Vom Ex-Soldaten zum Superhelden
Sigil 1-7
CrossGen-Comics (Juni 2002 - Januar 2003) Verantwortlich: Barbara Kesel, Ben Lai, Ray Lai, Wil Quintana, Steve McNiven, Jordi Ensign, JD Smith, Kevin Sharpe, Randy Elliott, je Band 28 Seiten, 0295.

Die Welt sähe viel einfacher aus, wenn Samandahl Rey nicht Samandahl Rey hieße, wirklich, Leute. Aber dummerweise heißt Sam nun mal Sam, und damit ist schon ein Großteil des Ärgers programmiert. Nicht, dass er nicht unverzüglich noch mehr bekommen würde.
Aber vielleicht sollte ich vorne anfangen.
Sam ist ein vor kurzem entlassener junger Soldat und Raumfahrer, der mit seinem Raumschiff, der Bitterluck, sowie seiner hinreißenden Gefährtin Roiya Sintor den Hauptpart in dieser Geschichte ausmacht. Die beiden schippern frustriert durch die Union der fünf Planeten und suchen eigentlich nur Arbeit. Dabei landen sie auf dem marsgleichen, unabhängigen Planeten Tanipal, auf dem der wankelmütige Sultan Ronolo über seine dreizehn Konkubinen gebietet.
Tanipal bildet gewissermaßen den Zankapfel zwischen der Union der Menschenwelten (die Erde ist hier interessanterweise unbekannt, das Zentrum der Union ist eine dicht besiedelte Welt mit dem Namen Gaia) und dem Saurianer-Reich des Planeten Tcharun, mit dem die Menschen seit langem in Fehde liegen. Dabei kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass die Saurianer, wie sie genannt werden, sich in atemberaubender Weise den Menschen angleichen (physisch wie psychisch) und zugleich immer intelligenter werden. Technologisch haben sie die Menschen inzwischen partiell bereits überflügelt.
Und damit beginnen die Schwierigkeiten.

Sam, der, wie gesagt einfach nur einen neuen Job möchte, vergnügt sich beim illegalen Glücksspiel, in dem mental gesteuerte Minisaurier aufeinandergehetzt werden. Während das geschieht, wird Roiya von einem gut aussehenden Fremden mit seltsam leuchtenden Augen angesprochen, der sich JeMerik Meer nennt. Und im Anschluß an das Spiel läuft Sam eine exotische Schönheit mit dunkelblauem bis blauschwarzem Haar (die Zeichnungen sind hier uneinheitlich, es soll wohl blauschwarz sein) über den Weg, verschleiert und ausgesprochen fraulich proportioniert, Typ: persische Prinzessin.
Und dann geht der Trouble los.
Die "Prinzessin" ist ausgerechnet Sultan Ronolos dreizehnte Frau Zanniati, gegenwärtig auf der Flucht, und der Sultan entdeckt ihr Verschwinden in dem Moment, in dem ein saurianisches Geheimkommando seinerseits Sam aufspürt. Man muß dazu wissen, dass Sams intimer Privatfeind der Prinz Tchlusarud von Tcharun ist. Wie, ihr könnt den Namen auch nicht aussprechen? Okay, dann übernehmt einfach Sams Wortwahl. Er nennt ihn "Loser", und das nicht ohne Grund. Ehe sie sich alle versehen, ist das schönste Gebalge im Gange, und aus dem Gebalge wird rasch schrecklicher Ernst, als ein Saurianer Roiya mit einer Mordsklinge aufspießt. Sam wird unterdessen von einem weiteren Saurianer mit seltsam glühenden Augen niedergedrückt, der ihm ein eigenartiges zweifarbiges Mal auf die Brust drückt und dann buchstäblich verschwindet.
Jählings sind JeMerik Meer, Zanniati und Sam zusammen mit der schwerverletzten Roiya Schicksalsgefährten, die auf der Flucht sind - vor den Saurianern und vor den Schergen Ronolos, der natürlich seine Frau zurückhaben will, um sie zu bestrafen.
Sam kann den Tod Roiyas nicht verhindern, aber in dem Moment, in dem sie stirbt, entfesselt seine Verzweiflung die Energien des seltsamen Males und äschert einen Großteil des an den Raumhafen angrenzenden Vergnügungsviertels ein. Im Zuge dieser Aktion geht Roiyas Seele in den Computerverbund der Bitterluck über, so dass Sam auf einmal ein telepathisch begabtes Raumschiff besitzt. Mit einem Sarg an Bord, muß man dazu sagen.
Und damit geht das Abenteuer erst richtig los - nun findet Sam sich in der wenig beneidenswerten Lage, dass sowohl der Sultan als auch die Saurianer ihm auf den Fersen sind, und um die Sache noch schöner zu machen, schaltet sich auch der militärische Geheimdienst der Union ein.
Moment, das sind doch Menschen wie Sam auch, nicht wahr?
Well, schon richtig. Aber sie suchen schon lange nach einer geeigneten Waffe, um die saurianische Bedrohung entschärfen zu können, und nun wittern sie sie an Bord der Bitterluck, nicht ahnend, dass die Waffe Sam selbst ist. Und nicht nur sie sind hinter ihr her!
Sam wiederum beschließt nun, allmählich mehr Vertrauen zu seinen neuen, überwiegend zerstörerischen Kräften (er kann damit jedwede Form anorganischer Materie beeinflussen, und im Laufe der Serie nehmen die Kräfte noch zu) findend, dass die Zeit reif ist, Loser ein für allemal vom Spielfeld zu fegen. Doch als er in einer Einmann-Aktion Tchlusaruds Flaggschiff stürmt, löst ihn eine andere Kraft unerwartet auf und transformiert ihn an einen anderen Ort, wo ihm ein fremder, überaus bulliger Typ mit wildem Bartwuchs gegenübersteht - Trenin, einer der legendären Ersten, jener gottgleichen Wesen, die mit Abstand die mächtigste Rasse des Universums darstellen und überall intrigant eingreifen und manipulieren.
Während Sam sich nun mit einem Wesen herumschlagen muß, das großes Interesse daran hat, ihn als Gezeichneten gewissermaßen gezielt unschädlich zu machen, finden sich Zanniati mit JeMerik in der unangenehmen Lage wieder, zum saurianischen Heimatplaneten Tcharun verschleppt zu werden...

Mit SIGIL landet der Leser in einer ziemlich atemberaubenden, unglaublich rasanten Space Opera, die im wesentlichen - bis zu diesem Band - aus wechselseitigen Verfolgungsjagden, Kämpfen und meist reichlich schnodderigen Dialogen besteht. Das führt dazu, dass man die Hefte gewissermaßen inhaliert und sich immer wieder wundert und ein wenig ärgert, dass sie schon vorbei sind. Ein guter Ausgangspunkt für eine Serie.
Gleichsam nebenher bekommt man ständig Stückchen eines ausführlichen Backgrounds mit. Man wird, in etwa wie in einer klassischen Kurzgeschichte, mitten in ein Leben hineingeworfen, das auf keiner Seite bei Null anfängt. Sowohl die Menschen der Union als auch die Saurianerrasse und ihre Konfliktlinien reichen weit in die Vergangenheit zurück, Sam hat eine wahrscheinlich ziemlich unangenehme Vorgeschichte, gleiches gilt für die verblüffend komplexe Gesellschaft von Tcharun, die einen eisernen Kriegerkodex besitzt.
Ebenfalls wird schnell klarer, dass starke Emotionen in dieser Serie eine enorme Rolle spielen, insbesondere die seltsame Beziehung zwischen Sam und Roiya sowie zwischen Sam und Zanniati, die hier nur schwach angedeutet wird (das verstärkt sich ebenfalls noch, wartet's ab). Und das sehr frühe Eindringen der Ersten in diese Serie (Band 2!) beeinflusst die Handlung außerordentlich.
Natürlich, obgleich Barbara Kesel, die auch MERIDIAN schreibt, die Storyline betreut, kann man nicht behaupten, dass die Geschichte in irgendeiner Weise deren Tiefgang besitzt. Und die vielen Kämpfe und atemlosen Cliffhanger stören offen gestanden die Entwicklung eines umfassenden Handlungsszenarios. Doch dem Hauptcharakter, eben Sam, ist diese Rolle recht glaubhaft auf den Leib geschrieben. Manchmal wünscht sich der Leser freilich, er würde nicht so gerne mit der Faust zuhauen oder von seinen neuen Kräften Gebrauch machen. Er läßt sich schrecklich leicht provozieren.
Und Roiya? Na ja, obgleich tot, hat sie als körperlose Stimme und anschließend als Schiffshologramm eine Menge Einfluß. Und die Frau HAT vielleicht eine scharfe Zunge! Junge, Junge! Da kommt noch eine Menge an Problemen auf euch zu. Und natürlich auf Sam. Aber der braucht das...

Uwe Lammers (17. Januar 2005)

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