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In
"Erstkontakt", seinem ersten SF-Roman, ist Jack McDevitt der Frage nachgegangen,
was geschehen würde, bekäme die Menschheit tatsächlich eine Botschaft
aus dem All. In "Die Küsten der Vergangenheit" geht, hat er sich der Frage
gestellt, was geschähe, würde man auf der Erde ein Artefakt einer technisch
weitfortgeschrittenen Zivilisation finden.
Die Handlung beginnt mit einer Entdeckung eines Segelbootes aus einem
fieberglasähnlichen Material inmitten des amerikanischen Mittelwestens,
genauer North Dakota. Der Finder, ein Farmer, weiß damit zuerst gar nichts
anzufangen. Ein Freund der Familie wird hinzugezogen, der wiederum eine
Probe des Materials an ein Labor schickt. Das Boot wird als Kuriosum von
der lokalen Presse aufgegriffen, schnell wird es als "Teufelsboot" zu
einem touristischen Ausflugsziel, was von den Honoratioren der nächsten
Stadt gern gesehen wird, beschert es doch der Geschäftswelt neue Erwerbsquellen.
Unterdessen hat die Chemikerin in diesem Labor, die ungeheure Entdeckung
gemacht, dass das Boot aus einem Transuran besteht, ein chemisches Element,
das es noch gar nicht geben dürfte. Ein praktisch unvergängliches Material,
das mit der Umgebung überhaupt nicht reagiert. Dies weißt das Objekt eindeutig
als außergeschichtliches Artekfakt aus. Die Chemikerin, eine Farbige,
sieht in der Erforschung dieses Sache die Chance ihres Lebens und gemeinsam
mit dem Freund der Familie sucht sie nach einem weiteren Artefakt, da
das Land vor 10000 Jahren zu einem großen See gehörte. Und tatsächlich
finden sie in einem Einschnitt bei den nächsten Bergkette, die das Binnenmeer
damals begrenzte, ein weiteres Artefakt. Dieses Land gehört zu einem Sioux-Indianerreservat,
und mit Erlaubnis des Stammes graben sie aus. Das zweite Objekt erweist
sich als eine Bootsstation, als sie ins Innere gelangen, machen sie eine
aufregende Entdeckung: Sie finden eine Art Transmittersystem, mit dem
man auf fremde, jedoch "verlassene" Welten gelangen kann. Die Erbauer
des Systems treffen sie nirgends an.
Mittlerweile zieht die Entdeckung immer weitere Kreise, die überregionalen
und bald die übernationalen Medien berichten darüber.
Man wundert sich als Leser, dass Regierungsbehörden erst ab der Mitte
des Buches, als praktisch die ganze Welt dank CNN davon weiß, auf das
Objekt aufmerksam werden.
Als das Objekt, oder besser Gerüchte über die technische Verwendung des
Transurans, dann die Auto- und Reifenindustrie in eine Krise stürzen,
die sich wiederum über die Börse auf die Gesamtwirtschaft negativ auswirkt,
spitzen sich die Ereignisse zu. Die Regierung sieht sich bald gezwungen,
etwas gegen das Objekt zu unternehmen, da es mittlerweile auch weltweit
ein Politikum geworden ist. Doch auch die Indianer aus dem Reservat haben
ein Interesse an dem außerirdischen Artefakt, das ja ihnen gehört. Ein
Konflikt bahnt sich an.
Jack McDevitt zeichnet ein Panorama der amerikanischen Gesellschaft, die
im Banne diese ungeheuren Entdeckung steht. Esoteriker, ganz normale Leute,
Spinner mit eindeutigen Absichten, Gewerkschaftler und Lobbyisten, bis
hin zum amerikanischen Präsidenten, der daran am schwersten zu tragen
hat, jede Figur in diesem Roman reagiert auf die Artefakte, auf die Möglichkeiten,
die sie in sich bergen, anders. Hoffnungen und Ängste, Aggressionen und
Verehrung, aber auch geschäftliche Interessen und wissenschaftliche Neugier
werden geweckt. Das Szenario erhält dadurch große Glaubwürdigkeit. McDevitt
behält im Großen ganzen den Überblick und vergisst nicht, jede Nebenfigur
mit einem eigenen Charakter auszustatten. Dabei überlässt er es dem Leser,
das Verhalten der Figuren zu bewerten. Er erzählt einfach. Manchmal überzeichnet
er die Figuren ein bisschen, oder man merkt, wie er sich insgeheim amüsiert,
aber McDevitt hat eindeutig ein positives Verhältnis zum Dargestellten.
Schließlich ist durch Handlungs- und Figurenkonstellation auch für Spannung
gesorgt.
Mit einem Wort, der Roman ist rundum empfehlenswert, nicht zuletzt, weil
er Einblick in die (amerikanische) Wirklichkeit zu geben vermag. Man wünscht
sich so ein ähnlichen Roman von einem deutschen Autor.
Michael Baumgartner
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