Landeswappen Baden-Württembergs


Baden-Württemberg besteht keineswegs nur aus Baden und Württemberg, wie der Name vermuten lässt. Im Südweststaat stecken noch weitere historische Territorien, und an sie soll das Wappen erinnern, das der erste Landtag von Baden-Württemberg am 28. April 1954 beschlossen hat.
Kernstück des Landeswappens ist der Stauferschild: drei Löwen auf goldenem Grund. Sie bilden das Wappen des staufischen Herzogtums Schwabens (1096-1268), das weite Teile des heutigen Baden-Württembergs umfasste. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert prangte das Stauferwappen auf den Fahnen des schwäbischen Reichskreises und später im württembergischen Königs- und Staatswappen. Das Wappen der Staufer hatte ursprünglich nur einen einzigen Löwen gezeigt. Die beiden weiteren könnten als Symbol für Herrschaftsbereiche stehen, die später von den Staufer übernommen wurden: der zweite Löwe für die süddeutschen und italienischen Herrschaftsbereiche Wolfs IV. und Heinrichs des Löwen, der dritte für die Gebiete des Grafen von Calw.
Der Stauferschild wird gekrönt von den Wappen ehemaliger Territorien im Gebiet des heutigen Baden-Württembergs.
Der Fränkische Rechen mit seinen silbernen und roten Spitzen steht für das Herzogtum Ostfranken. Dort befanden sie Gebiete der staufischen Hausmacht.
Der Zollernschild ist in Silber und schwarz geviertelt und seit 1248 für die Hohenzollerischen Lande belegt.
Das badische Wappen zeigt einen roten Schrägbalken im goldenen Feld. Es ist seit 1207 nachweisbar. Der Balkenschild ist das Wappen der Markgrafen von Baden.
Die drei schwarzen Hirschstangen auf goldenem Grund sind das Wappen Württembergs. Die Grafen von Württemberg haben es 1228 von den Grafen von Veringen übernommen, in deren Familie Hartmann von Württemberg einheiratete. Doch färben sie die Hirschstangen, die ursprünglich rot gewesen waren, schwarz - wohl in Anlehnung an die Farben der Staufer, deren Kerngebiet sie seit Mitte des 13. Jahrhunderts ihrem Herrschaftsbereich einverleibt hatten.
Das Wappen der Kurpfalz zeigt einen goldenen Löwen mit roter Krone auf schwarzem Grund. Der Pfälzer Löwe weist auf die Staufer und Welfen, die ursprünglich einen aufrecht schreitenden Löwen im Dynastiewappen führten. Die Welfen hatten 1195 bis 1224 die Pfalzgrafschaft bei Rhein inne. In dieser Funktion folgten ihnen die Wittelsbacher mit ihrem Löwen, der so zu Bayerns Wappentier wurde. Der Pfälzer Löwe ist heute in den Wappen von Saarland und Bayern enthalten.
Der rot-silber-rote Bindenschild Österreichs erinnert an die vorderösterreichischen Lande in Oberschwaben, an der Oberen Donau, am Oberen Neckar und im Breisgau.

Zwei Schildhalter stützen das große Landeswappen. Der goldene Hirsch mit den roten Hufen steht für Württemberg. Er war bereits Schildhalter im württembergischen Staatswappen gewesen und - zusammen mit einem Löwen - im Wappen des Königreichs Württemberg vertreten.
Der goldene Greif mit den roten Krallen steht für Baden. Er hatte bereits im badischen Staatswappen und im Wappen des Großherzogtums Baden als Schildhalter fungiert.

Die Landesfarben Schwarz-Gelb (Gold) entsprechen den Farben des herzoglich-schwäbischen Stauferwappen. Er verweist auf das Kaiser- und Reichswappen der Staufer-Dynastie, den einköpfigen schwarzen Adler auf goldenem Grund. Neben den Staufern bevorzugten auch die Habsburger und die Grafen von Württemberg die vornehme Farbenkombination Schwarz-Gold.


Die Entstehung der Landessymbole (Wappen und Flagge) von Baden-Württemberg:

Jeder Staat, jedes Land, jede Stadt, jede Gemeinde und viele Familien führen ein Wappen und eine Flagge als gemeinschaftliches Symbol und um sich von anderen Ländern, Städten, Gemeinden abzugrenzen.
Aber wie sind solche Wappen und Flaggen eigentlich entstanden und warum enthalten sie gerade eine bestimmte Abbildung oder ein besonderes Muster und warum gerade diese besonderen Farben?
Begonnen hat alles vor ca. 800 - 1000 Jahren mit den Rittern. Ritter zogen in Kriege und Turniere und waren mit einer Rüstung bekleidet. Auf dem Kopf trugen sie einen Helm und Helmdecken (Abb. 1). Damit waren sie für Freund und Feind nicht mehr unterscheidbar. Aus diesem Grund wurden auf dem Schild und dem Helm persönliche Unterscheidungsmerkmale angebracht, die schon auf große Entfernung erkennbar sein mussten: Darstellungen, geometrische Formen, Farben, bunte Helmdecken, Helmzier.



Abb. 1

Persönliches Familienwappen der Markgrafen von Baden war der rote Schrägbalken auf gelbem (goldenem) Grund. (Abb. 2) Vor ca. 800 Jahren wurde dieses persönliche Wappen auf das Herrschaftsgebiet Baden übertragen. Im Verlauf der Jahrhunderte entstand dann daraus das Staatswappen des späteren Großherzogtums Baden (Abb. 3). Dem Schild hinzugefügt wurden als Schildhalter zwei Greife und eine Krone als Zeichen der Staatsmacht.



Abb. 2

Abb. 3

Nach Abschaffung der Monarchie 1918 wurde das Wappen modernisiert und alle monarchischen Teile entfernt. (Abb. 4 links). Das Wappen wurde so vom Freistaat Baden bis 1952 benutzt.



Abb. 4

Eine ähnliche Entwicklung machte auch das Wappen von Württemberg durch. Stammwappen ist das Wappen der Grafen von Württemberg (Abb. 5). Im Schild sehen wir seit ca. 800 Jahren die drei württembergischen Hirschstangen auf goldenem Grund. Es findet sich erstmals auf einem Siegel des Grafen Hartmann von Grüningen-Wirtemberg aus Akko aus dem Jahre 1228. Die 3 Hirschstangen sind offenbar von den Grafen von Veringen übernommen, mit denen Graf Hartmann von Grüningen durch Heirat verbunden war. Wahrscheinlich sollen die Hirschstangen auch auf das besonders wald- und hirschreiche Gebiet der Wirtemberger hinweisen. Die 3 Hirschstangen bleiben in allen Variationen und Ergänzungen das Erkennungszeichen der Württemberger bis 1952. Als Helmzier führten die Grafen ein Hifthorn.
Als Friedrich I. König von Württemberg wurde, sollte auch ein neues Wappen geschaffen werden, mit dem das größere Königreich deutlich würde. Das neue Wappen wurde aber nicht mehr zur Zeit König Friedrichs I. fertig. Erst unter seinem Sohn und Nachfolger, König Wilhelm I., wurde das neue Wappen nach einem Entwurf des königlichen Baumeisters N. Thouret geschaffen und durch Dekret König Wilhelms I. im Dezember 1817 für verbindlich erklärt Das Königreich Württemberg nahm in den jetzt gespaltenen Wappenschild noch die 3 staufischen bzw. schwäbischen Löwen auf. Als Schildhalter dienten Hirsch und Löwe. Das Königsmotto "furchtlos und trew" fundiert das Wappen als Inschrift auf der Schärpe unter dem Schild und den Schildhaltern (Abb. 6).
Nach 1918 erfolgte auch hier eine Modernisierung: Der Schild zeigt jetzt drei Felder, zwei mit den Hirschstangen, zwei mit Streifen in den württembergischen Farben schwarz-rot. (Abb. 7). Dieses Wappen wurde vom Volksstaat Württemberg und später vom Land Württemberg-Hohenzollern bis 1952 benutzt. Schildhalter waren zwei Hirsche.


Abb. 5

Abb. 6

Abb. 7

Mit der Gründung des Landes Baden-Württemberg stellte sich sofort auch die Frage nach einem Wappen. Möglich wäre eine Kombination der Wappen der Länder Baden, Württemberg und Hohenzollern gewesen. (Abb. 8) Dieser Versuch wurde bereits mit dem Landeswappen von Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden von 1945-1952 gemacht (Abb. 9), die Lösung war unbefriedigend. Ein Problem ergibt sich daraus, dass in der Heraldik oben vor unten und heraldisch rechts vor links bevorrechtigt sind. Welches Symbol sollte also das andere dominieren?



Abb. 8



Abb. 9


Aus diesem Grund einigte man sich auf ein die ehemaligen Länder verbindendes Symbol, man griff zurück auf das historische Wappen des Herzogtums Schwaben, welches vor ca. 1000 Jahren den größten Teil des heutigen Südweststaats umfasste. Das Herzogtum Schwaben mit dem Herrschergeschlecht der Staufer führte als Wappenbild drei schwarze Löwen auf goldenem Grund. (Abb. 10). Diese drei schwäbischen Löwen sind uns bereits im Wappen des Königreichs Württemberg begegnet. Und dieses Staufer-Wappen wurde 1954 zum Wappen von Baden-Württemberg (Abb. 11).



Abb. 10



Abb. 11

(Zu den Löwen als Wappentier der Staufer und Herzöge von Schwaben: Die Herzöge von Schwaben hatten seit 1181 nur einen, aufgerichteten, Löwen im Schild geführt. Die 3 schreitenden Löwen tauchen zuerst bei Philipp von Schwaben auf, der 1198 auch zum deutschen König gewählt wurde. Nach dem Ende der Staufer 1268 wurde das Wappen der Staufer mit den 3 schreitenden Löwen im 16. Jahrhundert im Wappen des schwäbischen Reichskreises geführt.)
Die Schildkrone des Großen Landeswappens besteht aus 6 Schilden, die die geschichtliche Herkunft und Vielfalt des Landes andeuten: Die beiden mittleren Schilde gehörten Baden (der rote Schrägbalken im gelben Feld) und Württemberg (die 3 Hirschstangen, wobei im Landeswappen - anders als im Grafen-, Königs- und Herzogswappen - die untere Hirschstange 4 und nicht nur 3 Spitzen hat). Die übrigen vier Schilde in der Schildkrone stehen für Gebiete, die bis 1806 große Teile des heutigen Baden-Württemberg einnahmen Die 3 silbernen Spitzen auf rotem Grund gehörten früher dem Herzogtum Franken und stehen für ehemals fränkische Gebiete wie z.B. Hohenlohe. Der weiß-schwarz gevierte Schild vertritt Hohenzollern: Hohenzollern war bis 1849 ein selbständiges Fürstentum und es war bis 1945 eine preußische Enklave in Württemberg. Der steigende Löwe, gelb auf schwarzem Grund, erinnert an die Kurpfalz, deren Gebiete von Heidelberg bis Bretten einen Großteil des späteren Großherzogtums Baden ausmachten. Der rot-weiß-rot geteilte Schild erinnert an die ehemals habsburgischen Länder im Südwesten, an Vorderösterreich. Als Schildhalter dienen der württembergische Hirsch und der badische Greif.
Das Kleine Landeswappen (Abb. 12) enthält nur den Schild mit den 3 schreitenden Löwen und eine einfache Schildkrone.
Das Große Landeswappen führen der Landtag, die Landesregierung, Ministerpräsident und Ministerien, die Landesvertretung beim Bund, der Staatsgerichtshof, die obersten Landesbehörden, der Rechnungshof und die Regierungspräsidien.
Das Kleine Landeswappen führen die übrigen Landesbehörden (z.B. Landesdenkmalamt), die Notare u.a. Das Kleine Landeswappen erscheint auf den Nummernschilder der Autos, die in Baden-Württemberg zugelassen sind, auf Firmenschildern und auf Briefmarken.



Abb. 12


Als Flaggenfarben benutzt man üblicherweise die Farben des Schildes, wobei die Farben des Wappenbildes immer vorn (vom Betrachter aus links) stehen. Solchermaßen ist die Flagge von Baden-Württemberg schwarz-gold gestreift (Abb. 13). Baden führt eine Flagge in den Farben gelb-rot-gelb. Dies sind schlichtweg die Farben des Wappenschildes, lediglich in Längsstreifung. Die württembergischen Farben sind schwarz-rot. Eigentlich hätten sie schwarz-gelb sein müssen, aber dies waren in früherer Zeit die deutschen Reichsfarben. So ersetzte man einfach Gelb durch Rot.



Abb. 13


In einem Nachtrag ist das Landeswappen Bayerns wiedergegeben. Im großen Bayerischen Landeswappen (Abb. 14) von 1946 sind zum Teil die gleichen Wappensymbole wiedergegeben wie im Wappen von Baden-Württemberg, was auf die große gemeinsame Schnittmenge beider Länder in der Vergangenheit hinweist:
Im Bayerischen Landeswappen steht der weiß-blau gerautete Schild im Mittelpunkt. In den anderen 4 Feldern des Wappens finden sich aber 3 Bilder, die auch auf dem Landeswappen Baden-Württembergs vertreten sind: die 3 schreitenden Löwen als Symbol für Schwaben (Schwaben macht ja in der Bayerischen Region Schwaben mit Augsburg als Zentrum einen großen Teil Bayerns aus), der aufrechte goldene Löwe als Symbol der Pfalz (steht für die Oberpfalz und für die Verbindung der Wittelsbacher zur Kurpfalz) und der "fränkische Rechen" (der für Franken steht, das ja erst 1806 durch Napoleon zum Königreich Bayern kam).



Abb. 14