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tes Le Touquet Enduro 2001, Pas-de-Calais Ein aktueller Sportbericht vom alljährlichen, weltweit größten Endurowettbewerb am Ärmelkanal. Die Wertung im Einzelnen:
Trotz sehr kühlem Winterwetter fanden sich die circa 300 000 Zuschauer am „Paris Plage“ ein. Für so manchen bedeuten die Nächte vor dem Rennen die halbe Party. Überall in der Stadt darf gecampt werden, jedenfalls duldet die nationale Polizei CRS dies. Rund um die Fahrerlager, in den Wohngebieten brennen Lagerfeuer und so mancher Vierzylinder wird die Nacht über zu Tode gequält. Die Stimmung ist sehr gut, Sprachprobleme werden durch freundliches zuprosten überwunden (Trotzdem gab es bei dem Massenspektakel Verletzte).
An der über 500 Meter langen Start-Ziellinie fanden sich dieses Jahr an Prominenz neben Hubert Auriol (TSO) auch Stéphane Peterhansel und der diesjährige Paris-Dakar-Gewinner Pattrick Meoni ein.
Doch schon vor dem Start kam es zu einem Missgeschick eines Piloten. Der zog für Minuten die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, indem er beim nehmen einer Abkürzung über eine ausgedehnte Wasserfläche spektakulär zu Fall kam. Mit einer Riesen-Wasserfontäne und einem vielleicht 100 Meter langen Aquaplaning-Slide, kam es zu einer unsanften Landung die zwar der Fahrer heil überstand, jedoch hatte das Motorrad ebenfalls Wasser genommen, so dass ihm zumindest kostbare Minuten verloren gingen. Touquet-Kenner wissen, dass der Start des Rennes spätestens am Park Ferme Ausgang beginnt. Dort geben sich die schweren TSO-Geländewagenden alle Mühe, den Transfair durch Le Touquet City nicht in eine wilde Raserei ausarten zu lassen, wie sie früher üblich war. Damals glich die Anfahrt zur Start-Ziellinie dem Treiben junger Stiere durch die Gassen von Campostola. Erreichen die Fahrzeuge den Strand, gibt es nichts und niemanden mehr, der eine ›Meute‹ von 1000 Enduristen aufhalten könnte! Selbst das mutige Personal an der Startanlage sagt uns, dass sie das Feld hier höchstens „pour une bonne“ Minute im Zaum halten, dann muss die Startwand fallen.
. Mit einem Böllerschuss startet Stéphane Peterhansel (oder Fabrizio Meoni?) das 26. L’Enduro du Touquet. Die Luft ist noch extrem Sandhaltig als es bei einem Gerangel, nur wenige Sekunden nach dem Start einige Kontrahenten zu Fall kommen. Ein Hubschrauber landet, musst aber niemanden abtransportieren. Während vielleicht 600 der 1016 gemeldeten Fahrer und Fahrerinnen am Start waren, hatte ein ganzer Tross Nachzügler das Nachsehen, auch das ist in Le Touquet normal. Frétigné mit der Startnummer 5 passierte als erstes mit 20 Sekunden Vorsprung die Zielgerade, wobei er das Publikum ordentliche aufstachelte. Die Führung kommt ihm bald abhanden, denn Thierry Bethys und Jean-Claude Moussé lieferten sich an der Spitze bald heftige Duelle. Frétigné ist der erste Spitzenfahrer, der in der Führungsgruppe mit einem Viertakter unterwegs war. Yamahas Erfolgsmodel der YZ 426 entwickelt sich zu dem Touquet 4-Takter schlechthin, denn auch in den letzen beiden Jahren beweist die kleine Yamaha, das sie es mit den sonst überlegenen Zweitakter aufnehmen kann.
Technische Neuerung bei diesem zum 26ten in Le Touquet
stattfindenden Strandrennen ist ein elektronisches Rundenzählsystem, das
zumindest am Samstag beim Quadrennen nicht zur Zufriedenheit aller
funktionierte. Zwar gab es diesmal drei statt nur einer Kontrollstellen, aber
die Warteschlangen, Gehrangel und abgewürgte Motoren blieben im Engpass auch
diesmal nicht aus. An der Zählstelle, mussten sich Runde für Runde 1000 Fahrer
durch drei enge Gatter quetschen oder gar eine Gedenkminute einlegen. Gerade die
sollten vermieden werden. Die Quadfahrer streckten ihre linke Hand mit dem
Sensorarmband in Richtung einer Ampel aus, die zur Kontrolle für jeden auf grün
schalten sollte, was aber nicht zuverlässig geschah. Deswegen kam den
›menschlichen‹ Rundenzählern die wichtige Aufgabe zuteil, diese Scharte
auszuwetzen. Nach dem Start geht es am breiten ›Paris Plage‹ nahe
des Dünengürtels exakt 4,6 Kilometer Vollgas geradeaus, bevor es linkerhand
zur wohl berüchtigtsten Stelle des Kurses geht. Steil ansteigend in den Dünen
muss hier ein Nadelöhr von zwei Meter Breite passiert werden. Regelmäßig
kommt es hier in der ersten Runde, wenn das Feld noch nicht über den insgesamt
15,4 km langen Runde verteilt ist, zu einer spektakulären Sandschlacht. Dann
beginnt ein unwegsamer, schmaler Dünenabschnitt, der den Kontrahenten von Runde
zu Runde mehr Kraft abverlangt, denn der Zuckersand wird immer weicher und
ausgefahrener, jedes Sandkorn ist am Ende mehrfach gewendet. Insgesamt kam es zu 13 Einsätzen des Roten Kreuzes, die glücklicherweise überwiegend glimpflich ausgingen. Gleich in der ersten Runde kam ein Fahrer in der Nähe der ›Goulet‹ vom Kurs ab und verletzte vier Zuschauer, die im unwegsamen Dünengelände von den vier Begleithubschraubern geborgen werden mussten.
Rund 1500 Menschen sind mit Planung und Durchführung dieses Spektakels beschäftigt. Zu der Crew gehören 85 Motorradpolizisten sowohl On-Road als auch zum Teil angereiste Enduropolizisten (XR 250/400), die ein Auge auf all zu animierte grobstollige Zuschauer haben, die gerne durch die Dünen fahren wollen. 200 Feuerwehrleute, 5 Einheiten der National Polizei „CRS“, 350 Polizisten, ein mobiles Krankenhaus, 200 Personen technisches Personal, 200 Sicherheitsleute, 200 TSO Mitarbeiter und 100 freiwillige Helfer bilden neben 1200 Startern das Rückrad dieser Veranstaltung.
Vom Pech verfolgt schienen diesmal die Favoriten und mehrfachen Touquet-Gewinner Demeester (Platz 715)und Hauquier (Platz 35). Arnauld Demeester kam wegen defekter Zündkerze zu Fuß ins Fahrerlager geschoben (Platz 715) und hatte denkbar schlechte Laune...„Mein Motorrad fühlte sich in den Dünen an wie Ratatouille“ soll er gesagt haben. Hauquier klagte ebenfalls über Motorprobleme. Die Startnummer 6, Ives Deudon wurde hingegen als neuer Lokalmatador gefeiert. Er fuhr ein überraschend gutes Rennen und brachte die Spitzengruppe zeitweise in Bedrängnis.. Nach schlechtem Start kämpfte er sich am Ende der ersten Runde auf Platz 11 vor. Sein Abstand zum Ersten von 18 Minuten 46`` zeigt eindrucksvoll auf, das Touquet ein absolutes Langstreckenrennen und eine Konditionsschlacht ist Ab und an behindert durch Werksfahrer (an der Zählstelle?) und noch etwas gehemmt wegen einer Verletzung gelang ihm einen 5. Platz. Thierry Klutz aus Belgien fuhr mit einer fast nagelneuen, Serien-Gas-Gas 300 ein unglaublich schnelles Rennen, das für ihn auf Rang drei endete. In Radiokommentierung dominierte aber letztlich nur ein Name, der des 29jährigen lenzjährigen Champions, der für Honda Frankreich erfolgreich unterwegs ist. Mit 12 Runden und dreiminütigen Vorsprung vor Jean-Claude Moussé machte er das 2001er Rennen für sich klar. 949 von 1106 Starterinnen und Startern kamen dennoch ins Ziel, die Favoriten legen dabei 12 Runden, die letzen nur eine Runde zurück. Ein Grossteil der guten Fahrer kommt aus der Region Nordfrankreich und dem Department Pas-du-Calais, die Fangemeinde ist gesichert. Trotz Professionalisierung von Technik und Material (keiner geht mehr mit einer XT 500 an den Start), gibt das L’Enduro du Touquet von Werksfahrern bis zu Anfängern die Chance auf ein gemeinsames Abenteuer, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommt. Viele der Matadoren sind mit extravaganten ›Kopfschmuck‹ oder aufgeklebten Applikationen farbenfroh veredelt und haben das Publikum trotz langsamerer Fahrweise auf ihrer Seite. Überhaupt scheint da sympathische Le Touquet den Einfall der Motorradinvasion Jahr für Jahr gut zu verkraften.
Und
die Umwelt? Respectez les
Dunes In den letzten zwei Jahren wurde der Endurokurs zugunsten der Dünenlandschaft modifiziert. Die nördlichen Dünen werden nicht mehr direkt vom Kurs durchschnitten. Die Stadtverwaltung plant ein Renaturierungsprogramm. Für das auch in dieses Jahr wieder 4500 Stunden Arbeitszeit verplant sind, um die Dünen nach dem Rennen wieder zu säubern und in Form zu bringen. Dabei werden auch Grasmatten des geschützten Dünengras neu angepflanzt. ©Markus Golletz mago@gmx.net
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