Die Geschichte der Waggonfabrik Wismar reicht zurück bis in das 19. Jahrhundert und ist eng mit dem Reeder und Kapitän Heinrich Podeus verbunden. Bereits 1879 übernahm Heinrich Podeus die "Eisengießerei und Maschinenfabrik F. Crull & Co.".
Im Jahre 1894 gründete Podeus eine Fabrik für Schienenfahrzeuge, die 1902 auf einem außerhalb der historischen Altstadt Wismar liegendes Gelände, in unmittelbarer Nachbarschaft der Eisengießerei und Maschinenfabrik, verlegt wurde. Aus heute nicht mehr feststellbaren Gründen firmierte dieses Unternehmen bis zur Umwandlung 1911 in eine Aktiengesellschaft, unter dem Namen "Waggonfabrik F. Crull & Co. Wismar".
1917 verschmolz die "Waggonfabrik Wismar AG" mit der "Deutschen Waggonleihanstalt AG" zur "Eisenbahn-Verkehrsmittel-AG", kurz E.V.A genannt. Als Grund dieser Verschmelzung ist sicherlich zu sehen, daß nun die E.V.A in der Lage war, ihre zu Verleihenden Betriebsmittel (Waggons) selbst herzustellen. Ab 1936 wurde die Waggonfabrik wieder ausgegliedert und firmierte nun unter der Bezeichnung
"Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar AG".
Während des zweiten Weltkrieges wurde auch die Waggonfabrik schwer beschädigt. Einige Werkhallen, das Archiv (und damit auch viele Unterlagen und Zeichnungen) und das ...gebäude wurden zerstört. Am 22.Juli 1948 endete das Bestehen der Waggonfabrik in Wismar. Die Gebäude und Anlagen gehörten seitdem zur Werft in Wismar und wurden anderweitig genutzt. Heute sind die meisten Gebäude abgerissen bzw. dem Vandalismus ausgesetzt und verfallen zusehends.
Während Anfangs Personen- und Güterwagen produziert wurden, erfolgte später auch die Fertigung von Spezialgüterwagen, Schlaf- und Speisewagen, Straßenbahn-Triebwagen sowie zahlreiche Triebwagenbauarten. Die einzige Lokomotive die in der Waggonfabrik Wismar hergestellt wurde, war der mechanische Teil der E 44 001 für die Deutsche Reichsbahn.
Der erfolgreiche Sprung in die Produktion von Triebwagen, gelang der Waggonfabrik im Jahre 1924, mit dem auf der "Seddiner Eisenbahnausstellung" gezeigtem Triebwagen (späterer VT 851 der DRG). Dieses Fahrzeug besaß den ersten speziell für einen Triebwagen entwickelten Dieselmotor der Frima Maybach und ein für Triebwagen entwickeltes Getriebe.
Im Laufe der Firmengeschichte entstand einen sehr enge Zusammenarbeit mit der damaligen Ingenieurschule Wismar (heute Fachhochschule). Bedeutendster Punkt der Zusammenarbeit war die Einführung der elektrischen Schweißung im Schienenfahrzeugbau, bei der die Waggonfabrik Wismar eine wichtige Vorreiterrolle einnahm.
Das auffälligste und sicherlich auch interessanteste Erzeugnis war der "Wismarer Schienenbus" der Bauart Hannover, der auch heute noch bei einigen Museumsbahnen im Einsatz ist. Bei diesem Fahrzeugtyp wurde erstmals die elektrische Schweißung im größeren Umfang eingesetzt, durch diese Leichtbauweise konnte eine beträchtliche Gewichtsersparnis erreicht wurde.
Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte bis 1947 nur noch die Produktion von Flachwagen sowie die Reparatur von kriegsbeschädigten Fahrzeugen. Nachweislich erfolgte die Reparatur von Fahrzeugen der S-Bahn Berlin und der Umbau von Reisezug-/Güterwagen in Wohnwagen. Weiterhin produzierte die Waggonfabrik vieles was in der Nachkriegszeit benötigt wurde: Pferdefuhrwerke, Spaten, Kartoffelhacken, Ruheliegen, Handbügelsägen, Eimer, Möbel und Särge(!). Aber die Waggonfabrik hatte nach dem Krieg auch Großes vor, so präsentierte sie sich 1947 auf der Leipziger Messe mit eigenem Stand und neuem Logo und zumindest auf Papier entstand der Entwurf eines neuen regelspurigen Triebwagens.

Kurzzeitig kehrten für einige Monate nach 50 Jahren noch einmal einige Schienenfahrzeuge in die Hallen der ehemaligen Waggonfabrik zurück. Anfang 1998 standen mehrere TATRA Straßenbahn-Triebwagen aus Berlin, elektrische Triebwagen der Waldenburger Bahn und ehemalige VT 798 der DB abgestellt herum. Diese Fahrzeuge sollten über den Wismarer Hafen ins Ausland verschifft werden.