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Der "Erste Mathematiker und Philosoph" des Großherzogtums Toskana, Galileo
Galilei (* 15. Februar 1564 in Pisa; † 8. Januar 1642 in Arcetri bei Florenz),
ist seit langem für mich Gegenstand der privaten Forschung.
Veranlasst durch einen Brief von Prof. Dr. Carl-Friedrich Freiherr von
Weizsäcker hatte ich Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts
begonnen, mich intensiv mit Werk, Wirken und Leben Galileis
auseinanderzusetzen. Das mündete schließlich in meiner zweiten Dissertation
Das Problem der Autonomie der Naturwissenschaften bei Galilei
,
die im Jahre 2000 im
Franz Steiner Verlag
erschien. Schwerpunktmäßig behandelt diese Arbeit die Frage, wie Galilei das
Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube konzipierte und wie der Prozess
gegen ihn dann dieses Konzept modifizierte.
Neben den üblichen Literaturstudien war es vor allem ein Besuch im Mai 1990 im
Vatikanischen Geheimarchiv in Rom, bei dem ich für mehrere Tage die
Originaldokumente des Prozesses gegen Galilei einsehen und untersuchen konnte,
der zu meiner Dissertation beitrug.
Hier eine
Kurzbeschreibung
der Arbeit:
War Galileo Galilei, der als Primus Inventor der Naturwissenschaften gilt, auch
Philosoph? Stellt sein Forschungsverständnis eine originäre philosophische
Leistung dar?
Ausgehend von einer genauen Interpretation des Briefes Galileis an Benedetto
Castelli wird gezeigt, dass dieses von zwei grundlegenden Aspekten geprägt ist:
Zum einen der generellen Erforschbarkeit der Natur und zum anderen der Lehre
von den „Zwei Büchern“. Für Galilei stammen das Buch der Natur und das der
Offenbarung beide aus Gott; gerade deshalb leugnet er jede
außernaturwissenschaftliche Begrenzung der Forschung.
Die vorliegende Monografie reflektiert dieses Forschungskonzept Galileis
kritisch und prüft es vor dem Hintergrund der modernen Naturwissenschaften.
Darauf aufbauend lässt sich das Verhältnis von Naturwissenschaft zur Heiligen
Schrift neu und unverkrampft entwerfen. Säkularisierung und Autonomie der
Naturwissenschaften, die oft als Auswirkungen des über ihn verhängten Urteils
von 1633 gesehen werden, sind nicht das, was Galilei als Forschungskonzept
verfolgte.
Die Inquisitoren fällten ein Urteil, das jene gedeihliche Entwicklung der
Naturwissenschaften verhinderte. Den Schluss der Arbeit bildet der erstmals
vorgelegte Nachweis der Fälschung der das Urteil formal begründenden
Registratur.
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