Die Graugans
Graugänse, (Anser anser) ist kein Neozoon in Deutschland. Sie sind neben den Schwanengänsen (Anser cygnoides),
auf die vor allem asiatische Hausgänse zurückgehen, die wilden Vorfahren der domestizierten Hausgänse.
Aussehen. Merkmale und Ruf:
Die Graugans ist heller als die anderen grauen Gänse, sie erreicht eine Länge von 75 bis 90 cm, eine Flügelspannweite
von 147 bis 180 cm und ein Gewicht von 2,5 bis 4 kg.Mit hellgrauem Gefieder fast ohne Brauneinmischung. Der Hals
wirkt relativ dick und durch die streifige Anordnung der Federn leicht längsgestreift. Die Vorderflügel sind
auffällig hell und der Bauch hat mehr oder minder stark ausgeprägte schwarze Flecken.
Die östlichen Populationen haben einen rosafarbenen Schnabel und etwas helleres Gefieder als die Graugänse
Nord- und Mitteleuropas, die einen orangefarbenen bis gelben Schnabel mit weißem Nagel besitzen. Füße je
nach Herkunft fleischfarben bis rosa, bei Jungvögeln graubraun.
Nach dem 2.Weltkrieg wurden dann wieder in etlichen Regionen Graugänse angesiedelt. Dabei waren zum Teil
auch Unterarten beteiligt, die ursprünglich nicht vorkamen. Diese werden Paraneozoen genannt. Bekanntester
Laut ist das von Hausgänsen bekannte" ga-ga-ga". Die Stimme ist nasal "ong....ong" oder volltönend und
trompetend jedoch verfügt die Graugans über mehr als ein Dutzend verschiedener Lautäußerungen.
: Graugänse können bis zu 17 Jahre alt werden.
Nahrung:
Die Nahrung der Graugänse besteht aus diversen Gräsern, Kräutern, Samen und Beeren sowie aus Wasserpflanzen,
jungen Trieben, Wurzeln, Zwiebeln und Knollen (z. B. liegengebliebene Kartoffeln und Rüben). Graugänse leben
von Pflanzen, sowohl Land- wie auch Wasserpflanzen, dabei hauptsächlich von kurzen Gräsern und Kräutern, sowie
Stauden, und Wurzeln. Für die Ernährung ist es wichtig, dass die Gebiete, in denen Graugänse Nahrung suchen,
niedrig bewachsen sind, um so ihr Sicherheitsbedürfnis zu erfüllen, aber auch weil sie sich nur von kurzem
Gras und Kräutern ernähren können. Dafür sind natürliche Weidesysteme mit großen Pflanzenfressern (Pferde,
Kühe und Schafe) ideal.
Lebensraum
Der Lebensraum der verschiedenen Graugans-Unterarten erstreckt sich von Island bis nach Westsibirien, von
Portugal und Nordafrika bis in den Iran und nach Afghanistan. Die Verbreitungslücken in Europa hat der Mensch
verschuldet. In Mitteleuropa brüten die Graugänse an ruhigen, einsamen Seen mit breitem Schilfgürtel und
angrenzenden Wiesen und Äckern, Altwässer und vegetationsreiche Moore.
Wanderung:
Während des Zuges (im September und Oktober) ist die Graugans in ganz Europa anzutreffen und im
Winterquartier sind sie ziemlich anpassungsfähig an recht unterschiedliche Lebensräume. Die mitteleuropäischen
Gänse ziehen über Frankreich hinweg nach Spanien, etwa in das Mündungsgebiet des Guadalquivir, während die
nordischen Graugänse, vor allem die isländischen, auf den Britischen Inseln und rund um die Nordsee überwintern. Die Wanderungsrouten der Graugans sind nicht genetisch fixiert, sondern werden in den verschiedenen Teilpopulationen tradiert. Eltern vererben Zugwege und Rastplätze an ihre Jungen. Neben dem Zug in die Überwinterungsquartiere gibt es einen so genannten Mauserzug der nicht-brütenden Tiere zu bestimmten Mauserplätzen. Begünstigt durch eine intensivierte Landwirtschaft, die auch im Winter genügend Nahrung auf abgeerntete oder neu eingesäten Feldern bietet, der geringere Jagddruck als in Südeuropa sowie eventuell den Klimawandel ,werden viele Graugänse zu Standvögel.Wenn sie auf ihrem Zug sind, bilden sie eine charakteristische V-Formation.
Lebensweise:
Für gewöhnlich zeigen sie eine große Partnertreue, verpaaren sich jedoch bei Verlust des Partners neu.Die
jungen Paare finden sich in ihrem ersten Winter, leben dann aber noch einen oder zwei Sommer als Verlobte
zusammen, ehe sie zum ersten Mal brüten. Im Alter verwitwete Gänse finden oft keinen neuen Partner mehr.
Die Partnersuche besteht in vorsichtiger, aber beharrlicher Annäherung und viel gemeinsamen Geschnatter.
Die Ehe gilt als geschlossen, wenn beide Partner im Chor
schreien. Auch später lassen sie selten eine Gelegenheit aus, um
gemeinsam zu schreien. Ihr Duett wird als Triumphgeschrei bezeichnet. Man kann es auch von Hausgänsen
hören. Daneben teilen die Gänse durch eine ganze Reihe von Kontaktrufen ihre Stimmung den Partnern mit.
Die Ankunft in den Brutgebieten erfolgt Mitte Februar, bei kalter Witterung erst Mitte März. Hier schließt
sich eine rege Balzzeit an. Während der Brutzeit aber suchen sie ruhige Moorlandschaften, Sümpfe und einsame
Wiesen auf, die mit Schilf und Binsen bewachsen sind und dadurch gute Deckung bieten. Binnenseen, Flüsse oder
ruhige Küstenlandschaften müssen in erreichbarer Nähe liegen. Die Nester stehen fast durchweg an schwer
zugänglichen Stellen auf Kaupen, im Schilf oder Röhricht. Das Weibchen bricht dazu das Schilf der Umgebung
nieder und errichtet einen Haufen von Halmen. Oft werden die umfangreichen Bauten der vergangenen Jahre benutzt.
Die Nester können einzeln, aber auch in lockeren Kolonien beisammen liegen. Während die Gans brütet, wacht
der Ganter - in genügender Entfernung vom Nest, um es nicht zu verraten. Naht ein Feind, dem sich beide
gewachsen fühlen, so verteidigen sie ihre Brut mit Zischen, Beißen und Flügelschlagen. Während der Brutzeit
sind die Paare in der Regel territorial, im restlichen Jahreslauf und besonders auf dem Zug sind Gänse
jedoch gesellig.
Während der Brutzeit füllt sich das Nest mit Dunen, verlässt das Weibchen zu den Fress-, Putz- und Badepausen
sein Nest, so deckt es die Eier damit zu. Der Legebeginn schwankt mit den Witterungsverhältnissen zwischen
Mitte März und Ende April, meist liegt er um die März - April - Wende. Das Vollgelege besteht aus 4 -9
bisweilen aus 12 glanzlosen, weißen Eiern. Brutbeginn nach Ablage des letzten Eies. Die Bebrütung dauert
28 - 29 Tage. Die frisch geschlüpften Gössel bleiben etwa 24 Stunden im Nest. Die Jungen lernen in den
ersten 12 Stunden ihres Lebens das Bild ihrer Eltern kennen und folgen von da an nur ihnen. Dieses Lernen
in einer kurzen "offenen" Zeit heißt Prägung. Von beiden Eltern betreut, werden sie auf angrenzendes
Weide - und Wiesenland
geführt und erlangen nach 50 - 60 Tagen um Mitte August ihre Flugfähigkeit. Die Schwingenmauser der Elterntiere
liegt so, dass sie etwas später als die Jungtiere wieder flugfähig werden, was das langsame Erlernen schwieriger
Flugmanöver der Jungtiere, die ihren Eltern folgen, erleichtert. Die Altgänse beginnen im Juli mit der
Schwingenmauser. Die Geschlechtsreife der Junggänse tritt nach vollendetem 2.Lebensjahr ein, die Sexualität
äußert sich aber schon nach etwa 18 Monaten und führt zunächst zur Verlobung.
Die Familien bleiben auch nach dem Flüggewerden der Jungvögel beieinander. Gegen Ende ihres ersten Winters
beginnen die Jungvögel dann eigene Wege zu gehen. Abgesehen von Paarungs- und Brutzeit leben Graugänse in
großen Schwärmen.
Graugänse vermögen sich hauptsächlich am Ruf individuell zu erkennen. Auf großen Rastplätzen herrscht oft
die ganze Nacht ein reges Rufen und Treiben, das dem Wiederfinden von Familienmitgliedern dient.
Das Sozialverhalten ist bei Graugänsen recht weit entwickelt, da sie ja im Familienverband leben, bis zu
Beginn der neuen Brutzeit die einjährigen Vögel von ihren Eltern verjagt werden. Mehrere Familien finden
sich zu größeren Verbänden zusammen, die aber nur aus Graugänsen bestehen (andere Arten der Gattung Anser
bilden oft gemischte Trupps).