|
Kaum eine Geistesgröße ist für meine intellektuelle Entwicklung
so maßgebend gewesen wie Carl Friedrich von Weizsäcker. Schon mein
Vater hat diesen Denker sehr geschätzt und mir mehrere Bücher von ihm
geschenkt.
Einen ersten Kontakt gab es im Herbst des Jahres 1976, als ich Herrn von
Weizsäcker einen kleinen, erst philosophischen Versuch (als mehr kann es
nicht gelten) zusandte und ihn um eine Stellungnahme bat. Daraufhin hat mir
Herrn von Weizsäcker eine
ausführlichen Brief
geschrieben, der mich
zutiefst berührt hat.
Ich begann dann schon ab Mitte der siebziger Jahre parallel zu meinem
Geologiestudium intensiv philosophische Literatur zu lesen, u. a. das Buch
Die Tragweite der Wissenschaften von Carl Friedrich von
Weizsäcker. Diese Lektüre wurde mir zum entscheidenden Wendepunkt,
denn auf S. 136 heißt es:
Ich habe versucht, wie ein Jude alter Zeiten und wie ein platonischer
Philosoph zu sprechen; bald werde ich wie ein Ultra-Naturwissenschaftler
sprechen. Und sonderbar genug, ich brauche in allen drei Fällen nur sehr
wenig zu behaupten, was ich nicht wirklich glaube.
Diese Initialzündung, wenn ich es so nennen darf, eröffnete mir die
Perspektive, das Grundproblem von Glaube und Wissenschaft, von Glauben und
Denken in einem einheitlichen Ganzen zu begreifen. Bis heute habe ich daran
festgehalten.
Den nächsten Kontakt zu Herrn von Weizsäcker gab es dann im Zuge der
Veröffentlichung eines
Leserbriefes
in der Wissenschaftszeitschrift
Spektrum der Wissenschaft im September 1987 zu einem reichlich
verunglückten Galilei-Artikel. Auf diesen Leserbrief hin schrieb mir
Prof. Dr. Luck aus Marburg einen Brief
mit interessanten Hintergrundinformationen.
Sowohl meinen Leserbrief als auch die Korrespondenz von Herrn Prof. Luck habe
ich dann Herrn von Weizsäcker geschickt
, der mir darauf erneut
sehr ausführlich antwortete
. Die dortige Bemerkung, dass ich das Umfeld
Galileis besser kenne als er, war wohl der erste entscheidende
Anstoß zu meiner zweiten Promotion.
Später, Im Jahr 1989, habe ich Herrn von Weizsäcker mit seiner
Zustimmung den zweiteiligen Aufsatz Von Alfred Wegeners
Verschiebungstheorie zur Theorie der Plattentektonik. Die Struktur einer
wissenschaftlichen Revolution in den Geowissenschaften
widmen dürfen
, wofür sich der Freiherr dann bei mir mit einem
Brief bedankte
.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass mein erster Doktorvater,
Prof. Dr. Herbert Flathe
, der auch hier gewürdigt wird, bei Herrn von
Weizsäcker in Göttingen studiert hatte. Von Herrn Flathe erhielt ich
dann als Erbstück das Manuskript der damals in der Nachkriegszeit von
Herrn von Weizsäcker gehaltenen Vorlesung Vom begrifflichen Aufbau
der theoretischen Physik, das mir besonders wertvoll ist.
Hier noch einmal die Liste der abgelegten Korrespondenz:
|