FAMILIENGESCHICHTE(N)
Der "Schafskrieg" von 1781
zwischen dem Wehener Grundamtmann Ibell
und der Gemeinde Neuhof
vertreten durch Schultheiss Mattes Bund
Die Neuhofer waren schon immer etwas
"begriffsstutzig" wenn sie etwas zu zahlen hatten, aber schnell, wenn
Sie etwas zu bekommen hatten. Der für den Wehener Grund verantwortliche Amtmann
Ibell war ein Mann mit Durchsetzungsvermögen und in der ganzen Grafschaft
geachtet und gefürchtet und daher auch mit aller Vorsicht zu behandeln. Da er
dies aber selbst wusste erlaubte er sich Dinge, die er zwar selber nicht
verantworten, aber doch immer durchsetzten wollte.
Da
auch Ibell neben seiner Amtmannstellung Landbesitz in Pacht hatte, veranlasste
er als Pächter des herrschaftlichen Hofes in Wehen seinen Schäfer, 200 Schafe
in die Neuhofer Gemarkung zu treiben. Weil nun das Weideland nicht nur für den
Amtmann Ibell knapp war, sondern auch für alle Gemeinden, gab es immer wieder
Schwierigkeiten, so auch im sogenannten "Schafskrieg", in dessen
Vorgang die Neuhofer aus der Ibell-Herde ein paar Hämmel als Schadensersatz in
Verwahrung nahmen, den armen unschuldigen Schäfer verprügelten sie und
schickten ihn nach Wehen zurück. Amtmann Ibell, der sich daher in seiner Ehre
gekränkt fühlte, erstattete dem Oberamt Idstein Bericht und verlangte seine
einbehaltenen Schafböcke zurück und forderte eine Bestrafung der Schuldigen.
Das in Schrecken versetzte Oberamt schickte mit Sorge den
Hauptamtmann Langsdorf zur Verhandlung nach Wehen. Von Neuhof erschien am
28.07.1781 zur Verhandlung neben dem Schultheissen Matthes Bund auch der
Neuhofer Gerichtsschöffe Hattinger. Sehr schnell erkannte der Amtmann Ibell,
dass er in dem Schultheissen Bund einen Gegner gefunden hatte, der nichts
schuldig blieb und auch gewillt war, seine Rechte zu verteidigen und dem Amtmann
seine Grenzen aufzeigte. Bund beschönigt nichts und sagt dem Hauptamtmann
Langsdorf, sowie dem Amtmann Ibell, dass man sich des lieben Friedens Will die
ganze Zeit ruhig verhalten habe, doch wäre man nicht mehr länger gewillt, sich
der Willkür des Amtmannes Ibell auszusetzen, und man würde im
Wiederholungsfalle zu anderen Massnahmen greifen. Für dieses Mal würden die
gepfändeten Schafböcke zurückgegeben. Oberamtmann und Amtmann waren, ja sogar
Bund selber war über seine eigene Kühnheit erschrocken. Dies ist die größte
und einzige Niederlage, die Ibell in seiner Dienstzeit einstecken musste, und
die er nie vergessen konnte, denn 1786 wird der bereits aus dem Schultheissenamt
ausgeschiedene Bund wegen unerlaubter Brennerei von Ibell zu einer hierfür Höchststrafe
verurteilt, die von dem Oberamt Idstein in eine Mindeststrafe umgewandelt wurde.
Zumindest in dem Falle Neuhof hat der Amtmann Ibell gezeigt, dass er nicht der
Mann war, den er darzustellen versuchte : ein Mann voller Edelmut,
Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeitssinn und über allen "Dingen"
stehend. Bewiesen hatte er in diesem Falle nur sein Durchsetzungsvermögen, und
dass er für Gerechtigkeit kein Interesse zeigte, was dennoch seine Leistungen
in dem Wehener Grund nicht schmälern konnte.
Auszug aus :
"Chronik zue Newenhoiff" des Neuhofer Geschichts- und Heimatforschers
Heinz Silbereisen
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