Frank Borsch
Fluchtpunkt Schemmenstern

Moewig fantastic, Rastatt 2001, 224 S., Titelbild: Alfred Kelsner, 3-8118-7511-6, 19++80 DM

Dieser Roman ist im Perry-Rhodan Universum angesiedelt und schließt an den Traversan- Minizyklus an. Atlan, den Arkoniden, hat es innerhalb des ehemaligen arkonidischen Kristall-Imperiums tausende von Jahren in die Vergangenheit verschlagen. Er wird in Machtkämpfe verwickelt, muss handeln und darf sich andererseits nicht als Zeitreisender zu erkennen geben.
An seiner Situation hat sich nichts geändert, als er nach 21 Arkon-Jahren Tiefschlaf geweckt wird. Tamarema, seine damalige Geliebte, die ins Koma fiel, als sie ihn bei einem Kampf zu retten versuchte, was mit ein Grund für seinen Tiefschlaf war, ist aufgewacht und geflohen. Man glaubt, sie ist geistig verwirrt. Atlan, bewegt von vagen Hoffnungen, will sie suchen. Ihre Spur führt zum Schemmenstern, den Atlan schon einmal bereist hat, was die Suche noch erschwert, da er nicht wiedererkannt werden möchte.
Das Schemmenstern-System ist aber nicht nur Tamarema Fluchtpunkt, sondern auch für viele Rebellen aus dem Arkon-Imperium, die sich hier formieren, weil der Tato, der lokale Gouverneur, ein vergleichsweise liberal denkender Arkonide ist, ein Mann mit Idealen. Der Schemmenstern ist eine Konglomerat von Orbitalstätten um einen Jupiter-ähnlichen Planeten. Das Gemeinwesen blüht, nicht zuletzt wegen der Vorkommens von Hyperkristallen, die hier auch weiterbearbeitet werden.
Das ist die Aufgabe des Volkes der Unither, die man als PR-Leser schon aus der Handlung der Serie kennt. Die friedfertigen Rüsselträger wirken ähnlich plump wie Elefanten, sind aber mit ihren feingliedrigen Händen begehrte Feinmechaniker. Der Unither Lathir verspürt den Wunsch, seine Heimat zu verlassen, frei zu sein, doch auf dem Schemmenstern sind seinesgleichen lediglich ein Hilfsvolk, das in (sanfter) Knechtschaft lebt, ohne Recht auf Selbstbestimmung und Bewegungsfreiheit. Auch sind die Unither weitaus mehr "Herdenwesen" als Humanoide wie Terraner und Arkoniden. Doch da trifft er auf Atlan, und erkennt seine Chancen. Beide geraten in eine explosive Situation, als das Imperium den Tato stürzen will und dem Treiben der Rebellen ein Ende bereiten will. Eingeschleuste Truppen warten darauf loszuschlagen, ein bewaffneter Konflikt scheint unvermeidlich, zumal der Imperator mit eiserner Faust regiert. Atlan muss sich wieder einmischen, zumal er eben durch charismatische Erscheinung und selbstsicheren Auftreten immer wieder auffällt.
Borsch versteht es, das Arkon-Imperium mit Leben und Eindrücken zu erfüllen. Die Charaktere sind der abenteuerlichen, spannenden Geschichte gemäß nicht allzu stark ausgeprägt, aber unterscheidbar, und auch die Dialoge sind knapp und einfach gestrickt. Am Ende gibt es enttäuschte Hoffnungen auf vielen Ebenen, aber auch Lichtblicke, Atlan und die Unither können dem Schemmenstern-System, das mittlerweile zum Schlachtfeld geworden ist, entkommen.
Zu Atlan, dem Mann mit dem Extrasinn, und auch zum Bild der Unither hat Borsch einige Facetten hinzugefügt und damit die Chancen, die sich mit einem solchen Roman bieten, wahrgenommen. Da Borsch es darüber hinaus versteht, lebendig zu erzählen, darf man auf weitere Werke von ihm gespannt sein.
Ein paar Worte noch zur Aufmachung des Romans. Die Covergestaltung ist recht gefällig, auch wenn das recht ansprechende Cover von Alfred Kelsner nicht gerade auf den Inhalt des Romans Bezug nimmt. Auch dass der Name des Autors nicht auf dem Cover genannt wird, gibt dem Roman kein zusätzliches Profil. Man scheint von Verlagsseite ganz auf die Zugkräftigkeit des Namens "Atlan" zu vertrauen, aber das war möglicherweise zu wenig. Die einführenden Worte von Klaus Frick und das Glossar sind jedoch hilfreich für den Einsteiger.
Irgendwie ist es schade, dass die Reihe inzwischen eingestellt wurde. Wieder ein Chance weniger, Potentiale von Heft-Serien für die Phantastik insgesamt zu nutzen.

(Michael Baumgartner)

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