James Morrow
Das Gottesmahl
(Towing Jehovah, 1994). Aus dem Englischen von Horst Pukallus, Heyne-TB 06/6312, München 1999, ISBN 3-453-14903-3, 494 Seiten .

Damit hat Anthony van Horne nicht gerechnet: Ausgerechnet an seinem fünfzigsten Geburtstag erhält er vom Erzengel Rafael persönlich einen Auftrag, der sein komplettes Leben endgültig durcheinanderbringt. Gott sei nämlich tot, so erzählt der Engel, er treibe als kilometergroße Leiche durch den Atlantik, und er müsse eine würdige Beerdigung im Eismeer erhalten. Als Beerdingungsinstitut sei ein riesiger Supertanker mit Kapitän van Horne als Chef-Beerdiger vorgesehen ...
So beginnt James Morrows Roman "Das Gottesmahl", in dem sterbende Engel ebenso vorkommen wie ein vergammelnder Leichnam Gottes, durchgeknallte Weltkrieg-II-Fans aus Amerika ebenso wie eine nackt tanzende Nonne, haarsträubende religiöse Diskussionen ebenso wie Action. An Einfällen ist der Autor nie verlegen, und so schaukelt sich die Handlung genüßlich durch das atlantische Nordmeer, stets von einer Blasphemie zur nächsten. Der Originaltitel ist im übrigen passender, doch "Jehovah ziehend" hätte sich in der wörtlichen Übersetzung wirklich nicht besonders gut angehört.
Das Buch wurde mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet, was ein bißchen irritiert - um Fantasy handelt es sich beim besten Willen nicht. Morrows metaphysischer Roman ist eindeutig Science Fiction, wenngleich mit einem bitter-ironischen Schuß, über den man im übrigen die ganze Lektüre über kein einziges Mal so richtig lachen kann. Aber damit hat wohl auch niemand gerechnet.
Was den Lesegenuß etwas hemmt, ist der Schluß: Da fällt das Buch ab, da scheinen dem Autor die Ideen ausgegangen sein. Für sehr christlich denkende Menschen ist "Das Gottesmahl" ohnehin nichts, das sei hiermit versichert. Wer aber gerne einen zynischen Witz reißen möchte oder Blasphemien richtig gut findet, ist bei diesem Werk bestens beraten.

(Rezension von Klaus N. Frick)

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