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Damit
hat Anthony van Horne nicht gerechnet: Ausgerechnet an seinem fünfzigsten
Geburtstag erhält er vom Erzengel Rafael persönlich einen Auftrag, der
sein komplettes Leben endgültig durcheinanderbringt. Gott sei nämlich
tot, so erzählt der Engel, er treibe als kilometergroße Leiche durch den
Atlantik, und er müsse eine würdige Beerdigung im Eismeer erhalten. Als
Beerdingungsinstitut sei ein riesiger Supertanker mit Kapitän van Horne
als Chef-Beerdiger vorgesehen ...
So beginnt James Morrows Roman "Das Gottesmahl", in dem sterbende Engel
ebenso vorkommen wie ein vergammelnder Leichnam Gottes, durchgeknallte
Weltkrieg-II-Fans aus Amerika ebenso wie eine nackt tanzende Nonne, haarsträubende
religiöse Diskussionen ebenso wie Action. An Einfällen ist der Autor nie
verlegen, und so schaukelt sich die Handlung genüßlich durch das atlantische
Nordmeer, stets von einer Blasphemie zur nächsten. Der Originaltitel ist
im übrigen passender, doch "Jehovah ziehend" hätte sich in der wörtlichen
Übersetzung wirklich nicht besonders gut angehört.
Das Buch wurde mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet, was ein bißchen
irritiert - um Fantasy handelt es sich beim besten Willen nicht. Morrows
metaphysischer Roman ist eindeutig Science Fiction, wenngleich mit einem
bitter-ironischen Schuß, über den man im übrigen die ganze Lektüre über
kein einziges Mal so richtig lachen kann. Aber damit hat wohl auch niemand
gerechnet.
Was den Lesegenuß etwas hemmt, ist der Schluß: Da fällt das Buch ab, da
scheinen dem Autor die Ideen ausgegangen sein. Für sehr christlich denkende
Menschen ist "Das Gottesmahl" ohnehin nichts, das sei hiermit versichert.
Wer aber gerne einen zynischen Witz reißen möchte oder Blasphemien richtig
gut findet, ist bei diesem Werk bestens beraten.
(Rezension von Klaus N. Frick)
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