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Die Welt hat sich verändert. Einst gab es die "Community", die zu den Sternen aufbrechen wollte und in einem gigantischen Ring um die Erde lebte. Nach dem so genannten Exodus, kam es auf der Erde zu Kriegen und Verwüstungen, und eine neue Gesellschaftsordnung musste sich konsolidieren. Nur eine Minderheit besteht aus "Singletons" aus Individuen. Der Großteil der Erdbevölkerung besteht aus "Pods".
Apollo Papadopulos ist so ein Pod, eine Kollektivpersönlichkeit, die aus genetisch veränderten Menschen, die über Pherenome und Körperkontakt miteinander kommunizieren, besteht. Allein fühlen sie sich nicht vollständig, sie sind auch emotional stark miteinander verbunden. Die Fünfheit wurde schon im Kinderhort zusammengeführt, mit dem Ziel, später ein Raumfahrzeug steuern zu können. Doch bis es soweit ist, muss trainiert und gelernt werden. Zu Beginn des Romans ist Apollo knapp Zwanzig Jahre alt und es steht Überlebenstraining in der Wildnis auf dem Programm. Da wird es schon gefährlich, denn in den Rocky Mountains löst sich eine Lawine und begräbt den Pod beinahe unter sich. Dieses Kapitel wird aus der Perspektive eines Teil des Pods erzählt, aus der Sicht von Strom, der für körperliche Kraft steht, und auch Verteidigung des Pods übernimmt. Später bekommt jeder Teil des Quintetts ein Kapitel, wird so eingeführt. Meda und Moira sind Zwillinge, Meda fungiert als Sprecherin, während Moira die moralische Seite des Pod verkörpert. Quant ist Autistin, sie löst alles in Zahlen auf, und berechnet es. Manuel ist die Geschicklichkeit. Es wid für den Leser recht klar, wie sich die Fünf ergänzen.
Nicht zum Programm gehört die Begegnung mit Malcolm Leto, dem letzten der Community. Meda lässt sich mit ihm ein, und er setzt ihr eine Interface-Buchse ein, wie es die Menschen in der Community hatten, um biodigital mit allen anderen Menschen verbunden zu sein. Er reißt sie gewaltsam aus dem Pod, will mit ihr in den Ring zurückkehren, doch Apollo verhindert das. Diese Ereignisse sorgen fast dafür, dass der Pod nicht zum Praktikum auf dem Raumstation zugelassen wird. Bei einer Übung kommt es wieder zu einem Zwischenfall, bei dem sich Apollo aber auszeichnen kann. Doch er hat langsam den Eindruck, dass man einen Anschlag auf ihn verübt hat. Mit auf die Raumstation kommt ein Zweier-Pod, der sich bald als Militär-Pod herausstellt, der es auf Apollo abgesehen hat. Aber weshalb? Apollo flieht über den Ring zur Erde zurück. Die Geschehnisse im All gehören zu den spannendsten Kapiteln im Buch.
Es folgt eine Verfolgungsjagd durch den südamerikanischen Urwald. Danach geht Apollo dem Verdacht nach, dass man es auf ihn abgesehen hat, und sie finden Bestätigung, durch seine Nachforschungen erfährt er auch mehr über ihren Ursprung als Pod, ja über die Pods allgemein. Auch seine Fähigkeit nonverbal zu kommunizieren nimmt zu. Schließlich nachdem er wieder zurück zur Farm von "Mother" Redd gelangt , auf der er die letzten Jahre verbracht hat, bekommt er von Overgovernment einen Auftrag, Malcolm Leto stoppen. Denn der schart um sich eine neue Community, die er aus den "Singletons" rekrutiert. Er will den Ring wieder bevölkern und einen neuen Exodus initiieren, ein Wahnsinnstat mit unübersehbaren Folgen. Dieser Auftrag führt Apollo nach Zentralafrika, einem Singleton-Reservat.
Ring ist Paul Melkos Erstling und es ist ein Jugendroman, das heißt die Zielgruppe sind "Young Adults". Ein spannendes Garn actionreiches ist ihm da gelungen, auch wenn es Längen gibt, wie die Exkursion in die Rocky Mountains und die Suche nach dem Bären-Pod. Die Interaktionen im Pod, seine Funktionsweise ist gut geschildert. Die Abenteuer, die das Quintett erlebt, sind farbig geschildert. Melko hat ein facettenreiches und durchaus originelles Bild einer (möglichen) Zukunft entworfen. Deutlich ist der Einfluss der Singularitäts-Theorie (daher auch der Originaltitel 'Singularitys Ring') erkennbar, nach der verkürzt dargestellt die Menschheit durch die exponentielle Ansammlung von Wissen hinsteuert auf einen Punkt hinsteuert, der das Ende der Geschichte bedeutet, und in dem auch etwas (Neues) entsteht, das jenseits des Ereignishorizontes liegt. Melkos Roman nimmt dazu implizit kritisch Stellung.
Allerdings bleibt manches offen, der Zukunftsentwurf ist zu groß, der Ring und die Community wecken die Neugier des Lesers, lenken die Aufmerksamkeit auf andere Bahnen, so dass er nicht richtig befriedigt fühlt. Irritationen bleiben nicht aus. Auch der Showdown hat Konstruktionsschwächen. Die Begründung warum Leto den Ring nicht betreten kann, erscheint ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Am Ende hat Apollo dann eine neue Bestimmung gefunden.
Fazit: Ein beeindruckender Erstling mit Schwächen.
Michael Baumgartner
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