Perry Rhodan-Magazin, Sonderausgabe 2001

VPM, August 2001, 52 S., 5+00.

In Zum 40 Jahre Jubiläum der Serie hat es VPM gewagt, wieder ein Perry Rhodan-Magazin zu veröffentlichen. Diesmal sollte es nicht so sehr Werbeträger sein, vielmehr sollte es über die Serie informieren und den Status quo der Serie festhalten. Das war mitunter ein Grund, warum ich das Magazin gekauft habe.

Zur Serie gehört natürlich auch das Umfeld, die Science Fiction allgemein. Da gab es mit "Planet der Affen" auch ein (vermeintliches) Kinohighlight, über das auch in anderen Magazinen ausführlich informiert wurde. Der Artikel von Florian Breitsameter enthielt jedoch noch Wissenswertes, das ich anderswo noch nicht gelesen habe. Mit Hannes Riffel und Birgit Will hat man auch Experten in Sachen Science Fiction engagiert, um auf wichtige und lesenswerte Science Fiction-Werke aus den Verlagen kurz vorzustellen. Sie erledigen diese Aufgabe denn auch souverän.

Nichts geht heute ohne Internet, deshalb stellt ein weiterer SF-Fan, Ulrich Bettermann, Homepages deutscher SF-AutorInnen vor. In der Kürze der Besprechungen treten immerhin die Unterschiede in Haltung und Konzeptionen klar hervor, so dass ein kleines Spektrum von Homepages entstanden ist.

Bei einer Weltraum-Serie darf die Astronomie nicht fehlen. Diesen Part übernimmt Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas. Den neuesten astrophysikalischen Berechnungen nach müsste es mehr Materie und Energie geben als man mit den gegenwärtigen Methoden feststellen kann. Dunkelmaterie und die so genannte Dunkle Energie werden postuliert. Vielleicht taucht dieses Phänomen ja mal in der Serie auf, bieten sich die Materiequellen nicht dafür nicht gerade zu an?

Ein Ausblick auf die Handlung des nächsten PR-Zyklus darf nicht fehlen. Expose-Autor Robert Feldhoff bleibt dabei natürlich vage, aber ein Handlungsstrang wird recht düster, denn die Milchstraße erlebt mal wieder einen Eroberungsversuch. Aber auch die Beantwortung kosmischer Fragen wird weiter vorangetrieben. (Ob die Serie auch je nach Standpunkt besser oder schlechter wird oder gleich gut bleibt, das steht auf einem anderen Blatt.) Chefredakteur Klaus Frick schreibt über "Perry Rhodan" als Zeit- und Sozialphänomen, "Perry Rhodan" sei ein Spiegel der Hoffnungen und Ängste, aber auch der gesellschaftlichen Strömungen und Ideologien in Deutschland. "Mehr als den Autoren bewusst ist" wie KNF schreibt. Das Zusammenspiel von drei Gruppen hält die Serie am Leben. Die Haupthandlungsträger, die Figuren um Perry Rhodan, das Autorenteam und schließlich die Fans, die immer auch auf die anderen beiden Gruppen Einfluss nehmen konnten und können. Ein kurzer Artikel, der gut etwas ausführlicher hätte sein können.

Ein kurzes Interview über den erneuten Start der Serie in Brasilien zeigt, dass man die landesspezifischen Bedingungen des Verlagswesens und den Kenntnisstand der Fans berücksichtigen muss, um eine Serie wie Perry Rhodan auf dem Markt auch richtig zu platzieren. Auch hinsichtlich der weltweiten Verbreitung der Serie muss man sagen: Perry Rhodan ist ein Global Player. Und man will in andere Medien expandieren. Langsam gewinnen die Pläne, "Perry Rhodan" zu verfilmen Gestalt - zumindest in Entwürfen, die im Magazin auch zu sehen sind. Da mag es angebracht sein, auf die bisherigen unrühmlichen und unvollendeten Verfilmungsversuche einzugehen. Thorsten Dewi bringt sein Hintergrundwissen ein und geht ausführlich auf die italienische Produktion eines Perry Rhodan-Kinofilmes ein, als auch auf die Amateurfilm "Der Einsame der Zeit" vom Fan Hans-Joachim Thunack. Gut zu lesen. Dewi kommt zu der Ansicht, dass der Aufwand und die Wahl der Stoffes für das Drehbuch die größten Schwierigkeiten bereiten werden. Immerhin arbeitet die Produktionsgesellschaft MME eng mit dem Verlag und Autorenteam zusammen und man will auch die Fans miteinbeziehen.

Am besten am ganzen Magazin hat mir jedoch die Geschichte von Andreas Eschbach gefallen. Eschbach zeigt Terrania des 5. Jahrtausends (etwa zur Zeit der gegenwärtigen Serienhandlung) aus der Sicht eines "Normalterraners" und macht es so anschaulich. Ein schwarzer Bayer in Lederhosen forscht nach den Ursprüngen seiner Identität und erlebt so Überraschungen. Die Geschichte las sich vergnüglich und führt unaufdringlich Rassismus ad absurdum. Man bekommt auch den Eindruck, dass die Serie, bzw. das Universum den Rahmen für viele gute Geschichten liefern kann, auch ohne dass das Schicksal der Menschheit gleich auf dem Spiel steht.

Das Magazin präsentiert Perry Rhodan jung-dynamisch, aufgeschlossen und auf der Höhe der Zeit. Es geht mit Perry Rhodan munter in eine multimediale Zukunft, und man fühlt sich in der deutschen SF-Landschaft fest verwurzelt. Letzteres ist ja auch tatsächlich der Fall. Selbstkritik kann man höchstens zwischen den Zeilen lesen und ist eigentlich in einem solchen Public Relation-Produkt auch nicht zu erwarten.

Alles in allem erfüllt dieses Magazin seine Funktion recht gut, es ist ansprechend aufgemacht, es bedient die Neugier der Fans, schaffte es aber auch, für die Science Fiction allgemein Interesse zu wecken.

Was mir noch aufgefallen ist: Außer Andreas Eschbach sind alle Autoren und Künstler jünger als "Perry Rhodan". Der Durchschnitt liegt etwa bei 36 Jahren. Eine Generation, die mit Perry Rhodan groß geworden ist und ihn als Bestandteil ihrer Biographie hat, bestimmt nun, wo es mit Perry Rhodan und der Science Fiction allgemein hingeht. So ist dieses Magazin für mich indirekt auch ein Dokument über den Generationswechsel in der deutschen Science Fiction.

Michael Baumgartner