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Nadine
ist Comic-Zeichnerin und lebt mir ihrer Freundin in einer deutschen Stadt.
Dann begann sie sich zu verwandeln und nun ist sie in einem seltsamen
Zwischenwelt, eine Art Jenseits, eine andere Dimension sein kann, für
sie aber nur eine mit einem Milchnebel gefüllte Kammer ist. Dort hat sie
die Aufgabe ihre Lebensgeschichte niederzuschreiben, was den Großteil
des Romans ausmacht. Aber sie kann die Milchkammer auch wieder verlassen,
das tut sie denn auch am Ende des Romans. Der Roman springt deshalb assoziativ
zwischen dem Erzählen und dem erzählten Handlung hin und her am Anfang
zumindest, dann lässt das die Dramaturgie nicht mehr zu.
Am Anfang steht ein seltsames Erlebnis in der Bretagne
bei einem Besuch von Verwandten. Sie wacht an einem Strand auf und glaubt
an Land gespült worden zu sein. Im Zustand der Niedergeschlagenheit wird
sie von einer Metamorphose heimgesucht, sie wird zu einer Ratte, geht
ganz in der Existenz der Ratte auf. Zurückverwandelt in ihre menschliche
Gestalt, kommt sie in der Wohnung der Biologie-Laborantin Ary, die sie
als Ratte gefunden hat, zu sich. Ary wird ihre Vertraute. Doch Nadine
kann danach nicht mehr so richtig Fuß fassen in ihrem alten Leben und
ihre Beziehung zur Freundin Susan, die wieder mit Nadines Halbbruder Arthur
zusammenlebt, kann sie retten. Die beiden wollen heiraten, weil Susan
schwanger ist, jedoch nicht von Arthur, sondern von Nadine! Langsam beginnt
Nadines Identität immer mehr zu verschwimmen. Zu alle dem wird auch noch
von Nick Raven bedrängt, die sie wie eine Figur in einem Film, der ihr
Leben sein soll, behandelt. Und im Moment ist Nadine dabei, völlig aus
der Rolle zu fallen.
Nadines Verwandlungen gehen weiter. Dazwischen taucht
sie immer mal in der "Realität" auf, doch für sie wird der Platz immer
enger. Sie vermag zwar ihre Verwandlungen immer besser zu kontrollieren,
doch wird sie von ihrer Umwelt als immer bedrohlicher empfunden.
Man darf nicht zu viel erzählen, die Wiedergabe verkürzt das Unglaubliche
nur zu einer Kette von kuriosen Ereignissen. Manchmal verschwimmen wildwuchernde
Metaphorik, die oft Science Fiction und Horror Motive aufgreift, Traumerlebnisse
und reales Geschehen miteinander, erzeugen so eine Atmosphäre, die die
Grenzen der Erfahrungswelt durchlässig werden lassen.
Der Erzählfluss wirkt wild und ausufernd und doch
ist der Roman in sich abgerundet. Auf den verschiedenen Levels kommen
immer neue Erzählerstimmen dazu, die neue Aspekte hinzufügen. So bleibt
der Leser bei der Stange, auch wenn es nicht immer leicht ist, den Wendungen
zu folgen. Der Sprache wirkt unangestrengt, der Stil passt sich den Erzählerstimmen
an.
Das Wort "Genre Fucking", (auch wenn es nur aus
einer Laune heraus entstanden ist) im Sinne von "Ausnutzen" passt zu dieser
wilden phantastischen Kraft des Romans. Die Energie speist sich nicht
aus dem der Hochliteratur eigenen Drang, von Menschen und deren Beziehungen
erzählen und so bewältigen zu wollen, sondern aus der Auseinandersetzung
mit der Popkultur (zu der auch der Cyberpunk gehört), mit der verwalteten
(Waren)Welt, die von Apparaten und Maschinen beherrscht wird, die aber
dem Menschen Entfaltung seiner selbst verheißt, die Unmögliches wahr werden
zu lassen verspricht, aber letztendlich doch dem einzelnen seine Chancenlosigkeit
zeigt. Das Phantastische ist skandalös, denn hier sprengt das "Monster"
Nadine alle Grenzen, es breitet sich in alle Zustände aus, sie wird alles,
Tier, Mann, Frau, Filmfigur, Mischwesen, Fabelwesen, Datenbündel, Kopie
ihrer selbst, und vieles davon gleichzeitig. Das entscheidende dabei ist,
dass sie die Veränderungen annimmt und in ihren verschiedenen Existenzen
aufzugehen versucht, auch wenn diese nicht dauerhaft sein können. Dieses
Aufbegehren auch in und mit der Sprache gegen das Vorhandene, teilt "Der
Kahuna-Modus" auch mit der Social-Beat Bewegung. Da ist es nicht verwunderlich,
dass Bertram sich auch an Poetry Slams (erfolgreich) beteiligt hat.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der
Roman auch noch illustriert ist. Die Comic-Zeichenerin Lillian Mousli,
die auch schon zu "Harry und der Glimmung" von Philip K. Dick
(Edition Phantasia) Bilder beigesteuert hat, hat einen auf den ersten
Blick grob wirkenden Zeichenstil. Doch auf den zweiten ist jedes Bild
ausdruckstark.
Ein herausragender Roman, allen Phantastik-Freundinnen wärmstens empfohlen.
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