Die Forsteinrichtung für den Nauheimer Unterwald
1. Vorbemerkung
2. Die Ergebnisse
der Inventur
2.1 Flächengröße
und Zusammensetzung des Betriebes
3. Die natürlichen
Grundlagen
3.1 Der Standort
3.2 Der Wald
4. Beurteilung des
abgelaufenen Forsteinrichtungszeitraumes (Erfolgsanalyse)
5.1 Schutz
und Erholungsfunktionen
5.2 Wirtschaftziele
5.3 Stabilität,
Vielfalt und Anpassungsfähigkeit.
6 Planung
6.1 Wirtschaftsintensität
6.2 Holznutzung
6.3 Jungbestandspflege
(Jungwuchspflege, Läuterung und Ästung)
6.4 Walderneuerung
6.5 Schutz
und Erholungsfunktionen
6.6 Waldschutz
6.7 Erschließung
6.8 Verkehrssicherung
6.9 Finanz
und Arbeitskräfteplanung
Die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes unterliegt nach dem Forstgesetz dem strengen Gebot der Nachhaltigkeit. Dabei ist die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung der Wälder und die schonende Nutzung und Erzeugung waldspezifischer Güter und Dienstleistungen dauerhaft zu gewährleisten, die die Konferenz von Rio 1992 (Agenda 21, Kapitel 11) aufstellte, schon seit über 200 Jahren Gedankengut der Forstleute. Für sie bedeutet eine nachhaltige Nutzung des Waldes mit allen seinen Funktionen, um mit den Worten des berühmten hessischen Forstmannes Georg Ludwig Hartig zu sprechen, ?dass die Nachkommenschaft wenigstens ebenso viel Vorteil daraus (aus dem Wald) ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet."
Erklärtes Ziel ist es, den Waldbesitzer durch eine umfassende Inventur des Waldes über den Standort, die derzeitigen Waldbestände sowie über die Waldflächen mit gesetzlicher Zweckbindung und Flächen mit besonderen Schutz und Erholungsfunktionen zu informieren,
über die Verwirklichung der in der vergangenen Einrichtungsperiode geplanten Maßnahmen zu informieren (Erfolgsanalyse) und
bei der Zielsetzung zu beraten.
Auf Grund der festgelegten Ziele, der Inventurbefunde und der Erfolgsanalyse wurde eine mittelfristige Waldbauplanung (für ein Jahrzehnt) erarbeitet. Hinzu kommt eine aufeinander abgestimmte Funktionenplanung (Erholungsfunktion, Wasserschutz , Klimafunktion usw.).
Der Gemeindewald Nauheim wird von der Hessischen Landesforstverwaltung, durch das Hessische FA Groß Gerau, Revierförsterei Nauheim, gegen Kostenerstattung betreut. Im Rahmen dieser Betreuung (,Beförsterung') wird ohne zusätzliche Kosten diese Inventur und Planung erstellt.
Der Gemeindewald Nauheim umfasst zum 1.1.1998 eine Fläche von etwa 215 ha einschließlich 11 ha Nebenflächen. Im Vergleich zum Stichjahr 1983 ergab sich ein Flächenzugang von ca. 4 ha.
Bestimmend für die Bodenbildung sind vor allem die Lockersedimente, das sind Sande, Lehme und Kiese des Pleistozän und Holozän, die durch die Flüsse Rhein und Neckar abgelagert wurden. Dabei sind deutliche Unterschiede zwischen den Waldteilen, die östlich und westlich von Nauheim gelegen sind, festzustellen. Die Standorte östlich von Nauheim sind wasserbeeinflusst (Heg und Schwarzbach), während die westlichen eher trocken sind. Das trocken warme Klima der Rhein Main Ebene wirkt sich daher auf den östlichen Waldteil eher positiv (Wasser kein Minimumfaktor) auf den westlich gelegenen negativ aus.
Im Nauheimer Wald herrschen mit 70% der Fläche die Laubbäume vor, 20% entfallen auf die Eichen und 50% auf die übrigen Laubbaumbestände, wozu in erster Linie die Buchen (16%), die Edellaubbäume mit Esche (12%), Linde (2%), Ahorn, Kirsche und Ulme und die übrigen Laubbäume wie Erle (9%), Robinie (9), Pappel (2%), Birken und Weiden gehören. Die Baumart mit dem höchsten Flächenanteil ist die Kiefer (34%). Die Altersstruktur ist bei den Laubbaumarten unausgeglichen. Bei allen Baumartengruppen fehlen Altbestände (Buche und Kiefer >140jährig, Eiche über 160jährig). Die Qualität der Eichen ist gut, die der übrigen Baumarten eher gering.
Die zurückliegende Einrichtungsperiode war durch den Windwurf 1990 sowie die Folgeschäden (Insektenkalamitäten, Trocknis) geprägt. Bei der Nutzung der Kiefer wurde die Planung um etwa das Doppelte überschritten, bei der Baumartengruppe Buche nur etwa 75% des Hiebsatzes genutzt. Auf Grund des Windwurfereignisses wurde auch mehr gepflanzt als es die Planung vorsah.
Da Nauheim von seinem Gemeindewald umgeben ist, sind Schutz und Erholungswirkungen des Waldes von besonderer Bedeutung. Der Erhalt und der Aufbau eines naturnahen, artenreichen und stabilen Waldes haben daher bei der Zielsetzung eine hohe Priorität. Ferner bestimmen die Holzproduktion und ein angemessener Deckungsbeitrag die Wirtschaftsziele. Die anfallenden Arbeiten sollen auch zukünftig von Unternehmern und Seibstwerbern durchgeführt werden
Jährlich ist ein Holzeinschlag von ca. 1070 Festmetern vorgesehen, davon 10% Eiche, 63% Buche und andere Laubbäume, 3% Fichte und 24% Kiefer. Die Pflege der mittelalten Laubbaumbestände (40 bis 60jährig), die Stabilisierung der durch Windwurf durchbrochenen Bestände sowie eine Weiterführung der Verjüngung der alten Eichen- und Buchenbestände werden die Arbeitsschwerpunkte sein.
Durch die Einnahmen aus dem Holzverkauf kann nur ein Deckungsbeitrag für die Aufwendungen erbracht werden, ein ausgeglichenes Betriebsergebnis oder sogar Überschüsse können auf Grund der Vorgaben (Nutzung nur in Pflegebeständen, Aufwendungen für Verkehrssicherung u.a.m.) nicht erzielt werden. Das Defizit beläuft sich auf etwa 8.000 bis 10.000 DM jährlich.
2. Die Ergebnisse der Inventur
2.1 Flächengröße und Zusammensetzung des Betriebes
Zum Stichjahr 1998 umfasst der Betrieb 214,5 ha Gesamtfläche, die 11,2 ha Nebenflächen einschließt. Damit ergab sich im Vergleich zum Stichjahr 1983 ein Flächenzugang von ca. 4 ha, dem die Anlage des Lärmschutzwalles (Abt. 39) zu Grunde liegt.
Die Betriebsfläche ist in Abteilungen, das sind dauerhafte Einheiten der geometrischen Waldeinteilung, untergliedert. So ist die Holzbodenfläche in 39 Abteilungen gegliedert, die eine mittlere Größe von 5,2 ha aufweisen. Die mittlere Größe der Befundeinheit' beträgt 2,7 ha (75 Stück). Die Befundeinheit (oder der Bestand) ist die kleinste Aufnahmeeinheit, die eine eigene Beschreibung einschließlich der wichtigsten Boden und Klimamerkmale und eine individuelle Planung erhält. Wald im außer regelmäßigem Betrieb' (früher: Grenzwirtschaftswald) sind Waldflächen, bei denen die Holzproduktion als Ziel im Planungszeitraum ausscheidet; er wurde nur auf etwa 0,5 ha ausgewiesen. Neben den Holzbodenflächen, also mit Bäumen bestandenen Flächen, werden Nebenflächen ausgeschieden. Diese bestehen überwiegend aus Wiesen, Holzlagerplätzen, Waldwegen (über 5m breit) und anderen Flächen, die nicht mit Bäumen bestanden oder dafür vorgesehen sind. Im Rahmen der Forsteinrichtung wurde die aktuelle Flächengröße ermittelt und das Flächenwerk neu erstellt. Die darin enthaltene, auf die Katasterangaben abgestimmte Vermessungstabelle ist Waldverzeichnis im Sinne des §1 Hess. Forstgesetz. Der Waldbesitzer ist damit einverstanden, dass mit dem Nutzungsartennachweis für das Kataster sinnvolle Vereinigungen und Sonderungen von Flurstücken vorgeschlagenwerden. Für eine umfassende Bewirtschaftung des Gemeindewaldes ist es notwendig, dem Forstamt alle Flächenveränderungen mit den betreffenden Katasterkartenausschnitten fortwährend mitzuteilen.
(vgl. Standortstypenkarte; In den Forstökologischen
Grundlagen' sind die Standortverhältnisse ausführtich dargestellt,
die nachfolgenden Ausführungen beschränken sich auf die wichtigsten
Fakten)
Der Begriff Standort" ist in der Forstwirtschaft definiert als: die Gesamtheit der für das Wachstum der Waldbäurne bedeutsamen Umweitbedingungen, wie sie durch Lage, Klima und Boden bestimmt sind.
Der Gemeindewald grenzt im Osten und Westen unmittelbar an Nauheim an. Das Relief des Gemeindewaldes ist bei einer Höhenlage von etwa 85 m bis 95 m über NN als eben bis leicht gewellt zu beschreiben.
Der Gemeindewald gehört zu dem Bereich der Rheinniederungen. Klimatisch ist diese Gegend charakterisiert durch:
eine sehr lange Vegetationszeit (bis 180 Tage)
milde Winter und warme Sommer (Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 9,5°C und 10°C), die mittlere Temperatur während der Vegetationszeit liegt bei ca. 16°C
eine mittlere Niederschlagsmenge von 610 mm, von der knapp die Hälfte während der Vegetationszeit fällt
eine geringe Luftfeuchtigkeit mit hohem Verdunstungsanstoß
seiten länger anhaltende Schneelagen, Frühjahrstrockenheit, Spät- sowie Barfröste und
eine schwach bis mäßig subkontinentale Klimatönung.
Durch die warm trockene Witterung der letzten Jahre hat sich die Situation für den Wald verschlechtert.
Das Ausgangsmaterial der Bodenbildung im Gemeindewaldbereich ist erdzeitgeschichtlich gesehen sehr jung. Bestimmend sind vor allem die Lockersedimente, das sind Sande, Lehme und Klese des Pleistozän und Holozän, die durch die Flüsse Rhein und Neckar abgelagert wurden. Pleistozän und Holozän bilden zusammen das Quartär die jüngste geologische Formation, die etwa vor 1,5 bis 2 Mio. Jahren einsetzte und bis heute anhält.
Im Bereich des Gemeindewaldes sind deutliche Standortunterschiede festzustellen. So ist der Teil östlich der Autobahn durch die Bäche Schwarzbach und Apfelbach geprägt, so dass es hier zur Ausbildung von Auen und Gleyböden kommt. Diese wasserbeeinflussten (=hydromorphen) Böden nehmen etwa 52% des Gemeindewaldes ein und sind als nass, feucht und wechselfeucht kartiert. Da die Ablagerungen der Bäche teilweise kalkhaltig sind, sind in diesem Teil auch gut nährstoffversorgte Böden (eutrophe Böden: 28,5 ha = 31 %) vorhanden. Die Standorte westlich der Autobahn sind Flugsandböden, die teilweise zu Dünen aufgeweht sind. Hier ist die Versorgung des Waldes mit Wasser kritisch zu beurteilen. Diese Standorte, die etwa 43% des Gemeindewaldes einnehmen, sind als mäßig frisch bis mäßig trocken kartiert. Sie weisen überwiegend eine mittlere Nährstoffversorgung auf, allerdings mit Tendenzen zu einer geringen (4% schlecht nährstoffversorgt = oligotroph).
Für die Bildung waldbaulicher Schwerpunkte werden regionale Einheiten Wuchsgebiet und Wuchsbezirk ausgeschieden, die sich geologisch, geomorphologisch und klimatisch unterscheiden. Die Waldfläche im Gemeindewald ist dem Wuchsgebiet Hessische RheinMain Ebene" (2) und dem Wuchsbezirk Hessische Rheinebene" (22) zugeordnet.Dem hessischen Verfahren der Standortserkundung liegt eine kombinierte Aufnahmemethode zu Grunde, die mit Hilfe klima , boden und vegetationskundlicher Merkmalsgruppen den Standort erfasst. Diese Komponenten sind für den Gemeindewald Nauheim:
Wuchszone: Zentrale Eichen-Mischwald-Zone". (Wird über die Merkmale Höhenlage und Temperatur bestimmt) Klimafeuchte: Mäßig subkontinental (der Index wird über Niederschlag und Temperatur der Vegetationszeit ermittelt).
Zur Beschreibung des Waldes benötigt die Forsteinrichtung sowohl eine räumliche Abgrenzung einzelner Wäldteile (Bestände bzw. Befundeinheiten) als auch eine Zuordnung der damit verbundenen Fläche zu den verschiedenen Baumarten. Um dies übersichtlicher zu gestatten, werden sogenannte Baumartengruppen gebildet (EICHE BUCHE FICHTE KIEFER), die jeweils mehrere Baumarten umfassen. So enthält die Gruppe BUCHE etwa außer der Buche auch die Eschen, Ahome, Kirschen, Erlen und Birken, die Gruppe FICHTE auch die Douglasien, die Gruppe KIEFER die Lärchen. Die einzelnen Bestände werden nun nach ihrer jeweils führenden Baumart den Gruppen EICHE, BUCHE, FICHTE und KIEFER zugeordnet. So spricht man dort, wo die Eiche dominiert, von einem 'Eichenbestand' etc. Der Gemeindewald Nauheim ist durch Laubwald geprägt, 65% der Bestände bzw. 70% der Baumarten werden durch Laubbaumarten dominiert. Der Anteil der Laubbaumbestände hat damit in den vergangenen Jahren um 4% zugenommen.
Neben den Hauptbaumarten charakterisieren die Anzahl der Mischbaumarten und die Zahl der Schichten einen Wald. Allgemein geht man davon aus, dass ein Wald im ökologischen Sinne umso stabiler ist, je höher die Anzahl der Mischbaumarten und Schichten ist. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: so wachsen z.B. auf nassen Standorten z. T. einschichtige Erlenwälder ohne Mischbaumarten.
Im Gemeindewald Nauheim haben 45% der Bestände mindesten 3 Schichten, während auf die mit 2 Schichten 28% und mit einer Schicht 27% entfallen (s. Abb 3). Einschichtige Reinbestände, die häufig als Monokulturen' bezeichnet werden, haben nur einen Anteil von etwa 5% (10 ha).
Innerhalb eines Bestandes kommen im Gemeindewald bis zu 11 Baumarten vor. Eine Baumart wächst nur auf 12 ha (6%), auf 28% der Fläche wachsen 2 3, auf 44% 4 5 und auf immerhin noch 22% mindestens 6 verschiedene Baumarten mit Flächenanteilen. Die Artenvielfalt des Gemeindewaldes liegt damit weit über dem Landesdurchschnitts Hessens: So haben hessenweit 40% der Bestände mindestens 4 Baumarten, im Gemeindewald Nauheim sind es 66%. Der Gemeindewald ist damit struktur und artenreich.
Bevor die einzelnen Baumarten besprochen werden, soll noch ein weiterer Begriff erklärt werden: die Altersklasse. Ähnlich wie bei demografischen Untersuchungen der Bevölkerung, werden die Baumarten des Betriebes in Altersklassen aufgeteilt. Eine Altersklasse umfasst eine Zeitspanne von 20 Jahren. Eine Darstellung findet sich in Kapitel 5 Altersklassenbild. (Anmerkung: AltersklasselAltersklassenbild hat nichts mit dem fälschlicherweise gebrauchten Begriff "Altersklassenwald" zu tun. Unter Altersklassenwald werden dabei gleichaltrige Reinbestände (Monokulturen) verstanden, die flächig also als Kahlschläge genutzt werden).
Die Eichenbestände nehmen 19% des Gemeindewaldes ein, den Beständen sind zu etwa einem Viertel Buchen und Nadelbäume beigemischt. Die Roteiche ist zu 3% an der Baumartengruppe beteiligt. Schwerpunkt der Eichenvorkommen sind die Flächen östlich der Autobahn.
Die Altersstruktur der Eiche ist sehr uneinheitlich, so gibt es vor allem jüngere (1 bis 40jährige) und ältere Bestände (>120jährige). Die Qualität, vor allem der älteren Eichen, ist gut, ebenso die Wuchsleistung (Ertragsklasse (Ekl) 1,2). Als Kriterium der Wüchsigkeit ist die Höhe eines Baumes in einem bestimmten Alter festgelegt worden.
Die Baumartengruppe Buche setzt sich zusammen aus Buche (12%), den Edellaubbaumarten Esche (12%), Ahorn, Kirsche, Linde (2%) und Ulme sowie aus weiteren Laubbaumarten wie Hainbuche (3%), Erle (9%), Pappel (3%), Robinie (9%), Birke (1%) und Weide. Die Buche und andere Laubbaumarten kommen bestandsbildend oder als Mischbaumarten vor allem in den Eichen und Kiefernbeständen vor (s. Abb. 2 A). Das Hauptvorkommen der Buche, der Edellaubbäume, Hainbuche, Erle und Pappel liegt im östlichen Bereich während die Robinie vor allem westlich der Autobahn angesiedelt ist. Dabei wachsen vor allem die Erle, Esche und Pappel auf den nassen Bereichen, die Buche, und die übrigen Edellaubbäume zusammen mit den Eichen auf den feuchten/wechselfeuchten.
Auch bei der Bestandsklasse Buche ist die Altersstruktur sehr uneinheitlich, über die Hälfte der Buchenbestände sind 40 bis 60 Jahre alt, Aitbestände (>140jährig) fehlen fast völlig. Die Qualität der Buchen, Hainbuchen und Robinien wurde gering bis höchstens mittel eingestuft, die Edellaubbäume und die Erle haben überwiegend eine normale Qualität, teilweise mit Wertholzerwartung. Bei jüngeren Eschen wurden Schäischäden durch das Damwild festgestellt. Die Wuchsleistung aller Baumarten dieser Gruppe ist sehr hoch, allerdings konnte vor allem bei der Buche ein deutlicher Rückgang der Ertragsklasse mit zunehmenden Alter festgestellt werden.
Die Fichte ist im Gemeindewald nur auf einer geringen Fläche vertreten, ihr Anteil liegt bei 2 %. Das weitere Oberleben der Fichtenbestände wird eher skeptisch gesehen, da diese Baumart in der Rhein Main Ebene nicht standortsgerecht ist. Sie wird daher auch nicht weiter angebaut. Dagegen ist die Prognose für die Douglasie eher positiv, ihr Anteil soll künftig erhöht werden (s. auch Verjüngungsplan).
Trotz deutlicher Verluste ( 4%) hat die Baumart Kiefer mit 28% den höchsten Anteil am Nauheimer Wald. Das Kiefernvorkommen beschränkt sich weitgehend auf den westlichen Teil. Die Altersstruktur ist ausgeglichener als bei den anderen Bestandsklassen, so gibt es nur bei der dritten und sechsten Altersklasse deutliche Abweichungen (3te Altersklasse untere und 6te Altersklasse überrepräsentiert). Die Wuchsleistung ist mit einer 1,8 Ertragsklasse zufriedenstellend, allerdings sinkt die Leistung mit zunehmenden Alter deutlich ab Die Qualität, vor allem der älteren Kiefern, wurde gering bis sehr gering eingeschätzt.. Ein Problem für die Vermarktung liegt zusätzlich darin, dass die älteren Kiefernbestände durch Kriegseinwirkung stark mit Metailsplittern "verseucht' sind.
4. Beurteilung des abgelaufenen Forsteinrichtungszeitraumes (Erfolgsanalyse)
Für den Planungszeitraum 1983 bis 1997 war ein jährlicher Hiebsatz voh 5,3 Efm (1,8 Efm Haupt und 3,5 Efm Pflegenutzung) festgelegt. In dieser Periode nach der Gesamteinschlag nur geringfügig von der Planung ab (110% Ist in % vom Soll), allerdings sind bei den einzelnen Baumartengruppen deutliche Abweichungen festzustellen. Hiebsatz ist der für den Forsteinrichtungszeitraum geplante Holzeinschlag, Einschlag ist die tatsächlich durchgeführte Nutzung. So wurde der Hiebsatz bei der Baumart Kiefer um 177% überschritten, vor allem eine Folge des Windwurfes von 1990 und der anschließend auftretenden Insektenkalamitäten. Nur 75% des Hiebsatzes nutzte man in der Baumartengruppe Buche, vor allem bei den jüngeren Beständen wurde der Hiebsatz nicht realisiert. Die Pflege der jüngeren Bestände (Läuterungen) wurde in der abgelaufenen Einrichtungsperiode bei Baumart Kiefer durchgeführt, bei der Eiche weitgehend unterlassen (auf etwa 9 ha). Rückstände bei der Pflege wurden hauptsächlich bei Beständen der Baumartengruppe Buche festgestellt, hier in erheblichem Umfange. Allerdings ist bei diesen Beständen entweder eine Nutzung erheblich erschwert (z.B. bei den Erlen Eschen Beständen auf
nassem Standort, hier ist nur bei einer starken Frostlage eine Ernte möglich), oder es handelt sich um Bestände, deren Pflege hohe Aufwendungen erfordern (z.B. Robinienbestände). Im abgelaufenen Planungszeitraum wurden Ästungen nur in sehr geringem Umfange an der Kiefer durchgeführt (14% der geplanten Anzahl). Da gerade bei den Kiefernbeständen deutliche Ausfälle auftraten, erschien es nicht sinnvoll, das Ästungsprogramm fortzusetzen. Im zurückliegenden Einrichtungszeitraum (1983 bis 1998) sollte ein Fläche von 29,2 ha verjüngt werden. Dieses konnte voll realisiert werden. So stellte die Inventur 1998 eine verjüngte Fläche von 45 ha fest, davon 27 ha als Kulturen und 18 ha als Verjüngung unter Schirm (Naturverjüngung oder Voranbau). Bei der Baumartenwahl für die Nachzucht wurde teilweise deutlich von der Planung abgewichen (s. Abb. 4): So sah die Planung keinen Anbau von Buchen und Kiefern vor, die in erheblichem Umfange (Buche 12 ha und Kiefer 10ha) nachgezogen wurden. Hauptgrund für die deutliche Ausdehnung der Verjüngungsflächen war der Windwurf 1990 und dessen Folgeschäden (Insektenschäden, Trocknis), die vor allem die Kiefernbestände betrafen. Da die Kiefer auf diesen Standorten nach wie vor die geeigneteste Baumart ist, wurde sie auf den entstandenen Freiflächen wieder als Folgebaumart eingebracht.
Der Waldeigentümer bestimmt im Rahmen der Vorgaben des Forstgesetzes die Zielsetzung der Waldbewirtschaftung. Nach dem Forstgesetz ist der Wald so zu bewirtschaften, dass die Funktionen Rohstoff und Einkommensquelle einerseits und Schutz und Erholungsfunktionen andererseits gleichermaßen gefördert werden.
5.1 Schutz und Erholungsfunktionen
Die Belastungen und Inanspruchnahmen des Gemeindewaldes im Ballungsgebiet RheinMain sind sehr hoch. So haben alle Flächen neben der Nutzfunktion zusätzlich Schutzund/oder Erholungsfunktionen, und zwar im Mittel 3,6 Funktionen (Überlagerungsdichte 3,6). Mit anderen Worten: jeder ha Wald des Gemeindewaldes hat mindestens 3 bis 4 Funktionen zu erfüllen, neben der Funktion Holz zu produzieren. Die einzelnen Schutzund Erholungsfunktionen sind im FE Werk, Kapitel 3 im einzelnen aufgeführt.
Zusätzlich sind die Schutz und Erholungsfunktionen des Gemeindewaldes auf der Flächenschutzkarte Hessen im Maßstab 1 : 50.000 dargestellt, und zwar auf dem Kartenblatt L 6116 Darmstadt West, 4te Auflage 1999 (zu beziehen über die HLFWW).
Im Zuge der Forsteinrichtungserneuerung zum 1.1.1998 erfolgte eine Überprüfung und Fortschreibung der Funktionen. Die Änderungen wurden auf einer Änderungskarte im Maßstab 1:25.000 und in einer Änderungsliste festgehalten und dienen zur Aktualisierung der Flächenschutz und Waldfunktionenkarte.
Die Schutz- und Erholungsfunktionen des Gemeindewaldes haben direkte Auswirkungen auf Nauheim, da der Wald in unmittelbarer Nähe zum bebauten Bereich liegt. Auf Grund seiner großen Bedeutung für die Gemeinde wurden Teile als Schutzwald ausgewiesen (das Waldgebiet angrenzend an den Friedhof).
Durch die unmittelbare Nähe zur Siedlungsfläche ist der Wald ein wichtiges Naherholungsgebiet für Nauheim. So bestimmt die Erholungsfunktion im ganzen Gemeindewald die Bewirtschaftung, der Wald um den Friedhof und am Hegbachsee sind rechtlich als Erholungswald ausgewiesen.Der Gemeindewald Nauheim ist in die Konzeptiondes"Regionalpark Rhein Main" eingebunden.
Auch hat der gesamte Gemeindewald die Funktion Klimaschutz. Infolge vonTemperaturunterschieden zwischen Wald Siedlung kommt es zu einem horizontalen Luftaustausch und damit zu einer Verbesserung des Bioklimas im Siedlungsbereich. Als Lärmschutzwald wurden entlang der 1342, der Eisenbahnlinie und der BAB 67 insgesamt 78 ha (38%) ausgewiesen. Entlang der BAB wurde sogar Wald zum Zwecke des Lärm und Sichtschutzes neu angelegt.Vor allem die Sandstandorte des östlich der B 42 gelegenen Waldes, wo Dünen zu erkennen sind, wurden als Bodenschutzwald ausgewiesen. Der Bodenschutzwald ist wirtschaftsbestimmend. Der Gemeindewald liegt vollständig in dem rechtlich ausgewiesenen Wasserschutzgebiet Gerauer Land. Die Funktion ist wirtschaftsbeeinflussend. Unter Waldbeständen ist die Wasserqualität im Vergleich zu anderen großflächigen Bodennutzungsformen sehr gut, da
das Wasser im Waldboden biologisch und mechanisch gereinigt wird,
die Belastung des Wassers mit schädlichen Stoffen im Waldbereich sehr gering ist.
Im Gemeindewald sind Flächen mit der Funktion des Natur oder Landschutzes nur geringflächig ausgewiesen worden. Dies kann aber nicht über die große Bedeutung des Gemeindewaldes für den Biotop und Artenschutz hinwegtäuschen. In dem waldarmen Gebiet des Landkreises Groß Gerau leistet der naturnahe, struktur und artenreiche Gemeindewald den besten Beitrag zum Blotop und Artenschutz. Im Nauheimer Wald sind ausgewiesen
1 Naturschutzgebiet (der Niederwald von Groß Gerau)
105 ha landschaftsprägender Wald, so vor allem der Wald um den Friedhof, um den Hegbachsee sowie Teile östlich der Autobahn.
Die Holzproduktion und ein angemessener Deckungsbeitrag stgben im Vordergrund der Wirtschaftsziele. Bei der Holzproduktion wird im östlichen Bereich der Schwerpunkt bei der Produktion von hochwertigem Starkholz mit Eichen, Edellaubbäumen und Buche liegen, im westlichen Teil sollen Kiefer, Roteiche und teilweise auch die Robinie bestimmende Baumarten bleiben. Eine für den Betrieb auf Grundlage aktueller Daten erstellte Finanzplanung, die Aufwendungen und Erträge gegenüberstellt, geht von einem jährlichen Defizit von ca. 5.000 bis 10.000 DM (im Durchschnitt) aus. Die anfallenden Arbeiten sollen auch zukünftig von Unternehmern und Selbstwerbern durchgeführt werden. Die Hege eines angemessenen Wildbestandes ist ein Teilziel der Bewirtschaftung; dieses Teilziel darf aber das übergeordnete Ziel der Erhaltung eines wertvollen, naturnahen, arten und strukturreichen Waldbestandes nicht schwerwiegend beeinträchtigen.
5.3 Stabilität, Vielfalt und Anpassungsfähigkeit.
Der Gemeindewald Nauheim zeichnet sich durch Arten und Strukturvielfalt aus. Durch den Windwurf und die Folgeschäden sowie andere anthropogene Beeinflussungen ist die Vitalität und Stabilität des Nauheimer Waldes stark gemindert. Daher sind die Voraussetzungen zur Erfüllung aller Nutz- , Schutz- und Erholungsfunktionen, nämlich die Stabilität, Vielfalt und Anpassungsfähigkeit des Gemeindewaldes derzeit gefährdet. Oberstes Ziel für die Bewirtschaftung ist daher die Regeneration und Stabilisierung des Waldes, damit er seine vielfältigen Aufgaben im Ballungsgebiet auch zukünftig noch erfüllen kann. Alle Maßnahmen sind dabei wirtschaftlich zu erbringen, d.h. Die Maßnahmen sind mit möglichst geringen Kosten durchzuführen oder der Mitteleinsatz sollte den größtmöglichen Effekt erzielen (ökonomisches Prinzip).
Der Aufbau und Erhalt eines naturnahen, arten und strukturreichen Waldes mit hoher Stabilität und Flexibilität in dem Ballungsraum Rhein Main verlangt eine intensive Betreuung; als Beispiele seien hier genannt: die Verkehrssicherung, Verjüngung, Pflegenutzung sowie eine permanente Kontrolle der älteren Bäume (Absterbende sollten rasch entnommen werden, um finanzielle Einbußen durch Entwertung zu vermeiden). Um so wichtiger ist es, daß jede einzelne Maßnahme intensitätsangepasst und wirtschaftlich durchgeführt wird.
Aufgrund einer bestandsweisen Planung wurde der jährliche Holzeinschlag (Hiebsatz) für das kommende Jahrzehnt (1.1.1998 bis 31.12.2007) wie folgt festgelegt:
Holzartengruppe EFmo.R
Nutzung |
Eiche |
Buche |
Fichte |
Kiefer |
Gesamt |
Efm/ha |
Hauptnutzung |
24 |
145 |
0 |
101 |
270 |
1,4 |
Pflegenutzung |
82 |
530 |
60 |
123 |
794 |
3,9 |
Gesamtnutzung |
106 |
675 |
60 |
224 |
1064 |
5,3 |
In diesen Massen ist alles Holz mit einem Durchmesser über 7cm (Derbholz) enthalten, unabhängig davon, ob es aufgearbeitet bzw. verwertet wird.
Die Buchen Endnutzung kann in den für natürliche Verjüngung vorgesehenen Beständen um bis zu 30% ohne Ausgleichszwang überschritten werden, wenn es der Verjüngungsfortschritt erforderlich macht.
Der neue Hiebsatz liegt mit 5,3 Efm je Jahr und ha wieder in der Höhe der Einschlagsmenge der alten Forsteinrichtung (5,3 Efm). Der Schwerpunkt liegt bei Pflegemaßnahmen der Laubbaumbestände.
Bei den jüngeren Beständen soll durch Pflegeeingriffe eine Standraumerweiterung der förderungswürdigen Bäume (sogenannte Z Bäume oder Zukunftsbäume) erfolgen. Man erhofft sich dadurch eine größere Krone und größeres Wurzelwerk und dadurch eine bessere Ausnutzung des Jugendwachstums und höhere Stabilität. Zur Kosteneinsparung soll die Z Baumauswahl auf eine geringe Stückzahl begrenzt bleiben (Extensivierung!).
Die Holznutzung wendet in der Einzelplanung
die Grundsätze des natumahen Waldbaus an, so ist Anmerkung
in der Einrichtungsperiode kein Abtrieb geplant
(Kahlschlag). Die Endnutzung erfolgt durch Einzeistammnutzung über einen
langen Zeitraum die Erhaltung und Förderung des Unterstandes vorgesehen,
um eine Schichtung zu erzielen die Erhaltung und Förderung von Mischbaumarten
ein wichtiges Ziel, um die Artenvielfalt zu erhöhen (auch Nebenbaumarten
wie Birke, Aspe, Eberesche). Der Hiebsatz bleibt deutlich unter den Nachhaltsweisern;
dabei wurden die Pflegeeingriffe kräftig, die Nutzung der älteren
Bäume (Hauptnutzung) vorsichtig veranschlagt. Der Hiebsatz kann rechnerisch
überprüft werden, ob dem Gebot der Nachhaltigkeit (s. Vorbemerkungen)
genügend Rechnung getragen wurde. Dazu bedarf es der Festlegung mittlerer
Produktionszeiträume (Umtriebszeiten) für die einzelnen Baumartengruppen.
Die Umtriebszeiten werden wie folgt festgelegt (Jahre):
Eiche 180
Buche 140
Fichte 80
Kiefer 140
So sieht der Hiebsatz eine Nutzung vor von
* 82 % des Zuwachses
* 99 % des durchschnittlichen Gesamtzuwachses (gekürzt)
* 90% des Heyer- und 99% des Gerhardtsatzes.
6.3 Jungbestandspflege (Jungwuchspflege, Läuterung und Ästung)
In der Jungwuchs /Läuterungsphase ist eine intensive Mischwuchsregulierung dringend erforderlich, da die Hauptbaumarten nur mit geringen Stückzahlen begründet wurden.
Früher war es üblich, eine hohe Anzahl
von Bäumen zu pflanzen, um durch eine inneraftliche
Konkurrenz ein gewünschtes Wuchsverhatten
zu erzielen (Gradschaftigkeit, Astreinigung etc.).
Heute wird eine wesentlich geringere Stückzahl
geptlanzt, die Konkurrenz soll durch natürlich
ankommende Bäume entstehen, die meist nicht
den Hauptbestand bilden sollen, z.B.
Pionierbaumarten wie Birke, Eberesche oder Aspe.
Sie dienen als Konkurrenten und werden nach
und nach dem Bestand entnommen (Mischwuchsregutierung!).
Es muss gewährleistet sein, dass alle Jungbestände rechtzeitig und
pfleglich geläutert, die Baumartenverteilung weiterhin
wenn nötig reguliert und wertverbessernde wie stabilisierende
Maßnahmen durchgeführt werden. Wichtig ist die Anlage von Pflegepfaden
bei den Laub bzw. die Bestandserschließung durch Rückegassen
bei den Nadelbäumen. Im Planungszeitraum sollen 11 ha Dickungen bzw. angehende
Stangenhölzer geläutert werden. Davon entfallen 3 ha auf die Eiche,
6 ha auf die anderen Laubbaumarten und 2 ha auf Kiefernbestände.Zur Ästung
sind in geringem Umfange Kirschen (56 Stück) und Kiefern (204 Stück)
vorgesehen.
Der Verjüngungsplanung kommt nach wie vor
eine hohe Bedeutung zu, da durch den Windwurf und deren Folgeschäden (Wurzeizerstörungen,
Zerstörung der Bestandesstruktur, Insekterikalamitäten u.a.m.) die
Bestände stark verlichten. Zur Verjüngung der Bestände ist jeweils
für den Ost bzw. Westteil eine unterschiedliche Konzeption angedacht:
So soll im Ostteil überwiegend die Buche natürlich verjüngt werden
(2,5 ha), ergänzt durch eine kleinflächige Beimischung von Edellaubbäumen
(Esche, Kirsche) durch künstliche Verjüngung. Im Bereich des Fischteiches
soll auch wieder die Pappel nachgezogen werden. Schwerpunkt der Verjüngungstätigkeiten
wird wiederum der Westteil sein. Hier soll auf größerer Fläche
die Kiefer angepflanzt werden (5,1 ha). Kleinflächig, in Bestandeslücken,
ist die Verjüngung von Douglasie, Roteiche und Linde geplant. Ferner ist
der Anbau von Linde zur Beschattung der verdämmenden Brombeere vorgesehen.
Schlussverhandlung Gerneindewald Nauheim
Die für die Verjüngung vorgesehenen Baumartengruppen im einzelnen (1998 2007):
Eiche Bu/HBU Edellaubb. Dougl. Kiefer
0,7 2,5 (2,5 NV) 5,9 (0,3 NV) 2,3 ha 15,1
(Angaben in Klammern: davon als Naturverjüngung vorgesehen) Angaben in ha
6.5 Schutz- und Erholungsfunktionen
Durch eine naturnahe Bewirtschaftung des struktur und artenreichen Gemeindewaldes können die Mehrfachwirkungen des Waldes gleichzeitig und miteinander auf nahezu der ganzen Fläche verwirklicht werden:
1 . Ein struktur- und artenreicher Waldaufbau gewährleistet Klima- , Lärm- , Sicht- , Boden- und Wasserschutz in optimaler Form. Für die meisten Schutzfunktionen ist ein stufiger Aufbau von Beständen (z.B. Bodenschutz, Lärmschutz) unerläßlich. Daher sieht die Planung die Erhaltung und einen weiteren Aufbau des Struktur und Artenreichtums vor.
2. Naturschutz: Der Gemeindewald ist weitgehend naturnah aufgebaut. In strukturreichen und naturnahen Wäldern ist ein Umfeld geschaffen, in das sich Naturschutzkonzepte gut integrieren lassen.
Bei der Forsteinrichtung wurden im Bereich des Gemeindewaldes Waldaußenränder mit einer Gesamtlänge von ca. 11,2 km vorgefunden. Unterstellt man eine durchschnittliche Breite von nur 15 m, so nehmen die Waldränder eine Fläche von 16,8 ha ein, die gleichermaßen dem Natur und Landschaftsschutz, der Erholung und der Holzerzeugung (Schutz der dem Waldrand nachgelagerten Bestände) dienen. Der Anteil funktionengerechter Waldränder liegt bei etwa 50%. Im Bereich des Heg und Schwarzbaches wurden 670m gewässerbegieitende Waldzonen kartiert, die dort wachsenden Waldbestände konnten dabei als naturnah angesprochen werden. Der Gemeindewald ist für Waldbesucher gut erschlossen; die Anzahl der Parkplätze ist ausreichend, Waldwege in gutem Zustand sind in angemessener Anzahl vorhanden. Ein Ausbau der Erholungseinrichtungen ist nicht notwendig, da der Wald überwiegend dem Naturerleben sowie der besinnlichen Erholung dienen soll.
• Waldverträgliche Wilddichten. Hauptwildarten des Gemeindewaldes sind Rehwild, im östlichen Teil zusätzlich Damwild. Problematisch für den Wald ist der Verbiss von jungen Bäumen, bei Damwild zusätzlich noch das Schälen vor allem der Eschen im Stangenholzalter. So wurden an den 10 20jährigen Eschen erhebliche Schälschäden festgestellt. Da Schutzmaßnahmen der Verjüngungsflächen sehr kostenaufwendig sind, sollte bei Erneuerung der Jagdpachtverträge darauf geachtet werden, die Pächter an den Schutzmaßnahmen zu beteiligen, z.B. bei der Erstellung, Kontrolle und dem Abbau der Zäune
• Insektenkalamitäten. Auf Grund der klimatischen Gegebenheiten und dem schlechten Gesundheitszustand der Wälder im Forstamtsbereich ist mittelfristig immer mit Insektenkalamitäten zu rechnen. Eine permanente Kontrolle in Zusammenarbeit mit der HLFWW (Abteilung Waldschutz) ist eine wichtige Voraussetzung, um Gradationen rechtzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
• Konkurrenzvegetation: AJs Konkurrenz für die Waldverjüngung sind vor allem die Brombeere, Waldreitgras (Calamagrostis) und die spätblühende Traubenkirsche zu nennen. Daher ist eine dauernde Oberschirmung des Waldbodens anzustreben (rechtzeitige Einleitung von Naturverjüngung bzw. Voranbau in sich verlichtenden Beständen).
• Weitere waldschädliche Einflüsse wie extreme Klimasituationen (Trockenheit), Windwurf, Spätfrost hofft man durch Erhalt und Aufbau eines naturnahen, arten und strukturreichen Waldes abfedem zu können.
Das Wegenetz des Gemeindewaldes ist mit 6,5 km ganzjährig LKW befahrbaren Wegen (entspricht 32 lfm/ha) ausgebaut. Die Wege befinden sich in einem zufriedenstellenden Zustand und können von Wanderern, Trimmläufern und Radfahrern benutzt werden. Allerdings dürfen die erforderlichen Ausbesserungsarbeiten an den zumeist sand und wassergebundenen Wegedecken nicht unterlassen und müssen rechtzeitig vorgenommen werden, da spätere größere Instandsetzungen wesentlich teurer sind.
Ein zunehmendes Problem stellt die Verkehrssicherung dar, vor allem an. öffentlichen und nicht öffentlichen Wegen, an Schienen sowie an bebauten Bereichen, die innerhalb des Sicherheitsbereiches zum Walde hin liegen. Hier hat der Waldbesitzer und die zuständige forsttechnische Betriebsleitung eine besondere Sorgfaltspflicht.
So gibt es etwa auf 7,4 km Waldrandbereiche zu Autobahnen (2,3 km), Schienen (0,9 km), Landstraßen (2,3 km) und bebauten Flächen (1,9 km). Bei einem Sicherheitsabstand von 40 m ist eine Fläche von 29,6 ha betroffen.
Verkehrssicherung an nicht öffentlichen Hauptwegen (ganzjährig LKW befahrbar) besteht auf 6,5 km. Bei einem Sicherheitsabstand von 30 m beiderseits der Wege ist eine Fläche von rund 39 ha betroffen. Nicht berücksichtigt wurden dabei die übrigen Wirtschaftswege. So besteht auf ca. 70 ha (das entspricht 30%) für die forsttechnische Betriebsleitung eine besondere Sorgfaltspflicht.
6.9 Finanz- und Arbeitskräfteplanung
Für den Gemeindewald Nauheim wurden Arbeitskräfte-
und Finanzpläne erstellt. Grundlage für die Finanzplanung ist die
Naturalplanung, die dort geplanten Maßnahmen werden als Aufwendungen und
Erträge dargestellt. Für Aufwendungen und Erträge wurden aktuelle
Werte der Jahre 1996 bis 1998 unterstellt. Die Aufwendungen belaufen sich danach
auf etwa 88.000 DM, die Einnahmen sind etwa mit 78.000 DM jährlich zu beziffern.
Das Betriebsergebnis schließt somit mit einem Defizit von etwa 8.000 DM
jährlich ab. Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei dem Betriebsergebnis
um einen Durchschnittswert handelt, die jährlichen Aufwendungen und Erträge
können innerhalb des Einrichtungszeitraums deutlich davon abweichen. Relativ
hoch sind die Aufwendungen für den Waldschutz, der hauptsächlich einen
Schutz gegen Wildverbiss beinhaltet (Zaunbau, Einzelschutz) sowie Aufwendungen,
die sich aus der Siedlungsnähe des Waldes ergeben (Verkehrssicherung, Schutz
und Erholungsfunktionen).
Bei den Laubbaumarten (mittlerer bis guter Qualität)
gilt vereinfacht gesagt, dass die jüngeren Bestände hohe Kosten
verursachen und die älteren die Gewinne bringen. Da überwiegend Pflegeeingriffe
in jüngeren Laubbaumbeständen geplant sind, sind nur geringe Erträge
aus dem Wald zu erwarten. Um ein naturnahes Konzept der Waldbewirtschaftung
zu verfolgen, ist eine vorsichtige Nutzung der wenigen vorhandenen Altbestände
notwendig.