Am Kap der guten Hoffnung

    Nachdem ich mich nun, wie ich meine, ausreichend über die Geschichte der Apartheid informiert habe, komme ich bei der Beantwortung der Frage, wem dieses Land eigentlich gehört, zu folgender Antwort: Die Schwarzen berufen sich bekanntlich auf ihre Bevölkerungsmehrheit und leiten daraus ihre Rechtsansprüche ab. Die Weißen sind folgedessen in der Minderzahl und haben Angst, daß ihrer bisherigen Vorherrschaft, die besonders ausgeprägt auf wirtschaftlichem Gebiet war, ein durch eine Quotenregelung bedingtes jähes Ende bereitet wird.
    Historisch gesehen, glaube ich, sind folgende Tatsachen nachweisbar und auch belegt. Die Portugiesen, die als erste Europäer dieses Land entdeckten, berichteten zwar von hier lebenden Menschen schwarzer Hautfarbe, jedoch steht heute zweifelsfrei fest, daß es sich dabei um die Ureinwohner, Buschmänner und Hottentotten, gehandelt hat, die heutigentags weitgehend verdrängt, ausgerottet oder durch Vermischung in der Bevölkerung aufgegangen sind. Weder Buschmänner noch Hottentotten sind ihre Rassenzugehörigkeit nach Negride, wenngleich ihre bronzefarbene Haut dunkel erscheint. Südafrika, zumindest die Bereiche nördlich des Limpopo, ist und war in der Vergangenheit niemals ein Gebiet von Schwarzen gewesen. Folglich kann jenes Argument, es sei ihr Land, das seitens der Schwarzen häufig angeführt wird, kaum geltend gemacht werden. Richtig ist vielmehr, daß weite Bereiche der Kapprovinz bei Ankunft der Niederländer menschenleer waren. Die schwarze Bevölkerung, worunter man im engeren Sinne die Angehörigen der Bantuvölker versteht, also vornehmlich die Zulu und Zhosa, sind etwa zeitgleich mit der Besiedlung durch die Weißen von Norden her in das heutige Südafrika eingewandert. Auch sie betraten kein Gebiet, das leer war, sondern verdrängten die dort ansässigen Ureinwohner in Richtung Südwesten, d.h. in das heutige Namibia. Somit muß die These des einseitigen Landraubes durch die Weißen ins Reich der Fabel verwiesen werden. Als beide Völker aufeinandertrafen, kam es nicht sogleich zu kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern es wurde versucht, sich mit dem jeweiligen Stammeshäuptling gütlich zu einigen und ein Bleiberecht zu sichern. Die heimtückische Ermordung einer Verhandlungsdelegation der Buren führte dann zur entscheidenden Schlacht am Blood River, womit nach allgemein geltendem Kriegsrecht der Besitz des Landes den Weißen als den Stärkeren zufiel.
    Sicher wurden dann im Lauf der Jahre Sklaven nach Südafrika gebracht und zur Arbeit auf den Plantagen und Farmen der Weißen gezwungen, jedoch waren es wiederum keine Einheimischen, denen dieses Schicksal bereitet wurde, sondern es waren Schwarze aus Madagaskar und Westafrika oder Malaien. Was blieb den Weißen mit ihren riesigen Farmen anderes übrig, als sich Arbeitskräfte zu sichern? Und schließlich wurden diese ja von den Farmern versorgt und durchgefüttert. Man kann aber jemanden nur schlecht ernähren, wenn man ihm als Gegenleistung nicht Arbeit abverlangt. So gesehen ging es vielen Schwarzen auch gar nicht schlecht, denn wer gut arbeitete, hatte sein Auskommen, freilich um den Preis der persönlichen Freiheit. Man darf darüber auch eines nicht vergessen: Die gesamten Errungenschaften der westlichen Zivilisation verdanken die Schwarzen Südafrikas vollständig den Weißen. Dazu gehört nicht nur die medizinische Versorgung, die überlebenswichtig ist, nein, sie waren nicht einmal zum Militärdienst gezwungen, brauchten also keinen Existenzkampf führen, denn all das übernahmen für sie die Weißen. Die Schwarzen aber zeigten sich undankbar und wollten den gleichen Status erreichen wie ihre weißen Herren. Daß dies ein irrationaler Wunsch war, leuchtet mehr als ein, denn wer hätte weiterhin auf den Farmen mithelfen sollen? Es wäre unvorstellbar gewesen, wenn Weiße ihrer Farmarbeit nachgingen und die Schwarzen sich zu Anwälten, Beamten und Lehrern aufgeschwungen hätten.
    Als nach dem großen Bruderkrieg zwischen Buren und Briten Schwarze als Minenarbeiter eingesetzt wurden, war ihr Proletariat vorprogrammiert, denn die Claims haben die Weißen als diejenigen, denen das Land gehörte, unter sich abgesteckt. Letztendlich ist es die alleinige Schuld der Briten, daß Weiße und Schwarze überhaupt aneinandergerieten, wollten die Buren doch die britische Vorherrschaft, insbesondere ihre andere Auffassung von Sklaverei, nicht unwidersprochen hinnehmen. Wohin auch hätten die Buren ausweichen sollen auf ihrem Rückzug vor den Briten? Hätten sie gar nach Europa zurückkehren sollen, um Briten und Schwarzen das Land kampflos zu überlassen? Ich denke, daß Besitzansprüche am ehesten anmelden kann, wer als erster ins Land kam, und das waren zweifellos die Niederländer, denn die Portugiesen haben am Kap keine festen Niederlassungen gegründet.