Medardus Hahn
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Die Fahrt ins Okawango-Delta

Mai 2005

Die Reise zu den Elefanten

 

Am 30. April diesen Jahres fuhren wir morgens etwa 600 Kilometer nach HARARE, in die Hauptstadt von SIMBABWE. Dort blieben wir drei Tage im Haus von Jeremy, eines sehr guten Freundes den ich seit vielen Jahren kenne. Das Wort Haus ist hier etwas untertrieben, denn es handelt sich um ein riesiges Anwesen mitten im Grünen einsam auf einem Hügel, zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Ein Landhaus in südafrikanischem Stil, ein großes, blendend weiß angestrichenes Landhaus mit verzierten Giebeln, ähnlich wie die Häuser in der Kapregion in Südafrika. Es gibt auch noch ein paar Nebengebäude im gleichen Stil, einen über großen parkähnlichen Garten, der umgeben ist von Wald, und darin versteckt ein Tennisplatz. Überall Aloegewächse der verschiedensten Arten. Auf der großen Wiese des Anwesens fehlte natürlich auch nicht der Pool mit glasklarem, erfrischendem Wasser. Das war natürlich nicht nur für Marcel ideal. Sehr erholsam war es, wir aßen mittags im Garten im "Poolhaus", waren mit Freunden von Jeremy unterwegs, besuchten Harare, wechselten Dollar privat in SIMBABWE Dollar und, versuchten Diesel für unsere Fahrt aufzutreiben. Das war allerdings sehr schwierig und gelang uns in der Hauptstadt nicht. Wie schon in den vergangenen Jahren, hat sich die Situation in Simbabwe weiter verschärft. Kein Diesel, selten Benzin, und fast kein Tourismus mehr in dem wunderschönen und so abwechslungsreichen Land.

Die nächste Etappe war der Manapools Nationalpark am Sambesi im Norden Simbabwes, ca. 350 Kilometer weiter. Unterwegs fanden wir auch endlich eine Tankstelle, wo uns sogar unser 25 Liter Reservekanister gefüllt wurde, was sonst verboten ist. In Manapools übernachteten wir direkt am Fluss. Das erste Mal nun absolut in freier Wildbahn an einer Stelle, die nicht eingezäunt ist und wo Hunderte von Tieren sind. Die Konzentration von Wild ist an den Altarmen des Sambesi so hoch, da Elefanten, Büffel, Zebras und zahlreiche Antilopenarten aus dem weiten Hinterland in der Trockenzeit hier die idealen Bedingungen finden. Während der gesamten Nacht hörten wir die Nilpferde, die Hippos, die teilweise nur wenige Meter entfernt grasten und immer wieder ihre typischen Geräusche machten. Ich hörte die ganze Zeit das Schmatzen der Hippos und habe kaum geschlafen. Eine unvergessliche erste Nacht in der Wildnis. Am nächsten Tag sahen wir es an den Spuren, dass die Hippos bis drei Meter dicht ans Zelt gekommen waren.

Von Manapools aus ging es in südwestlicher Richtung an den Kariba-See. Direkt am Seeufer waren wir für drei Tage in einer Lodge des Nationalparks. Hier sahen wir die Elefanten abends -und auch tagsüber- auf unserer Terrasse sitzend und nur wenige Hundert Meter entfernt. Und viele weitere Tiere, vor allem Vögel waren da, die wir direkt von unserer Lodge aus beobachten konnten. Natürlich auch die immer zwischen 10 bis 20 Hippos in der Bucht, an der das Haus lag. Und wir waren die einzigen Besucher im gesamten Nationalpark! Auch Hunderte von Marabu-Störchen versammelten sich auf einer Wiese direkt am See hinter der Lodge, die malerisch auf einer Halbinsel im Kariba-See gelegen ist. Über den hohen Damm des Kraftwerks erreichten wir SAMBIA.

Nach ein paar Hundert Kilometern Fahrt über herrliche Bergstraßen und mit Übernachtung in Choma kamen wir am Samstag, dem 7. Mai nach LIVINGSTONE zu den berühmten Viktoriafällen. Schon von weitem kann man die Wolke sehen, die über den Fällen steht und hervorgerufen wird durch das in die Schlucht stürzende Wasser des Sambesi.

Den afrikanischen Namen kann man auch verstehen, "mosi na tunya", the smoke that thunders…

Im Schatten eines Baumes studierte ich auf einer Stadtkarte den Weg zur Lodge, in der wir geplant hatten zu übernachten. Sie ist von einer Bekannten aus Chimoio und ihrem Mann Alexander. Als wir weiterwollten sprang das Auto mit einem male nicht mehr an. Und das an einem Samstagnachmittag! Mit dem Taxi suchte ich die Werkstätten ab, die alle bereits geschlossen hatten. Halima blieb mit Marcel zurück. Schließlich aber fand ich jemanden, wir schleppten das Auto in die Lodge in der wir die nächsten drei Nächte blieben, und dort bekam der sehr freundliche Autobastler dann unsere Kiste (elektronisches Teil der Einspritzpumpe) wieder flott.

Am nächsten Tag verbrachten wir die ganze Zeit an den über 100 Meter hohen riesigen Wasserfällen, den in diesem Jahr vor genau 150 Jahren von Livingstone im November 1855 vom ersten Europäer beschriebenen Victoria-Falls.

Wir spazierten stundenlang im dortigen Gelände herum und wurden mehrere Male komplett nass durch die hochspritzende Gischt.

Den darauffolgenden Montag machte ich eine Rafting Tour durch die unterhalb der Fälle verlaufende Schlucht, was auch ein unvergessliches Erlebnis gewesen ist. Vor allem wegen der Fahrt durch die enge Schlucht unterhalb der Fälle. Das Boot kippte auch einmal um -Flipover-, was aber anscheinend häufiger passiert. Dabei geriet ich für eine halbe Minute unter das Boot. Das war natürlich nicht so toll. Die Batoka Schlucht ist berühmt für Rafting. Es werden normalerweise die obersten 24 Stromschnellen befahren. Mit Herabsteigen, Picknick, der Fahrt und Wiederaufstieg war ich den ganzen Tag unterwegs. Weiter ging die Fahrt dann von den Victoria-Fällen in westlicher Richtung am Sambesi entlang, und nach etwa 180 Km über diesen hinüber nach NAMIBIA. Wir übernachteten eine Nacht im Caprivi Zipfel, am Rand des Mudumo Nationalparks an einem, wo auch viele Wildtiere waren. Die bekamen wir aber in der Nacht nicht zu Gesicht, hörten sie nur. Auch das weit entfernte Brüllen eines Löwen war in der Nacht zu vernehmen. Nach etwa 300 Kilometern Fahrt durch Namibia besuchten wir nächsten Tages eine Kirche, die von deutschen Missionaren ganz in deutschem Stiel gebaut ist. Diese ist direkt gegenüber von Angola am Okawango gelegen. Nach der Durchfahrt durch einen weiteren Nationalpark in Namibia, überquerten wir die Grenze zu BOTSWANA:

Wenn ich davon spreche, dass wir eine Grenze überquerten, dann hat das nichts mit unseren Grenzen in Europa zu tun. Hier dauert diese Angelegenheit mit Visum, Ein- und Ausfuhr des Autos, Ausfüllen von Formularen, Carbon tax oder was es sonst noch zu zahlen gibt immer mindestens eine Stunde. An diesem afrikanischen Grenzübergang war das Problem nun, dass wir keine Pulas, die Landeswährung dabei hatten. Kreditkarte, US Dollars und EURO wurden nicht akzeptiert. In Botswana sind die Leute aber insgesamt sehr hilfsbereit und freundlich, und wir bekamen das Problem dann doch gelöst, ohne noch einmal fast 100 Kilometer in die nächste Ortschaft zurückfahren zu müssen. Dort gab es allerdings auch keine Bank, wo wir hätten Geld wechseln können. Nein, unsere Namibia Dollars hatten wir zuvor in einem Lebensmittelgeschäft gewechselt.

Pula bedeutet übrigens Regen, Thebe, der hundertste Teil davon Tropfen. Ein schöner Name für die Landeswährung in einem Land, wo der Regen eine so hohe Bedeutung hat… Etwa zwanzig Kilometer hinter der Grenze verbrachten wir die nächsten Tage in Drodzky´s Cabin, einer Lodge direkt am Hauptkanal des zu diesem Zeitpunkt Hochwasser führenden Flusses. Der OKAWANGO führt in den Monaten Mai und Juni nach der Regenzeit im südlichen Angola Hochwasser, was in den darauffolgenden Monaten langsam weiter nach Süden läuft und in einem riesigen System von Kanälen, über ein großes Areal über dem Kalaharisand versickert. Dies hat ein unvergleichliches Ökosystem geschaffen, das berühmte Okawango Delta. Dieses gibt vielen unterschiedlichen Tieren Nahrung und Raum, da Trockenzonen, Sumpf, Wüste und Savane unmittelbar aufeinander treffen und auf diese Weise die verschiedensten Biotope geschaffen hat. Wir waren hier in einem dichten Uferwald, überall Lianen und dichte Ufervegetation, mit hohen Bäumen voller Affen. An der manchmal steilen Uferböschung brüteten die Bienenfresser-Vögel.

Einmal fuhren wir mit einem Boot auf dem Okawango über vier Stunden in nördlicher Richtung zurück zur Grenze nach Namibia, ein weiteres Mal über vier Stunden durch die sich verzweigenden mit bis 3 Meter hohen Papyrus umstandenen Kanäle in südöstlicher Richtung des sogenannten Panhandels des Okawango. Dabei sahen wir natürlich viele Tiere. Neben einer unglaublich hohen Anzahl verschiedenster Vogelarten, Papageien, Störche und Raubvögel sahen wir auch Nilpferde, Krokodile und Otter im Wasser oder im hohen Schilf.

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts im nördlichen Panhandel fuhren wir über eine nur mit Vierradantrieb zu bewältigende Strecke durch den oft tiefen Sand der Kalahari zu den TSODILLO HILLS, etwa 75 km entfernt vom nächsten Asphalt. Das sind drei bis 350 Meter hohe Steinfelsen, die als steile Inselberge aus dem flachen Hochland Botswanas herausragen. Hier findet man die größte Konzentration von Bushman Bildern im südlichen Afrika, die in den vergangenen 20.000 Jahren hier entstanden. Und ebenso eine fantastische Halbwüsten Vegetation. Eine mehrstündige Wanderung um und über eines dieser Inselberge war ein unvergleichliches Erlebnis. Hierzu muss man sich nun auch vorstellen, das vieles das von dem was wir besuchten so einsam ist, dass außer uns niemand sonst dort war. Bis auf einige Aufpasser und natürlich der Bewohner, der Bushman oder San, wie man heute besser sagt, was das auch hier der Fall. Die San sehen völlig anders aus als die ansonsten im Süden Afrikas lebenden Bantustämme, von denen sie in den letzten Jahrhunderten langsam immer mehr verdrängt worden sind. Insgesamt soll es noch um die 50.000 Bushman geben, der größte Teil davon im Herzen der Kalahari. Marcel stellte über andere Kinder den Kontakt her, und wir konnten längere Zeit mit den ansonsten scheuen Bushleuten zusammenstehen und reden.

Von Drodzky´s cabin war die nächste Station eine über 20 Kilometern Sand erreichte Lagune im Bereich des Panhandel, wo dieser sich zum Delta erweitert. Die Nguma Island Lodge. Auf einer Insel gelegen, nur über einen Sanddamm erreichbar, bauten wir hier das Zelt auf und machten unser allabendliches Feuer. Wir grillten und hatten einen schönen Abend. Die Nacht wie fast immer in den vergangenen Nächten begleitet von unzähligen Geräuschen und den Geräuschen der Hippos. Am nächsten Tag war auf der Fensterscheibe des Autos ein zäh-klebriger Saft getropft. Das führte dazu, dass ich am nächsten Tag beim Auftanken die Kurbel von der Fensterscheibe abbrach. Erst in Maun, 250 Kilometer weiter, konnte das dann anderntags behoben werden. Zwar ist die Kurbel immer noch nicht repariert, aber mit einer entsprechenden Zange konnte ich das Fenster wieder verschließen, und auch bei Bedarf mit einer gekauften Spezialzange auch öffnen. In Maun blieben wir wegen des Autos zwei Nächte im Audi-Camp, mit Schwimmbad und einem sehr schönen Restaurant. Hier wurden für die nächsten nun kommenden "wilden" Tage alle Reserven aufgefüllt. Neben 25 Liter Trinkwasser, vollem Tank und 25 Liter Reserve kauften wir ausreichend Lebensmittel für die nächsten Tage. Die nächsten vier Tage durchquerten wir über teilweise tiefe Sandwege den kompletten MOREMI Nationalpark, blieben über Nacht in "Third Bridge" und "North Gate" und sahen sehr viele Tiere. Weiter ging es am dritten Tag quer durch den CHOBE Nationalpark. Die beiden Naturparks sind sozusagen die Hauptattraktionen Botswanas.

Da die dortige Regierung nur Luxustourismus fördert, auch keine preiswerte Sache. Täglich muss die Parkgebühr von umgerechnet 25 EURO pro Person bezahlt werden. Die Luxus Lodges, die meist nur aus der Luft zu erreichen sind kosten zwischen 250-350 und 450-550 US$ -je nach Jahreszeit- pro Tag pro Person. Das war uns dann doch etwas zu teuer. Aber auch weil ich das Zelten in der Natur, irgendwo an einem See oder Fluss mitten in der Wildnis, ohne Umzäunung und ohne Strom, sehr mag, war dies für uns kein Problem. Das war bereits gut eingespielt: Sachen aus Auto geholt, das Zelt aufgebaut, Feuer gemacht, Gaskocher an, Essen zubereitet, Flasche Rotwein auf und am Feuer in unseren gemütlichen Camping Sesseln aus Südafrika gesessen. Erzählt und der natur gelauscht. Und mit einem starken Scheinwerfer immer mal wieder nachgesehen, was das Hippo drüben machte. Für mich unvergesslich, der Traum eines Urlaubes schlechthin. Klar hatten wir auf diesen Campingarealen auch Nachbarn. Doch während es wegen den südafrikanischen Schulferien oder während der europäischen Sommermonate fast unmöglich ist, einen der wenigen Campingstellplätze zu bekommen -Reservierung über ein Jahr im Voraus erforderlich- war dies im Mai nun kein Problem. Und die Areale, die zum Kampieren ausgewiesen waren sind so groß, dass der nächste "Nachbar" hundert Meter und mehr entfernt war.

Nach North Gate ging es über eine wacklige Holzbrücke des Kwhai Rivers und hinaus aus dem Gebiet des Okawango. Nach weiteren 25 Kilometern erreichten wir die Trockensavanne des Chobe Nationalparks.

Unterwegs über Staub und teilweise 30 cm tiefe Sandwege kämpfte sich das Auto durch die Savanne ins Herz des Parks, nach Savute.

Den ganzen Tag waren wir wieder unterwegs. Zu Beginn noch herrliche Landschaften, an einem Fluss entlang, mit vielen Krokodilen, Hippos, Zebras und Elefanten unterwegs. Später aber wurde es immer trockener und auch immer einsamer, eintöniger und nur noch vereinzelt sahen wir ein Paar Schakale, Paviane oder eine einzelne Impala Antilope. Nach Savute hin änderte sich das. Hier geht der "Savute-Channel" durch, der ab und zu alle paar Jahre mal Wasser führt. Zumindest finden die Tiere noch immer ausreichend Wasser. Drum gibt es hier auch wieder wesentlich mehr Tiere.

nicht eingezäunt, bekamen wir in der folgenden Nacht dann aber Besuch: Ich spreche nicht von den grünen Meerkatzen oder den Pavianen, die man überall antrifft. Auch nicht von Insekten oder kleineren Säugetieren wie Mangusten, Baummaus, eine Art Eichhörnchen oder dem Warzenschwein. Nachdem wir gegessen hatten, und Marcel gegen 20 Uhr auch schon todmüde im Zelt lag, hörten wir plötzlich das Auto unserer "Zeltnachbarn", etwa 100 Meter entfernt, aufheulen und dazu viel Lärm und Geschrei. Schon ahnten wir, was auf uns zukam. Langsam, immer dichter, hörten wir zunehmend das Umknicken von Ästen. Und dann war er da:

Ein großer, ausgewachsener einzelner Elefant! Er tastete mit dem Rüssel das Auto ab. Als er aber zu nah ans Zelt kam, was wir aller Voraussicht nach wie in einer kleinen Festung gedeckt durch Baum, dichte Hecke, Auto dem Grillplatz und unserem Lagerfeuer aufgebaut hatten, musste etwas geschehen!

Elefanten sind die fantastischsten Tiere die ich je erlebt habe! Sie haben nicht nur einen ausgeprägten Familien- und Sozialsinn, sie haben so etwas wie eine Seele. Und nun stand so ein riesiger Brocken doppelt so hoch wie unser Terrano direkt vor mir. Teilweise gedeckt durch einen Kameldornbaum stand ich zwischen Zelt und dem Giganten. Und Halima, ein paar Meter weggelaufen und bereits hinter dem Auto, wollte nur, dass ich Marcel so schnell wie möglich aus dem Zelt "retten" sollte! Sie hatte Angst, der Elefant würde das Zelt nun platt treten, was diese natürlich nie machen. Ich sah in seine kleine Augen, keinen Meter entfernt, machte ein huschendes Geräusch um auf mich aufmerksam zumachen. Der Elefant wich kurz zurück, holte aus und blies mich mit seinem Rüssel feucht an. Dann umschlang er mit dem Rüssel den Kameldornbaum und rüttelte an dem dicken schweren Stamm, als ob es nichts wäre. Viele der trockenen, bohnenförmigen etwa 10 cm großen Schoten vielen herab, unser Elefant drehte uns das Hinterteil zu, las die Kameldornfrüchte auf und zermampfte sie geräuschvoll. Dann drehte er langsam ab. Etwa 15 trockene Schoten des Kameldornbaumes hatte Marcel am Nachmittag beim Spielen gehabt. Völlig beeindruckt vom Erlebnis mit dem Elefanten legte ich sie hinter dem Feuer alle zusammen und bemerkte, dies sei nun für den nächsten...

Wir saßen noch eine Weile, völlig beeindruckt, nachdem zuvor ganz schön erschreckt, und tranken unseren 91 er Chiraz, einen südafrikanischen Rotwein. Nicht lange im Zelt hörten wir dann den nächsten: Langsam immer näher, das Knacken der abbrechenden Äste, das laute Kaugeräusch, keine 10 Meter wieder entfernt. Dann wurde das Auto mit dem Rüssel abgetastet, genauestens zu hören. Leise Schritte, der Rüssel ging in eine Tüte mit Holzkohle, man hörte das Riechen und tastete die Kühlbox ab, die tief unter einem Steintisch versteckt lag. Hier war aber nicht essbares zu finden. Dann ging es weiter, ich hatte das Zelt bereits auf, der Elefant kam auf uns zu und steckte den Rüssel untere das Vordach. Als ich wieder mit einem huschenden, zischenden Geräusch mich bemerkbar machte, riss er das Vordach aus Schreck um. Dann ging er auf leisen, sanften Riesensohlen um die Glut unseres Lagerfeuers an die bereitliegenden Früchte, mampfte geräuschvoll eine nach der anderen und zog weiter seines Weges. Ab jetzt wollte Halima nur noch im Auto schlafen, während ich doch lieber im Zelt bleiben wollte. Ein dritter Elefant kam dann ein weiteres Mal gegen zwei, er beschäftigte sich aber nur mit den Bäumen in der unmittelbaren Umgebung und zog dann auch langsam weiter. Wir hörten auch Löwengebrüll. Doch erst am nächsten Tag wurde uns erzählt, dass ein Löwe tatsächlich über das weitläufige Areal gelaufen sei. Leider haben wir während unserer gesamten Reise leider keinen einzigen zu Gesicht bekommen…

Wegen der Vorfälle der Nacht wollte Halima lieber wieder weiter, nicht in dem doch ziemlich wilden Savute bleiben. Auch hatten wir Bedenken mit unserem Dieselvorrat, denn auf der gesamten Strecke von Maun bis nach Kasane, was bereits wieder an der Grenze zu Simbabwe gelegen ist, gibt es keine einzige Tankstelle. Der Weg ging weiter in Richtung Norden, wieder nur Sand, wo man mit einem kleinen Auto keine Chance gehabt hätte, hindurch zu kommen. Gut, dass wir uns so entschlossen hatten, denn kaum in KASANE angekommen, gab der Anlasser seinen Geist auf.

Wieder war es ein Samstag, genau wie in Livingstone. Am selben Tag konnten noch etwas ausmachen für den darauffolgenden Sonntag. Die Stelle war auch nicht schlecht, wo wir ns befanden, nämlich in der Chobe Safari Lodge, direkt am Choberiver gelegen. In den kommenden fünf Tagen blieben wir in der wunderschönen Lodge, direkt auch an der Grenze zum Nationalpark. Das machte sich dadurch bemerkbar, das am Fluss die Leguane sich sonnten, man die Krokodile sehen konnte, uns Paviane oder Meerkatzen besuchten, eine Horde Zebramangusten mindestens einmal täglich an uns vorbeizog, Warzenschweine in unmittelbarer Nähe nach Nahrung suchten, unzählige Vogelarten uns regelmäßig einen Besuch abstatteten, und der Choberiver vor der Lodge voller Hippos war, die man die ganze Nacht wieder über hören konnte. Von der Terrasse aus konnte man mit dem Fernglas auf die Chobe Riverfront sehen, den Teil Afrikas mit der nach verschiedenen Büchern höchsten Konzentration an Elefanten der Welt. Und das kann ich nur bestätigen.

Mit unserem Auto ging es folgendermaßen in den nächsten Tagen weiter. Der Anlasser wurde ausgebaut, auseinandergenommen, dann musste ein verschlissenes Ersatzteil beschafft werden, das es gar nicht gab. Dieses konnte in einem anderen Ort dann jedoch extra hergestellt werden. Nach dieser weiteren Verzögerung, da einfach niemand wie versprochen kam, wurde dann schließlich der Anlasser wieder zusammengebaut und... funktionierte. Ganz so langweilig wurde unser Aufenthalt in Kasane nicht, zwei Mal machten wir eine Fahrt mit dem Boot am Nachmittag den Fluss hinauf und bekamen vor allem Elefanten und Nilpferde in ungeahnter Anzahl zu sehen.

An einer Stelle trafen wir bei beiden Malen zwischen 120 und 150 Elefanten an. Unvergleichliche Blicke auf die Tierwelt Afrikas wurden uns geboten.

Wie oft hatten wir uns gedacht, wie gut doch, das wir Savute vorzeitig trotz schwierig zu bekommener Reservierung verlassen hatten. Denn wäre uns das dort passiert, 150 Km Tiefsand vom nächsten Asphalt entfernt, da wäre eine Reparatur schon ziemlich schwierig gewesen zu organisieren. Vor allem wenn man bedenkt, dass höchstens 2 - 3 Auto pro Tag die Strecke fahren (gesehen so am Parkausgang).

Am Dienstag, dem 24. ging es, direkt nachdem das Auto das Erste Mal wieder mit einer leicht abgeänderten Reiseplanung, weiter. Nach 10 Km erreichten wir bereits den Grenzübergang nach Simbabwe: 120 Pula Straßennutzungsgebühr für Botswana nachzahlen -Wie berichtet-, erneut zwei Mal ein Visum für Simbabwe á 30 US$ zahlen, Auto ausführen, Auto einführen, Formulare ausfüllen und die Carbon tax für einen Monat nicht zu vergessen. Um die sonst immer verlangt einheimische Versicherung habe ich mich immer erfolgreich mit viel Reden drücken können.

Wieder auf guter Straße waren es noch 75 Kilometer nach VICTORIA FALLS Stadt. Hier besuchten wir am nächsten Tag die berühmten Fälle nun von der zimbabwischen Seite aus.

Ungeahnte schwindelerlegende Blicke in die tiefe Schlucht, in die sich mit Getöse das Wasser hineinstürzt. Und natürlich wurden wir trotz Regenkleidung bis auf die Haut nass. Bei den Außentemperaturen aber trocknet das ja sehr schnell immer wieder. Am "Dangerpoint" standen wir dann genau der Stelle gegenüber, wo wir vor 15 Tage auf der Sambischen Seite herüber gesehen hatten.

Es folgte noch ein Besuch des Victoria Falls Hotels, wo wir vorzüglich in der angenehmen Nachmittagssonne mit Blick auf die Batoka Gorge Straußensteak bzw. eine riesige Salatschüssel bestellten.

Nachdem wir eingekauft hatten, Lebensmittel und Souvenirs, fuhren wir am nächsten Morgen dann in Richtung Bulawayo. Noch ein weiterer berühmter Nationalpark, der größte Simbabwe´s lag auf dem Weg. So fuhren wir wieder 200 Kilometer Umweg durch den HUANGE NATIONALPARK. In Simbabwe waren wir nun völlig einsam in dem riesigen Park, der so groß ist wie Belgien. Es kommen kaum noch Touristen in das herrliche durch seinen Präsidenten ausgebrannte Land. Im Sinamatella Camp konnten wir ein wunderschönes Haus bekommen mit riesiger Terrasse, von der der Blick 200 Meter tiefer über die weiten Ebenen der einsamen Wildnis ging. Beim Sonnenuntergang konnten wir, bis das kein Licht mehr da war, unter uns die grasenden Büffel, Wildschweine, und ab und zu einen Elefanten sehen. Im Sinamatella Camp waren wir die einzigen Ausländer, und am nächsten Tag trafen wir auf unserer etwa 150 Kilometer weiten langsamen Fahrt durch das Herz des Parks kein einziges Fahrzeug. Allerdings etwas anderes: Wir kamen zu einem Wasserloch, an der man am besten Tiere beobachten kann. Zuerst kam auch ein Kudu, dann waren da noch ein paar Vögel zu sehen, ein Wildschwein, dann noch eines. Wir saßen in einem "Hide", in sehr gutem Zustand, mit Sesseln und dicht dran am vielleicht drei Fußballfelder großen See. Wir wollten bereits gehen, als eine Herde von vielleicht 20 Elefanten, aller Altergruppen, eintraf und sich am See versammelte. Das war ein Treiben, und man konnte stundenlang den Tieren in aller Ruhe zu sehen. Nicht lange danach kam eine weitere, noch größere Herde. Dann aus einer ganz anderen Richtung eine dritte und, eine halbe Stunde wieder später, eine vierte Gruppe von Elefanten. Bis förmlich der gesamte See umstellt war. So etwas habe ich noch nie in einem Park erlebt. Und dann noch waren wir über die fast drei Stunden die einzigen Besucher dieser Stelle.

Eine Nacht im Main Camp, wieder Essen im dortigen Restaurant, und Samstag, den 28. Mai ging es dann morgens, nach frühem Aufstehen und Gamedrive noch vor Sonnenaufgang -Elefanten, Giraffen, Strauße etc- weiter in die zweitgrößte Stadt Simbabwes, nach BULAWAYO. In der uns bereits vor Abfahrt empfohlenen Madlala Lodge hatten wir eine schöne Suite. Ich ging auch noch in den hier recht kühlen Pool baden. Dann besuchten wir die Stadt, machten noch kleinere Einkäufe und aßen dort zu Abend.

Sonntags dann ein etwas größerer Einkauf in einem Geschäft, was auch sonntags geöffnet hatte. Denn wir wollten ja unsere vielen eingetauschten Simbabwe-Dollars noch loswerden. Um 11 waren wir wieder auf der Straße. Die nächste Etappe etwa 3o0 Kilometer entfernt, Masvingo. Nachdem wir am Vortag bereits alle Tankstellen abgeklappert hatten um Diesel zu finden, nachdem wir uns zwei Mal durch eine riesige Schlange von mehr als 50 Autos abschrecken ließen, wurde es mit unserem Treibstoff langsam eng. Und das, obwohl wir unseren Reservekanister in Botswana noch aufgefüllt hatten und nach Huange eine einsame Tankstelle gefunden hatten die uns wenigstens 30 Liter geben durfte. In Masvingo angekommen gab es dann keine andere Wahl: Hier mussten wir Diesel bekommen, sonst war die Reise hier vorerst zu Ende. Die ersten drei Tankstellen hatten überhaupt nichts, waren aber geöffnet. Wie deprimierend. An einer weiteren, wo man uns hingeschickt hatte, gab es auch keinen Diesel, statt dessen bekamen wir die Information, dass seit zwei Monaten kein Tanklastzug mehr gekommen sei. Auf dem Schwarzmarkt sei es auch nicht mehr möglich, da die Polizei viel kontrolliert und den illegalen Verkauf unterbindet. An noch einer Tankstelle versuchte ich mehr zu erfahren, konnte dann mit jemandem bekannt gemacht werden, der in unser Auto stieg und uns auf einen Hinterhof brachte. Doch, auch hier nichts. Die ganze Sache war mir natürlich schon etwas unheimlich, doch was sollten wir machen, weitere Wochen in Masvingo bleiben? Ein Dritter dann brachte uns in einem Industrievorort zu einem ein an einem Wassergraben geparkten LKW. Der Preis war zuvor schon ausgemacht. Jetzt nur noch einmal los, mit wieder jemand anderem im Auto einen Schlauch suchen. Mein Kanister wurde im Wassergraben versteckt. Ich kam mir vor wie ein Krimineller, als ein paar Leute schließlich aus dem großen LKW insgesamt 25 Liter Diesel abzapften, die ich für den sechsfachen Preis bezahlte. Aber dies zusammen mit dem, was noch im Tank war, brachte uns dann sicher an die Grenze zu Mosambik. Zuvor aber bezogen wir Quartier in einer herrlich über einem See gelegenen Lodge, dem Inn of Great Simbabwe. Vor vier Jahren war ich bereits einmal in den Ruinen von Great Simbabwe gewesen, die wir uns den ganzen nächsten Tag über, mit kleiner Mittagspause, ansahen. Zwischendrin ging es auch mal an den See und wir kauften ein paar sehr schöne Steinskulpturen aus Soapstone.

Der Rest ist schnell erzählt: Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Hot Springs. Dort waren wir schon mehrmals gewesen. Die Besitzer waren vertrieben worden. Besser, man hatte einen 99 jährigen Pachtvertrag vorzeitig beendet. Jetzt hatte der Council der Stadt Chimanimani übernommen. Leute, die sich nicht sehr dafür interessierten, ob, oder ob keine Besucher kommen. Das Wasser war aber immer noch das Gleiche, im Gegenteil, da es überhaupt keine Besucher gab, war das Wasser im größten Becken, dem Warmwasserbecken, noch viel klarer als zuvor.

Wir verbrachten den ganzen Nachmittag im Schatten eines Flamboyants, und badeten abwechselnd im Heiß-, Warm- oder Kaltwasserbecken. Nicht so exklusiv und fantastisch wie in den letzten Jahren war das Abendessen! Ganz allein an einem See, nur zwei Kellner, keine Musik mehr, und keine Leute. Wenn man das anders kannengelernt hat, dann macht dies schon etwas traurig. Das passte aber zu unserer Stimmung, am Ende unserer herrlichen Reise.

Am 1. Juni waren wir auch noch einmal 2 Stunden an den Wasserbecken der Hot Springs. Dann aber mussten wir los. Wir fuhren die 95 Km nach Mutare, kauften noch für den Rest der ZIM Dollars, die wir hatten, Lebensmittel ein. Dann noch eine 25 kg schwere Soapstone Skulptur -Ich kann es nicht lassen- allerdings mit heißumworbenen Devisen (Meticais)! Was für ein Unterschied zu vor sechs Jahren. Heute ist Mosambik das Land, in dem es den Leuten besser geht, der Warenfluss hat sich förmlich umgedreht. Noch blieben 300 Km nach Beira. Nach einem Stop in Chimoio, wo wir auch einen Freund trafen, kamen wir kurz nach Sieben in Beira an. Nach einer genau 5.749 Kilometer langen und Unvergesslichen Reise.

Unserer Reise zu den Elefanten...

 

© Medardus Hahn