


Gemeinsam auf Spurensuche
Förster Konrad Funk, Revierförster in Türkismühle, zeigt den großen und kleinen Teilnehmern an der Winterwanderung, welche Tiere im Schnee welche Spuren hinterlassen. Dazu hat er präparierte Tierfüße mitgebracht, die er in den Schnee taucht. Doch bald stößt die Gruppe auf Abdrücke von lebenden Tieren. Foto: ATB
Mit Revierförster Konrad Funk unterwegs im Holzhauser Wald -
Fährten von Tieren im Schnee entdeckt
Türkismühle (ver). "Was hat hier unseren Weg gekreuzt?", fragt Revierförster Konrad Funk. Und er beugt sich über eine Reihe von Abdrücken im Schnee. Wie auf eine Schnur gezogen verlaufen sie quer über den Waldweg und verschwinden im dichten Unterholz. Mit einer Gruppe naturinteressierter Kinder und Erwachsener ist Funk im Holzhauser Wald, nordwestlich von Türkismühle, unterwegs.
Der Schneefall der vergangenen Tage macht Spurensuche und Fährtenlesen im Wald einfach. Ideale Bedingungen also, um mal nachzuschauen, was sich hier so alles "rumtreibt". Rotwild, Schwarzwild, Fuchs und Baummarder sind zu finden. Die Aufmerksamkeit gilt den Spuren, die das Wild am Boden hinterlassen hat.
"Ein Reh?", wird da vermutet. Jagdhund Max schüttelt nur den Kopf. Seine feine Nase hat schon längst den Fuchs, der seine Abdrücke hinterlassen hat, erkannt. Zusammen mit Herrchen Gerd ist der Münsterländer aus Walhausen zur Fährtensuche in den Wald gekommen. Der Förster erklärt den Kindern den Unterschied, weist auch darauf hin, dass das Reh mit seinen Schalen einen Doppelabruck liefert. "Das hier war ein Fuchs", fasst der Förster zusammen. Vorher hatte Konrad Funk den angehenden Fährtenlesern anhand präparierter Tierfüße gezeigt, welche Abdrücke, der Jäger nennt sie
Trittsiegel, von welchem Tier stammen. Auch andere Spuren, wie etwa ein abgelegtes Geweih oder das Gehörn eines Rehbocks deuten auf das Leben der einzelnen Tiere hin.
Und hier: Ein Baummarder hat bei der Überquerung des Waldweges eine filigrane Spur hinterlassen. "Schau mal, hier war ein Wildschwein", die zwölfjährige Natalie aus Namborn hat eine Spur gesehen. "Richtig!", lobt Funk. "Nun wollen wir mal sehen, ob es wirklich nur ein Wildschwein war." Was auf dem Waldweg aussieht wie die unordentliche Spur eines einzigen Tieres läuft im nahen Buchenhochwald auseinander und verteilt sich zu sieben bis acht verschiedenen Fährten. Einen Weg passieren die Wildschweine nämlich brav hintereinander, so dass man die einzelnen Spuren und dazu die genaue Anzahl der Tiere nicht so gut erkennen kann. Aber im Wald läuft die Rotte etwas auseinander. Funk: "Hier sehen wir auch, wo die Wildschweinrotte gebrochen hat." Die empfindlichen Nasen der Tiere haben die ölhaltigen Bucheckern unter der Schneedecke und dem Herbstlaub gewittert. Mit der keilförmigen Schweineschnauze ausgewühlt sind die Samen ein energiereiches Nachtmahl für die Schwarzkittel. Der Boden hier sieht aus, als wäre er umgepflügt worden. "Besser hier als auf dem Acker", meint einer der Teilnehmer an der Fährtensuche.
Förster Funk erzählt auch aus dem Jagdbetrieb, erklärt den Kindern und den erwachsenen Tour-Teilnehmern, wie eine erfolgreiche Hege funktioniert: "Wir müssen einfach mal den Gerüchten entgegentreten, dass hier alles Wild totgeschossen wird." Dies sei halt anhand der Spuren und Fährten zu erkennen. So, als wolle sie seine Argumente stützen, steht eine Stocksulze am Wegesrand. Hier haben Jäger einen Salzstein auf einen Baumstumpf gelegt. Das Salz wird von Regen und Schnee aufgelöst, fließt am Baumstumpf entlang, und das Wild leckt die Salzlake dann gierig ab. Um die Stocksulze herum ist der Waldboden mit Eindrücken nur so übersät. Das Wild war, wenn auch unsichtbar, doch hier.
Nun wissen alle Bescheid. Der fünfjährige Sebastian aus Türkismühle sagt: "Die Spur vom Reh kenne ich jetzt."
Informationen und Anmeldungen für Leute, die vom Revierförster Konrad Funk durchs Forstrevier geführt werden möchten: (06852) 92013.
Quelle: SZ 05.02.2003