im Schlosspark "Wolfsgarten"

in zweieinhalbstündiger Besuch im  Schlosspark Wolfsgarten  anlässlich der Rhododendrenblüte wurde auch 2008 vom Heimat- und Museumsverein Nauheim angeboten. 30 Besucher ließen es sich nicht nehmen, sich um Vorstandsmitglied Hans Joachim Brugger zu versammeln, um der Blütenpracht zu huldigen. Die Radtour durch den Nauheimer Unterwald, den Staatsforst und den Nauheimer Oberwald wurde problemlos bewältigt.


Die Teilnehmer vor der Freitreppe zum Herrenbau

ach kurzen Erläuterungen zu Schloss, Gartenanlagen, Prinzessinnenhäuschen (leider in Dachrenovierung und nicht zugänglich) und den Rhododendrengewächsen konnten die Besucher sich im Park vergnügen. An ein Jubiläum konnte angeknüpft werden: Der Architekt des nunmehr 100 Jahre alten Hochzeitsturms in Darmstadt, Professor Josef Maria Olbricht, war auch der Architekt des einmaligen Spielhauses für die Prinzessin Elisabeth (1895-1903).
 


Fachmännische Begutachtung der Rhododendren


Von Großherzog Ernst Ludwig konzipierte Teich mit Brücke

andgraf Ernst Ludwig (1667-1739) führte 1708 die aus Frankreich kommende Parforcejagd, die Hetzjagd zu Pferde hinter der Hundemeute, ein. Dazu wurden in diesen Jahren etliche Jagdbauten im Umkreis von Darmstadt, aber auch in Oberhessen, errichtet. Dies umfangreichen Bauvorhaben kosteten natürlich viel Geld.

Die parallel zum Orangeriebau in Darmstadt-Bessungen wiederaufgenommenen Bauarbeiten am benachbarten Jagdhof gehören in den Rahmen des umfassenden Bauprogramms, mit dem große Teile des Darmstädter Umlands im Dienste der zum repräsentativ ausgestalteten Glacis der Barockresidenz werden sollten. Der leidenschaftliche Jäger Ernst Ludwig hatte schon unmittelbar nach Antritt der Alleinregierung ein neues Jagdzeughaus in Kranichstein bauen lassen. Auch der Arheilger Zehntscheuerbau von 1693 ist wohl dem Ausbau Kranichsteins zuzuordnen. Bereits 1689 war auch der Hainum zu Hegezwecken erneut geschlossen worden, was ein Wiederaufleben des Streits mit der Stadt um die Einbußen an der Mast mit sich brachte. Schon für 1703 sind Arbeiten an dem für die neue Jagdform notwendigen axialen Schneisensystem in den die Stadt umziehenden Wäldern bezeugt. Mit Eröffnung der Parforcejagd wurde dann zunächst der Neue Fürstenhof mit angebauten Hundezwingern und erweiterten Pferdestallungen als Jagdhaus hergerichtet. Bereits 1709 sind jedoch erste Bauarbeiten im Bereich des nachmaligen Bessunger Jagd? oder Parforcehofs belegt, zu dem man mit Wiederaufnahme der Bauarbeiten 1719 auch die vom Orangeriebau verdrängten Wirtschaftsgebäude des vormaligen Harnischhofs verlagerte, die im heute sogenannten Forstmeisterhaus erhalten sind. Die endgültige Inbetriebnahme des Bessunger Parforcehofs ist wohl erst um 1725 erfolgt, als das Haus am Paradeplatz für die Gräfinwitwe Louise von Freien-Seiboldsdorf hergerichtet wurde, die der seinerseits seit zwei Jahrzehnten verwitwete Landgraf bald darauf in zweiter Ehe zur linken Hand heiratete.

ie kostspieligen Jagdbauten des Fürsten beschränkten sich durchaus nicht auf Darmstadt. Schon relativ früh hatte er mit dem Bau schlossähnlicher Jagdlager in Oberhessen begonnen, der 1703 mit der von ihm selbst beaufsichtigten Absteckung und Errichtung mehrerer Jagdpavillons in Neu-Jägersdorf einsetzte. Ab 1713 wurde in der sogenannten Tanne zwischen Darmstadt und Griesheim das Griesheimer Haus errichtet, für das immerhin 9200 Gulden aufgewandt wurden. Parallel zum Bessunger Jagdhof wurden dann 1720 der Jagdhof in Bickenbach und 1730 das  Jagdschloss Mönchbruch errichtet. Auf die Anlage der Fasanerie bei Dornberg und die Herrichtung des der Familie von Wallbrunn abgekauften Wasserschlosses Ernsthofen für Jagdzwecke folgte 1722 der Baubeginn in Wolfsgarten. Wenn man Kranichstein samt Fasanerie und Tierpark, die schon seit 1609 ausgebaute Jägersburg bei Zwingenberg und das 1725 errichtete Jagdschloss Wiesental südlich Mörfelden hinzunimmt, so standen Ernst Ludwig und seinem wohl noch jagdfanatischeren Sohn in unmittelbarer Nähe der Residenz ein gutes halbes Dutzend für die Jagd ausgerüsteter Schlossanlagen zur Verfügung, die eine Wahrung der ohnedies nicht allzu intensiven Kontakte zu den hauptstädtischen Regierungsbehörden ermöglichten, ohne dass der Fürst auf seine Liebhaberei verzichten musste.

 
Schloss Wolfsgarten (erbaut 1722-1724)

ein heutiges Aussehen verdankt Wolfsgarten dem Großherzog Ernst Ludwig, der von 1892 bis 1918 Hessen regierte. Er ließ Baulücken zwischen den Gebäuden schließen und den Putz von den Mauern nehmen, damit die Natursteine wieder sichtbar wurden. Weiterhin ließ er die Freitreppe am Herrenhaus erweitern und gestaltete im Wesentlichen auch den Park. 1902 wurde im Schlosspark das Spielhaus für die Prinzessin Elisabeth erbaut. Nach 1918 zog sich die großherzogliche Familie mit den Prinzen Georg Donatus und Ludwig ins spartanisch ausgestattete Schloss Wolfsgarten zurück.

er 57 Hektar große Schlosspark des Jagdschlosses Wolfsgarten wurde nachhaltig von Großherzog Ernst Ludwig nach seiner Abdankung 1918 geprägt. Neben dem Teich mit einer steinernen Brücke ließ er Säulen und Pergolen, sowie Brunnen und die beiden Kapellen errichten. Das 1902 erbaute Spielhaus für die Prinzessin Elisabeth (1895-1903), Tochter aus erster Ehe mit seiner Cousine Victoria Melita, und die  Rhododendrenpflanzen, die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesetzt wurden, bilden die Attraktion dieser Anlage. Ein Gang durch den Park wird zum Erlebnis.

ie hier geschaffene Landschaft ist eine gelungene Komposition aus Laub- und Nadelbäumen, naturbelassenen Wiesen, Blumen, Sträuchern, lauschigen Plätzen zum Verweilen, historischen Gebäuden und Skulpturen, die durch breite Wege, Springbrunnen und einen Teich mit Wasserpflanzen und Fröschen aufgelockert wird. Dazu zählt auch eine Eiche - ein Naturdenkmal - und ein Kalifornischer Mammutbaum.
 

 

 

 

 

 

 


Abschlussfoto am Bornbruchsee im Nauheimer Oberwald

HJ B

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