
Nicht nur die musikalischen Wünsche ihrer Fans erfüllte Nicole beim Konzert in der Congresshalle - auch für ausgefallene Ideen der Anhänger war sie zu haben. Sogar einem Heiratsantrag bot sie ihre Bühne.
- VON MARKO VÖLKE -
Konzert mit Power...
Bei ihrem fast dreistündigen Auftritt in der Congresshalle Saarbrücken bot die bodenständige Sängerin Nicole ihrem Publikum eine gelungene Mischung aus gefühlvollen Balladen und fetzigen Titeln. FOTO: MAURER


Fotos: Peter Ziegler
Saarbrücken. Im Rahmen ihrer aktuellen "Ich lieb Dich"-Tour steht sie in Berlin, Hamburg oder Leipzig auf der Bühne. Doch getreu dem Motto "Dehemm ist es immer am schenschde" sind ihre Konzerte im Saarland für Nicole immer etwas Besonderes. Und das zeigte die in Nohfelden geborene Sängerin am vergangenen Samstag bei ihrem Auftritt in der Congresshalle von Anfang an: "Gun Abend Saarbrigge, ist das schen, widder hier ze sinn", begrüßte sie die knapp 1200 Besucher in der ausverkauften Halle.
Darunter nicht nur zahlreiche Freunde der Künstlerin. Fans aus der gesamten Bundesrepublik scheuten den langen Weg ins Saarland nicht: "Ein Auftritt von Nicole in ihrer Heimat muss man einfach mal mitgemacht haben", fand Kerstin Isernhagen aus Hamburg. Kartin Gniosdorz reiste extra aus München an. Und aus dem Raum Mülheim-Oberhausen pilgerten 20 Mitglieder des dort ansässigen Fanclubs nach Saarbrücken. Auch winterliche Straßenverhältnisse hielten die Schlagerfreunde nicht im Ruhrgebiet.
Schon in ihrem ersten Song kündigte die 38-jährige Nicole an: "Wenn ich singe, lasse ich euch in meine Seele schauen." Und genau das tat sie in ihrem fast dreistündigen Konzert immer wieder. Mal widmete sie ihrer Freundin Angelika ("Geli") einen Titel, mal nahm sie mit "Voglio Amarti Cosi" unter Tränen auf ihre ganz eigene Weise Abschied von ihrem vor zwei Jahren verstorbenen Freund Antonio. Auch in vielen ihrer anderen Liedern scheute sich die Saarländerin nicht, offen ihre Emotionen zu zeigen.
Aber auch große Hits aus ihrer Anfangszeit wie "Der alte Mann und das Meer" oder "Allein in Griechenland" vergaß Nicole nicht: In Medleys erinnerte sie an die Lieder, denen sie nach eigener Aussage ihre bereits über 20-jährige Karriere zu verdanken hat. Und als die "Grand-Prix"-Gewinnerin als Zugabe endlich ihren Siegertitel "Ein bisschen Frieden" anstimmte, riss es das bunt gemischte Publikum buchstäblich von seinen Plätzen. Vom sechsjährigen Knirps bis zur 60-Jährigen Oma sang alles mit. "Ich wünschte, dass könnte man in Amerika hören", stellte sie daraufhin einen aktuellen Bezug zur Irak-Krise her.
Doch das Gastspiel der sympathischen Blondine war weit mehr als nur die sture Wiedergabe einer vorher erdachten Titelfolge: "Man ist ja spontan", lächelte sie und erfüllte geduldig die Wünsche ihrer Fans, die keine Gelegenheit ausließen, ihren Star mit Geschenken zu überhäufen. Für Dinge wie Blumen, Süßigkeiten oder auch blickdichte Strumpfhosen gab sie ein spontanes A-Capella-Ständchen, gratulierte einem Geburtstags-Kind und gab ihr Mikro an Christian Schalzki ab. Dieser machte seiner Freundin Doris Schal einen romantischen Heiratsantrag.
Und Frank aus Saarbrücken wird wohl der Song "Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund" ewig in Erinnerung bleiben. Denn wer kann schon von sich behaupten, dass er dabei Nicole auf der Gitarre begleiten durfte?! Fünf Jahre hatte er geübt, um dieses Versprechen, dass ihm die zweifache Mutter vor einiger Zeit mal gegeben hat, einlösen zu können.
Klar, dass den richtig eingefleischten Nicole-Fans ein Konzert der Sängerin nicht genügt. So reist Daniela Winter, 23, aus Oberhausen der Musikerin zu zwölf Auftritten ihrer aktuellen Tournee nach. Florian Braun, der die Künstlerin schon in seiner Jugend im Fernsehen bewundert hat, war bereits auf 30 Gastspielen: "Ich stehe dazu, Schlager-Fan zu sein" - und bestimmt stand der Wiesbadener mit dieser Meinung nicht alleine da.
Quelle: SZ 03.02.2003