Christian Mähr:
Die letzte Insel. Roman

Du Mont Literaturverlag, Köln 2001, Hardcover, 215 S., 3980 DM

Science Fiction Lesern wird der Name des Autores vielleicht noch geläufig sein. Vor einigen Jahren schon erschienen in der Fantasy- und Science Fiction-Reihe von Heyne zwei Romane von ihm: "Magister Dorn" und darauf der umfangreiche SF-Roman "Fatous Staub", der immerhin mit dem Science Fiction Literatur-Preis des SFCD ausgezeichnet. Dann war es lange Jahre ruhig (Mir kam zu Ohren, dass er einen umfangreichen SF-Roman geschrieben hatte, den Wolfgang Jeschke in der Länge nicht bringen wollte). Schließlich erschien im noch jungen Belletristik-Programm des DuMont Verlages "Simon fliegt" über einen Mann in der österreichischen Provinz, der plötzlich fliegen konnte. Die Umgebung reagierte mit Unverständnis, Neid und Vereinnahmungsgier, denn alle spürten unbewusst das Unbefriedigende ihres Daseins. Der Autor fing die Perspektiven mit einem unvergleichlich trockenen Stil ein, der den Leser die Begrenztheit der Lebenshorizonte spüren ließ. Die allgemeine Literaturkritik reagierte positiv auf dieses Werk, was wohl die Veröffentlichung des nächsten Romans "Die letzte Insel" zumindest begünstigt hatte. Der Ich-Erzähler von "Die letzte Insel" ist ein alternder Unterhaltungsschriftsteller, der mit seiner jüngeren Frau auf der kanarischen Gormera oder can nonno, immer nur die Insel genannt, Urlaub macht. Schon bei der Hinfahrt sieht er draußebeine Insel, erst mal eher beiläufig. Erst später mit der Geographie vertrauter. Dumm nur, dass seine Frau sie nicht sieht. Wie eine Mauer schiebt sich dieser irritierende Unterschied zwischen das Paar, bei dem sich der Leser schon wundert, was es zusammenhält. Später machen viele der Neuangekommenen Urlauber eine kleine Wandertour stellt sich heraus. Wieder sieht der Schriftsteller die Insel, die es eigentlich nicht gibt, doch diesmal ist er nicht allein, einige andere Urlauber sehen die Insel: ein Paar, der Mann, der sich Harald Eder nennt, ein Hochstapler und sie Journalistin Prskawetz, die ihm auf der Spur war und sich in ihn verliebt hat. Auch die reife, elegante Angelika Venator hat etwas zu verbergen. Alle sind irgendwie beunruhigend, nur der Apotheker Dorn, scheint ganz er selbst zu sein, seine Ruhe und seine Kenntnisse machen ihn jedoch zu einer ungewöhnlichen Erscheinung. So finden sie sich als Verschwörer zusammen und es wird beschlossen, die Insel, die nach einer einheimischen Legende San Borondon genannt wird, aufzusuchen. Doch der Schriftsteller reist nicht mit. Die vier fahren auf die Hohe See, doch nur drei kommen zurück. Magister Dorn ist verschollen, ertrunken sagen die Zurückgekommenen, die alle die Insel anders beschreiben. Der Schriftsteller und seine Frau entfernen sich immer mehr voneinander, gehen fremd. Die Situation wird langsam immer unhaltbarer und unheimlicher als die vier "Verschwörer" nicht nur die Insel sehen, sondern auch Tote. Gleichzeitig wird die Insel wird von einer tödlichen Epidemie heimgesucht. Beides steht miteinander in Verbindung. Es geht bald um sehr viel mehr. Mähr schildert wieder den Einbruch des Unfassbaren in die geordnete Welt. Er konfrontiert durchschnittliche rational denkende Menschen mit dem Unerklärlichen, Mysteriösen. Aber wie die westlichen Menschen nun mal sind, sie müssen enträtseln, sie können nicht anders und bringen damit ein Ungleichgewicht in die Welt. Alles wäre einfach, wenn alle nicht ihre Geheimnisse hätten, wenn ihr Leben nicht schon selbst eine Schlagseite hätte. Aber in der Konfrontation mit dem unbekannten liegt für sie auch eine besondere Bewährung. Letztendlich bleibt das Mysteriöse mysteriös, es kommt nur darauf an, was die Personen für sich daraus gewinnen, falls sie es überleben, denn für rationale eingestellte Menschen hat das mysteriöse immer auch etwas Bedrohliches.

"Die letzte Insel" knüpft in vielen an "Simon fliegt" an, doch kehrt Mähr gleichzeitig wieder zu seinen Anfängen als Phantastik-Autor zurück. Dafür steht auch die Gestalt des "Magister Dorns", der schon seinem ersten Roman den Titel gegeben hat.

(Rezension von Michael Baumgartner, überarbeitet am 10.7.2001)