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Science
Fiction Lesern wird der Name des Autores vielleicht noch geläufig sein.
Vor einigen Jahren schon erschienen in der Fantasy- und Science Fiction-Reihe
von Heyne zwei Romane von ihm: "Magister Dorn" und darauf der umfangreiche
SF-Roman "Fatous Staub", der immerhin mit dem Science Fiction Literatur-Preis
des SFCD ausgezeichnet. Dann war es lange Jahre ruhig (Mir kam zu Ohren,
dass er einen umfangreichen SF-Roman geschrieben hatte, den Wolfgang Jeschke
in der Länge nicht bringen wollte). Schließlich erschien im noch jungen
Belletristik-Programm des DuMont Verlages "Simon fliegt" über einen Mann
in der österreichischen Provinz, der plötzlich fliegen konnte. Die Umgebung
reagierte mit Unverständnis, Neid und Vereinnahmungsgier, denn alle spürten
unbewusst das Unbefriedigende ihres Daseins. Der Autor fing die Perspektiven
mit einem unvergleichlich trockenen Stil ein, der den Leser die Begrenztheit
der Lebenshorizonte spüren ließ. Die allgemeine Literaturkritik reagierte
positiv auf dieses Werk, was wohl die Veröffentlichung des nächsten Romans
"Die letzte Insel" zumindest begünstigt hatte. Der Ich-Erzähler von "Die
letzte Insel" ist ein alternder Unterhaltungsschriftsteller, der mit seiner
jüngeren Frau auf der kanarischen Gormera oder can nonno, immer nur die
Insel genannt, Urlaub macht. Schon bei der Hinfahrt sieht er draußebeine
Insel, erst mal eher beiläufig. Erst später mit der Geographie vertrauter.
Dumm nur, dass seine Frau sie nicht sieht. Wie eine Mauer schiebt sich
dieser irritierende Unterschied zwischen das Paar, bei dem sich der Leser
schon wundert, was es zusammenhält. Später machen viele der Neuangekommenen
Urlauber eine kleine Wandertour stellt sich heraus. Wieder sieht der Schriftsteller
die Insel, die es eigentlich nicht gibt, doch diesmal ist er nicht allein,
einige andere Urlauber sehen die Insel: ein Paar, der Mann, der sich Harald
Eder nennt, ein Hochstapler und sie Journalistin Prskawetz, die ihm auf
der Spur war und sich in ihn verliebt hat. Auch die reife, elegante Angelika
Venator hat etwas zu verbergen. Alle sind irgendwie beunruhigend, nur
der Apotheker Dorn, scheint ganz er selbst zu sein, seine Ruhe und seine
Kenntnisse machen ihn jedoch zu einer ungewöhnlichen Erscheinung. So finden
sie sich als Verschwörer zusammen und es wird beschlossen, die Insel,
die nach einer einheimischen Legende San Borondon genannt wird, aufzusuchen.
Doch der Schriftsteller reist nicht mit. Die vier fahren auf die Hohe
See, doch nur drei kommen zurück. Magister Dorn ist verschollen, ertrunken
sagen die Zurückgekommenen, die alle die Insel anders beschreiben. Der
Schriftsteller und seine Frau entfernen sich immer mehr voneinander, gehen
fremd. Die Situation wird langsam immer unhaltbarer und unheimlicher als
die vier "Verschwörer" nicht nur die Insel sehen, sondern auch Tote. Gleichzeitig
wird die Insel wird von einer tödlichen Epidemie heimgesucht. Beides steht
miteinander in Verbindung. Es geht bald um sehr viel mehr. Mähr schildert
wieder den Einbruch des Unfassbaren in die geordnete Welt. Er konfrontiert
durchschnittliche rational denkende Menschen mit dem Unerklärlichen, Mysteriösen.
Aber wie die westlichen Menschen nun mal sind, sie müssen enträtseln,
sie können nicht anders und bringen damit ein Ungleichgewicht in die Welt.
Alles wäre einfach, wenn alle nicht ihre Geheimnisse hätten, wenn ihr
Leben nicht schon selbst eine Schlagseite hätte. Aber in der Konfrontation
mit dem unbekannten liegt für sie auch eine besondere Bewährung. Letztendlich
bleibt das Mysteriöse mysteriös, es kommt nur darauf an, was die Personen
für sich daraus gewinnen, falls sie es überleben, denn für rationale eingestellte
Menschen hat das mysteriöse immer auch etwas Bedrohliches.
"Die letzte Insel" knüpft in vielen
an "Simon fliegt" an, doch kehrt Mähr gleichzeitig wieder zu seinen Anfängen
als Phantastik-Autor zurück. Dafür steht auch die Gestalt des "Magister
Dorns", der schon seinem ersten Roman den Titel gegeben hat.
(Rezension von Michael Baumgartner,
überarbeitet am 10.7.2001)
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