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Michael Martin Ein Jahr in der Nähe von Proxima Centauri |
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( One Year near Proxima Centauri, 1992) Dt. Erstausgabe, Heyne TB 5111, München 1994, Titelbild: Tony Roberts, übersetzt von Uwe Luserke, ISBN 3-453-07276-6, 222 S. |
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Martin lässt seinen Erzähler oft recht bizarre Alltäglichkeiten schildern, die nichtsdestotrotz dem Leser immer wieder vertraut vorkommen. Nichts Bewegendes geschieht, aber die Erlebnisse sind phantasievoll und von schwarzem Humor geprägt. Der Roman ist auch pointiert und unterhaltsam geschrieben. Als Leser kann man seine Einfälle mit großem Vergnügen goutieren - was die meisten Rezensenten auch getan haben. Bei der Lektüre mögen sich viele - darunter auch ich - sich gefragt
haben, was denn das Ganze soll: immer nur Fressereien dieser Spießer-Aliens,
denn spießig sind sie auf jeden Fall. Und überhaupt das alles ist nicht
einmal besonders wissenschaftlich fundiert. Worum ging es dem Autor denn?
Ganz sicher nicht, um eine stimmige exotische Welt zu schildern, dazu
ist seine Phantasie viel zu überschäumend und sind seine Einfälle viel
zu schräg. Und auch die Aliens sind in ihrem Verhalten viel zu sehr menschenähnlich.
Im Menschenähnlichen liegt für mich der Schlüssel für das Verständnis
dieses Romans. Im Grunde schildert er nur total verfremdete irdische Verhältnisse.
Martin treibt die Spießermentalität, die nur auf den Konsum und das eigene
Wohlbefinden ausgerichtet ist, auf die Spitze, indem er sie vor nichts
halt machen lässt. Dadurch, dass am Ende die Aliens selbst Opfer
ihrer Mentalität werden, führt er sie sarkastisch ad absurdum. Wenn man
so will, ist das die Erkenntnis, die durch die Verfremdung erzielt wird.
Womit im übrigen ein wesentliches Element der SF angesprochen ist. Der
Autor lässt dies, meine ich, auch immer wieder durchblicken. Die Handwerker
tragen englische Namen wie "George", "Dave" und so ähnlich. (Und aus eigener
Erfahrung mit den Heizungsbauern im elterlichen Haus weiß ich, dass der
Autor nicht besonders übertrieben hat bei der Schilderung handwerklicher
Aktivitäten). Schließlich gibt auch der Titel einen Hinweis und wirkt
dadurch nicht willkürlich, denn Proxima Centauri ist ja der zur Erde am
nächsten liegende Stern. Anmerkungen: 1 Diese Rezension schrieb ich als Beitrag zu einem Lesezirkel innerhalb des SFCBW. Leider blieb er der einzige zu diesem Roman. Der ist in den Fanzines und Magazinen der SF-Szene ziemlich kontrovers besprochen worden, und bot sich deshalb für den Lesezirkel erwiesen an. 2 Mittlerweile habe ich erfahren, dass Martin hier den Roman "Ein Jahr in der Provence" von Peter Mayle persifliert hat. In diesem bekannten Buch schildert der Autor meist kulinarischer Erlebnisse. Auf jeden Fall wird aus dieser Perspektikve vieles an dem Roman einleuchtender.(23.7.2004) Michael Baumgartner |
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