Türkismühle, Anno dazumal...

Bekannt durch Camembert...

Ortsname geht auf Müller Türkis zurück

Als Türkismühle 1860 Bahnknotenpunkt wurde, fing das kleine Dorf im nördlichen Saarland an zu boomen. Geschäfte, Wirtshäuser und Unternehmen ließen sich nieder. Heute geht es dort wieder beschaulicher zu.
Türkismühle (gtr). Ab 25. Mai 1860 war es mit der Beschaulichkeit in Türkismühle vorbei. An diesem Tag wurde die Rhein-Nahe-Bahn zwischen Oberstein und Neunkirchen eröffnet - und Türkismühle war mit einem Bahnhof dabei. In einer alten Beschreibung wird der Ort, der damals noch zu Nohfelden gehörte, so skizziert: "Vorher war Türkismühle ein weltentlegenes, stilles Wiesental am Oberlauf der Nahe. Von den Talhängen und den Bergen sahen Gebüsch und Waldbäume mit stillen Augen hinunter, wo im Sommer- sonnenschein der Söterbach als schmales, silberglänzendes Rinnsal hinter Erlenge- strüpp in die Nahe einmündete." Als 1897 die Hochwaldbahn nach Hermeskeil gebaut war und ab 1936 auch Züge nach Kusel fuhren, war das Dorf Eisenbahnknotenpunkt. Eine noch größere Popularität erfuhr der Ort nach der Errichtung der Grenz- und Zollstation.
Der Name "Türkismühle" soll auf den Müller Heinrich Türkis zurück gehen, ein ehemaliger Angehöriger des türkischen Heeres, der diesen Namen angenommen hatte.
1698 habe er, so wird überliefert, von der herzoglichen Regierung in Zweibrücken die Erlaubnis erhalten, eine Mühle zu bauen, in der er auch eine Gastwirtschaft betrieb. Der Bau der Bahn und des Bahnhofs brachte die Öl- und Mahlmühle in Bedrängnis. Ab 1880 stand das Mahlwerk still. Ein Teil des Mühlgrabens, der vom Söterbach abgeleitet wurde, ist noch erhalten. Nach der Bahneröffnung war Türkismühle ein begehrter Verladeplatz für die Bauern und Handwerker aus der Umgebung, die ihre Erzeugnisse zum Bahnhof brachten. Die im saarländischen Industrierevier tätigen Arbeiter bestiegen hier ihre Züge. Nun witterten auch die Geschäftsleute eine Chance. Wirtshäuser entstanden, Metzgerei, Hotel, Schuhhaus, Café, Textil- und Lebensmittelläden öffneten ihre Pforten. Eisen- und Haushaltswaren, Baustoffe und Brennmaterial wurden angeboten. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Zöllner kamen, mussten für sie Häuser gebaut werden. In der Nähe des Bahnhofs wurden Speditionsgeschäfte und Wechselstuben eingerichtet.
1946 schlug die Geburtsstunde der selbstständigen Gemeinde. 1947 wurde erneut eine Zollstation eingerichtet, diesmal eine französische. Gegenüber dem Holzhauserhof entstanden weitere Zollhäuser. Wenige Tage nach der Eröffnung der Bahn im Jahr 1860 erhielt der Ort eine Postexpedition II. Klasse. Sie wurde dem 1832 geborenen Peter Nicolaus Seibert aus Wolfersweiler übertragen, der vorher als Hilfskraft in der Postagentur Nohfelden beschäftigt war. Das erste Postgebäude stand an der Stelle des nach 1920 erbauten Wohnhauses Korb. Vier Postillione besorgten den Linienverkehr nach Wadern und Hermeskeil, während zwei Knechte für die Pflege der Pferde und die Wartung der Postkutschen verantwortlich waren. 1895 wurde die Personenpost nach Wadern eingestellt, zwei Jahre später auch die nach Hermeskeil. Die Hochwaldbahn hatte den Postillionen die Pferde ausgespannt. Das Dorf Holzhausen lag etwa an der Stelle des heutigen Holzhauserhofes. Gesicherte geschichtliche Überlieferungen darüber gibt es mehrere. Am 15. November 1585 wird eine Juliana von Altdorf von Holtzhausen erwähnt und im Jahr 1611 ein Brühl zu Holzhaußen. 1620 musste Holzhausen 30 Gänse als jährlichen Zins an die Obrigkeit zahlen. Da aber der Hof damals verfallen war, sollte von der Zweibrückener Amtskellerei zu Nohfelden statt der Gänse zwölf Albus abgegeben werden. Im Salbuch der Abtei Tholey von 1707 steht über Holzhausen: "Das Dorf liegt nicht weit von Gondersweiler, wäre vor Zeiten in die Pfarr Bliederdingen gehörig und bis zur Veränderung der Religion, ist in jetzo ruinos." Um 1750 wurde der Holzhauserhof von der zweibrückischen Regierung errichtet. Während der Franzosenzeit verfiel er, wurde später von der oldenburgischen Regierung aber wieder aufgebaut. Am alten Weg nach Hoppstädten lag in grauer Vorzeit das Dorf Meckenheim, in dessen Nähe eine römische Begräbnisstätte gefunden wurde. Die Siedlung löste sich bereits vor 1400 auf. Ein bedeutendes Unternehmen war einst die Molkerei mit ihren im gesamten Saarland ver triebenen Produkten. Sehr bekannt war damals der "Türkismühler Camembert". 1948 wurde an der Straße nach Sötern die erste katholische Kirche errichtet, der 1959 die evangelische folgte. Seit die Autobahn gebaut und Türkismühle nicht mehr Bahnknotenpunkt ist, ist es im Dorf ruhiger geworden. Viel hat sich in den vergangenen Jahren zum Positiven hin veränder Deshalb sehnt sich heute wohl niemand mehr nach dem kleinen Ort Türkismühle von vor 50 oder 100 Jahren zurück. 

Blick auf den Bahnhof...
Blick auf Türkismühle mit dem Bahnhof im Vordergrund vom Buchwald her im Jahr 1924.
Die Häuser links im Bild auf der Anhöhe, dem Juliusberg, waren eine Siedlung, in der Mitarbeiter der Bahn wohnten.

Die Eisenbahnanbindung hat dem kleinen Ort im nördlichen Saarland einen großen Aufschwung gebracht. Fotos: Privat

Ehemaliges Postamt... Diese Aufnahme zeigt das Gebäude der alten Post Mitte der 30er Jahre. Es steht heute noch in Türkismühle an der Abzweigung der Trierer Straße in Richtung Sötern. Im Jahr 1960 erhielt Türkismühle ein neues Postamt. Das Gebäude des ehemaligen Postamts wird heute von Privatleuten bewohnt.

Türkismühler Molkerei... Diese Aufnahme zeigt die örtliche Molkerei Anfang der 70er Jahre. Unter der Beschriftung an der Hausfassade war der Deckelaufdruck des “Türkismühler Camemberts” mit einer Zeichnung der Mühle Türkis am Haus angebracht. Kurze Zeit später wurde die Molkerei schließlich geschlossen.

Gasthof Schulze... Das Gasthaus Schulze Anfang der 30er Jahre. Es wurde am 22. Februar 1945 durch Fliegerangriffe zerstört und blieb bis 1957 ein Trümmergrundstuck. 1958 zog dort die Zweigstelle der Kraissparkasse ein.

Ansichtskarte von Türkismühle... Der Ortskern von Türkismühle um das Jahr 1900. In der oberen Hälfte ist die heutige Trierer Str. zu sehen, im unteren Teil des Bildes die heutige Saar brücker Straße mit dem Gasthaus “Zur Post”, den Stallungen sowie das Geschäft Anton Meier und der Friseurladen Peter Derschlug (rechts). Im unteren linken Teil der Postkarte sind das Gasthaus “Oldenburger Hof” und das Gasthaus Schulze abgebildet.

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 05.10.2002