Wie man Eisenbahnen (nicht) verschenkt

Sie haben eine Eisenbahn, und die bringt Ihnen nur Verluste? Sie möchten sie also gern verschenken? Dann können Sie sich anhand des nachstehenden Dokuments informieren, wie Sie dies erfolgreich bewerkstelligen.

Scherz beisteite; durch Zufall bin ich vor einiger Zeit in den Besitz eines Originaldurchschlags eines für die deutsche Bahngeschichte nahezu einmaligen Dokuments gelangt, von dem ich annehme, dass nach über einem halben Jahrhundert nichts mehr seiner Publikation entgegensteht, das aber aus historischen Gründen höchst interessant ist.

Ein Dokument zur Firmengeschichte der SEG
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Die nationalsozialistischen Machthaber hatten im Jahre 1936 ein Gesetz erlassen, auf Grund dessen der Reichsverkehrsminister im Anordnungswege festlegen konnte, dass ablaufende Genehmigungen von nicht reichseigenen Eisenbahnen unbefristet verlängert werden konnten, ohne dass es auch nur einer Verhandlung mit dem Bahnunternehmer über die Konditionen bedurft hätte. Dieses Gesetz war von Anbeginn spezifisch gegen die Interessen der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft A.G., Sitz Essen, gerichtet, deren in den ehem. Großherzogtümern Baden und Hessen belegene Nebenbahnen allesamt nur auf einen Zeitraum von 50 Jahren konzessioniert worden waren.

Von den hessischen, auf die SEG konzessionierten Bahnen gelangten die beiden rechtsrheinischen Strecken Hetzbach - Beerfelden und Reinheim - Reichelsheim zum heutigen Bundesland Hessen; die übrigen Strecken lagen im Bereich der französischen Besatzungszone in den Ländern Pfalz (später Rheinland-Pfalz) und Baden (= Sübaden!). Da die Strecken jedenfalls nicht mehr lukrativ waren, ist nachvollziehbar, dass der SEG an einer Klärung des aufoktroyierten Zustands gelegen war. Was lag näher, als sie der Generaldirektion der Südwestdeutschen Eisenbahnen in Speyer zur Eingliederung in deren Netz, bzw. den beiden Ländern als den vermeintlichen Trägern der Eisenbahnhoheit, anzubieten? Allerdings kam der SEG, nachdem ihre Gremien sich dazu entschieden hatten, das zwischenzeitlich verabschiedete Grundgesetz dazwischen, dessen Artikel 130 die Abwicklung der SWDE vorschreibt. Man machte daher mit dem hier veröffentlichten Schreiben vom 28. August 1950 an den badischen Finanzminister in dessen Eigenschaft als Präsidenten des Eisenbahn-Verkehrsrats einen zweiten Vorstoß.

Wer die Einzeldokumente aufmerksam durchliest, wird überrascht feststellen, dass ausgerechnet jene beiden zusammengehörigen Strecken, die der SEG unmittelbar nach der Währungsreform die größte Unterdeckung beschert hatten, die einzigen sind, die bis ins 21. Jahrhundert voll in Betrieb geblieben sind.

Für gesicherte Informationen über die - bekanntlich unterschiedlichen - Einzelschicksale der betreffenden SEG-Strecken, insbesondere zur Eingliederung in die Mittelbadische Eisenbahnen AG, bin ich dankbar.


Um den Charakter einer historischen Dokumentation zu wahren, publiziere ich das SEG-Schreiben samt seiner Anlagen in Grafiken der einzelnen Seiten. Wegretuschiert sind lediglich die Namen der Unterzeichner sowie eingetretene Beschädigungen der Vorlage und (teilweise) der schief gesetzte Spaltenbau in den Anlagen der Vorlage.

 

      Zum HTML-Fließtext des Gesetzes vom 26. Juni 1936 Link
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      Letzte Änderung am 29. Februar 2004 von Matthias Dörfler