R. M. Meluch
Kriegsvögel

(Warbirds, 1989) Deusche Erstausgabe, Heyne SF TB 06/4962, ISBN 3-453-06204-3, aus dem Amerikanischen von Peter Pape, Titelbild: John Harris, 1993, 351 Seiten.

Cover von R.M. Meluch 'Kriegsvögel' In einem fernen Sonnensystem haben sich auf drei Planeten Menschen unterschiedlicher Nationalität niedergelassen. Auf Tannia leben zum einen englischsprachige Menschen, während die Siedler auf dessen Zwillingsplaneten "Erde" niederländischer, deutscher und südafrikanischer Herkunft sind. Nach einem Krieg, den die "Erder" begonnen und verloren haben, lebt der erdische Pilot Anthony Northfield, alias Anton Nordfeldt mit neuer Identität auf Tannia.
Der Roman erzählt seine wechselvolle Geschichte. Er ist Pilot aus Leidenschaft, doch er darf nicht fliegen. Durch den ganzen Roman zieht sich eine Begeisterung für die Raumfliegerei, die auch mit seinen technisch Details recht eindrücklich beschrieben wird. Als er sich in ein tannisches Mädchen verliebt, wird er von deren Freund zum Duell mit Raumjägern aufgefordert, danach kommt er ins Gefängnis. Der Umstand, dass Tannia von Occo aus, dem dritten Planeten, angegriffen wird, trägt zu seiner Befreiung bei, denn er soll wieder rehabilitiert die untergetauchten Erde-Piloten für einen Einsatz im Krieg mit Occo gewinnen, was ihm auch gelingt. Doch bei Nordfeldts erstem Einsatz gerät er in Gefangenschaft und macht eine überraschende Entdeckung, denn die Occonen sehen anders aus als erwartet. Am Ende kann er jedoch nach Erde zurückkehren.
Die Inhaltsangabe könnte den Eindruck aufkommen lassen, dass es sich hier um eine Art Landser-Roman im Weltall handelt, aber das stimmt nicht. Die Raumjägerpiloten wirken dafür zu wenig soldatisch und sind eher problematische Figuren. Auch nehmen Kampfhandlungen nur einen kleinen Teil des Romans ein und werden keineswegs glorifizierend geschildert.
Der Roman ist leidlich gut geschrieben. Die unterschiedlichen Kulturen sind zwar nicht sonderlich detailliert beschrieben, besonders über die occonischen Verhältnisse wünscht man mehr zu wissen, die Charaktere dagegen sind schärfer konturiert.
Am meisten hat man von dem Roman, wenn man ihn als die Geschichte eines Menschen liest, dessen Schicksal es ist, zwischen den Kulturen zu stehen und so zum Mittler zu werden. Die Hauptfigur und ihr spannungsvolles Leben mit dem Fremden und in der Fremde, ohne dass sie dabei die eigene Identität verliert, ist das bemerkenswerteste des Romans. Der Titel "Kriegsvögel" ist etwas irritierend.
Hinter den neutralen Initialen R.M. Meluch verbirgt sich übrigens die us-amerikanische Autorin Rebecca M. Meluch.

Michel Baumgartner

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