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Die Welt sähe viel einfacher aus, wenn Samandahl Rey nicht Samandahl
Rey hieße, wirklich, Leute. Aber dummerweise heißt Sam nun mal Sam, und
damit ist schon ein Großteil des Ärgers programmiert. Nicht, dass er nicht
unverzüglich noch mehr bekommen würde.
Aber vielleicht sollte ich vorne anfangen.
Sam ist ein vor kurzem entlassener junger Soldat und Raumfahrer, der mit
seinem Raumschiff, der Bitterluck, sowie seiner hinreißenden Gefährtin
Roiya Sintor den Hauptpart in dieser Geschichte ausmacht. Die beiden
schippern frustriert durch die Union der fünf Planeten und suchen
eigentlich nur Arbeit. Dabei landen sie auf dem marsgleichen, unabhängigen
Planeten Tanipal, auf dem der wankelmütige Sultan Ronolo
über seine dreizehn Konkubinen gebietet.
Tanipal bildet gewissermaßen den Zankapfel zwischen der Union der Menschenwelten
(die Erde ist hier interessanterweise unbekannt, das Zentrum der Union
ist eine dicht besiedelte Welt mit dem Namen Gaia) und dem Saurianer-Reich
des Planeten Tcharun, mit dem die Menschen seit langem in Fehde
liegen. Dabei kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass die Saurianer,
wie sie genannt werden, sich in atemberaubender Weise den Menschen angleichen
(physisch wie psychisch) und zugleich immer intelligenter werden. Technologisch
haben sie die Menschen inzwischen partiell bereits überflügelt.
Und damit beginnen die Schwierigkeiten.
Sam, der, wie gesagt einfach nur einen neuen Job möchte, vergnügt sich
beim illegalen Glücksspiel, in dem mental gesteuerte Minisaurier aufeinandergehetzt
werden. Während das geschieht, wird Roiya von einem gut aussehenden Fremden
mit seltsam leuchtenden Augen angesprochen, der sich JeMerik Meer
nennt. Und im Anschluß an das Spiel läuft Sam eine exotische Schönheit
mit dunkelblauem bis blauschwarzem Haar (die Zeichnungen sind hier uneinheitlich,
es soll wohl blauschwarz sein) über den Weg, verschleiert und ausgesprochen
fraulich proportioniert, Typ: persische Prinzessin.
Und dann geht der Trouble los.
Die "Prinzessin" ist ausgerechnet Sultan Ronolos dreizehnte Frau Zanniati,
gegenwärtig auf der Flucht, und der Sultan entdeckt ihr Verschwinden in
dem Moment, in dem ein saurianisches Geheimkommando seinerseits Sam aufspürt.
Man muß dazu wissen, dass Sams intimer Privatfeind der Prinz Tchlusarud
von Tcharun ist. Wie, ihr könnt den Namen auch nicht aussprechen? Okay,
dann übernehmt einfach Sams Wortwahl. Er nennt ihn "Loser", und
das nicht ohne Grund. Ehe sie sich alle versehen, ist das schönste Gebalge
im Gange, und aus dem Gebalge wird rasch schrecklicher Ernst, als ein
Saurianer Roiya mit einer Mordsklinge aufspießt. Sam wird unterdessen
von einem weiteren Saurianer mit seltsam glühenden Augen niedergedrückt,
der ihm ein eigenartiges zweifarbiges Mal auf die Brust drückt
und dann buchstäblich verschwindet.
Jählings sind JeMerik Meer, Zanniati und Sam zusammen mit der schwerverletzten
Roiya Schicksalsgefährten, die auf der Flucht sind - vor den Saurianern
und vor den Schergen Ronolos, der natürlich seine Frau zurückhaben will,
um sie zu bestrafen.
Sam kann den Tod Roiyas nicht verhindern, aber in dem Moment, in dem sie
stirbt, entfesselt seine Verzweiflung die Energien des seltsamen Males
und äschert einen Großteil des an den Raumhafen angrenzenden Vergnügungsviertels
ein. Im Zuge dieser Aktion geht Roiyas Seele in den Computerverbund der
Bitterluck über, so dass Sam auf einmal ein telepathisch begabtes Raumschiff
besitzt. Mit einem Sarg an Bord, muß man dazu sagen.
Und damit geht das Abenteuer erst richtig los - nun findet Sam sich in
der wenig beneidenswerten Lage, dass sowohl der Sultan als auch die Saurianer
ihm auf den Fersen sind, und um die Sache noch schöner zu machen, schaltet
sich auch der militärische Geheimdienst der Union ein.
Moment, das sind doch Menschen wie Sam auch, nicht wahr?
Well, schon richtig. Aber sie suchen schon lange nach einer geeigneten
Waffe, um die saurianische Bedrohung entschärfen zu können, und nun wittern
sie sie an Bord der Bitterluck, nicht ahnend, dass die Waffe Sam selbst
ist. Und nicht nur sie sind hinter ihr her!
Sam wiederum beschließt nun, allmählich mehr Vertrauen zu seinen neuen,
überwiegend zerstörerischen Kräften (er kann damit jedwede Form anorganischer
Materie beeinflussen, und im Laufe der Serie nehmen die Kräfte noch zu)
findend, dass die Zeit reif ist, Loser ein für allemal vom Spielfeld zu
fegen. Doch als er in einer Einmann-Aktion Tchlusaruds Flaggschiff stürmt,
löst ihn eine andere Kraft unerwartet auf und transformiert ihn an einen
anderen Ort, wo ihm ein fremder, überaus bulliger Typ mit wildem Bartwuchs
gegenübersteht - Trenin, einer der legendären Ersten, jener
gottgleichen Wesen, die mit Abstand die mächtigste Rasse des Universums
darstellen und überall intrigant eingreifen und manipulieren.
Während Sam sich nun mit einem Wesen herumschlagen muß, das großes Interesse
daran hat, ihn als Gezeichneten gewissermaßen gezielt unschädlich zu machen,
finden sich Zanniati mit JeMerik in der unangenehmen Lage wieder, zum
saurianischen Heimatplaneten Tcharun verschleppt zu werden...
Mit SIGIL landet der Leser in einer ziemlich atemberaubenden, unglaublich
rasanten Space Opera, die im wesentlichen - bis zu diesem Band - aus wechselseitigen
Verfolgungsjagden, Kämpfen und meist reichlich schnodderigen Dialogen
besteht. Das führt dazu, dass man die Hefte gewissermaßen inhaliert und
sich immer wieder wundert und ein wenig ärgert, dass sie schon vorbei
sind. Ein guter Ausgangspunkt für eine Serie.
Gleichsam nebenher bekommt man ständig Stückchen eines ausführlichen
Backgrounds mit. Man wird, in etwa wie in einer klassischen Kurzgeschichte,
mitten in ein Leben hineingeworfen, das auf keiner Seite bei Null anfängt.
Sowohl die Menschen der Union als auch die Saurianerrasse und ihre Konfliktlinien
reichen weit in die Vergangenheit zurück, Sam hat eine wahrscheinlich
ziemlich unangenehme Vorgeschichte, gleiches gilt für die verblüffend
komplexe Gesellschaft von Tcharun, die einen eisernen Kriegerkodex besitzt.
Ebenfalls wird schnell klarer, dass starke Emotionen in dieser Serie eine
enorme Rolle spielen, insbesondere die seltsame Beziehung zwischen Sam
und Roiya sowie zwischen Sam und Zanniati, die hier nur schwach angedeutet
wird (das verstärkt sich ebenfalls noch, wartet's ab). Und das sehr frühe
Eindringen der Ersten in diese Serie (Band 2!) beeinflusst die Handlung
außerordentlich.
Natürlich, obgleich Barbara Kesel, die auch MERIDIAN schreibt,
die Storyline betreut, kann man nicht behaupten, dass die Geschichte in
irgendeiner Weise deren Tiefgang besitzt. Und die vielen Kämpfe und atemlosen
Cliffhanger stören offen gestanden die Entwicklung eines umfassenden Handlungsszenarios.
Doch dem Hauptcharakter, eben Sam, ist diese Rolle recht glaubhaft auf
den Leib geschrieben. Manchmal wünscht sich der Leser freilich, er würde
nicht so gerne mit der Faust zuhauen oder von seinen neuen Kräften Gebrauch
machen. Er läßt sich schrecklich leicht provozieren.
Und Roiya? Na ja, obgleich tot, hat sie als körperlose Stimme und anschließend
als Schiffshologramm eine Menge Einfluß. Und die Frau HAT vielleicht eine
scharfe Zunge! Junge, Junge! Da kommt noch eine Menge an Problemen auf
euch zu. Und natürlich auf Sam. Aber der braucht das...
Uwe Lammers (17. Januar 2005)
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