - meinem Problem an [d.h. für mich stellte es kein Problem dar]. Sie riet mir von der Reise ab. Ich zeigte dafür kein Verständnis, so wurde ich dann zu Kim beordert. Noch mehr war ich verwundert, daß sich auch zeitweise Dean dazugesellte. Schon kurz nachdem ich aus München wiederkam [als die mysteriösen Briefe im Umlauf waren], hatte er sich die Mühe gemacht, mir die ganze momentane Situation zu schildern. Der Effekt war, daß mein Vertrauen zu ihm wuchs. Die Reise mit meinem Vater genügte jedenfalls als Anlaß, daß Dean mir nochmal einiges über Verfolgung ans Herz legte. Er sprach dabei niemals abwertend über meine Eltern. Immer wurde betont, daß es klar sei, daß die Eltern dies gerade aus Liebe tun würden, daß sie andererseits aber auch [noch] nicht das wahre “Reich Gottes” kennen würden. Dean empfahl mir, im Buch Nehemia zu lesen. Er gab mir sogar persönliche Aufzeichnungen zu diesem Thema , welche er in einer Andacht auch predigte :
“Nehemiah- vor 2500 Jahren...eine Geschichte, von der wir viel lernen können...
1V5...Bund der Liebe...Altes Test. und Neues Test...Bund mit denen, die ihn lieben und
ihm gehorchen...Jesus sagt in Joh.14, wir müssen ihn lieben und ihm gehorchen.
Gehorsam ist heute das Problem unter Religiösen - der Streitpunkt. Aber eins ist
sicher, wenn wir Gott nicht gehorchen wollen, haben wir gar keine Beziehung mit
ihm!
Dies ist wichtig, um die Geschichte Nehemiahs zu verstehen :
2V5...Er wollte zurück nach Jer., um alles wieder aufzubauen.
2V8...König sagte o.k....bewilligte es.
2V10...Es gab Leute, die das nicht wollten - aus politischen Gründen.
Neh. ist zurückgegangen, untersuchte die Mauer, hatte einen Plan, sie wiederaufzubauen . Neh.`s Ziel war ihm und anderen ganz klar : die Mauer wiederaufzubauen. Aber jeder war nicht darüber glücklich!
2V19...Erste echte Anklage “vom König abfallen”...”sich gegen den König
auflehnen”...Bestrafung, wenn es wahr wäre. Es stimmte nicht. Er folgte dem
Befehl des Königs. Die Feinde wollten Lügen über Neh. in die Welt setzen.
Manchmal -wenn Leute sich von der Wahrheit bedroht fühlen - dann greifen sie die Verkündiger der Wahrheit an und mißdeuten oder stellen es falsch dar, was man in der
Realität gesagt hat. ..Aber Neh. hat die Juden gelenkt in ihrem Ziel.
Kap.3...Wir sehen Teamgeist und Einheit...mit Eifer wurde gearbeitet! Fortschritte
in wenigen Tagen...Dann kam der zweite Angriff - interessant, wenn man
Fortschritte leistet, dann kommt der Angriff!
3:33-35...Angriff wurde sehr emotional...”alle miteinander hinzuziehen”, “Verwirrung
anzurichten”...Wer ist der Vater der Verwirrung der Lüge - Satan. Er steht
immer hinter Verfolgung.
Wie haben Neh. und die Juden reagiert ?
3:36-38...Sie wurden nicht durch die Verfolgung abgelenkt. Sie beteten zu Gott und
baten um Schutz und blieben dabei zu arbeiten! Und sie haben noch mehr
Fortschritte gemacht!
Gott segnet immer, wenn wir uns auf ihn verlassen! [genau diese Woche : kein Zufall-
der Brief am Freitag vor dem besonderen Gottesdienst, Ihr habt gebetet und den Gottesdienst in Gottes Händen gelassen. - Er zeigte ganz klar: Er wollte euch segnen! 170 Besucher von 160 Mitgliedern. (Anmerk. d. A. :Es ging hier um den Brief “Aufruf zum Nachdenken” von Mitgliedern der EBI und Aussteigern\Berlin Dialog)]
4:1-2...Der erste Ankläger und die Drohung verhinderte ihre Arbeit nicht - auch nicht, als sie begannen, noch ein Komplott zu schmieden.
Satan hört nie auf. - Er will die Arbeit von Gottes Volk immer stoppen - vergiß das nie!
V3...noch eine geistliche Reaktion! Bete zu Gott um Schutz und hör nie auf, über Jesus
zu reden!
Jetzt spitzt die Verfolgung sich zu. Wie haben die Juden unter Verfolgung reagiert?
V4...”Wir sind erschöpft - viel zu viel zu tun!”
V5...Sie haben angefangen, die Zitate der Feinde zu wiederholen:”Gott, sie werden uns
töten.” - “sehr ermutigend”
“Yeah, sie sagen, daß wir etwas zu verstecken haben. Yeah, sie sagen, daß Dean falsche Informationen an die Gemeinde gibt.”
V6...mehrere Entäuschungen - zehnmal
Der Angriff kam von außen - offensichtlich von Feinden. Und jetzt fangen Nehemiah`s Leute an, ihn anzugreifen!
Satan greift von außen und von innen an! Wenn wir in der Arbeit des Herrn von Zweifeln angegriffen werden, müssen wir fragen, ob sie von Gott sind oder von Satan.
In den Sprüchen steht, daß Gott nur denjenigen spottet, die sich gegen Gott mit Hochmut stellen. Sie sagen, egal ob es einen Gott gibt, wir machen, was wir wollen. Klar, laut der Bibel wird Gott sie verspotten. Aber die, die von ganzem Herzen nach der Bibel leben, wird er mit Sanftmut korrigieren. Satan aber will uns ausbeuten. Er wirft feurige Anklagen an die, die sehr leicht mit Schuldgefühlen überwältigt werden. “Oh nein, wir haben etwas falsch gemacht.” - oder Satan wirft “feurige Pfeile des Zorns” auf die schüchternen Brüder und Schwestern. Sein Ziel: Die Arbeit Gottes zu stoppen, dich zum Schweigen zu bringen.
Zum Brief: Dies ist nicht von Gott (sondern von Berlin Dialog & Co. - Anm. d. A.).
1. paragraph abort me - Verwirrung anrichten bzw. Mißtrauen verbreiten
2. little print - Angl. church: wir haben alle am Mittwoch den 4.9. informiert, daß sie den Mann bedroht haben.[ Anmerk. d. A. : Es wurde verhindert, daß die Gemeinde eine Unterkunft in der Anglik. Kirche erhielt.]
3. Briefumschlag - Adresse von Berlin Dialog ( nicht mit echtem Namen - betrügerisch)
Gott würde nie seine Kinder mit so einem Brief korrigieren. Wenn sie Sachen aufgeschrieben hätten, die wir laut der Bibel falsch getan hätten, dann müßten wir dankbar sein, unseren Stolz schlucken und umkehren. Dies ist sicherlich nicht von Gottes Wort inspiriert; es ist von Leuten, die gegen Gottes Wort handeln!
Auch ein Beispiel im NT: Jesus und die Pharisäer. Jesus war beschäftigt, Leuten zu helfen, Gott kennenzulernen. Die Pharisäer waren beschäftigt, Jesus anzugreifen und halfen niemandem, Gott kennenzulernen.
Zum Brief: Auf welcher Seite stehen wir und auf welcher sie? Hör auf, die Sachen
zu wiederholen, die sie über uns sagen, und beschäftige dich mehr damit, anderen zu helfen, Jesus kennenzulernen!
V7-8...Nehemiah war ein großer Leiter und hatte immer einen Plan, um Satan zu
frustieren!
V9...Ämen...es hat funktioniert. Irgendwie hatten sie Kontakt zu ihren Feinden, so daß
Nehemiah und sein Volk wußten, was sie vorhatten!
Kap.5...interessant, überspringe ich, bes. für BK-Leiter
Kap.6...Der Widerstand wächst weiter!
V1-4...Ziel: Die Arbeit zu stoppen!
told Frau W. :
“Unser Ziel als Gemeinde ist, Leuten zu helfen, Christ zu werden und Sünde in ihrem Leben zu überwinden. Euer angegebenes Ziel ist es, unsere Gemeindearbeit zu verhindern. Wir haben nichts gemeinsam. Kein Grund weiter zu diskutieren. Ich will meine Zeit benutzen, um Gottes Reich zu vergrößern, nicht die Arbeit von anderen niederzureißen!”
V5-7...Offener Brief ist nichts neues. Satan hat das schon seit 2500 Jahren benutzt. Aber ich möchte ein paar Sachen klarstellen!
1. Sanballat - sein Name stand als Unterschrift darunter - jeder wußte wer das geschrieben hat.
2. Sie haben ihren Namen nicht darunter gesetzt - warum?
3. Ihr Name steht nicht auf dem Briefumschlag, um euch [Anmerk. d. A. :die Gemeinde ] zu täuschen, damit ihr den Brief öffnet.
Ein offener Brief ist, wenn jemand einen Brief an eine Gruppe oder Bundesregierung schreibt, diesen auch unterschreibt und ihn überall sichtbar für alle aufhängt, damit sie sich ihre Meinung bilden können.
Sanballat benutzt eine Lüge, um die Leute zu erschrecken:”Rebellion gegen den König”, “Du willst König werden”, “Propheten bestellt, die das ausrufen”. Alles waren Lügen von Satan. “So komm nun und laß uns miteinander Rat halten!” Es klingt so diplomatisch - ihr Ziel war klar, nämlich Nehemia von seinem Ziel abzulenken oder es sogar verhindern.
Diese Leute wollen nicht mit dir reden, um dir zu helfen. Sie wollen dich aus dieser Gemeinde holen. Sie wollen, daß wir niemandem helfen, das Wort Gottes kennenzu- lernen. Sie sagen, weil wir keine Antworten geben, haben wir etwas zu verbergen.
Lk.20:1-8...Jesus hat keine Antwort gegeben. Hatte nichts zu verbergen.
Lk.20:20-26...Sie wollten Jesus in seinen Worten fangen.
Was hat Nehemiah getan?
Kap.6:8...Er spielt kein Spiel mit ihnen. Es stimmt nicht. Er hat Sanballat durchschaut.
V 15-16...Ämen. Es wurde fertig. Das Ziel wurde mit Gottes Hilfe erreicht!
Wenn die Leute sehen, daß die Gemeinde wächst, entfällt ihnen der Mut. Ihr wachst so schnell. Gott segnet eure Herzen, eure Hände und euren Glauben. Sie müssen zugeben, daß hier etwas außergewöhnliches stattfindet. Gott wird immer seine Kinder so sehr segnen, wenn wir nicht auf Satans Stimme der Verfolgung hören und unser Bestes geben, um anderen zu helfen! Ämen.
Mitteilung [Anmerk. d. A. : in der Andacht ]1. Wenn noch Adressenlisten vorhanden sind, vernichte sie sofort ! Benutze ein Adreßbuch !
2. Jede Liste wird ab sofort mit nur einem oder zwei Anfangsbuchstaben versehen.
Gebt keine Adressen oder Telefonnr. heraus, nur wenn sie zum Gottesdienst kommen!”
Außerdem wurden mir zum Thema Verfolgung die schlimmsten Befürchtungen mitgeteilt. Kim las dazu einige Zitate aus dem “Upside down” vor [ und Flora schenkte mir noch ein Exemplar], wo geschildert wird, wie Eltern ihre Kinder mit Gewalt aus der Gemeinde geholt haben. Mir war auch ein Beispiel aus der Berliner Gemeinde bekannt, wo Eltern ihre Tochter tatsächich vor ihrer Taufe eingesperrt hatten und ihr Videomaterial vorspielten, in denen vor Sekten gewarnt wird. Ich halte dies auch noch heute für ein ungeeignetes Mittel, Angehörigen in der Gruppe zu helfen, da das einen tiefen Vertrauensbruch bewirken kann. Beide Parteien sind von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugt. Ich weiß noch genau, daß ich meine Eltern “retten” wollte ; ihr Anliegen war dasselbe. Das will ich auch heute nicht leugnen, obwohl ich jetzt die ganze Sache anders betrachte. Ich sehe den Wunsch, die liebsten Menschen mit in den Himmel zu nehmen [bzw. sie dort wiederzusehen ] als Ausdruck einer tiefen religiösen Sehnsucht . Nur kann kein Mensch sich anmaßen zu wissen, wie dieses Jenseits sein wird und welche Menschen dort sein werden. Das kann nur Gott wissen.
Trotz allen Warnungen fuhr ich mit meinem Vater die geplanten Tage zu meiner Tante. Ich wollte und konnte mir nicht vorstellen, daß meine Eltern zum Mittel der Gewalt greifen würden. Ich gab Flora noch die Telefonnummer meiner Tante, so daß sie etwas beruhigter war. Ich versuchte auch während der kurzen Zeit dort, meinen Vater zu überzeugen von der Richtigkeit , was die Gemeinde betraf. Ich führte die Opferbereitschaft dieser Menschen an, die Liebe zu Gott...letztenendes hatte mich wohl auch Flora sehr beeinflußt mit ihrem starkem Wunsch, daß ihr Vater als Pfarrer “zum Glauben” fände.[ Apg. 6:7 “Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.”] Ich wünschte meinem Vater vor allem, daß er in seinem Beruf mehr Erfolgserlebnisse hätte. Im Nachhinein sehe ich, daß ich für Meinungen anderer -selbst der Eltern- sehr unzugänglich war, solange ich mich überwiegend wohl in der Gemeinde gefühlt habe. Ich dachte auch, daß sich ihr Unmut, ihre Angst um mich legen würde, wenn sie meine Zufriedenheit erkennen und sehen, daß ich den Alltag trotzdem bewältige. Dabei habe ich allerdings damals nicht in Betracht gezogen, daß mir dieses Leben selbst nicht mehr gefallen könnte. Zwar habe ich schwere Zeiten in Kauf genommen, war mir aber sicher, daß Gott mir helfen würde.
Als ich zurück in Berlin war, erkundigte sich auch Dean, ob alles in Ordnung sei. Es bewegte mich , wie er sich um mich sorgte.
Im November fuhr die Studentengruppe nach Kassel zu einem Treffen der anderen Gemeinden der deutschen Familie [das sind die Gemeinden, die Dean betreut], welches unter dem Motto “Perfect World” stand. Besucher waren erwünscht ; dies war wieder eine Gelegenheit, das “Licht der Einheit” leuchten zu lassen. Die Verteilung auf die Unterkünfte wurde festgelegt. Ich teilte die Blockhütte mit einer Besucherin, einer russischen Schwester und einer anderen “reiferen” Schwester. Letztere fühlte sich dann auch zuständig. Äußerst ungern befolgte ich deren Anweisung, als ich abends für alle beten sollte - zumal ich die anderen drei kaum kannte. Es war dann immer eine Mischung zwischen dem, was erwünscht war und meinem wirklichem Empfinden. Besonders hegte ich gegen die Schwestern eine Antipathie, die mich ihre Überlegenheit spüren ließen und meinten, sie müßten jetzt den Ton angeben, weil ich ja als Christ noch jung und unerfahren sei. Gleichzeitig bekam ich deswegen ein schlechtes Gewissen, weil es objektiv keinen Grund gab, “Geschwistern im Glauben” nicht zu gehorchen. Trotzdem empfand ich solche Situationen als Demütigung. Für mich ist das Gebet eine sehr persönliche Angelegenheit, wo ich Gott mein Innerlichstes offenbare. Das kann ich nur in Gegenwart von Menschen tun, die ich gut kenne und denen ich vertraue. In dieser Gemeinde jedoch wurde das Gebet mißbraucht und ich bezweifle, daß jeder, der betete, es in diesem Augenblick auch wirklich wollte. Es ist oft nur Mittel zum Zweck, um die Ziele zu erreichen, die man sich gesetzt hatte. Lautes Beten war Pflicht [auch, wenn man allein war]. Ich schätzte Gebete zu zweit, weil ich mich dem anderen verbunden fühlte, mochte es aber gar nicht in der Gruppe. [Der Druck, was Zeit, Art und Inhalt betraf, war hier viel stärker.]
In Kassel jedenfalls traf ich auch die Münchener wieder. Ich freute mich darauf, habe ich die Zeit dort doch als angenehm und befreiend erlebt. Leider war es schwerer, als ich dachte, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Einige Schwestern, mit denen ich intensive Stunden in München verbracht hatte, schienen mich nicht mehr zu kennen . Ich war etwas enttäuscht. Eine gewisse Anonymität, wie ich sie zum ersten Mal in Paris [unter 2000 Menschen ] gespürt hatte, schlich sich wieder in mein Empfinden ein. Alle waren so beschäftigt, Gespräche mit möglichst vielen Leuten zu führen ; im Hintergrund liefen noch viele Bibelstudien. Ich fühlte mich verloren. Auf einem Ausflug fand ich dann doch noch Charis, eine Münchener Schwester, die mit einer Besucherin unterwegs war. Letztere kam mir auch bekannt vor. Sie war auf meiner Abschiedsparty in München gewesen, jedoch erkannte ich sie nicht gleich wieder, obwohl sie mir damals viel von sich erzählt hatte. Da spürte ich - an ihrer Enttäuschung , daß ich selber schon so weit in dieses System integriert war, wo es ständig darum ging, neue Leute kennenzulernen, ihre Fähigkeit und Motivation, Jünger zu werden zu prüfen, um sie dann zu der gleichen Tätigkeit zu erziehen...oder sie irgendwann fallenzulassen und zu vergessen. Ich schämte mich in diesem Augenblick. Jedenfalls schloß ich mich den beiden erstmal an.
Charis war eine sehr feinfühlige Schwester mit einer besonderen Ausstrahlung und einem Hang zum Mystischen [auch aufgrund ihrer Vergangenheit ]. Ein Brief von ihr lautete ( 4.1.97 ) :
“Liebe Simone,
vielen Dank für deine Karte. Ich habe mich sehr gefreut, etwas von Dir zu hören. Ich denke oft an Dich und hoffe, daß Gott es irgendwann so macht, daß wir in derselben Stadt wohnen und uns öfter sehen können. Aber Hauptsache ist, daß wir beide Geschwister sind und wir spätestens im Himmel alle ohne räumlichen Abstand zusammen sind. Ich möchte mir dieses herrliche Ziel, das auf uns wartet, in Zukunft viel öfter bewußt machen. Das erleichtert mir, auf der Erde so manches in seiner scheinbaren Wichtigkeit zu relativieren und hinter mir zu lassen. Wie bei Dir sind es einige Dinge aus der Vergangenheit. Aber Gott wird alles zu unserem Besten verwandeln [Röm.8:28]. Es freut mich sehr, daß Du merkst, daß Gott Dich durch alle Schwierigkeiten in der letzten Zeit stärker macht. Ich werde heute auch noch für Dich beten, daß Du im Vertrauen und in der Liebe zu Gott wachsen wirst. Gott wird Dir das herzlich gerne schenken. Ganz sicher ! Echt, wenn ich an Dich denke, “sehe” ich Gott immer jubeln . Er hat Dich wahnsinnig lieb. Es war heute auch ganz seltsam. Ich ging in den Kartenladen bei mir um die Ecke, weil ich für Dich eine Karte aussuchen wollte. Vorher sagte ich noch zu Gott, daß er mir die für Dich geben soll, die er für Dich haben will. Mein Blick fiel auf den Kasten “Chagall”. Ich zog eine Karte heraus und wußte : die ist es. Ich dachte mir, das Bild zeigt Dich und Jesus und daß Gott Dich ganz fest in seinen Armen hält und ein großer, heller Engel in der Luft um Dich herumkreist, damit Du ganz beschützt bist [Psalm 91:11+12]. Ich bin sehr dankbar und froh, daß Du meine Schwester bist. Die Liebe, die Du jetzt schon zu Gott hast und Dein Kampfgeist, bei ihm bleiben zu wollen trotz aller Schwierigkeiten, inspirieren und beeindrucken mich. Als ich Deine Karte gelesen hatte, war ich viel entschiedener und klarer als zuvor. Wir brauchen alle einander. Das merke ich immer mehr. Früher wollte ich immer unabhängig sein und alles alleine machen, aber das funktioniert zum Glück nicht. Es ist so schön, mit Menschen, die wunderbar sind, den Weg zusammen zu gehen. Ich umarm Dich und wünsche Dir alles Gute und Gottes Segen. Deine Charis.”
Am nächsten Morgen hatte ich mich mit einer anderen Münchener Schwester zum Gebet am herrlichen See verabredet. Die Weite in der Natur bringt ein Gefühl der Freiheit mit sich. Bei solchen Treffen außerhalb der eigenen Gemeinde fühlt man sich auch insgesamt wohler, weil eine Kontrolle nicht in dem Maße möglich ist wie daheim. Alle sind irgendwie beschäftigt. Wenn ich mich mit jemandem dort verabredet habe, dann aus freier Entscheidung [wobei ich auch echte Freude empfunden habe].
Die Mission besitzt für die “Internationalen Gemeinden Jesu Christi” einen sehr hohen Stellenwert .[Math.28:18-20 “Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.” ] lch möchte deshalb an dieser Stelle schildern, wie ich den Umgang mit diesem Thema erlebt habe. Mir fiel es insgesamt schwer, in diesem Punkt so global zu denken, wie es vor allem die Leiter taten. Mich interessierte es auch nicht sehr, was sich dort oben an der Spitze der Hierarchie abspielte [Ich hatte schon genug damit zu tun, mit der Hierarchie in der Berliner Gemeinde klarzukommen.] Welche Bedeutung den einzelnen Personen beigemessen wurde, registrierte ich erst nach und nach bei verschiedenen Anlässen. Z.B. war ich etwas erstaunt, wie gut Flora über die Leiter in den USA Bescheid wußte, die für mich nur einige unter vielen waren. Wenn wir Bilder [mittels des Senders KNN] und Berichte aus anderen Gemeinden sahen, beschlich mich eine gewisse Gleichgültigkeit. Ich empfand diese Freude, die Menschen mit dem ewigen Lächeln da auf der Leinwand als unwirklich und weit weg. Manchmal kamen Geschwister aus anderen Gemeinden zu Besuch . Das ermutigte sicher am meisten die Leiter, die sich dadurch geistlich und freundschaftlich unterstützt wußten . Auch Dean war öfters unterwegs in den Gemeinden, die er betreute. Insgesamt wurde das Wachstum der Gemeinden immer mit entsprechenden Zahlen belegt. Jedoch sprach man nie über die Negativ-Bilanz, d.h. wieviele die Gemeinde verließen. Über die , welche der Gemeinde den Rücken kehrten, wurde ein Mantel des Schweigens ausgebreitet, es sei denn, man hatte eine sehr enge Beziehung zu ihnen gehabt. Die offizielle Meinung war, daß sie entweder nur “religiös” werden, d.h lau [Off.3:15-16 “Ich kenne deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach ,daß du kalt oder warm wärest ! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.”] , oder sie verlieren ganz den Glauben und versinken in der “Weltlichkeit”.[2.Petr.20-22 “Denn wenn sie durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus entflohen sind dem Unrat der Welt , werden aber wiederum in diesen verstrickt und von ihm überwunden, dann ist`s mit ihnen ärger als vorher. Denn es wäre besser für sie gewesen, daß sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, als daß sie ihn kennen und sich abkehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist. An ihnen hat sich erwiesen die Wahrheit des Sprichworts: Der Hund frißt wieder, was er gespien hat ; und: Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Dreck.”] Ob Lauheit oder Weltlichkeit...beides ist in den Augen der Mitglieder der Gemeinde “Jesu Christi” nichts wert. Die Gründe für das Verlassen der Gemeinde bleiben meist im Dunkeln. Offiziell hieß es, daß der oder die “Abgefallene” von einer Sünde nicht umkehren wollte. Ich fand es schade, daß der Kontakt so mit einem Mal abbrach. Auf diese Weise habe ich drei Schwestern gehen sehen, mit denen ich zusammen in einem Bibelkreis gewesen bin. Unbefangener kann ich erst jetzt mit ihnen reden. Ich spüre auch die tiefe Kluft, wenn ich als Ehemalige Mitgliedern der Gemeinde begegne. Mir fällt es schwer, gelassen mit ihnen umzugehen und ich möchte ihnen noch lieber nicht begegnen.
Zwiespältig war für mich genauso der geistliche Kampf. Auf körperlicher Ebene benötigt man Energie, um zu kämpfen. Ich meinte, diese Schlacht im Geiste auch körperlich zu spüren, indem ich innerliche Angstgefühle auf die Attacken Satans zurückführte. Selten empfand ich Harmonie und Gelassenheit . [Eph.6:11-17 “Zieht an die Waffenrüstung Gottes...Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen , sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel...Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.”] Es waren nicht nur die vielen Aktivitäten, die mich nicht zur Ruhe kommen ließen, sondern eben auch dieser geistliche Kampf. Mangelnder Eifer wurde schnell bemerkt, deshalb war es unmöglich, sich hin und wieder dem Druck zu entziehen. Das galt als selbstsüchtig.
Umsomehr freute ich mich dann auf die Weihnachtszeit. Es ist üblich, daß hier die meisten heim zu ihren leiblichen Familien fahren. Auf diese besondere Zeit wurden wir natürlich geistlich vorbereitet. Es wurden negative Beispiele erzählt und u.a. folgende Ratschläge erteilt :
- 2.Thess.2:13-17...Nichts aus eigener Kraft versuchen! Halte fest an der Lehre und am
Maßstab! Überlege vorher, was Du tust! Sei kein Chamäleon!
Wachstum auch zu Hause!
- Mk.5:18-19...Wir sollen erzählen...Die meisten Leute möchten eine Predigt sehen!
- Mtth.20:28...Dienen in jeder Situation...Deine Motivation ist falsch, wenn Du Leute
beeindrucken willst...Plane zusammen mit Deinen Eltern, bespreche den
Ablauf der gemeinsamen Zeit!
- 1.Petr.5:8-9...Bleib`wach! Sei nüchtern! Sei vorsichtig! Vergib`Deinen Eltern! Streite
nicht mit ihnen!
- 1.Kor.10:13...Sei geistlich! Gott schützt uns.
- 1.Kor.15:33...Wir sollen schneller sein als Satan! Welche Situationen mußt Du
meiden? Du kannst alte Freunde nicht bekehren an einem Tag.
- Kol.4:2-3...Sei nicht nachlässig im Gebet! Gott kann die Türen, die Herzen öffnen.
Wir bekamen noch ein Heft mit sehr ausführlichen Kraftzeiten, denn die größte Gefahr war wohl , einfach nur faul zu sein. Außerdem wurden noch Telefonanrufe vereinbart.
“Liebe Simone ! ...1.Petr.2:9 “Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.” ..Ich wünsche Dir von Herzen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr ! Ich bin Gott von ganzem Herzen dankbar für Dich und daß ich miterleben durfte, wie Du Christ geworden bist und daß ich sehen darf, wie Gott Dich verändert. Ich bin so stolz auf Dich, wie Du Gott treu bist und an seinem Wort festhälst. Ich sehe auch, wie Gott Dich zu einer Frau macht, die bereit ist, Rat zu hören und vor allem aus eigener Initiative zu suchen. Danke für Deine Freundschaft. Ich genieße es immer, wenn wir etwas zusammen machen. Ich freue mich, noch mehr mit Dir zu machen und gemeinsam für Seelen zu ringen. Gib nicht auf. Hab Dich lieb und brauche Dich...Deine Regina.”
Tagebuch...G., 24.12.96
“Lieber Himmlischer Vater !
Hab`Dank für Deine so große Liebe, für Deinen Sohn - das größte Geschenk - heute und jeden Tag...Ich kann die Hirten so sehr verstehen ; sie hatten das Herz zu warten und zu hoffen, haben nicht nach Dir gesucht und haben Dich doch gefunden...So war es auch bei mir. Ich dachte, daß ich Dich kennen würde und wußte doch : Da ist diese Leere, diese tiefe Sehnsucht, ein emotionales Loch im Herzen...Du bist anders, als das Bild, was ich von Dir hatte...”Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst” [Jes.9:5]...”Der Herr ist mir erschienen von ferne. Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte” [Jer.31;3] .Du bist ein liebender Vater, der das Allerbeste für mich möchte ; vor allem wünschst Du Dir so sehr eine Beziehung zu mir...Ich bin so dankbar für mein neues Leben, die Mauer zwischen Dir und mir ist zerbrochen. Dein Reich trage ich in mir...Es ist wie eine unerschöpfliche Kraft der Freude und der Liebe - allem Haß und Elend der Welt zum Trotz...Danke so sehr, daß Du mich gerettet hast aus dem Sumpf der Bedeutungslosigkeit, der Nichtigkeit, aus der Gefangenschaft der Sünde...”Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich ! “ [Jes.44:22] Vor Deinen Augen bin ich rein, ein neuer Mensch...So laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los vom bösem Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser.” [Hebr.10:22] Diesen Frieden, diese Freude möchte ich weitergeben, denn ich bin Dein strahlendes Licht an jedem Ort, wo ich bin..Ich bitte Dich um die Stärke, meine Verantwortung anzunehmen...Ich bitte Dich auch um Gelassenheit, nimm`weg alle Unsicherheit, Menschenfurcht, Menschengefälligkeit...laß mich mit Vollmacht predigen...an Jesus denken...Er hat seinen Mund aufgemacht, auch wenn es ihm das Leben gekostet hat. Deine Liebe drängt mich zu wachsen, Einfluß zu haben, Menschen zu erreichen...In jeder Situation hälst Du mich ganz fest an der Hand...DANKE IN LIEBE; DEINE SIMONE .”
Besonders unter den Schwestern war es üblich, sogenannte “Liebesbriefe an Gott” zu schreiben, da es den Frauen leichter fiel, Gefühle für Gott -als männlichen Gegenpol- zu empfinden. Zu diesem Thema lautete eine Predigt :
“Was bedeutet es, verliebt in Gott zu sein ?
1.Gottes Herz uns gegenüber...Wie fühlt sich Gott über mich ? Wir sind Gottes Ebenbild : Nur die guten Eigenschaften sind göttlich. Selbstsucht, Selbstmitleid... sind nicht von Gott. Wir haben die Wahl = eine freie Entscheidung. Wir haben starke Emotionen von Gott : Liebe, Haß... Gott beherrscht seine Emotionen !...Wir vertrauen unseren Emotionen nicht mehr. - Wir wollen sie nicht. Das ist nicht richtig ; wir brauchen unsere Emotionen für Gott.
-Ps.17:8...Ohne Augapfel könnten wir nicht sehen - so wichtig ist Gott David : Er liebt und sieht nur ihn. Wie sieht Gott uns ? Genauso...und er beschützt uns.
-Jes.30:15-18...Durch Stillsein und Hoffen bekommen wir seine Liebe, aber wir wollen rennen. Er sieht unsere Probleme...Er hat ein Herz für uns.
-Jes.40:21-31...Flügel wie ein Adler - sehr poetisch...Wenn wir uns auf Gott verlassen, können wir fliegen - jeden Tag.
-Jes.41:10-13...Er ist wie ein Papi. Er nimmt uns an der rechten Hand. Niemand kann Gott etwas antun. -Nichts kann passieren [ so wie Dean und Joshua ].
-Jes.42:3...Er wird uns nie zuviel geben [1.Kor.10:13 ]. Er weiß genau, wieviel wir tragen können. Wenn wir sagen :”Ich kann das nicht !”, können wir nicht wachsen.
-Jes.49:14-16...Eine Mutter wird nie ihr Kind vergessen ; tut sie es doch...Gott wird uns nie vergessen. Wir sind in seine Hand gezeichnet. Er spürt mich, liebt mich.
-Jes.52:7-10...Was für ein Bild...sein Arm [sehr, sehr groß] wird uns die ganze Welt zeigen. Unser Gott ist groß. Er ist vor uns und hinter uns wie ein Schutzschild. Sicherheit : Keine Angst, anderen von Gott zu erzählen, mit anderen Christen zu reden. Freude haben..., auch in Verfolgung.
2. Ich muß emotional mit Gott sein!
-Ps.37:1-7...Was spüren wir Gott gegenüber ?
-Ps.42:2-3...Unsere Seele dürstet nach Gott. Wir denken oft :Ich kann es nicht aushalten. Wir sind nicht gut genug, sündigen zu oft, aber wir können wieder aufstehen!
-Ps.56:4-5,11+12...Furcht hindert uns...Unsicherheit -nicht zu vertrauen - Auf Gott und sein Wort verlassen ! Was Gott liebt, liebe ich [jeden Menschen]. Was Gott haßt, hasse ich [Sünden]. Wir können nicht tolerant sein aus emotionalen Gründen, denn Fakten ändern sich nicht.
-Ps.62:2+3...Ps.63:2...Probleme ? Gott ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz.
-Ps.73:25...Neben Gott freut mich nichts auf Erden.
-Ps.73:28...Gott spüren in unserem Herzen ! Wenn ich jemanden liebe, möchte ich über ihn erzählen [z.B. Kim und Dean]. Eng mit Gott sein -jeden Tag mit ihm. Zuerst mit Gott sein -an erster Stelle ! Gott verherrlichen !”
Mit dem Jahreswechsel wurde die Gemeinde dann neu strukturiert. Für mich hieß das: eine neue Jüngerschaftspartnerin und ein neuer Bibelkreis. Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen; gefragt wurde man nicht. Mir fiel es schwer, mich wieder an andere Menschen zu gewöhnen, d.h mich halbwegs wohlzufühlen. Trotzdem hatte ich Glück mit meiner neuen Jüngerschaftspartnerin: Monique war jünger als ich. Sie machte es mir mit ihrer französisch - charmanten Art leicht, sie zu mögen. Sie ist sehr “emotional” und zeigt ihre Gefühle, was mir auch half, mich zu öffnen. Auch Ki-Ki`s [so ihr Spitzname] Mutter ist Mitglied der Gemeinde. Unsere gemeinsamen Zeiten empfand ich mehr als Austausch und Angebot ihrerseits. Später schrieb sie mir einmal :
“Liebe Simone...
Ich möchte nur Dir sagen, wie dankbar ich bin für Deine Freundschaft. Über die Zeit am Freitag habe ich mich sehr gefreut. Ich danke Dir für Deine große Unterstützung am Samstag. Es ist unglaublich. Du hast völlig Dein Herz gegeben. Ich habe gesehen, wie Du Dich gefreut hast : Gott benutzt Dich total, und das darfst Du nie vergessen. Auch in schwierigen Situationen verherrlicht sich Gott durch Dich [und jeder von uns]. Ich bin Fan von Dir; ich schätze die Wärme, die Du ausstrahlst ; es ist nicht schwer, Dich ins Herz einzuschließen. M. braucht Dich total und Du kannst ihr viel helfen und sie inspirieren. Gott hat viele Pläne für Dich. Ich hab`Dich sehr, sehr lieb...Deine Ki-Ki.”
Die Beziehung zu Matthias war ein heikles Thema. Mittlerweile hatte sich unsere gegenseitige Sympathie gefestigt. Flora hatte schon ihren Teil getan zu vermitteln. [Es lief immer über die Jüngerschaftspartner.] Sie war bestrebt, Beziehungen zu fördern, weil sie wohl auch sah, daß Partnerschaften in der Gemeinde nur sehr schleppend entstanden. Ich bin ihr dankbar dafür, daß sie ein wenig nachgeholfen hat. Sie sagte mir klar, daß Matthias mich mag. Das klingt vielleicht seltsam, aber gerade bei gegenseitiger Sympathie ist es besser [im “Reich Gottes”], wenn es der andere nicht sicher weiß. [Trotz allem blieb mir aber auch noch die Ebene der Intuition, deren Sprache auch recht deutlich ist.] Jedenfalls sei es nicht akzeptabel, den Focus auf Gott aus den Augen zu verlieren ; das ist die größte Gefahr, wenn man sich verliebt- ohne “geistlich reif” dafür zu sein. Es ist entwürdigend, sich von anderen vorschreiben zu lassen, wie weit Liebe gehen darf, weil damit der Spontanität eine Grenze gesetzt wird. Liebe und Leben gedeihen nur in Freiheit.
Ich kann mich an unsere Wünsche im Bibelkreis zum neuen Jahr erinnern. An erster Stelle stand die tiefere Beziehung zu Gott, persönliche “Frucht” ; dann kamen Wünsche, was das Studium betraf und privates Glück. Es gab nur wenige langjährige Mitglieder, die offen aussprachen, daß sie sich einen Partner wünschen . Ich wagte dies schon gar nicht, weil ich spürte, daß diese Gefühle zu Matthias zwischen mir und Gott standen [wobei ich wohl eher an eine Vernachlässigung der Gemeindeaktivitäten dachte]. Außerdem wußte fast niemand davon, daß ich einen Bruder besonders mochte. Mir war es sehr unangenehm, als Flora dann meine Wünsche noch ergänzte und Andeutungen in den Raum stellte. Sie wollte mich sicher nur ermuntern, doch die Brüder schauten mich dann doch etwas seltsam an, da ja auch kein Name genannt wurde. Die Partnerwahl wird in der Regel nicht dem Zufall überlassen.
In der folgenden Zeit war ich verunsichert, wie ich mich gegenüber Matthias verhalten sollte. Ich hatte schon mitbekommen, daß er unkonventionell war ; wir trafen uns manchmal ungefragt. Trotzdem nahm ich die Anweisungen ernst, die da lauteten : 1 Date alle 4-6 Wochen, 1 Telefonat/ Woche [keinesfalls im Liegen], gemeinsam “Evangelisieren” -gehen, gemeinsame Gebete, füreinander Kraftzeiten schreiben. Ich wollte mich weiterhin auf Gott konzentrieren und mich nicht zu sehr ablenken lassen. Trotzdem bemerkte ich, daß andere Schwestern Matthias auch mochten. Manchmal bewegten sich meine Gefühle zwischen schlechtem Gewissen und Eifersucht. Mit einer Schwester, die sich wohl auch Hoffnungen gemacht hatte, kam ich während einer Gebetsnacht ins Gespräch. Der Anlaß war ein gegenseitiges Sündenbekenntnis unter vier Augen.Ich mochte diese Schwester irgendwie [sie schien mir selbst in einigen Dingen ähnlich]. Sie erwähnte Matthias und sah mich forschend an. Ich erwiderte nichts. Befremdet hat mich, daß sie zum Thema “Depression” [was uns beide betraf] meinte, es sei reine Selbstsucht. Ich rebellierte innerlich, habe es ihr persönlich aber nicht übel genommen. Es gab einige Fälle in der Gemeinde, wo Geschwister vor dem Selbstmord bewahrt wurden bzw. aus depressiven Zuständen befreit und aus Krisensituationen gerettet wurden. Das ist schon rein psychologisch begründbar: die Gemeinschaft, das scheinbar sinnerfüllte Leben ; und man hat auch kaum noch Zeit und Gelegenheit für trübe Gedanken. [Es sei hier angemerkt, daß die Wirkung der “Droge” Gemeinde stark vom Persöhnlichkeitstyp abhängt.] Ich verwehre mich jedoch gegen Pauschalaussagen, womit jede Depression als Selbstsucht bezeichnet wird. Jede Krankheit ist auch eine Art Hilfeschrei der Seele - und die Depression besonders. Aus medizinischer Sicht ist es z.B. unhaltbar, daß man sich aus einer endogenen Depression im akuten Stadium selbst befreien könne, d.h. durch eigene Anstrengung. Der Glaube kann sehr hilfreich sein, aber gerade der christliche Glaube kann auch den Schuldwahn der Betroffenen noch verstärken. Es ist klar zu unterscheiden zwischen einer depressiven Neurose und einer Psychose. Depressive Neurotiker sind bis zu einem gewissen Grad noch für andere erreichbar und empfänglicher für äußere Angebote. Ein wissenschaftlicher Zugang [d.h. z.B. über Psychologie ] wurde in der Gemeinde -damit meine ich immer die Leitung- abgelehnt, wenn es mit der Lehre nicht übereinstimmte. Hegte jemand den Wunsch, Psychologie zu studieren, wurde ihm abgeraten. Als ich einmal Matthias einen Text über Psychoanalyse gab, hörte ich in der nächsten Andacht etwas zu diesem Thema. Dean erzählte von sich selbst und bezeugte, daß Verletzungen in seiner Kindheit auch keines Psychologen bedurft hätten, bzw. daß allein die biblische Wahrheit [und das entsprechende Leben danach] ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist. Mir persönlich machte das Bestreben, immer ” gut `drauf” zu sein so manches Mal Mühe. In einem gewissen Maße greift die Ausstrahlung der Gruppe ; das habe ich beim Sonntagsgottesdienst öfters empfunden. Wenn man zur Andacht geht , kann es jedoch sein, daß die Tagesereignisse noch nachklingen. Die Stimmung ist dann eine andere. Ich sehe es auch als eine Art Sorge, wenn der andere möchte, daß es mir gut geht, jedoch war es mir nicht immer möglich, sofort umzuschalten, wenn mir mal melancholisch zumute war. Es wurde dann alles versucht [mit Bibelzitaten etc.], um mich wieder aufzubauen. Mir schien, daß alle negativen Gefühle (wobei meine Stimmungen für mich nicht immer die gleiche Bedeutung, Wertung wie für sie hatten) möglichst ausgeblendet werden sollten. Das führte wiederum dazu, daß man sich bald verstellte, seine wahren Gefühle in der Gruppe verbarg - nur, um nicht darauf angesprochen zu werden.
Wenn man mit schwierigen Fällen zu tun hatte [z.B. psychisch Kranke], gab es noch eine Psychiaterin in der Gemeinde, deren Hilfe dann erbeten wurde. Da ich in dem Semester gerade das Fach Psychiatrie gelehrt bekam, hatte ich diesbezüglich auch einige Fragen, wie sich die biblischen Lehren mit einigen dieser Krankheitsfälle vereinbaren ließen, z.B. hatte ich Schwierigkeiten, religiöse Wahnvorstellungen einzuordnen .[Diese erschienen mir nicht immer so absurd, wenn ich an die Lehre der Gemeinde dachte.] Lilly, unsere Psychiaterin, konnte oder wollte mir da auch nicht weiterhelfen. Ich fühlte mich mit diesem Problem alleingelassen. Von Flora hörte ich auch einiges zu diesem Thema. Eine “abgefallene” Schwester, die zeitweise noch in Flora`s WG wohnte [bis sie eine neue Wohnung hatte ], gab dazu den Anlaß. Diese Frau war in Psychotherapie. Ich fand es erschreckend, wie mit ihr umgegangen wurde. Sie wurde einfach ignoriert, d.h. man sprach nicht mit ihr. Ich muß zugeben, daß ich die Hintergründe nur ansatzweise kannte, trotzdem empfand ich es als zutiefst demütigend. [Begründet hat Flora es damit, daß sie “Spaltung “ betrieben hätte : Matth.18:15-17 “Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. Hört er auch die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner.”] Flora zog daraus die Konsequenz, von solchen Leuten erstmal die Finger zu lassen, d.h. sie nicht in die Gemeinde mitzubringen. Sie war der Ansicht, daß es genau wie zu Jesu`Zeiten heute noch Dämonen, böse Geister gäbe...und daß da Satan die Hände mit im Spiel hätte. Ich glaubte das damals auch. Ich kann mich noch an eine andere Frau erinnern, die in der Koblenzer Straße zum Gottesdienst kam und hinterher noch beim Picknick im Park dabei war. Sie nahm regelmäßig Psychopharmaka und wirkte deshalb in ihrer Sprache und Mimik verlangsamt. Flora hatte sie mitgebracht, bereute es aber fast schon wieder, weil diese Frau den Gottesdienst als beängstigend erlebte [wohl , weil besonders die Predigt auf sie fanatisch wirkte ]. Beim Picknick dann traute sich keiner so richtig mit ihr zu reden. Ich begann eine Unterhaltung .[Mein Interesse war auch durch das Studium bedingt.] Mit ein bißchen Geduld konnte man sehr vernünftig mit ihr reden. Nur als potentieller Jünger kam sie wohl nicht in Frage. Ich habe sie nicht wieder gesehen. Die Chance der “Errettung” bekamen dann offensichtlich doch nicht alle. Wir wurden z.B. auch angehalten, wenn wir die Wahl hätten zwischen einem jungen und alten Menschen auf der Straße, immer den jüngeren anzusprechen.Ich fand das ungerecht. Auch innerhalb der Gemeinde war das Thema der Errettung nicht immer klar und eindeutig. In den Anfangszeiten bestand wohl die Ansicht,daß man nach einer Sünde wieder zeitweise in der Dunkelheit stünde. Dean stellte während einer Andacht nochmal klar, daß man im Licht bliebe. [Er untermalte diese Aussage theatralisch, indem er von einer Seite des Raumes zur anderen lief.] Und eine Grauzone gäbe es natürlich nicht. Es wurde auch gesagt, daß die Mitgliedschaft nicht unbedingt die Errettung einschließt. Die Bedingung war, daß man wahrhaft als Jünger lebte, doch die meisten waren wohl zumindestens von ihrer eigenen Rettung überzeugt. Ich fühlte mich innerhalb der Gemeinde manchmal eher verloren. Meine persönliche Beziehung zu Gott und mein Glauben in der Gruppe drifteten zunehmend auseinander. Mir fiel es immer schwerer, Gott hinter diesen ganzen Veranstaltungen zu sehen.
Nach dem Jahreswechsel bot sich die Gelegenheit, mehr praktisch tätig zu werden. Es wurde jemand für das Abendmahl gesucht und später noch ein Babysitter für die kleine Damaris [während des Leitertreffens.] Ich nahm beide Tätigkeiten voll Freude an und fühlte mich gebraucht. Die Eltern von Damaris kannten mich kaum und vertrauten mir ihre kleine Tochter an ; im Nachhinein finde ich das erstaunlich. Ich betreute sie in einer nahegelegenen Wohnung , wo auch noch einige Schwestern auf andere Kinder aufpaßten. Die Kleine war ein Energiebündel...ich schloss sie ins Herz. [ Der Zufall wollte es, daß sie am gleichen Tag wie ich Geburtstag hatte und meinen Lieblingsnamen trug.] Beim Abendmahl wiederum hatte ich die Möglichkeit, den organisatorischen Ablauf des Gottesdienstes zeitweise von außen zu beobachten und hinter die Kulissen zu schauen .
Die Erwartungshaltung, was persönliche Besucher betraf, war groß und beeinflußte mein Selbstwertgefühl nicht unerheblich -zumal Esther [unsere neue BK-Leiterin] nun direkt nach dem Gottesdienst jeden persönlich fragte. Wenn Besucher nicht so positiv reagierten oder sogar -wie zwei junge Frauen mit Zornesausbrüchen [Sie meinten voll Überzeugung, daß der Heilige Geist ihnen klar zu verstehen gab, daß dies nicht die richtige Gemeinde für sie sei und rieten auch mir, mal andere Gemeinden anzuschauen.] ,war ich enttäuscht und hielt meine Bemühungen für umsonst. Im Nachhinein bin ich jedoch jenen Menschen dankbar, weil mir ihre Zweifel gut in Erinnerung blieben und doch auch einen Einfluß auf mich hatten. Mein Bild von der Gemeinde wurde so Stück für Stück von innen und außen wie ein Puzzle erweitert.
In meiner Einstellung über die Gruppe spielte auch ein Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im KEH eine Rolle. Ich war dort immer bis in den späten Nachmittag beschäftigt und fühlte mich dort bald recht wohl. Ein Arzt betreute mich persönlich ; er ermutigte mich, nahm mich ernst und gab keine große Wertung ab. Der Umgang zeugte von gegenseitigem Respekt. Die Zeit in der Gemeinde wurde mir währenddessen fast zuviel. Nach einem Praktikumstag fuhr ich abends zum Kino, wo unser Bibelkreis sich treffen wollte. Clemens hatte einen Film ausgesucht “Star Trek -Krieg der Sterne”. Da ich keine Science-fiction- Filme mag, versuchte ich vorsichtig, Clemens meine Bedenken zu äußern...Wir könnten uns doch aufteilen und verschiedene Filme ansehen. Er erklärte mir die Moral des Films -es ging um Gut und Böse, geistlichen Kampf etc. ; außerdem sollte unsere Einheit ein Licht sein für die Leute. (Ich glaube kaum, daß andere unser strahlendes Licht wahrnahmen .) Ein Kompromiß war nicht möglich. Ich überlegte, weil ich wirklich übermüdet war, nach Hause zu fahren. Monique redete mir ins Gewissen...wenn es mir wirklich schlecht geht, sei es okay, aber wenn ich mich nur drücken wolle, dann nicht. Mir war selber nicht ganz klar, wie rein meine Motivation war. Mein schlechtes Gewissen siegte letztenendes. Der lautstarke Film im Kino war für mein schon überreiztes Gemüt dann zuviel. Ich bekam Weinkrämpfe, war aber darauf bedacht, daß das niemand bemerkte. Hinterher wollte ich nur schnell nach Hause, doch Flora spürte, daß irgendetwas mit mir nicht stimmte und versuchte, dies anzusprechen. Da sie so nachbohrte, konnte ich nicht anders, als meinen Unmut an ihr auszulassen. Mir tut das jetzt leid, ich meinte ja nicht sie persönlich, doch es war mir einfach manchmal zuviel ! Ich wollte auch mal alleine sein, wenn ich es brauchte. In der Gruppe fühlte ich mich nur bald dann noch wohl, wenn ich einen netten Gesprächspartner hatte. Manchmal beobachtete ich den ganzen Aktivismus, das hektische Treiben unwillig und spürte nur Leere. Gespräche wirkten auf mich zwanghaft; keinen Gesprächspartner zu haben, schien schon für kurze Zeit unerträglich. Ich entwickelte eine Art Pseudointeresse und das spürte ich manchmal auch bei den anderen. Nur einige wenige Geschwister lagen mir wirklich am Herzen.
Im März verreisten die Studenten dann in drei Gruppen mit unterschiedlichem Ziel. Ich wollte gerne nach München mitfahren -für ein Wochenende. Mit zwei Brüdern machte ich mich per PKW auf den Weg. Pascal-der Fahrer übernahm schon bald die geistliche Leitung. Wir beteten, erzählten einander Geschichten...und er spielte seine Musik ab . [Er ist Pianist bzw. Komponist.] Manchmal machten wir eine Pause,sprangen in die Natur und sangen Loblieder auf Gott. So wurde die Fahrt nicht langweilig. Der Aufenthalt in München war nur kurz, weil wir zum sonntäglichen Gottesdienst wieder zurück sein sollten. [Es gab “Bedürfnisse”.] Die Münchener Gemeinde hatte für Samstag ein festes Programm organisiert. Jetzt wohnte ich natürlich bei einer Schwester.[ Ich war in diesem Fall nicht so erfreut darüber, weil gerade sie schon bei meinem ersten Aufenthalt sich ein bißchen zu sehr um mich gekümmert hatte -als BK-Leiterin- , indem sie in meine WG- Unterkunft kam und mit mir einladen gehen wollte.] Später schrieb mir Vera [eine in München wohnende Österreicherin], daß ich an diesem Wochenende so traurig ausgesehen hätte. Obwohl ich mit dieser Schwester damals sicher nur kurz gesprochen habe, war meine Stimmung wohl nicht zu übersehen. Ich selbst war mir zu dieser Zeit noch nicht darüber im klaren, was ich tun werde. Ich hoffte auf Gott, daß er mir meinen Weg zeigen würde.
Das neue Semester rückte näher und wieder wurden Aktionen an der Uni geplant. Ich hatte den Eindruck, daß es von Semester zu Semester mehr wurden. Es bestand die Absprache, daß man nach Möglichkeit zusammen an der TU, der FU bzw. an der Humboldt-Universität lernte.
Studentengruppe Berlin
Gemeinde Jesu Christi Berlin
Sommersemester 1997
Am Semesteranfang gab es für die ersten beiden Wochen an jedem Tag Veranstaltungen [Party`s, Einladen gehen in Studentenwohnheimen und an der Uni, gemeinsame Gebete, Kino, Musikclubs - alles, womit man Studenten -vorzugsweise Erstsemester -erreichen konnte]. Ich erinnere mich an eine Party in zwei Schwestern-WG`s in der Wissmannstraße . Die beiden Wohnungen befinden sich auf der gleichen Etage . Dort wurden zeitweise ca. 100 Leute gezählt ; ich fand, daß das schon ausartete, weil man gar nicht mehr wußte, wohin man treten sollte. Ich sprach mit Besuchern, die mir gerade über den Weg liefen. Eine gewisse Gleichgültigkeit und Wahllosigkeit machte vor mir nicht halt. Auf solchen Veranstaltungen mit vielen Besuchern war man bemüht, daß die Gäste untereinander möglichst wenig Kontakt hatten. Natürlich sollten sie sich in erster Linie nicht alleingelassen fühlen. [Jeder hatte einen Ansprechpartner- meist den, der ihn eingeladen hatte, welcher dann auch seiner Verantwortung nachging.] Andererseits sollten sich die Besucher auch nicht gegenseitig in eventuellem negativen Denken bestärken.
Dann gab es noch die Gefahr, daß sich vielleicht ein Pärchen finden könnte...Aus meinem Studentenwohnheim war Sally auf diese Party gekommen. Gegen Ende unterhielt sie sich mit einem anderen jungen Mann namens Tino. Die beiden verabredeten sich. Von einigen Brüdern erfuhr ich dann beim nächsten Gottesdienst, daß sie mit Tino schon das Thema “Sünde” studiert hätten. Ich solle mich ein wenig um Sally kümmern -sprich den beiden die Gelegenheit nehmen, miteinander zu sprechen, dann sei schon nichts zu befürchten. Ich habe Sally ihre Hoffnungen zwar nicht direkt ausgeredet , aber ich schäme mich trotzdem, daß ich bei diesem schäbigen Spiel mitgemacht habe.
Solche Veranstaltungen mit vielen verschiedenen Leuten boten äußerlich gesehen die Chance, Toleranz zu lernen. Leider war es nicht das Ziel, den anderen auf seiner Ebene zu belassen und seine Sicht der Dinge, seine Weltanschauung zu verstehen und zu akzeptieren, sondern ihn auf die eigene Ebene zu ziehen [ob hinauf oder hinab, sei dahingestellt]. Ich wollte auch Leute bekehren, die mir etwas bedeuteten.
Da war z.B. Bella. Sie war kurz vor meiner Reise nach München in mein Studentenwohnheim in das Zimmer neben mir gezogen. Sie war jünger als ich ; durch ihre kindlich-lebhafte, manchmal hilfsbedürftige Art fühlte ich mich zu ihr hingezogen. Sie ließ mir keine Wahl ; ich mußte sie einfach gern haben. Wir waren beide recht vertrauensselig. Bella erzählte mir von einer Vision über Jesus, die sie als Kind gehabt hätte. [ Sie ist ohne jede religiöse Erziehung aufgewachsen.] Mich berüherte das, ich sah es als ein Zeichen Gottes. [ Ich meine, daß die Gemeinde von solchen mystischen Erlebnissen wenig hält ; der Glaube ist eher rational geprägt, wenn das überhaupt möglich ist.] Ich wünschte mir, daß sie Gott kennenlernen würde. Als ich in München war, bemühten sich meine Eltern um Kontakt mit Bella. Gemeinsam mit Frau W., die sich um Aussteiger und betroffene Angehörige kümmert, erzählten sie ihr von der Gemeinde, um sie [und gleichzeitig mich] vor der Gefahr zu warnen. Bella konnte das -denke ich- nur schwer einordnen. Sie kannte kaum eine normale christliche Gemeinde, noch war ihr klar, was eine Sekte ist. Es überforderte sie, diese Doppelrolle zu spielen .[Sie gestand mir irgendwann alles ; ich spürte dabei, daß sie unter Druck stand.] Später kam sie zeitweise zu Gottesdiensten und besonderen Treffen in die Gemeinde. Wir lasen einige Male in der Bibel. Mit der Zeit wurde sie auch kritisch, besonders, was das Verhalten einiger Leute betraf. Sie schien noch ein Gespür dafür zu haben, was natürlich ist und was nicht. Ich war enttäuscht, als meine BK-Leiterin Gritta mir sagte, daß Bella`s unstetes Wesen ein Hindernis sei, Christ zu werden.
Eine Schwester sagte mal zu mir,daß die richtige Einstellung und Motivation dann käme, wenn man jemanden betreuen, taufen, “bejüngern” kann. Dann spüre man seine Aufgabe in der Gemeinde und ist fester gebunden. Ich habe eine afrikanische Schwester erlebt, die nach mir getauft wurde, innerhalb eines halben Jahres eine andere Afrikanerin getauft hat [sie belehrt] und ins Leitertreffen gekommen ist. Ich meine, die Karriere im “Reich Gottes” kann ähnliche Erfüllung schaffen wie eine Karriere in der “Welt”[ im Beruf] ; innerhalb der Gemeinde hat sie natürlich einen höheren Stellenwert. Sie kann sogar über Beziehungen stehen. Meine BK-Leiterin Gritta hat sich von ihrem Freund getrennt, weil es Meinungsverschiedenheiten in dem Bereich gab. Sie meinte, sie brauche einen Mann, zu dem sie aufblicken kann [d.h. wahrscheinlich, das er in der Hierarchie über ihr steht]. Dean und Kim hatten versucht, zwischen den beiden zwecks einer Versöhnung zu vermitteln.
Gritta schrieb mir mal in dieser Zeit :
“LiebeSimone,
ich möchte Dir für letzten Mittwoch, wo wir in der FU zum Einladen waren, danken. Obwohl wir keine direkte Zusage bekommen haben, empfand ich es doch als eine tolle Zeit. Es macht Spaß, mit Dir zusammenzusein. Ich bin auch sehr stolz auf Dich, wie Du vergangene Woche Dein ganzes Herz beim morgendlichen Gebet gegeben hast. Es ist schön zurückzuschauen und zu sehen, wie sehr Du gewachsen bist. Und ich glaube, daß Du in diesem Jahr noch viel stärker werden wirst. Es ist toll, daß wir jetzt in einem Bibelkreis sind und uns jetzt noch viel besser kennenlernen werden. Danke für Deine Anteilnahme an meinem Schmerz. Hab Dich lieb...Deine Gritta.”
Es gibt einige Geschwister, die ihre offizielle Freundschaft mit einem Bruder wieder gelöst haben. Begründet wird das u.a. damit, daß der andere eine Charaktersünde nicht “ablege”. [Das sagte mir z.B. Regina.] Für die Partnersuche werden auch die Treffen mit anderen Gemeinden genutzt. Bei der Studentenfreizeit in Kassel wurden die Single-Brüder vom Redner aufgefordert aufzustehen, damit die Schwestern sehen konnten, wer noch “zu haben sei”. Ich habe es jedoch nicht erlebt, daß auf diese Weise Verbindungen zustande kommen. Paare, die unverheiratet in die Gemeinde kamen, wurden in der Regel getrennt ; nur wenige fanden wieder zusammen. Bedingung war, in gleicher Stärke geistlich zu wachsen. So geschah es z.B. bei Clemens, deren Freundin Michaela schnell Verantwortung übernahm, sich mit einem anderen Bruder befreundete, mit ihm zusammen nach Wien ging-um da die Gemeinde zu leiten. Mittlerweile zog Clemens geistlich nach. Die beiden anderen kehrten aus Wien zurück, weil ihre Mission nur von mäßigem Erfolg begleitet war. Sie wurde wegen einer “Sünde” ihrer Leitungsfunktion im Bibelkreis enthoben [was vor der ganzen Gemeinde geschah und auf mich sehr demütigend wirkte ] ; ihr Freund trennte sich daraufhin und sie verließ bald die Gemeinde. Insgesamt gibt es mehr Schwestern als Brüder in den meisten Gemeinden. Einigen Frauen scheint es vorerst oder überhaupt nicht so wichtig zu sein, den Mann für`s Leben zu finden, andere wirken leicht verbittert. Gute Freundschaften mit Männern sind auch viel wert - und es geht auf den Date`s ja wirklich manchmal recht lustig zu. Als ich in die Gemeinde kam, war mir diese Form des Umgangs mit Männern ganz recht so. Ich hatte gescheiterte Beziehungen hinter mir und wollte nicht so schnell wieder eine neue eingehen. Dann kam es doch anders...Es ist mir sehr unangenehm, darüber nachzudenken, wie Dean und Matthias` Jüngerschaftspartner mich jetzt sehen. Ich habe das Gefühl, ihnen einen Freund und Bruder genommen zu haben. Andererseits bin ich natürlich froh, daß Matthias und ich den Absprung geschafft haben...
Mein Ausstieg vollzog sich innerhalb von Wochen. Angefangen hat dies - wie schon erwähnt - in einer Zeit, wo ich viel unter anderen Menschen war - außerhalb der Gemeinde. Dann folgte der Semesteranfang mit den vielen Aktivitäten. Ich bekam das Gefühl, daß mich das alles nichts mehr anginge. Dieser ganze Eifer, den die Leiter auszustrahlen schienen, berührte mich kaum noch. Mir schien es wie vergeudete Energie. Ich wurde gleichgültig. Die Frauenkonferenz [am 26.4.- meinem Geburtstag] stand bevor, wo jede Schwester einige Frauen mitbringen sollte. Ich bemühte mich noch mitzuspielen. Zu meiner neuen BK-Leiterin Esther E. hatte ich nicht genug Vertrauen. Sie gab sich zwar Mühe, aber ich hatte mich gerade an Gritta gewöhnt, über den Wechsel war ich nicht erfreut. [Gritta leitete nun die Singles, Michaela- ihre Vorgängerin-hatte die Gemeinde verlassen.] In meinem Bibelkreis habe ich am meisten Vertrauen zu Monique und Flora gehabt. Auch andere -vor allem jüngere Christen - habe ich gemocht. Jedenfalls ging es in einer Andacht Ende März um besagten Frauentag. Esther fragte jede Schwester nach ihren Kontakten. Obwohl ich mir auch darüber Gedanken machte, fiel Esther mein mangelnder Eifer auf. Sie drängte mich : “Wann wirst du die Frauen anrufen ?” Als ich nur zögernd auf ihre Frage einging, sprach sie mich vor der ganzen Gruppe an, was los sei. Ich spürte, wie die anderen hellhörig wurden und fühlte mich in der Zwickmühle. Alles in mir bäumte sich dagegen auf, hier mich irgendwie rechtfertigen zu müssen- schon gar nicht vor den anderen Schwestern, die ich im jetzt neuen Bibelkreis teilweise kaum kannte [und sie mich genausowenig]. Ich antwortete ihr, daß ich das nur mit ihr allein besprechen möchte. Ich spürte eine starke Unlust, was ich jedoch kaum geistlich begründen konnte. Esther gab ich dann das Stichwort “Unglaube” [was nicht ganz falsch war], so daß sie sich auch bemühen konnte um ein Bibelzitat und noch ein paar persönliche Worte. Sie besitzt als Schauspielerin eine recht gute Menschenkenntnis und schien dann doch auch noch Zweifel zu haben, als wir uns trennten. Mir wurde schon bald klar, daß ich mir nicht helfen lassen wollte ; zumindestens war ich bestrebt, meine eigene Entscheidung zu treffen. So ganz souverän blieb ich dann allerdings nicht. Ich konnte nicht wirklich zwischen dem Glauben an die Gemeinde und Gott unterscheiden. Mir wurde dann immer wieder eingeredet, daß eine Beziehung mit Gott nur ganz -oder gar nicht möglich sei. Ich wußte innerlich, daß ich weg wollte...
Auch andere Geschwister [vor allem Flora und Monique ] begannen, sich um mich zu bemühen. Flora ahnte -glaube ich - als erste, wie diese Krise enden würde. Als ich dann wirklich hilflos war, redete ich auch im Bibelkreis darüber [ Der leitende Bruder erfährt in der Regel auch, wenn es bei den Schwestern Probleme gibt.] Es wurde ein Plan erstellt ; ich sollte mich jeden Tag mit einer Schwester zum gemeinsamen Gebet treffen. Dazu kam es nicht mehr. Zuerst blieb ich der Andacht fern, weil ich diese als interne Veranstaltung mit meinem schlechten Gewissen nicht mehr vereinbaren konnte. Ich hatte das Gefühl, daß jeder meine schlechten Gedanken lesen könne und empfand eine starke Distanz zu den anderen. Flora überedete mich, daß sie und Monique zu mir nach Hause kämen. Gemeinsam zu beten führt fast immer dahin, daß man dem anderen entgegenkommt. Lügen wollte ich jedoch auch nicht ; ich hatte keine ehrliche Hoffnung mehr. Ich bat Gott um ein Zeichen, wenn er möchte, daß ich in dieser Gemeinde bleiben solle.
Tagebuch, 5.4.97
“Ich habe meinen Glauben verloren...Vater, wenn es Dich gibt, warum kann ich Dich nicht erkennen, warum denke ich, Dich nicht zu brauchen, warum erscheint mir alles nur wie eine schöne Illusion ? Dein Maßstab scheint mir gut und richtig zu sein, aber sind es nicht nur Menschen, denen ich dankbar sein muß ? Ich sehe auch liebevolle Nichtchristen...Mein Ziel ist im Moment nicht die Ewigkeit...Gestern habe ich einen Brief von Vera aus München bekommen. Ich möchte mir die BV anschauen...,vielleicht willst Du mich ja doch zurück, Vater...”[Anmerk. d. A. : Fazit war, daß mir die Verse aus dem göttlichen Buch nicht mehr weiterhalfen ; der tägliche Gebrauch -ich wurde besonders in den letzten Wochen damit überschüttet- bewirkte, daß sie für mich an Bedeutung verloren.]
Ein Besuch daheim zeigte mir, daß auch meine Eltern in ihrem Eifer , mich aus der Gemeinde zu holen, noch nicht nachgelassen hatten. Jetzt machte mir dies besonders zu schaffen, weil ich selber Zweifel hegte, ich ihnen aber keinesfalls zustimmen wollte. Zurück in Berlin fühlte ich mich noch erschöpfter und hoffnungsloser.
Ich nahm mir vor, bis zum 26.4.97 eine endgültige Entscheidung zu treffen.
Anfang April erlebte ich nochmal eine Hochzeit [die vierte während meiner Zeit in der Gemeinde]. Es war jedesmal eine großartige Show. Ich war auch jetzt wieder zu Tränen gerührt- auch, weil ich dachte, dieses selbst nie erleben zu können [in dem Rahmen]. Flora schaute mich mitleidig an. Ihr tat es sichtlich weh, mich so traurig zu sehen. Auch Kim`s Blicke bemerkte ich noch aus dem Augenwinkel. Sicher wußte sie über meine Situation Bescheid. Ich wundere mich, daß sie sich gar nicht mehr um mich gekümmert hat -die Frau für alle Fälle. [ Vielleicht hatte ich mich auch schon zu sehr daran gewöhnt, daß andere die Verantwortung für mich tragen.] Da wirkte Dean schon besorgter. Nach einem Gottesdienst und dem anschließenden Leitertreffen - als ich Damaris zurückbrachte - kam er mir zufällig mit seiner Frau und Monique entgegen und sprach mich an. Irgendwie war ich ihm dankbar, obwohl er mich nicht so gut kannte. Er fragte nach dem Problem [Monique hatte ihm sicher schon etwas erzählt ], gab mir ein Bibelzitat und erzählte von sich. Ich war ehrlich zu ihm und sagte, daß mir alle Grundlagen entgleiten würden. Das ganze Gebäude stürze ein. Ich wisse nicht, wo ich beginnen solle. Er sagte dann nur : “Dann fang an !” Was Dean betrifft, möchte ich nochmal betonen, daß meine Meinung über ihn ambivalent war. Ich achtete ihn. Er war freundlich zu mir. Ich vertraute ihm gefühlsmäßig. Seine Predigten gefielen mir -meistens. Einmal war ich sehr aufgewühlt, als er über “Unreinheit” predigte und zwar tat er das in einer Art und Weise, daß ich erschrak. Als biblische Grundlage diente u.a. Hesekiel 23 “So sehntest du dich nach der Unzucht deiner Jugend...So will ich der Unzucht im Lande ein Ende machen, daß alle Frauen sich warnen lassen und nicht nach solcher Unzucht tun. Und man wird die Strafe für eure Unzucht auf euch legen, und ihr sollt tragen, was ihr mit euren Götzen gesündigt habt, und sollt erfahren, daß ich Gott der Herr bin.” Dabei entwickelte Dean den Prozeß des “Sich - Verliebens “ und des gegenseitigen Begehrens -immer mit dem Hinweis, daß Gott in uns lebt und schon jeden Gedanken der Unzucht kenne und abgrundtief hassen würde. Mir fiel es sehr schwer, zwischen Liebe und Unzucht bzw. Sehnsucht nach dem anderen zu unterscheiden. Ich fühlte mich infolge besonders schlecht, wenn ich an Matthias dachte. Dean meinte, daß wir erst lernen müßten, wie man Freundschaften -insbesondere zum anderen Geschlecht- aufbaut - egal, ob wir viele Freundschaften und Beziehungen in unserem früheren Leben gehabt hätten oder nicht. Es wurde uns empfohlen, viel “Rat zu holen”. Beide müßten Gott näher kommen [dann kämen sie auch einander näher] ; wir sollten einander “aufbauen” und andere in Gottes Reich ziehen -anziehend auf andere wirken. Jeder müsse einen Standard für Reinheit haben. Gott sollte uns immer mehr wert sein als eine Person. Bei Anfechtungen müssen wir mehr Zeit mit Gott verbringen, entsprechende Gedanken bekennen und dürften romantische Gefühle und Träume erst gar nicht pflegen, sondern die Gedanken mit der Mission füllen. Einerseits wurde gepredigt, daß man eben solche Gefühle unterdrücken müsse, andererseits war in der Ehe wohl alles legitimiert . [Dean predigte etwas, was er schon längst nicht mehr umsetzen brauchte .] Dieses Thema hatte mich noch mindestens eine Woche beschäftigt. Ich äußerte es auch im Bibelkreis. Es wurde registriert [und wohl nach oben weiter gegeben]. Eine reifere Schwester meinte nur nüchtern dazu : “Für jüngere Christen mag es ein Problem sein...” Vielleicht hatte ich ja auch falsche Erwartungen, wenn ich meine Schwierigkeiten äußerte. Die Predigten wurden jedenfalls nach meinen Erfahrungen nie von jemandem direkt kritisiert.
Ich erinnere mich noch an eine andere Situation, wo ich nicht mit Dean einverstanden war. Es ging um die Wahl des Vereinspräsidenten und des Vorstandes. Das wurde in der Andacht durchgeführt - und zwar in einer offenen Form. Es wurde gefragt, wer gegen die Wiederwahl von Dean und dem alten Vorstand sei und wer sich enthalte. Natürlich wagte keiner, sich zu melden. Dean meinte außerdem mit einem Anflug von Selbstherrlichkeit : “Ist jemand gegen mich ? ...wehe...wenn, dann kommt er nachher zu mir ! “ Ich nahm an, es sei scherzhaft gemeint. Trotzdem war ich über die Art und Weise der Wahl enttäuscht.[ Mit einer Demokratie hatte das wohl nichts zu tun, naja in einer Theokratie ist wohl alles anders...] Meinen Unmut bekam dann Monique zu spüren, die neben mir saß: “Was ist das denn für eine Wahl ?” Monique war etwas verunsichert, wies mich dann aber doch zurecht. [Später entschuldigte sie sich, nachdem sie mit Flora gesprochen hatte.]
Ich meinte, in Dean`s kleinem Sohn Joshua viel von ihm selbst wiederzuerkennen -auch von dem, was er nicht offen zeigte, bzw. die Verhaltensweisen, die er abgelegt hatte. Der Kleine wirkte für seine 2 Jahre schon sehr reif und ernst. Einige Schwestern, die ihn öfters betreuten, berichteten auch von Wutanfällen. [Ich möchte nur auf den Aspekt hinweisen, daß die Kinder in der Gemeinde sich bis zu einem gewissen Grad Natürlichkeit und Ganzheit bewahren. Da die Eltern negative Gefühle unterdrücken müssen bzw. wollen, zeigen die Kinder sie manchmal umso deutlicher.] Trotz aller Fürsorge, mit der die Kinder in der Gemeinde aufwachsen, bin ich mit einigen Erziehungsmethoden nicht einverstanden, z.B. wird Ungehorsam oft mit Schlägen beantwortet. [Insgesamt hatte ich in diesen Bereich nur wenig Einblick.]
Obwohl ich wußte, daß meine Zeit in der Gemeinde sich dem Ende näherte, blieb ich offen für Gespräche. Noch eine andere Frau bot mir ihre Hilfe an -Corinna, die auch Pressesprecherin der Gemeinde ist. Als Flora mich fragte, zögerte ich einen Moment und sagte dann zu. Ich kannte Corinna bisher kaum.Flora paßte währenddessen auf die Kinder auf , und ich ging mit Corinna spazieren . [Ich hätte es eher hastiges Gehen genannt.] Ich spürte, daß sie unter Druck stand. Sie strahlte Unruhe aus, aber sie bemühte sich ernsthaft und erzählte mir aus ihrem Leben, von ihren Kindern, ihrer Ehe [daß diese ohne Gott nicht funktionieren würde]...und bot mir ihre Freunschaft an. Es ist schwierig, auf solche Art und Weise Freundschaften zu schließen.
Mir fiel es besonders schwer, darüber nachzudenken, daß ich mich von Matthias lösen mußte. Ihm war die Ernsthaftigkeit meiner Lage anfangs nicht klar. Ich ging ihm immer öfters aus dem Wege, um den Schmerz nicht spüren zu müssen. Ein Zufall wollte es, daß ich ihn mal in der Stadt traf. Wir schwiegen uns im Bus fast die ganze Zeit nur an, aber ich glaube, uns wurde klarer, was wir wollten. Flora hat mir dann auch immer zugeredet, daß sie es gut finden würde, wenn ich mit Matthias nochmal rede [dasselbe sagte sie zu ihm]. Sie hatte vielleicht die Hoffnung, er würde mich zurückhalten.
Inzwischen war ich das letzte Mal beim Gottesdienst gewesen, um meine Dienste abzugeben. Bedeutung hatte für mich noch Flora`s 30. Geburtstag, wo ich Kontakt zu Marielle bekam, die die Gemeinde schon seit einiger Zeit verlassen hatte [Wir trafen uns dann öfters, was mir besonders in der ersten Zeit nach meinem Weggang sehr half.]
Mein letzter Auftritt war der Frauentag -mein Geburtstag :
F R A U E N K O N F E R E N Z ...26. April 1997
Was sehen wir, wenn wir unser Leben “aus nächster Nähe” betrachten? Erfreuliches oder Beängstigendes oder beides? Was sehen die anderen?
Wir leben in einer unsicheren Welt. Wenn auch unser Leben nicht in Gefahr ist,so ringen wir doch fast täglich um unsere Selbstachtung und um unser Selbstwertgefühl.
Wir leben in einer Welt, die auf äußere Dinge Wert legt, auf Erfolg, Erscheinung und Auftreten. Aber Gott legt Wert auf die inneren Dinge.
Lernen Sie-aus nächster Nähe- Frauen kennen, die diese Wertschätzung vermitteln möchten- Frauen wie wir. Kommen Sie zu einem Nachmittag, der Ihr Leben verändern wird. In einer Welt, in der so viel auf äußere Dinge geschaut wird, sollten wir mehr auf innere Werte schauen -aus nächster Nähe.
Kim predigte ; sie erwähnte verschiedene Persöhnlichkeiten [z.B. Freud, Nietzsche etc.] und meinte, wenn man sich ihr Leben anschaut, haben ihnen ihre Erkenntnisse nichts gebracht... Mich bestärkten solche Aussagen nur, daß ich die richtige Entscheidung getroffen hatte...
Berlin, Samstag, 26.4.97
“Liebe Simone,
alles Liebe und Gute wünsche ich Dir zu Deinem 23. Geburtstag. Persönlich denke ich, daß wir schon durch einige schwierige Zeiten gemeinsam durchgegangen sind. Du bist für mich wichtig und ein Spiegelbild für mich. Viele Deiner Zweifel habe ich auch schon gehabt. Danke für die offenen Gespräche, die wir gehabt haben und hoffentlich noch haben werden...Hebr. 13:9 “...es ist gut, daß das Herz in Gott fest werde durch Gnade.”...Ich habe Dich lieb und möchte für Dich da sein und brauche Deine Freundschaft...Florentine.”
“Ps.91 \ 11-13 “Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Über Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen und Drachen niedertreten.”...
Liebe Simone !
Ganz herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag. Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe, viel Freude und Sonne, Gottes Nähe, daß Du Dich immer von ihm getragen fühlst , egal, was um Dich herum passiert. Ich wünsche Dir Ziele und Träume und daß Du nie aufgibst, nach Gott zu suchen. Du bist eine besondere Frau und ich hab Dich sehr in meinem Herzen und ich wünschte mir, wir hätten noch mehr Zeit zusammen verbracht. Ich wünsche mir für Dich, daß Du erkennst, daß Gott keine Leistungen von uns Menschen möchte, sondern einfach nur unser Herz. Satan redet uns immer ein, daß wir es nicht schaffen und der Norm nicht gerecht werden. Aber Gott ist nicht so, er hat diese riesige Gnade für uns. Ich wünsche mir für Dich, daß Du erzählst, was Dich bedrückt. Du hast ein Herz für Gott und die Menschen. Das glaub ich sehr. 2.Kor.12\9.
Ich vermisse Dich und hab Dich sehr lieb..Deine Peggy.”
Ich hatte Matthias einen Abschiedsbrief geschrieben in der Hoffnung, daß ich ihn treffen würde [was eigentlich sehr unwahrscheinlich war, weil die Veranstaltung ja nur für Frauen war] :
“Mein lieber Matthias !
Du bist mir während der vergangenen Monate ein sehr guter Freund geworden. Ich habe Dich ins Herz geschlossen...Schon bei unserer ersten Begegnung habe ich mich sehr wohlgefühlt in Deiner Nähe und jedes neue Treffen empfand ich immer als Geschenk [ wie Dein Name prophezeit ]. Deine Zuwendung hat mir Gottes Liebe näher gebracht und natürlich die Liebe nach 1.Kor. 13 zwischen Menschen. Oft war ich überrascht, weil ich meinte, es nicht zu verdienen. Z.B. erinnere ich mich - und muß etwas schmunzeln - an die Abschiedsszene in der Handjerystraße, wo Du mir Deine Hand zum Freundschaftsbund gereicht hast. Das Date war etwas chaotisch und ich habe mich so gefühlt, als ob ich den ganzen Nachmittag und Abend nur Unsinn geredet hätte. Und dann hast Du mich so beschämt...Auch wenn wir in Zukunft verschiedene Wege gehen, behält der Bund für mich Gültigkeit. Verzeih, daß es mir so schwer fällt im Moment, mit Dir zu reden. Meine Gefühle sind so ambivalent. Einerseits mag ich Dich sehr [ wohl zu sehr ], andererseits will ich lieber weglaufen, um den Schmerz nicht aushalten zu müssen. Meine Traurigkeit lähmt mich. Ich kann nicht das tun, was ich am liebsten tun würde...Dich ganz fest umarmen...So möchte ich Dich wenigstens verbal drücken...Ich weiß nicht, was Dir helfen würde... Ich wollte es Dir nicht noch schwerer machen..Viel Freude an Deinem Geburtstag ! Ich denk an Dich...Deine Simone. “
Seine Mutter war da, deshalb traf ich ihn dann doch dort. Ich nahm ersteinmal an, daß ich ihn das letzte Mal sehen würde . Ich schaute wohl sehr traurig aus ; er schenkte mir eine lachende Apfelsine und meinte, daß es das letzte ist, was er mir wünsche - daß ich traurig sei...
“Liebe Simone !
Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Dir nur einfach zu gratulieren und Alles Gute zu wünschen, erscheint mir momentan irgendwie oberflächlich. B. hat mir gesagt, daß Du heute traurig ausgesehen hast. Das ist das allerwenigste, was ich mir wünsche für Dich. Gott hat Dir vor 23 Jahren die Gelegenheit gegeben, das Leben zu genießen und Dir alle Sinne geschenkt, ihn hinter allem zu entdecken. Ich wünsche mir, daß Du Gott besser be-und ergreifen kannst und Dich in der Lage fühlst, ihm alle Deine Sorgen und Ängste ausdrückst. Der Menschen Zeit ist begrenzt, um Deine Bedürfnisse zu stillen, aber Gott hat immer für Dich Zeit und Interesse. Handle nach dem, was Du weißt, das richtig ist und was mit der Bibel übereinstimmt, das ist Basis für uns alle. Ich bete für Dich, ansonsten denke ich, sind meine Möglichkeiten recht bescheiden, um Dir zu helfen. Mein Glauben für Dich bleibt bestehen, und ich möchte Dir zur Seite stehen, als ein Bruder und Freund. Was ich Dir im Bus gesagt habe, meine ich so. Hoffentlich hilft der Frauentag Dir. Meine Mutter und meine Praktikumsanleiterin waren da. Ich mag Dich immer noch sehr, und es fällt mir auch schwer, das auszudrücken. Danke für Deine Freundschaft...Matthias.”
Ich war dann doch irgendwie auch glücklich und bewahrte mir einen Hoffnungsfunken... Denn alles hatte so schön begonnen...Nach unserem ersten Date schrieb er :
“...zwar fällt die Karte von ihrer Aussagekraft als Medium zur Anregung recht dürftig aus, aber damit läßt sie hoffentlich dem kommunikativen Inhalt mehr Raum. Danke zuvor für Deine Aufmerksamkeit, die Du mir bei unserem Date gewidmet hast. Für mich ist es enorm wichtig, wieviel Zuwendung bzw. Interesse ein Mensch [in diesem Fall Du] mir entgegenbringt. An diesem Abend ist mir aufgefallen, daß Du eine gute Zuhörerin bist und Deinem Gegenüber [in dem Fall mir] auch in die Augen schaust. Das ist eine der Stärken, die mir bis jetzt bei Dir “in die Augen gefallen” sind. Weißt Du, eigentlich bin ich auch ein Tagträumer, aber ich habe gelernt, wie Gott die Träume Schritt für Schritt in Erfüllung gehen läßt. Ich glaube z.B. , daß wir beide uns sehr viel zu erzählen haben, man spricht oft von der ungefähr gleichen Längenwelle, womit ich aber nicht die Haare meine, so daß ich es mir zum Ziel setze, Dich besser kennenzulernen. Übrigens, mir imponiert, Dein Stil zu schreiben. Zu deiner Frage nach den Träumen, möchte ich folgendes anmerken. Träume gehören für mich genauso wenig wie schlechte Gedanken ins Reich der Abgeschiedenheit oder der Verdrängungsmechanismen. Man sollte sie aussprechen, zu Papier bringen oder besser Gott zu Füßen legen. Dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten, zwischen denen man sich entscheiden muß. Entweder man beläßt es dann dabei, oder man holt sich die entsprechende Hilfe, die es braucht, damit die Träume auch Realität werden. Wenn es Träume gibt, die mit Gottes Willen nicht übereinstimmen, dann muß man diese herbe Enttäuschung schlucken und darauf vertrauen, daß Gott etwas besseres vorhat. So gesehen hast Du recht, es gibt keine bessere Alternative als das Reich Gottes...Was denkst Du über den Artikel , den D.R. verfasst hat bezüglich unseres Gemeindedeutsch? Also ich bin einfach total begeistert, weil D. sich echt Mühe gegeben hat, einfach, Ha, ha...[ s. Anhang “Abenteuer Sprache”] Ich habe heute morgen einen längeren Artikel von Randy McKean gelesen, in dem er über die Stelle Mtth.6\33 in der Bergpredigt schreibt. Er hat im Großen und Ganzen die Überzeugungen schriftlich verfasst, die ein Jünger haben muß, um im Reich Gottes zu bleiben. Es hat mich zum Schlucken gebracht, denn ich habe einige Dinge nicht mehr so ernst gesehen. Aber jetzt weiß ich wieder, was zu tun ist. In den fast 4 Jahren, in denen ich nun bei der Gemeinde bin, habe ich eins vor allen Dingen gelernt. Jede Umkehr bringt auf irgendeine Art und Weise eine Segnung und geistliches Wachstum mit sich. Das wiederum fördert den Glauben, was in einem anderen Bereich zur Umkehr führt, was wiederum...Ich würde mich freuen, wenn wir mal zusammen einladen gehen könnten und wenn es am 14.12. mit dem Date klappt. Danke für deine Karte und die Kassette. Mir war gar nicht bewußt, mit was für brillianten Themen sich G.Schöne auseinandersetzt. Ich liebe seine Lieder. Kennst Du H. van Veen ? Wenn nicht, überspiele ich Dir mal eine Kassette...Alles Liebe...Dein Bruder Matthias.”
An ein besonderes Date kann ich mich noch genau erinnern. Es war der 25.1.97 .Wir trafen uns zu fünft [ Bella wollte gerne mitkommen, was mir später noch Ärger einbrachte.] ,gingen ins Museum und später ins Restaurant. Ich hatte abends Nachtbereitschaftdienst im Behindertenwohnheim, der um 21.00 Uhr begann. [Ich bekam den Job über eine Schwester .] Matthias brachte mich dorthin .[Es ist üblich, daß die Brüder die Schwestern nach Hause bringen, egal wie weit es ist. Anfangs habe ich versucht -weil ich ihnen keine Umstände machen wollte, da ich weit weg vom Zentrum wohne - sie zu überreden, mich nur ein Stück zu bringen, doch fast alle blieben standhaft.] Matthias blieb noch eine Weile, da gerade Fasching gefeiert wurde. Da er zu der Zeit auch im Behindertenbereich arbeitete, zeigte er Interesse an den Leuten dort ; es gelang ihm schnell, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Er blieb dann noch, bis die Betreuer nach Hause und die Bewohner schlafen gegangen waren. So waren wir plötzlich allein. Beim Abschied -er stand in der Tür- holte er tief Luft..:”Auf die Gefahr hin, daß ich jetzt einen großen Fehler begehe...du weißt doch, was ich über David und Jonathan geschrieben habe...[Er hatte mir eine Erörterung über das Thema Freundschaft am Beispiel von David und Jonathan gegeben.]...so einen Bund möchte ich mit dir schließen.” Ich wußte gar nicht, wie mir geschah, hatte sowas nicht geahnt ; mir war nicht klar, wie ich das in das Schema der Gemeinde einordnen sollte. Trotzdem war ich sehr glücklich. [1.Sam.23:16-18 “Da machte sich Jonathan, Sauls Sohn, auf und ging hin zu David nach Horescha und stärkte sein Vertrauen auf Gott...Und sie schlossen beide einen Bund miteinander vor dem Herrn...”] Mit Flora und Monique redete ich darüber vorerst nicht und auch später deutete ich es höchstens an. Manchen Schwestern erzählte ich, wer mein “Lieblingsbruder” sei . Regina entlockte es mir auch, meinte dann aber, daß eine andere Schwester sich sehr für ihn interessiert ; sie gab mir zu verstehen, daß ich mir besser keine großen Hoffnungen machen solle. [Das war noch zu einem sehr frühen Zeitpunkt, so daß ich ehrlich enttäuscht war.] Nachdem wir uns über unsere gegenseitige Sympathie im klaren waren, wurden mir Ratschläge erteilt, die mir nicht besonders halfen. Ich sollte mich passiv verhalten. Ich litt darunter, da dies sowieso schon meine Schwäche war. “Der Bruder leitet.” habe ich nur immer zu hören bekommen. [Um es klarzustellen, wir waren nicht offiziell befreundet.] Matthias wollte gerne eine gewisse Regelmäßigkeit in unsere Treffen bringen.Mir war das recht, da wir uns spontan ja doch nicht treffen durften. Nach einer langen Prozedur des “Rat holen`s” -Monique informierte sich bei anderen schon befreundeten Schwestern -und ich auch- wurde mir abgeraten, irgendetwas verbindliches mit ihm auszumachen. Von da an verließ ich mich mehr auf mich selber. Monique fragte nur ab und zu nach und ließ das Thema dann ruhen. In absehbarer Zeit hätte man einer engeren Beziehung sicher nicht zugestimmt. Gritta meinte dazu: “Es kann sein, daß ihr zusammenpaßt, aber die Zeit ist noch nicht gekommen..sorge dich erstmal um dein geistliches Wachstum.” Regina`s Kommentar fiel in der gleichen Weise aus. Sie schob meine Hoffnungen nur noch weiter in die Zukunft. Zudem hatte ich das Gefühl , daß da doch auch ein wenig Eifersucht mit im Spiel war.[Sie redete abfällig über Matthias. Er erzählte mir später, daß sie ihm Komplimente gemacht hatte und wohl für ihn geschwärmt hätte.] Ich habe in die Ehepraxis der Gemeinde kaum Einblick, aber ich glaube , ich könnte es nicht ertragen, wenn es mir nicht wenigstens dort möglich wäre, mich frei zu bewegen -ohne Dritten Rechenschaft geben zu müssen. Die Ehen in der Gemeinde werden als besonders krisensicher eingestuft [d.h. Es gab noch keine Scheidung zwischen Christen.] ,aber ich mutmaße auch, daß Konflikte vielleicht nicht ausgetragen werden. Sehr glücklich erscheinen manche Ehepaare nicht.
An dem Dienstag nach meinem Geburtstag rief mich dann überraschenderweise Matthias an -und zwar zu einer Zeit, wo er hätte bei der Andacht sein sollen...Er begann, mich auszufragen ; ich war etwas irritiert und mißtrauisch und nahm mir vor, mich in keiner Weise beeinflußen zu lassen , was meine Entscheidung betrifft, die Gemeinde nun endgültig verlassen zu haben - wenn ich ihn auch noch so gern hatte. Er sagte nicht direkt, was er über die Gemeinde dachte. Nur dem Trubel am 1.Mai wollte er entkommen. Es war sein Geburtstag ; da es ein Feiertag ist, organisierte die Gemeinde jedesmal einen Ausflug oder eine Sportveranstaltung. Ich wollte zu meiner Oma fahren ; ich lud ihn ein mitzukommen. Meine Oma wohnte in einer Kleinstadt südlich von Berlin . Während eines Spaziergangs unterhielten wir uns. Irgendwann wollte ich es dann genau wissen und fragte ihn konfrontativ :”Was denkst du über die Gemeinde ?” -”Du weißt es doch !” - “Du hast die Nase voll ?!” - “Ja !” Damit gab es für mich am Ende doch noch einen neuen Anfang. Matthias war fünf Jahre in der Gemeinde . Die erste Zeit war für uns nicht einfach. Ihm wurde prophezeit, daß die Beziehung nicht von Dauer sein würde . Wir bemühten und bemühen uns, ihnen das Gegenteil zu beweisen...
[Ich kannte auch Beispiele, die Dean in der Andacht als Abschreckung erwähnte, wo Paare sich von der Gemeinde getrennt hätten und bald auch voneinander. Ich finde die Vorstellung unerträglich, wenn er unsere Beziehung irgendwann als abschreckendes Beispiel darstellen würde...Vielleicht hat er es ja schon, weil wir beide weggegangen sind...] Als wir das erste Mal gemeinsam Leuten aus der Gemeinde begegnet sind [Zu diesem Zeitpunkt wußte noch niemand genau über unsere Beziehung Bescheid.] ,war es mir höchst unangenehm. Ich bin knallrot wie eine Tomate geworden, weil ich sofort wieder begann, wie sie zu denken. Die Schwestern schauten mich mit ihrem unschuldigen Lächeln an... ich habe mich sehr schlecht und schmutzig gefühlt -nur, weil ich da jemanden an der Hand hielt, den ich liebe ! [Fast hätte ich seine Hand losgelassen -aus Schuldbewußtsein.] Wir waren beide danach geknickt und brauchten eine Weile, bis wir uns wieder gefangen hatten. Einige Tage später bekam ich zufällig Flora am Telefon zu sprechen. [Ich wollte eigentlich eine andere Schwester wegen meinem Job erreichen.] Ich fragte sie, was sie über unsere Beziehung denke. Sie antwortete wie meist nicht direkt, sondern erzählte von sich und ihrer Beziehung zu Carlos. Sie könne es nicht schaffen, eine Beziehung ohne Gott zu führen...bei ihrer sündigen Natur. Flora ist eine Frau mit einem gesunden Selbstbewußtsein, nur in dem Punkt fehlt ihr Selbstvertrauen, d.h. sie ist ernsthaft überzeugt, daß sie es ohne diese Gemeinde nicht schaffen kann. Sie gab sich auch einen Teil der Schuld, daß ich weggegangen bin ; sie hätte nicht genug darauf geachtet, daß ich von allem wirklich überzeugt gewesen sei. Zum Schluß wies sie mich immer wieder darauf hin, daß Licht und Finsternis, Gott und Satan existieren und ich dies doch nicht ignorieren solle. Sie hatte mir zuletzt noch das Buch “The Lion never sleeps” geschenkt, wo die hinterlistige Art Satans anhand des Löwen im Tierreich plastisch geschildert wird.Ihre Widmung war folgende :
Berlin, 9.4.97
“Liebe Simone
- meine Bitte an Dich ist, daß wir gerade in Zeiten der Not eng zusammenstehen.
Sprü.17.17...Eine Freundin liebt zu jeder Zeit, und als Schwester für die Not wird sie geboren.
Bleibe in Gottes Gnade [Jes. 54:10], ich glaube fest, daß Du eine Frau wirst, die festgegründet ist in Gott...Ich habe Dich lieb, Deine Florentine.”
In der ersten Zeit, nachdem ich die Gemeinde verlassen hatte, wollte ich keinen Kontakt mehr mit diesen Leuten , weil mein Angst - und Schamgefühl zu groß war. Ich habe mich nochmal mit Monique getroffen . [Flora war auch da, was mich ahnen ließ, daß ich mich allein mit einem Mitglied wohl nur schwer verabreden könne.] Obwohl die beiden sehr freundlich zu mir waren, reagierte ich eingeschüchtert und äußerte dann schweren Herzens mein Anliegen, daß ich in nächster Zukunft keinen Kontakt mit der Gemeinde möchte. Ich hatte den Eindruck, daß Monique vermeinte,den Glauben bzw. das Leben in der Gemeinde und die Freundschaft trennen zu können. Mir war das zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. [Auch heute scheint mir das kaum realisierbar.] Als Grund gab ich an, daß ich meine momentanen Aggressionen nicht an ihnen auslassen wolle. In der ersten Zeit, nachdem ich die Gemeinde verließ, wollte ich meine Glaubenskrise nicht wahrhaben. Ich besuchte einige andere Gemeinden und dachte, da weiter machen zu können, wo ich aufgehört habe -geistlich gesehen. Ich mußte einsehen, daß das erstmal unmöglich war, denn ich konnte ihre Lehre nicht vergessen...
Tagebuch, 27.6.97
“Gibt es Dich da draußen in dem blau-weiß-grauem Himmel ? Wo bist Du ? Warum schweigst Du zu allem, was hier auf Erden geschieht ? Deine Stummheit macht mich krank, genau wie meine eigene. Nur ein totes Buch haben wir von Dir, dann fast 2000 Jahre NICHTS. Was hat es den Menschen gebracht in dieser langen Zeit zu GLAUBEN? Wer war denn Jesus wirklich ? Warum läßt Du mich in dieser Ungewißheit, an der ich kaputt gehe ? Nur ANGST, ALPTRÄUME, TRÄNEN. Was ist denn mit Satan? Eine Erfindung der Menschen ? Willst Du denn, das ich lebe ? Wie soll ich leben bei Deiner unerträglichen Stummheit ? Was erwartest Du von mir ? Ich brauche Dich doch ; das weißt Du...Ich finde nicht zurück...War ich jemals mit Dir ? “
Jetzt -nach über einem halben Jahr - stehe ich der ganzen Angelegenheit etwas gelassener gegenüber, wobei mir Gespräche mit Aussteigern und anderen kompetenten Leuten sehr geholfen haben. Gefühlsmäßig bin ich vor allem auch meinen Eltern dankbar, daß sie es mir nicht so sehr zu spüren gaben, es ja schon vorher gewußt zu haben ,daß ich dieses Leben nicht durchhalten würde und daß sie mir ja schon vieles von dem gesagt hätten, was ich jetzt selber erkenne. Ich finde, daß Eltern es in diesem schwierigen Augenblick der Zweifel ihren Kindern nicht noch schwerer machen sollten.( Eine Bekannte, die schon länger als ich die Gemeinde verlassen hatte, hat dies bis heute ihren Eltern, die auch sehr um sie gekämpft haben, nicht offenbart.)
Das wichtigste für mich ist , daß ich wieder Gott vertrauen kann. In der Gemeinde wurde immer betont, wie sehr Gott die Sünde haßt und Menschen dafür bestrafen kann. [ Jes.59 “Siehe des Herrn Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, so daß er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, daß ihr nicht gehört werdet...”] Ich erinnere mich an eine Aussage eines Predigers in Paris, der meinte, daß die Angst vor der Sünde nicht dazu führen dürfe, daß wir handlungsunfähig werden und meinen, daß wir der Sünde aus dem Wege gehen könnten, indem wir nichts aus eigenen Stücken tun. Gar nicht zu sündigen würde bedeuten, daß wir tot wären. Hier sehe ich auch eine Gefahr, die eigene Selbstständigkeit zu verlieren [besonders, wenn man noch sehr jung in die Gemeinde kommt ] -und auch, was die Lebendigkeit und Spontanität betrifft, geht viel davon verloren, weil man oft gebremst wird oder sich hinterher rechtfertigen muß.
Was mir nach wie vor noch Schwierigkeiten bereitet, ist der Zugang zur Bibel. Ich werde wohl nicht so schnell vergessen können, wie die Gemeinde die Bibel versteht . Wenn jemand etwas über die Bibel / Gott wissen möchte, beginne ich meist mit :”Die
Gemeinde würde jetzt sagen...” Die Lehre ist in sich recht schlüssig und man war immer bemüht, sie mit vielen praktischen Beispielen zu untermalen. Und trotzdem führt die meist wortgetreue Übernahme des biblischen Vokabulars zu einer Art Gesetzlichkeit, wobei die individuelle Freiheit des einzelnen mißachtet wird. Das Leben in seiner außerordentlichen Vielfalt wird ausgeblendet ; man grenzt sich stark von anderen Formen des Zusammenlebens ab und sieht diese nicht als gleichwertig. Ich konnte die Abwertung anderer “nur religiöser” Gemeinschaften zum Schluß kaum noch ertragen. Ein gewisses “Elitebewußtsein” hatte ich mir in der Gruppe auch zugelegt, besonders, wenn ich Menschen auf der Straße ansprach. [Regina sagte mir klar :”Du hast den Menschen Gott zu geben !”] Wie stark sich das bei einzelnen ausprägen kann, wurde mir nochmal klar, als ich nach meinem Weggang eine Frau aus der Gemeinde traf, die nach kurzem small talk zu mir meinte :”Du weißt ja , was Jesus jetzt über dich denkt...!”
Die anderthalb Jahre in der Gemeinde sind für mich eine sehr zwiespältige Zeit. Ich verspüre auch Dankbarkeit den Menschen gegenüber, welchen ich mich in der Gemeinde nahegefühlt habe ...vor allem Flora und Monique, Bianca... und natürlich Matthias. [Ich mochte auch noch andere -besonders jüngere Mitglieder.] Bei einigen tut es mir weh zu sehen, wie sie zu Marionetten werden, indem sie der Willkür anderer ausgeliefert sind .Die Zeit arbeitet gegen die eigene Persönlichkeit. Im Namen Gottes scheint alles legitimiert zu sein.
Die Erfahrungen in der Gemeinde haben mir geholfen, mir über mich selbst klarer zu werden, meine Grenzen, aber auch meine Möglichkeiten besser zu sehen.
In”Anna Karenina” von Tolstoi sagt Kitty, die mit dem Pietismus in Berührung kam :”Der Wunsch, einen besseren Menschen vorzutäuschen vor den anderen, vor mir selbst, vor Gott und alle zu betrügen. Nein, diesem Versuch werde ich nie wieder unterliegen!...Ich kann nicht anders leben, als mein Herz es mir eingibt, Sie aber und alle, die so denken wie Sie, leben nach Regeln. Ich habe Sie einfach liebgewonnen, weil Sie mir gefallen, Sie mich aber wahrscheinlich nur, um mich zu retten und zu belehren!...Sie verwarf keineswegs das, was sie hinzugelernt hatte, erkannte aber auch, daß sie sich selbst täuschte, wenn sie annahm, so sein zu können, wie sie wollte. Sie war gleichsam erwacht: es wurde ihr klar, wie ungeheuer schwer es war, sich ohne Heuchelei und Selbstüberhebung auf jener Höhe zu halten, die ihr als Ziel vorgeschwebt hatte...”
Mir ist es jetzt ein Stück weit besser möglich, mich selbst einzuschätzen, meine eigenen Chancen zu sehen und auch die Verantwortung zu erkennen und anzunehmen, die ich für andere habe.
Insgesamt habe ich beim Ausstieg viel Hilfe erfahren und damit großes Glück gehabt.
Ich weiß, daß Betroffene meist nur bei Betroffenen wirkliche Anteilnahme finden. Wenn ich die Geschichte Außenstehenden erzähle, zeigen sie oft Desinteresse oder reagieren mit Unverständnis. Die Gefahr ist groß, daß man allein damit bleibt.
Ich stehe erst am Anfang meiner Aufarbeitung . [Z.B. scheue ich noch die direkte Konfrontation mit Gemeindemitgliedern.] Meine Erfahrung soll nicht umsonst gewesen sein. Ich möchte sie deshalb weitergeben.
Was meinen Glauben betrifft, möchte ich ihn dort ausleben, wo ich mich wohlfühle , d.h. für mich in einem evangelischen Milieu. [Ich habe mir nach meinem Ausstieg andere, teilweise auch radikalere religiöse Gruppen angeschaut, womit ich mich nicht identifizieren konnte .]
Ich glaube, daß das Bibelzitat, was die Gemeinde für den Einstieg unter “Gott suchen” anwendet, für das ganze Leben gilt : Jer.29:11-14 “ Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr : Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, daß ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen...”
Anhang
Verzeichnis der aufgeführten Personen
Die Namen wurden geändert -bis auf Dean und Kim Farmer, Christian Herbst, Matthias und meinem eigenen Namen.
Bianca...studiert auch Medizin, hat(te) engen Kontakt zu Florentine, war zeitweise in meinem Bibelkreis , hat im Moment noch den gleichen Job wie ich .
Regina...Sina stellte mich ihr als erste von den Studenten vor. Sie leitete einige Studien, ist schon lange in der Gemeinde. Ihre absolute Art innerhalb der Gemeinde erregte oft meinen Widerspruch -zumindestens innerlich.
Florentine\”Flora”...meine “Jüngerschaftspartnerin für ca. 1\2 Jahr, eine warmherzige Frau mit ähnlichem familiären Hintergrund wie ich .
Sina...war meine erste Bezugsperson, eine fröhliche Schwäbin ,inzwischen verheiratet.
Dean & Kim Farmer...Leiter der Gemeinde “Jesu Christi” Berlin e.V.
Joshua...der kleine Sohn von Dean und Kim .
Gritta...meine erste Bibelkreisleiterin, führte den Campus, leitet jetzt die Frauen in der Münchener Gemeinde.
Peggy...auch Pfarrerstochter, wohnte zeitweise mit Flora zusammen .
Jonny...aus der englischen bzw. irischen Gemeinde, hielt sich in Berlin besuchsweise auf. Mit ihm hatte ich mein 1.Date .
Matthias...mein
“Lieblingsbruder”
. Er war 5 Jahre Mitglied in der Gemeinde und hat sie kurz nach mir verlassen.
Christian Herbst...leitete die Gemeinde “Jesu Christi” München e.V. zu meiner Zeit und hält sich im Moment mit seiner Familie in Berlin auf .
Toni...langjähriges Mitglied (zu meiner Zeit in München), hat zeitweise Matthias “belehrt” (zu belehren versucht hehe)
Vera...aus der Münchener Gemeinde, kümmerte sich dort viel um mich.
Charis...aus der Münchener Gemeinde .
Manuel...wurde einige Monate vor mir in die Berliner Gemeinde getauft .
Clemens...mein Bibelkreisleiter -ein offenherziger und direkter Schwabe.
Monique\”Ki-Ki”...meine 2. Jüngerschaftspartnerin, eine gefühlsbetonte jüngere Französin .
Esther...meine 2. BK-Leiterin , hatte lange in den USA gelebt, ist Künstlerin.
Pascal...Komponist und Pianist in der Berliner Gemeinde.
Bella...wohnte zeitweise in meinem Studentenwohnheim und kam öfters mit in die Gemeinde.
Sally...aus meinem Studentenwohnheim, war manchmal zu Gemeinde-Veranstaltungen.
Tino...ein Besucher, eine “Studie”.
Corinna...die Pressesprecherin der Berliner Gemeinde.
Larissa...lud mich zusammen mit einem Bruder als erste zum Gottesdienst ein. Sie wurde mit einem Missionsteam nach Zagreb geschickt.
Michaela...war mit Clemens in die Gemeinde gekommen, befreundete sich dann mit einem anderen Bruder, leitete mit ihm zeitweise die Gemeinde in Wien und hat - zurück in Berlin- die Gemeinde verlassen.
Carlos...ist der offizielle Freund von Florentine. Er kommt aus Brasilien.
Damaris...ist die kleine Tochter eines Ehepaares in der Gemeinde. Sie trägt meinen Lieblingsnamen, hat am gleichen Tag wie ich Geburtstag.
Marielle...hat vor mir die Gemeinde verlassen und mir nach dem Ausstieg besonders in der ersten Zeit beigestanden.
Die Passionsgeschichte Jesu vom medizinischen Standpunkt
Was hat der Körper Jesu tatsächlich in den Stunden der Folter ausgestanden ?
Das Kreuz besteht aus einem senkrechten Pfahl, an dem ein Querbalken (Patibulum) 60-90 cm unterhalb der Spitze befestigt ist -dies halten wir gewöhnlich für die klassische Form des Kreuzes. Jedoch zu Lebzeiten unseres Herrn war die übliche Form ein Tau- Kreuz (wie das griechische Tau oder wie unser T). Nach archäologischem Beweismaterial ist dies mit größter Wahrscheinlichkeit die Art von Kreuz, auf dem Jesus gereuzigt wurde.
Der senkrechte Pfosten war gewöhnlich fest verankert, während der Verurteilte gezwungen wurde, das Patibulum, ca. 50 Kilo schwer, vom Kerker bis zur Kreuzigungsstelle selbst zu tragen. Ohne historische oder biblische Beweise haben uns Maler aus dem Mittelalter und der Renaissance Bilder von Christus, der das ganze Kreuz trägt, gegeben. Viele dieser Maler und die meisten Kreuzesbildhauer von heute zeigen uns die Nägel durch die Handinnenfläche geschlagen. Historische Berichte und Untersuchungen aus der Römerzeit haben gezeigt, daß die Nägel nicht durch die Innenhand, sondern zwischen den Knochen des Handgelenks durchgetrieben wurden.
Die physischen Leiden Christi beginnen in Gethsemane. Von den vielen Aspekten dieses anfänglichen Leidens werde ich nur eines besprechen, das von physiologischen Interesse ist : nämlich die blutigen Schweißtropfen. Es ist bezeichnend, daß der Arzt Lukas der Einzige ist, der dies erwähnt. Er schreibt (Lk.22:44): “Als er sodann innerlich mit sich rang, betete er noch inniger. Sein Schweiß glich Blutstropfen, die auf die Erde fielen.”
Viel Anstrengung kann uns erspart werden, wenn wir medizinische Literatur zur Hilfe nehmen. Obwohl Hämatidrosis oder blutiger Schweiß sehr selten auftritt, ist der Vorgang sehr gut dokumentiert : unter sehr großem emotionalem Streß können in den Schweißdrüsen kleine Kapillaren platzen, wodurch Blut mit Schweiß vermischt wird. Allein dieser Vorgang kann eine ausgeprägte Schwäche und einen möglichen Schock bewirken.
Jetzt werden wir uns rasch durch Verrat und Gefangennahme bewegen. -Nach der nächtlichen Gefangennahme wird Jesus vor den hohen Rat und Kaiphas, dem Hohenprister, gebracht. Hier wird Jesus zum erstenmal mißhandelt. Ein Soldat schlägt ihn ins Gesicht, weil er keine Antwort auf Kaiphas Fragen gibt. Danach verbinden die Palastwachen seine Augen und fordern ihn spottend auf, sie zu identifizieren. Während sie vorbeigehen, spucken und schlagen sie ihn ins Gesicht.
Schon früh am Morgen wird Jesus geschlagen, gefoltert, durstig und erschöpft von einer schlaflosen Nacht durch Jerusalem zum Prätorium, der Burg Antonia, die der Sitz der Regierung und des Prokurators von Judäa, Pontius Pilatus ist, geführt. Hier wird aufgrund des Geschreis der Menge Barabbas von Pilatus freigegeben und Jesus zur Folter und Kreuzigung verurteilt. Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen von Sachkundigen über den Bezug von Folter als Vorspiel zur Kreuzigung. Die meisten römischen Schreiber dieser historischen Epoche sehen zwischen beidem keine Verbindung. Viele Experten meinen, daß Jesus von Pontius Pilatus erst zur Geißelung verurteilt wurde und die Todesstrafe durch Kreuzigung erst als Reaktion auf den Vorwurf der Menge, er verteidige Cäsar nicht gegen diesen Lügner, der sich als König der Juden ausgibt, verhängt wurde.
Vorbereitungen zur Kreuzigung werden getroffen. Dem Gefangenen werden seine Kleider vom Leib gerissen, und seine Hände werden an einen Pfosten über seinen Kopf gebunden. Es ist zweifelhaft, ob sich die Römer irgendwelche Mühe gegeben haben, sich an das jüdische Gesetz bezüglich der Geißelung zu halten. Die Juden hatten nämlich ein Gesetz, daß mehr als 40 Hiebe verbot. Die Pharisäer, die immer darauf achteten, daß das Gesetz bis ins kleinste Detail eingehalten wurde, bestanden darauf, daß nur 39 Hiebe gegeben wurden. Falls man falsch zählt, hat man so dennoch die Gewähr, im Gesetz zu bleiben.Der römische Soldat tritt mit dem Flagrum vor : eine kurze Peitsche aus mehreren schweren Lederriemen , an deren Ende jeweils zwei kleine Bleikugeln befestigt sind. Mit dieser schweren Peitsche wird mit voller Wucht immer wieder auf die Schultern, den Rücken und die Beine eingeschlagen. Zuerst schneiden die schweren Riemen die Haut. Dann, während die Schläge fortdauern, dringen sie tief bis in das Unterhautzellgewebe ein, was zuerst ein Herausquellen von Blut durch geplatzte Kapillaren und Venen hervorruft. Dann spritzt arterielles Blut aus den Gefäßen der darunter liegenden Muskeln. Die kleinen Bleikugeln verursachen große, tiefe Quetschungen, die durch nachfolgende Schläge aufgebrochen werden. Schließlich hängt die Haut in langen Streifen vom Rücken herab und ist nur noch eine unkenntliche Masse von zerriebenem, blutendem Gewebe. Wenn der Hauptmann feststellt, daß der Gefangene dem Tode naht, wird die Folter endlich abgebrochen.
Der fast ohnmächtige Jesus wird jetzt abgebunden und darf sich auf den steinernen Boden, vom eigenen Blut übergossen, fallenlassen. Die römischen Soldaten meinen in der Behauptung dieses bürgerlichen Juden, ein König zu sein, einen großen Witz zu entdecken. Sie werfen ein Gewand über seine Schultern und geben ihm einen Stecken als Zepter in die Hand. Sie brauchen jedoch noch eine Krone, um ihren Verwandlungsakt zu vervollständigen. So flechten sie ein kleines Bündel biegsamer dorniger Zweige (gewöhnlich als Brennholz gebraucht) zu einer Krone und drücken sie in seine Kopfhaut. Wieder fließt reichlich Blut, denn die Kopfhaut ist eines der blutreichsten Teile des Körpers. Nachdem sie ihn verspottet und ins Gesicht geschlagen haben, nehmen die Soldaten ihm den Stecken aus der Hand und schlagen ihn damit ins Gesicht, wobei die Dornen noch weiter in die Kopfhaut eindringen. Schließlich werden sie ihres sadistischen Spiels müde und reißen das Gewand von seinem Rücken. Dieses haftete jedoch schon an dem getrockneten Blut und den Säften aus den Wunden, und das Abreißen, ähnlich wie bei einer unvorsichtigen Abnahme eines Operationsverbandes, bewirkt durchdringende Schmerzen, beinahe so, als würde er zum zweiten Male ausgepeitscht werden ,und die Wunden fangen erneut an zu bluten.
In Ehrerbietung vor den jüdischen Sitten geben die Römer ihm seine Gewänder zurück. Das schwere Kreuz wird auf seine Schultern gebunden und die Prozession des verurteilten Christus, zweier Diebe und des Exekutionskommandos von römischen Soldaten, angeführt von einem Centurio, beginnt ihre kurze Reise entlang der Via Dolorosa. Trotz seiner Anstrengungen , aufrecht zu gehen, ist das Gewicht des schweren hölzernen Balkens zusammen mit dem durch hohen Blutverlust verursachten Schock zuviel für ihn. Er stolpert und fällt. Das rauhe Holz des Balkens meißelt sich in seine zerrissene Haut und in die Schultermuskulatur. Er versucht aufzustehen, aber die menschlichen Muskeln wurden über ihre Grenzen belastet. Der Centurio, ängstlich besorgt, mit der Kreuzigung vorwärts zu kommen, wählt einen handfesten nordafrikanischen Schaulustigen, Simon von Cyrene, das Kreuz weiter zu tragen. Jesus folgt, immer noch blutend und den kalten klammen Schweiß des Schocks schwitzend. Die 650 Meter lange Reise von der Festung Antonia nach Golgatha ist schließlich beendet. Der Gefangene wird wieder entkleidet, bis auf ein Lendentuch, das den Juden erlaubt ist.
Die Kreuzigung beginnt.
Jesus wird Wein mit Myrrhe, ein betäubendes Getränk , angeboten. Er weigert sich zu trinken. Simon wird angewiesen, das Kreuz auf den Boden zu legen, und Jesus wird schnell mit den Schultern auf das Holz geworfen. Der Legionär sucht die Schwachstelle an der Vorderseite der Handgelenke und treibt einen schweren, schmiedeeisernen Nagel durch das Handgelenk, tief in das Holz. Schnell geht er zur anderen Seite und wiederholt die Aktion, darauf bedacht, die Arme nicht zu straff zu ziehen, sondern etwas Bewegunsspielraum zu lassen. Das Kreuz wird nun an seinen Platz gehoben, und die Inschrift mit den Worten “Jesus von Nazareth, der König der Juden” an ihren Platz genagelt. Der linke Fuß wird jetzt rückwärts gegen den rechten gedrückt, beide Füße nach unten gestreckt und durch jede Fußkuppe ein Nagel geschlagen, so daß die Knie noch ein wenig gebeugt bleiben. Das Opfer ist jetzt gekreuzigt.
Während Jesus langsam nach unten sackt, wobei das Gewicht auf die nägeldurchschlagendenen Handgelenke verlagert wird, schießt ein feuriger Schmerz entlang den Fingern und durch die Arme, welcher im Gehirn zur Explosion kommt. Die Nägel in den Handgelenken bewirken einen hohen Druck in den medianischen Nerven. Um sich dieser andauernden Quälerei zu entziehen, stützt er sein ganzes Gewicht auf die Nägel durch seine Füße. Wieder tritt der zerrende Schmerz durch die Nägel ein, die durch die Nerven zwischen den kleinen Knochen der Füße dringen.
Zu diesem Zeitpunkt tritt ein anderes Phänomen auf : die Arme ermüden, große Wellen von Krämpfen zucken durch die Muskulatur, die sich in tiefem, unbarmherzig pochendem Schmerz verhärtet. Diese Krämpfe bewirken zusätzlich, daß er sich nicht mehr nach oben drücken kann. An den Armen hängend erstarrt die Brustmuskulatur und die innere Organmuskulatur wird funktionsuntüchtig. Luft kann jetzt eingeatmet, jedoch nicht mehr ausgeatmet werden. Jesus versucht krampfhaft, sich hochzudrücken, um wenigstens noch einmal Luft schnappen zu können. Schließlich staut sich Kohlendioxid in der Lunge und in den Blutadern. Die Krämpfe lassen etwas nach, so daß er sich spasmatisch etwas hochdrücken kann, um auszuatmen und lebensspendende Luft zu sich zu nehmen. Ohne Zweifel sprach er in dieser Zeit seine sieben kurzen Sätze, die niedergeschrieben worden sind.
Den ersten, während er auf die römischen Soldaten hinabsieht, die um seinen nahtlosen Rock das Los werfen:”Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun .” Den zweiten zu dem reuigen Dieb:”Heute noch sollst du mit mir im Paradiese sein.” Den dritten, während er auf den entsetzten, leidenden jungen Johannes, den geliebten Apostel, blickt:”Siehe, das ist deine Mutter.”, und auf Maria blickend, sagt er:”Frau, siehe, das ist dein Sohn.” Der vierte Ausruf ist ein Zitat aus dem 22.Psalm:”Mein Gott, mein Gott , warum hast du mich verlassen?”
Stunden grenzenloser Schmerzen folgen, Zyklen des sich Windens, Glieder zerreißender Krämpfe, unterbrochener Erstickungsanfälle, brennender Schmerzen, wenn Gewebe von seinem wunden Rücken abgescheuert wird, während er sich auf und ab bewegt und an dem rauhen Balken scheuert. Dann beginnt ein zweiter Todeskampf. Ein tiefer, stechender Schmerz in der Brust, als das Pericardium (Herzbeutel) sich langsam mit Serum füllt und das Herz einzudrücken beginnt. Laßt uns jetzt an den 22.Psalm, Vers 15 denken:”Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst, mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.”
Es ist nun fast vorbei. Der Verlust der Gewebeflüssigkeit hat einen kritischen Stand erreicht. Das zusammengedrückte Herz kämpft, um schweres, dickes, träges Blut in das Gewebe zu pumpen. Die gequälten Lungen machen einen verzweifelten Versuch, keuchend etwas Luft zu schnappen. Das auffallend trockene Gewebe schickt eine Flut von Reizen an das Gehirn. Jesus keucht seinen fünften Ausruf:”Ich dürste!”
Erinnern wir uns an einen anderen Vers aus dem prophetischen 22.Psalm:”Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen und du legst mich in des Todes Staub.”
Auf einem Stab wird ihm ein Schwamm gereicht, der in Essig (Pesca) getaucht ist, einen billigen, sauren Wein, das übliche Getränk der römischen Legionäre. Er nimmt scheinbar nichts von der Flüssigkeit. Jesus`Körper befindet sich nun in einem extremen Zustand, und er kann die Kälte des Todes spüren, die durch seine Glieder kriecht. Diese Erkenntnis führt zu seinem sechsten Ausruf. Worte-möglicherweise ein wenig mehr, als ein gequältes Flüstern:”Es ist vollbracht.”
Sein Erlösungswerk der Wiedergutmachung ist vollendet. Jetzt kann er seinem Körper erlauben zu sterben. Mit einem letzten Kraftstoß preßt er seine gemarterten Füße noch einmal gegen den Nagel, streckt seine Beine, nimmt dann etwas tiefer Luft und stößt seinen siebenten und letzten Schrei aus:”Vater, in deine Hand befehle ich meinen Geist.”
Den Rest weißt du. Um den Sabbat nicht zu brechen, baten die Juden, daß man den Verurteilten ein Ende mache, um sie vom Kreuz abnehmen zu können. Die gebräuchliche Methode, die Kreuzigung zu beenden, war der Schenkelbruch, das Brechen der Beine. Dadurch konnte sich der Gekreuzigte nicht mehr aufstützen. Die Anspannung der Muskeln des Brustkorbes konnte nicht mehr erleichtert werden, und ein schnelles Ersticken war die Folge.
Sie brachen den beiden Verbrechern die Beine, aber als sie zu Jesus kamen, sahen sie, daß es schon unnötig war. Anschließend wollte der Legionär sich des Todes Jesu ganz sicher sein , und so stieß er seine Lanze durch den fünften Zwischenraum zwischen den Rippen aufwärts durch das Pericardium (Herzbeutel) in das Herz. Im Vers 34 des 19.Kapitels des Johannes-Evangeliums wird berichtet:”Sogleich kamen Blut und Wasser heraus.” Es trat eine wäßrige Flüssigkeit aus dem Herzbeutel und Blut aus dem Herzinnern aus. So haben wir nach seinem Tode sehr große Klarheit darüber, daß unser Herr nicht eines normalen Kreuzigungstodes durch Ersticken starb, sondern durch Herzversagen infolge von Schock und Einengung des Herzens durch die Flüssigkeit im Pericardium.
Hiermit zeigt sich ein kleiner Teil der langen Liste von Brutalitäten, welche Menschen imstande sind, Menschen - ja Gott- anzutun. Dies ist kein angenehmer Gedanke und er macht uns mutlos und bedrückt. Wie dankbar können wir sein, daß wir eine Verheißung haben.
Eine schwache Spur der unendlichen Gnade Gottes gegenüber dem Menschen- das Wunder der Wiedergutmachung und die Aussicht auf seine Auferstehung.
(Quelle:”Die Kreuzigung Jesu” von C. Trumen Davis, M.D.,M.S. ; übersetzt und gekürzt ;
1965 in “Arizona Medicine” erschienen)
Abenteuer Sprache
Vorbemerkung:
Dieser Artikel soll dazu dienen, unsere Ausdrucksweise für unsere Mitmenschen verständlicher und weniger befremdlich zu gestalten. Das Verändern von Sprachgewohnheiten zählt nicht gerade zu den leichtesten aller Vorhaben. Besonders in Situationen, in denen unsere Aufmerksamkeit von anderen Dingen beansprucht wird, wie z.B. beim Sprechen vor Gruppen, ist es sehr schwer, nebenbei noch auf die Ausdrucksweise zu achten. Deshalb müssen wir uns in unseren täglichen Unterhaltungen bemühen, wieder so zu sprechen wie andere, Abwechslung in unsere Wortwahl zu bringen und den Regeln der deutschen Grammatik wieder Folge zu leisten. Im wesentlichen ist dies eine Frage der Disziplin und der Selbstbeherrschung. Was Gott von denen hält, die ihre Zunge nicht in den Griff bekommen, läßt sich übrigens in Jak.3 nachlesen. Der Autor hält sich nicht für besser als andere, sondern möchte auf hoffentlich unterhaltsame Weise dazu beitragen, unnötige schlechte Eindrücke von uns abzuwenden.
Die fett gedruckten Ausdrücke sind teils grammatisch falsch, teils im Deutschen unüblich und für Außenstehende schwer bis gar nicht verständlich und teils wegen der Häufigkeit ihres Gebrauchs befremdlich. Für letztere Kategorie (Ausdrücke wie “toll”) müssen wie uns mehrere Alternativen zurechtlegen.
Doch nun kommen wir zur Sache:
Kürzlich war ich in einer europäischen Großstadt und besuchte, vom Hunger getrieben, ein
Fastfood-Restaurant einer wohlbekannten Kette, deren Name hier keine Rolle spielt. Plötzlich kam ein
junger Mann auf die zwei Leute am Nebentisch zu, und ich wurde Zeuge des folgenden Gesprächs:
“Hey,...
nicht etwa Hi.
......was macht ihr denn hier ?”
“Wir waren Einkaufen und machen jetzt `ne Pause. Setz dich, wir wollen gerade beten. “
Der junge Mann setzte sich. Dann faßten sich alle drei an den Händen und der junge Mann betete:
“Laßt uns schnell beten. Himmlischer Vater Gott! Es ist soo phantastisch, Gott Vater, mitten in der Stadt Christen zu treffen, Vater Gott! Danke , Gott, daß wir jetzt Zeit zusammen haben können, Vater Gott und danke so sehr, Gott Vater, daß du immer für unsere Bedürfnisse sorgst, Gott Vater. Vater Gott, danke so sehr für das Essen, Vater Gott ; wir lieben dich und beten alles in Jesu Namen. Amään. “
Alle:”GUTEN APPETIT:”
Während ich darüber staunte, daß jemand öffentlich so betete und dabei in vielleicht zwölf Sekunden
Gott neun mal anredete, packte eine der Frauen ihr Essen aus.
“Wow, was hast du denn da?”
“Das ist ein Jam-Jam-Deluxe-Menue.”
“Cool, echt total gut...Oh, ich muß einfach eine einfach total ermutigende Geschichte mit euch mitteilen. Gott war wieder mal voll dabei! Echt total so Äimän.”
Die beiden anderen sahen ihn gespannt an. “Äimän.”
Was wohl dieses Äimän bedeutet? Ein Mann? Hmm. Und komisch, sie verstärken jedes Eigenschaftswort ;
nichts ist gut oder schön, sondern total gut, echt gut, wirklich gut, voll gut...Und außerdem sprechen sie
allesamt gehörig schnell, besonders beim Beten.
“Also, wir waren gestern einfach mal mit unserem Kreis evangelisieren. Ich bin mit Anja losgezogen. Wir hatten echt so zu kämpfen, weil einfach alle Leute einfach völlig negativ waren. Ich hatte schon `ne tierisch schlechte Einstellung. Aber ich war auch negativ, als ich in Zürich getroffen worden bin.”
Er ist getroffen worden? Hat in Zürich jemand auf ihn geschossen? Was könnte er wohl damit meinen,
daß er negativ war? Schlecht drauf, abweisend oder ...?
“Habt ihr `ne Nummer bekommen ?”
“Nee, wir hatten ein paar gute Gespräche, und eine Frau hat eine Karte genommen, aber sonst war keiner wirklich offen. Aber dann kam ich nach Hause, und da war eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter von einem Typen, (Die anderen: ”Wahnsinn!”)den ich schon mal vor einem halben Jahr eingeladen hatte. Und jetzt sagt er, sucht er eine Gemeinde, und wo wir Sonntag unseren Gottesdienst haben...Ich war echt soo ermutigt. Es geschieht echt alles nur aus Gottes Gnade. Gott hat echt total gearbeitet.”
Allgemeines Kopfnicken: ”Äimän. Cool.”
Echt , total, einfach, wirklich, cool, total, toll, Äimän. Das sind ihre Lieblingsworte. Kommen in jedem Satz
vor. Leute mit Prinzip, keine Frage.
“Sagt mal, wie war denn gestern eure Studi-Andacht?”
“Ach, die war echt genial. Zuerst haben wir gute Nachricht mitgeteilt, und dann hat Stephan total super über Studentsein gepredigt. Die Stellen waren echt total heftig. War aber echt tief. Dann haben wir uns in die Unigruppen aufgeteilt und jeder hat ganz kräftig gebetet für das neue Semester.”
“Super!”
“Ja, wir wollen diesmal wirklich einen Unterschied machen an der Uni. Du hast es echt voll gemerkt, daß die Leiter bei John total viel Rat geholt haben. Ich war echt voll begeistert.”
“Aah! Ist das echt schon 17 Uhr 30?”
“Ja.”
“Uh, ich muß los! Ich hab in `ner Viertelstunde Jüngerschaftszeit am Adenauer Platz!”
Stand auf, verabschiedete sich und ging.
“Boah, mein Jüngerschaftspartner hat mich total herausgefordert, ich hatte so ein hartes Herz. Habe ich echt nicht gesehen, und wie geht`s dir?”
“Den ganzen Tag total emotional gewesen, `n bißchen Nacharbeit gemacht, waren aber nicht offen. Danach war ich einfach total fertig. Ich muß bessere Kraftzeiten machen, sonst kann Gott mich auch nicht segnen. Ich verlier einfach zu schnell den Focus für meinen Zweck.”
“Ja, stimmt total. Wahnsinn! Is`echt total kraß. Hab auch gestern beim Einladen einen eingeladen, der war so was von stolz. Das ist echt die Welt. Das war aber echt mein Bedürfnis, einfach zu sehen, einfach wie verloren die Welt ist und wie viele Bedürfnisse es einfach gibt. Und weißt du, einfach zu sehen, einfach wie Gott arbeitet, das ist einfach so toll. “
“Einfach zu sehen” scheint auch so ein Spezial ausdruck zu sein ; auf jeden Fall scheint ihr Leben recht
einfach zu sein, zumindestens benutzen sie das Wort bis zu dreimal pro Satz.
“Amän. Toll. Hatte gestern auch `ne tolle Zeit. Was wir gemacht haben, war einfach mit Eva `ne super Zeit zu haben, mit der studieren wir gerade -wir haben endlich mal wieder Studien. Einfach locker Zeit verbracht. Das war einfach gut, auch einfach ihre Überzeugungen zu sehen und eigene Überzeugungen zu bauen über Rat holen. Ich bin echt so unabhängig und muß so viel mehr Rat holen.”
“Weißt du schon, daß sich Steffi und Ralf befreundet haben?”
“Nee, echt ?”
“Ja, sie hatten ein Date am Samstag, Steffi war total emotional, sie ist echt klasse. Die hat mich einmal über meine Offenheit herausgefordert. Ich brauch das total, weil Sünde ist einfach so blöd.”
“Stimmt total.”
Hauptsätze, die mit “weil” beginnen ; so anstelle von also, ist reichlich englisch, dieses Deutsch
“Und einfach zu sehen, einfach nur, einfach wie Gott arbeitet, einfach damit wir umkehren, das ist soo der Wahnsinn, das ist echt total bewegend. Und an was arbeitest du gerade ?”
Fleißige Leute, sie arbeiten, Gott arbeitet...
“Ich war früher so total undiszipliniert, so ich muß meinen Charakter ändern, weil, das geht echt nich`so weiter. Bin in der Welt schon immer so rumgeeiert, so ich habe einfach nur geerntet, was ich gesät habe. Es nervt mich auch, weil ich fühle mich auch nicht geliebt, wenn mein Mitbewohner alles rumliegen läßt.”
“Mit wem wohnst du gerade ?”
“Rudolf. Total heißer Typ. Ist genau, was ich brauche. Echt voll von Gott. Wir sind echt beste Freunde.”
“Der hatte übrigens gestern Geburtstag, haben Sharing gemacht, war echt `ne total tolle Zeit. “
Diese Jugend von heute! Füllt ihren Tag mit Dingen, unter denen ich mir gar nichts vorstellen kann:
Sharing, Date, huggen, Jüngerschaftszeit, Evangelisieren, Nacharbeit, Studien machen - ob das
Wissenschaftler sind?
Während ich meinen Blick schweifen ließ, entdecke ich in einigen Metern Entfernung ein süßes dreijähriges
Mädchen, das aus seinen vor Staunen großen Augen seinem Vater beim Essen zuschaute. Mit seiner
drolligen Plapperstimme erklärte es gerade, wie und wo es auch schon mal Pommes gegessen hatte...
“Hey. Jörg, das ist ja echt total cool, daß du hier bist !!”
.....riß es mich lautstark aus meinem verträumten Zuschauen heraus.
“Äimään! Ja gerade ist `ne Studie nicht gekommen, ich hab`s echt vergeigt, sicher zu machen , daß er kommt, aber Gott ist in Kontrolle. “
Studie ist nicht gekommen? Ein wandelndes Forschungsprojekt? Mal sehen, was sein Kumpane sagt.
“Bummer . Baby,...”
Hä? Bahnhof?
“...da mußt du halt an seinem Charakter arbeiten. Weißte, John war schon richtig: Man muß halt on the edge leben. Was ich mache ist, ich schreib alles in meinem Daytimer auf, weil sonst ich vergesse einfach, daß Leute nicht kommen. Aber aimän. Danke übrigens so sehr für, wie du mich immer ermutigst. Ist echt ermutigend. Du bist wirklich `n super Freund zu mir. Ich schätze echt die Zeiten mit dir, die sind immer echt besonders. Du triffst immer mein Bedürfnis. Und das ist genau, was ich brauche. Weißt du, es hilft mir echt durchzukämpfen, wenn ich sehe, einfach wie du einen Unterschied machen willst. Das macht so`n Unterschied. Du machst da echt `n super Job.”
Kuriose Ausdrucksweisen:”Was ich mache ist, ich schreibe alles...” statt einfach zu sagen “Ich schreibe
alles...” oder auch “ein Freund zu mir” anstelle von “mir ein Freund geworden” oder “ein Freund für mich
geworden”, “Über Studentsein gepredigt” , nicht etwa “darüber, was es heißt, ein guter Student zu sein”
“Wow, ämän. Ich find dich auch total super. Du bist echt einer der besten Freunde, die es gibt. So was gibt`s in der Welt echt nicht. Ich fühl mich immer richtig geliebt, wenn du mir `n Hug gibst, das sind einfach die besten Hugs. Oder gestern, ich war spät und hab`deshalb tierisch gekämpft, echt total rumgestruggelt,
und du hast mir einfach schnell mal `nen richtigen Hug gegeben.”
`n Hug ? Was ist das ? Scheint sich um etwas Nützliches zu handeln.
Ein anderer schaltete sich ein :
“Stimmt, find ich auch. Mir hilft das auch immer, wenn ich nur irgendwo reinkomme und gehuggt werde, das ist echt speziell . Ich hab übrigens echt Vision für dich, daß du mal im Staff sein wirst. Du kannst da so`n Einfluß haben. Du bist immer im Leben von anderen involviert, arbeitest immer an deinem Charakter und du hast echt total viel Selbstkontrolle. Ich überhaupt nicht. Was ich z.B. gemacht habe, war immer zu glauben, daß ich`s vergeigt habe, daß Leute mich nicht lieben werden, daß man in Deutsch nicht richtig predigen kann, daß man Schwestern, die man mag, keine Umarmungen geben darf und ich war überhaupt nicht richtig. Ich brauch einfach nur mehr Selbstkontrolle und muß überhaupt nicht zuhören, was Satan mir sagt! Und ich hab da `ne Entscheidung getroffen, ich will da echt wachsen!”
“Nur zu, gimmie Feif!”
Der eine streckte seine Hand aus, der andere schlug drauf. Ein Dritter :
“Äimän, predige es. Wir sind dabei! Ich bin auch total inspiriert, mehr zu imitieren und in die Leiterschaft zu kommen. John hat in Paris `ne Predigt gegeben, die mich total bewegt hat und ich hab total viel gesehen, mein Herz ist total rausgekommen. Brauche nur immer `ne Gebereinstellung zu haben, egal, ob ich gerade in `ner Studie bin oder wir Familienzeit machen, wenn ich mit jemandem bin, der mit mir wohnt und auch wenn ich mit `nem Besucher bin. Besonders, wenn ich jetzt wieder `n Kreis leite.”
“Du wirst dahin kommen. Auf jeden Fall. Du wirst das total super machen. Gott wird dabei sein. Mußt halt einfach zu den anderen ein Freund sein, durchkämpfen, wenn du stolz oder emotional bist, andere speziell behandeln, nach den Bedürfnissen suchen, begeischtert sein.”
Jemand unterbrach die anderen mit demonstrativem Blick auf die Uhr :
“Jungs, laßt uns die Strasse schlagen. Is`schon ziemlich spät.”
“Oh ja, laßt uns das machen. War super, euch zu sehen.”
Sie strahlten einander an, umarmten sich, hielten sich gegenseitig die Hände hin, so daß die anderen draufschlagen konnten und zogen unter vielen “Aimän”s ihrer Wege.
Schade, daß sie schon weg sind. Zum einen waren sie nett und fröhlich, zum anderen hätte ich doch zu
gern gefragt, warum sie
-”Zeiten machen” :Kraftzeiten, Familienzeiten, Zeiten verbringen
-Sätze verdrehen : Sonst ich vergesse ; ..., weil ich habe...
-das Wort “sich” verabscheuen : Rat holen, durchkämpfen etc. ohne sich. Vielleicht ist es gegen ihre
Religion oder irgendwie anstößig.
-das Wort “zusammen” weglassen :Ich bin mit jemand, ich wohne mit jemand...
Ich glaube, ich weiß es : Die ganzen überflüssigen “echt einfach total”- Ausdrücke machen ihre Sätze so
lang, daß sie etwas anderes auslassen müssen. Sicher bin ich allerdings nicht. Eines Tages werden sie
mich vielleicht einladen, um mir zu erklären, was all das heißt.
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