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(Ancient of Days,
1995) Dt. Erstausgabe, Heyne Taschenbuch
Nr. 5967, Heyne 1998, Titelbild: Attila Boros, übersetzt von Christian
Mähr, ISBN 3-453-13990-9, 507 Seiten
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In seinem Roman "No enemy but time"
(bei Heyne als Tb mit dem Titel "Nur die Zeit zum Feind" erschienen) hat
Bishop seinen Menschen in die Urzeit zu menschenähnlichen Vorfahren geschickt.
In diesem Roman ist es umgekehrt, hier verschlägt es einen Australopithecus in
die amerikanische Provinz der Gegenwart. Er ist womöglich der einzige Überlebende
seiner Spezies, der es gelungen ist in einem unterirdischen Höhlensystem in Ostafrika
relativ unbehelligt die Neuzeit zu erreichen. In Amerika gelingt es einer Künstlerin,
in deren Grundstück der Vormensch auf der Suche nach Eßbarem eindringt,
ihn an die Kultur zu gewöhnen, sich selbst mit diesem Affenmenschen vertraut zu
machen, so dass sie sich immer näher kommen. Adam, wie dieser genannt wird, ist
sehr gelehrig, bald benimmt er sich wie ein Mensch, lernt sogar lesen und schreiben.
Das eröffnet ihm die menschliche Geisteswelt. Später lässt er sich auch
noch am Kiefer operieren, damit er auch sprechen kann. Der Erzähler, der Ex-Mann
der Frau sieht das mit Sorge und anfangs auch mit Eifersucht. Er ist ein sehr gemischter
Charakter, der seine Vorbehalte überwindet und sich später auch mit Adam
anfreundet.
Durch einen Zeitungsbericht von einem abgewiesenen Anthropologen wird diese Beziehung
publik. Das ruft auch die Einwanderungsbehörde auf den Plan. Doch die Künstlerin
und der Affenmensch haben inzwischen geheiratet und die Ehe auch vollzogen, so dass
Adam kein illegal Eingewanderter mehr ist.
Aber auch den örtlichen Cu-Clux-Klan ruft das auf den Plan, die in Adam einen
Untermenschen und die Ehe einen Verstoss gegen die gottgegebene Ordnung sehen. Ein
Mordanschlag schlägt fehl und ein Clan-Mitglied stirbt dabei.
Als das Paar längst bekannt ist und die Öffentlichkeit nicht mehr scheut,
wird ihr Baby entführt. Der Entführer will die Scheidung. In einer dramatischen
Aktion wird der Verbrecher gestellt, doch für das Baby ist es zu spät. Von
da an wendet sich Adam von der menschlichen Kultur ab, seine Bemühungen um Akzeptanz
führt er nicht mehr weiter.
Mit seiner Frau unternimmt er eine Reise zu einer karibischen Insel, einer der Zwischenstationen
der Verschleppung der Australopithecen, wo er nach seinen Artgenossen sucht. Es wird
eine Reise zu den gemeinsamen Wurzeln, bei der auch Voodoo-Riten eine Rolle spielen.
Bishop hat sich in diesem Roman dem "mainstream" geöffnet. Nicht weil
der Roman in der Gegenwart angesiedelt ist, sondern in der Erzählweise. Es ist
ein Kunstgriff, den Ex-Mann, einen Restaurantbesitzer erzählen zu lassen. Für
ihn haben wissenschaftliche Fragestellungen nur eine marginale Bedeutung. Die zentrale
Fragestellung, was einen Menschen ausmacht, wird vor allem an der Entwicklung von Adam
deutlich. Durch seine "Vermenschlichung" tritt seine fremde, seine kreatürliche
Eigenständigkeit als Australopithecus zurück. Auch wenn er es nicht schafft,
als Mensch akzeptiert zu werden, sein vormenschliches Leben bleibt im Dunkeln.
Bishop nimmt sich hier künstlerische Freiheiten heraus, denn ob ein Australopithecus
mit nur 2/3 Gehirnkapazität eines Menschen ihm ebenbürtig sein kann, ist
mehr als fraglich.
Es gelingt Bishop ein fast episches Garn zu spinnen. Man kann die Handlung
sehr gut nachvollziehen, sie ist aber dennoch nicht vorhersehbar. Die
Charaktere sind glaubwürdig. Für den SF-Leser mag die Erzählweise
des Stoffes eher ungewohnt sein, lesenswert ist der Roman allemal.
(Rezension von Michael Baumgartner) |